Candlemass – Psalms For The Dead

“Ein würdiger Abschied?“

Artist: Candlemass

Album: Psalms For The Dead

Spiellänge: 50:13 Minuten

Genre: Doom Metal

Release: 08.06.2012

Label: Napalm Records

Link: http://www.candlemass.se/

Bandmitglieder:

Bass – Leif Edling
Schlagzeug – Jan Lindh
Gitarre – Mats „Mappe“ Björkman
Gesang – Robert Lowe
Gitarre – Lars “Lasse” Johansson

Tracklist:

  1. Prophet
  2. The Sound Of Dying Demons
  3. Dancing In The Temple (Of The Mad Queen Bee)
  4. Waterwitch
  5. The Lights Of Thebe
  6. Psalms Of The Dead
  7. The Killing Of The Sun
  8. Siren Song
  9. Black As Time
Candlemass_Psalms_Cover

Seit vielen Jahren begleiten uns Candlemass nun schon mit ihrer Musik und überwanden im Laufe der mittlerweile 27 Jahren Bandgeschichte (das Vorgeplänkel nicht eingerechnet) alle teilweise schwerwiegenden Probleme. Das wohl bekannteste Problem der Band war definitiv die Trennung im Jahre 1994, die drei Jahre anhielt. Wirklich regeneriert hat sich die Band erst 2001 von der Trennung, fünf Jahre später wurde der Frontmann ausgetauscht, was für eine Band immer Schwierigkeiten bedeutet. Seitdem sind neben ein paar EPs und Livealben noch zwei weitere Alben erschienen. Psalms Of The Dead stellt das dritte Album mit dem mittlerweile gar nicht mehr so neuen Gesangsorgan dar und soll das abschließende Album der Band sein. Eine Auflösung ist nicht geplant, man möchte sich auf Liveauftritte fokussieren. Ob das gut geht, kann man erst in ca. zwei Jahren beurteilen, wenn die neuen Lieder nicht mehr neu sind und die eigene, sehr reichhaltige Discographie nur noch eingefleischte Fans anlockt.

Aber heute soll es hauptsächlich um Psalms For The Dead gehen: Der Waschzettel bietet einen guten Einstieg, da er zwei Lieder hervorhebt. Beim Opener Prophet muss ich der Werbung einfach zu 100% zustimmen. Dieses Lied stellt direkt ein Ausrufezeichen für den Doom Metal dar, mit Rock-Elementen und einem hämmernden Schlagzeug, wahnsinnig gut platziertem Gesang und einem noch besser gesetzten Gitarrensolo, unterlegt vom Keyboard, wird das Lied zu keiner Stelle langweilig und wird auch nach dem zehten Mal hören die ein oder andere Überraschung aufweisen. Das zweite beworbene Lied Dancing in the Temple (Of The Mad Queen Bee) ist für mich das schwächste Lied der ersten Albumhälfte: Ich weiß nicht, warum gerade dieses Lied hervorgehoben wird, The Sound Of Dying Demons oder das basslastige Waterwitch sind um Längen besser. Vor allem das Zweitgenannte ist für mich eines der Highlights der Platte, mit seinen Sprüngen zwischen sehr langsamen, zurückhaltenden Stellen und dem in Kontrast stehenden Mittelteil, der wieder mal mit einem schön kreischenden Solo aufwartet. Candlemass schaffen es, wie kaum ein andere Band, verschiedene Geschwindigkeiten und Einflüsse in einzelnen Liedern zu vereinen, ohne dabei den roten Faden zu verlieren.

Die zweite Hälfte (ja, ich weiß, bei neun Liedern ist das fünfte Lied eigentlich nicht das Bergfest) beginnt mit einem kurzen Keyboardintro bevor The Lights of Thebe richtig loslegt. Hier werden wieder einige sehr eingängige Doom Metal-Riffs verbraten und immer zum richtigen Moment durch den nächsten, steigernden Riff ausgetauscht. Vor allem in diesem Lied zeigt der Sänger seine Stärke: Seine Stimme hat eine wahnsinnige Reichweite und Lowe weiß genau, wann er mit wie viel Emotionen singen muss, um den Liedern noch mehr Dynamik einzuhauchen.

