Dem kanadischen Duo Cody Bowles und Kevin Comeau eilt nach den bisherigen Veröffentlichungen ein hervorragender Ruf voraus. Das Duo, das unter dem Namen Crown Lands auftritt, verbindet progressiven Sound, wie man ihn von Rush kennt, mit bluesigen Led-Zeppelin-Elementen. Bereits ihr Debütalbum brachte ihnen zwei Nominierungen für die kanadischen Juno Awards ein. Sie wurden als Newcomer des Jahres 2021 ausgezeichnet. Spätestens hier sind wir bei den Parallelen zu Rush. Das Trio gewann 1975 den gleichen Award. Genug der Vorrede: Was gibt es für eine musikalische Apocalypse?
Gewinnen Crown Lands mit Apocalypse die nächste Auszeichnung?
Die Frage bezüglich einer Nominierung für den Juno Award 2026 stellt sich eigentlich nicht. Bisher standen alle Veröffentlichungen auf der Nominierungsliste, haben jedoch nicht den ersten Platz erreicht. Hat Apocalypse das Zeug für den Titel?
Gerade einmal sieben Nummern sind auf der neuen Platte zu finden, darunter aber der Titeltrack, der fast die gesamte B-Seite einnimmt. Nach dem Intro ertönt Foot Soldier Of The Syndicate, bei dem die Vocals von Cody Bowles hervorstechen und die gesamte Nummer kompakt, aber trotzdem verspielt und mit einem Retroeffekt versehen aus den Boxen tönt. Rush sind ein Einfluss, aber genauso andere progressive Größen, allen voran aus den 70ern wie Yes oder Genesis. Spätestens beim nachfolgenden Through The Looking Glass fischen Crown Lands tief bei Led Zeppelin und Robert Plant dürfte mehr als nur Beifall klatschen. Viel besser lässt sich ein progressiver, bluesiger Rocktrack nicht darbieten.
Blackstar? Das ist doch ein Album von David Bowie. Soweit korrekt, die Platte erschien zwei Tage vor seinem Tod. Im 70er-Jahre-Rock bleiben Crown Lands, melodisch und eingängig, und der Name Greta Van Fleet dürfte vielen Rockfans durch den Kopf schwirren.
Pink Floyd meets Blondie? Comfortably Numb trifft auf Heart Of Glass? Teile von The Fall erinnern an die beiden Klassiker der 70er und 80er. Wie bei den vorherigen Stücken gelingt es Crown Lands, die Einflüsse geschickt zu verweben, sodass ein abwechslungsreiches Stück Musik entsteht, welches generationsübergreifend funktionieren sollte. The Revenants I liefert den Nachweis, dass das Duo nicht nur im Retrosound unterwegs ist. Die Ballade, nur begleitet von akustischen Gitarren in Verbindung mit dem hohen Gesang von Bowles, zeigt auf, mit welcher Vielfältigkeit Crown Lands agieren. Kein Song klingt wie der Nachfolger. Aber da kommt noch was.
2112 oder Apocalypse?
Mit einer Laufzeit von mehr als 19 Minuten ist der Titeltrack das Herzstück der LP. Der Anfang erinnert an Pink Floyd in einer rockigeren Variante. Wer nun auf die Idee kommt, das Stück mit dem Titeltrack 2112 von Rush zu vergleichen, findet den ersten Unterschied in der Laufzeit. 2112 ist circa 90 Sekunden länger. Apocalypse ist kein offizieller Mehrteiler, aber nach gut sechs Minuten dreht sich der Sound in den progressiven Part, um kurz darauf mit dem vorherigen Art-Rock-Teil zu verschmelzen. Irgendwo zwischen Yes, Rush und Led Zeppelin mit einer Prise Traumtheater und Folk-Rock-Anleihen erzeugen Crown Lands ein sehr spezielles Hörerlebnis, das sich immer wieder dreht und neue Ansätze der Hörerschaft kredenzt. Die knapp 20 Minuten vergehen wie im Flug und sind eine spannende Angelegenheit für Proggis.
Allerdings dürfte die lange Laufzeit dafür sorgen, dass nicht Prog-Rock-Fans irgendwann aus dem Longtrack aussteigen. Die verpassen ein 2026er-Highlight, wovon Bands wie Yes in der aktuellen Inkarnation träumen und selbst ein Einar Solberg (Leprous) Respekt zollen wird. Welche Band die Herren Alex Lifeson und Geddy Lee im kommenden Jahr mit auf ihre Tour nehmen müssen, hat sich spätestens mit der neuen LP von Crown Lands geklärt. Selbst den Vergleich zu einem legendären Titel wie 2112 müssen Crown Lands nicht scheuen. Es wäre wenig verwunderlich, würden die Juroren in Kanada das 2026er‑Release zum Rockalbum des Jahres erklären.
Hier geht es für weitere Informationen zu Crown Lands – Apocalypse in unserem Time For Metal Release-Kalender.



