Event: Time To Be Free Tour
Band: Dogma
Datum: 20.04.2026
Genres: Hard Rock, Heavy Metal
Besucher: ca. 400
Ort: Bahnhof Pauli, Hamburg
Kosten: VVK 29,50 €, ausverkauft
Setlist:
- Forbidden Zone
- Feel The Zeal
- My First Peak
- Made Her Mine
- Banned
- Fate Unblinds
- Carnal Liberation
- Ritual (Unreleased)
- Free Yourself
- Bare To The Bones
- Like A Prayer (Madonna Cover)
- Make Us Proud
- My Matricidal (Unreleased)
- Pleasure From Pain
- Father I Have Sinned
- The Dark Messiah
Nachdem der Autor Dogma bei W:O:A 2025 erstmals erlebt und ob der Energie, musikalischen Qualität und extravaganten Performance recht beeindruckt war, stand ein Besuch beim deutschen Tourstart in Hamburg außer Frage. Passgenau wurde kurz zuvor, am 3. April, mit Fate Unblinds eine neue, vielversprechende Single veröffentlicht.
Aber auch so war es bei Dogma seit dem Auftritt auf dem heiligen Acker nicht langweilig. Waren doch Ende Oktober Sängerin Grace Jane Pasturini sowie die beiden Gitarristinnen Amber Maldonado und Patri Grief aus der Band ausgestiegen und hatten das Management mit massiven Vorwürfen wie Manipulation, Missbrauch und Nichteinhaltung von Zusagen konfrontiert. Auch ein Mitbegründer hat sich inzwischen von dem „Konzept Dogma“ losgesagt. Und mit ehemaligen Mitgliedern die Band Vindicta ins Leben gerufen.

Unabhängig von diesen mysteriösen Hintergründen haben sich heute im Bahnhof Pauli knapp 400 Sünderinnen und Sünder eingefunden, um eine besondere Messe gelesen zu bekommen. Im Publikum auch einige aufwändig verkleidete Möchtegern-Nonnen und sogar ein amtlicher Ghost-Doppelgänger.
Sie alle drängen sich nach Türöffnung in den kleinen Raum und harren gespannt einem zu erwartenden exzentrischen Abend entgegen. Um 20:10 Uhr erlischt dann auch das Licht und es ertönt mit Dios Holy Diver eine thematisch durchaus passende Hymne. Diese kommt allerdings vom Band einer „Sound Machine“ auf einem wackeligen Tisch am linken Bühnenrand, hinter dem zwei Mädels leicht unmotiviert herumtänzeln. Und es erweist sich, dass dies mitnichten ein Versehen ist, denn es folgen sechs weitere Songs aus der Konserve, ohne irgendeine Ansprache des Publikums. Wenn das die Fans anheizen soll – so funktioniert das nicht. Auf Ungläubigkeit folgen Unmut und erste Pfiffe. Aber die Farce wird bis 20:45 Uhr durchgezogen. So kann man sich auch eine Vorband sparen.

Nach einer 15-minütigen „Umbaupause“ – der Tisch (und die beiden Grazien) mussten von der Bühne und die beiden Rollups neben das Drumkit geschoben werden … – entert das Nonnengeschwader dann unter Applaus die kleine Bühne. Mit Forbidden Zone und Feel The Zeal legt das Quintett auch gleich ordentlich los, wie Sister Act auf Speed. Was folgt, sind 70 unterhaltsame Minuten, die perfekt nach St. Pauli passten. Die Performance besteht aus permanentem Räkeln, „Kniebeugen“ mit gespreizten Beinen, Lippenlecken und Elementen, die man im Umfeld des Spielbudenplatzes auch in einem anderen Gewerbe bekommen kann. Und die Frage, ob die Mädels dabei wirklich Spaß haben oder ein dubioser Mastermind sie auf die Bretter schickt, kann man zunächst auch nicht zweifelsfrei beurteilen. Gleichwohl ist die musikalische Qualität stark – My First Peak, Made Her Mine und auch Banned präsentieren sich als eigenständige und eingängige Hardrock-Hymnen. Mit zunehmender Dauer wächst bei den Mädels auch die Spielfreude erkennbar an. Das Publikum goutiert das Crescendo mit ebenfalls ansteigender Stimmung. Die visuelle Inszenierung ist ohnehin top. Outfits und Ritual-Look kommen live auf einer kleinen Bühne deutlich besser als im Mittagsregen von Wacken. Und die düstere religiös-okkulte Ästhetik zieht schon in den Bann. Mit Fate Unblinds feiert die frisch veröffentlichte Single ihre Live-Feuertaufe und besteht bravourös. Noch frischer sind die bislang unveröffentlichten Ritual (so steht es zumindest auf der Setlist) und My Matricidal, die sich gut in die Setlist integrieren. Aber auch hier stellt sich immer wieder die Frage, welche Parts live gespielt und wie stark Instrumentalspuren verstärkt werden. Ausgesprochen sympathisch kommen die Ansagen von Sängerin Lilith zwischen den Songs an. Mit ihrem italo-deutschen Mix schafft sie nicht nur Lacher, sondern Nähe und Interaktion. Denn bei aller positiven Energie, die sie, Lamia – Lead Guitar, Rusalka – Guitar, Nixe – Bass, Abrahel – Drums, auf der Bühne entfachen, die Performance wirkt doch sehr durchchoreografiert und dadurch teilweise etwas künstlich. Die Fans scheinen sich daran nicht zu stören. Spätestens beim Madonna-Cover Like A Prayer brennt die Hütte. Und zwischendrin die Kerzen – auf dem Geburtstagskuchen von Basserin Nixe, die das „Happy Birthday“ der Fans sichtlich gerührt annimmt. Und als Dogma mit dem starken Father I Have Sinned und The Dark Messiah enden, sind sowohl die Nonnen im Publikum als auch auf der Bühne geschafft und glücklich. Ein kleiner Wehmutstropfen bleibt. Denn trotz aller Rufe lassen sich die Damen nicht zu einer Zugabe erweichen. Sie haben einfach keine Songs mehr, erklärt der Tourmanager dem Autor …
Fazit: Die „neuen“ Dogma wirken live deutlich härter als auf Platte – die Gitarren sind rauer und der Groove aggressiver. Nach einer Aufwärmphase ist die Band sehr interaktiv und musikalisch wirklich gut. Die Show präsentiert sich künstlerisch-visuell hochprofessionell als eine Art Carnival Of Sin mit viel Theatralik, aber häufig wiederkehrenden Gesten. Man darf gespannt sein, wohin sich dieses Projekt in Zukunft entwickeln wird.