Sowieso merkt man, dass hier Profis am Werk sind: Jedes Lied hat sein Alleinstellungsmerkmal. Der Titeltrack Pslams For The Dead bietet zwar ähnlich wie Waterwitch anfangs zwei zurückhaltende Parts, diesmal allerdings mit Fokus auf die Gitarre und das Keyboard und einen unerwarteten Bruch zur Hälfte des Liedes, der ein Solo mit sich bringt, bevor die Anfangsidee von einem anmutig singenden Lowe wieder aufgegriffen wird und das Lied mit einem weiteren Solo dem Ende gegengetragen wird.

Das letzte Drittel (diesmal passt es wirklich) beginnt mit einem Lied über das Sonnentöten (The Killing Of the Sun). Ich bin mal wieder nicht in der Lage, den kompletten Text herauszuhören, trotz des sehr gut verständlichen Gesanges, da mein Hörfokus regelmäßig zwischen den Instrumenten springt und ich so den Worten nicht immer folge. Nichtsdestotrotz ein tolles Lied, von Füllern ist weit und breit nichts zu hören.

Siren Song beginnt mit elektronischen (und bisher noch nicht genutzten) Klängen bevor es stampfend zurück ins Doom Metal-Gefilde geht. Das Keyboard stampft überraschenderweise mit, was dem Lied am Anfang einen frischen Anstrich verleiht, da es im Kontrast einen hohen, eher rockigen Klang nutzt. Tolle Idee gut umgesetzt. Allgemein ist der Song das aus Keyboardsicht stärkste Lied, da das Keyboard (endlich) seinen Solopart erhält, der ebenfalls an Rock erinnert und vor allem Live eine Granate sein dürfte.

Zum Abschied von den Studioproduktionen liefert Candlemass das Stück Black As Time, welches mit einer Ansage beginnt, in der Zeit als der Feind von jedem erklärt wird. Wie immer wird jedes Wort wahnsinnig gut betont, als ob Lowe sein Leben lang nur gelernt hätte, perfekt zu intonieren. Nach zwei Minuten des Rhetorikunterrichtes erklingt dann ein kurzer, Candlemass typischer Riff in voller Besetzung, bevor es, von einer Bassstelle eingeleitet, zu einem Solo übergeht, das erst von der Gitarre begonnen, danach vom Keyboard beendet wird (aber nicht in der Art und Weise wie bei Siren Song). Das Lied und damit das Album wird nach einer weiteren, diesmal aber sehr kurzen, gesprochenen Äußerung über die Zeit mit einer zum Riff tickenden Uhr beendet. Besser kann man einen Abschied von der kreativen Phase seines Lebens nicht gestalten.

Fazit: Wenn das kein würdiger Abschied ist, was dann? Stellt euch vor, Lulu von Metallica wäre das Abschiedsalbum von genannter Band. Wie würde man in 10 Jahren über Ulrich and Friends reden? „Die waren mal gut, bis sie ihren Songwriter verloren haben und mit einer Unverschämtheit von der Bildfläche verschwanden“. Und jetzt stellt euch vor, Psalms For The Dead ist das genaue Gegenteil! Von der ersten bis zur letzten Sekunde ein wunderbares Doom Metal-Album, das an keiner der Krankheiten dieses Genres leidet und immer spannend bleibt. Ob dieses Album demnächst zu den „ganz großen Klassikern der Bandgeschichte“ zählen wird, wie versprochen? Keine Ahnung, aber das Potential ist vorhanden!

Fazit: Wenn das kein würdiger Abschied ist, was dann? Stellt euch vor, Lulu von Metallica wäre das Abschiedsalbum von genannter Band. Wie würde man in 10 Jahren über Ulrich and Friends reden? „Die waren mal gut, bis sie ihren Songwriter verloren haben und mit einer Unverschämtheit von der Bildfläche verschwanden“. Und jetzt stellt euch vor, Psalms For The Dead ist das genaue Gegenteil! Von der ersten bis zur letzten Sekunde ein wunderbares Doom Metal-Album, das an keiner der Krankheiten dieses Genres leidet und immer spannend bleibt. Ob dieses Album demnächst zu den „ganz großen Klassikern der Bandgeschichte“ zählen wird, wie versprochen? Keine Ahnung, aber das Potential ist vorhanden! Anspieltipps: Waterwitch, Prophet, The Killing Of The Sun
Gordon E.
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