Bei 36 Jahren Abwesenheit von einer Pause zu sprechen, ist wie ein Triangel als Heavy-Metal-Instrument zu bezeichnen. Doch die belgischen Thrasher Cyclone sind dem Grabe entstiegen. 36 Jahre nach ihrem doch eher überflüssigen Zweitwerk Inferior To None und ihrem Kult-Debüt Brutal Destruction von 1986. Um diese „kurze“ Auszeit noch zu toppen, tut der Fünfer auch noch so, als wäre nichts gewesen, und macht mit Known Unto God ganz locker dort weiter, wo er mit seinem Auftakt begonnen hat.
Aus dem vergangenen Jahrtausend ist nur noch Shouter Guido Gevels übriggeblieben. Zusammen mit den neuen Weggefährten Maxime Deschamps (Lead-Gitarre), Jesse Van Den Bossche (Rhythmus-Gitarre), Vincent Heyman (Bass) und Gabriel Deschamps (Schlagzeug) lässt er die naiv verklärte Frühzeit des extremen Metals wieder aufleben. Auf den fünf neuen Tracks ist kein modernes oder zeitgemäßes Handwerk zu erkennen. Die 20 Minuten klingen wie, gut vorbereitet, live im Proberaum mit Holzvertäfelung eingespielt. Sie versprühen den Sound und den Charme der zweiten Hälfte der 80er: direkt, roh, holprig, aggressiv, ausverfälscht und ideenlos.
Mit einem Zyklon aus den 80ern ins Jetzt gefegt
Ideenlos hört sich fies an, ist aber im positiven Sinne zu verstehen. Cyclone ballern all die schönen Sachen aus der guten, alten Zeit raus: schnelle Riffs, einen Up-Tempo-Beat, bollernden Bass, keifend heiseres Shouting und Texte, die gestern wie heute aktuell sind. Dass sich Cyclone nicht weiterentwickelt haben, ist ganz okay, denn schon der Opener Eliminate ist mit seinem Martinshorn-Riff wie aus einem anderen Äon ins Jetzt teleportiert. Dazu das wütende Gekeife von Gevels und der simple, aber präzise Refrain – so waren die 80er.
Der Titelsong und I Fear Myself sind vom gleichen Kaliber, old schoolige Thrasher. Doch mit Nothing Is Real haben sich Cyclone aus ihrer Komfortzone begeben. Das Stück stampft und groovt fünfeinhalb Minuten lang wie Exodus oder Overkill in ihren besten Tagen. Obendrein geht Gevels mutig aus sich heraus, klingt dabei ebenso stark expressiv over-the-top wie Hardcore-Ego-Monster Harley „Cro-Mag“ Flanagan oder Chaka Malik, der den beiden New-York-Hardcore-Bands Burn und Orange 9mm vorstand. Verfeinert mit gekonnten Soli und einem psychotischen Ausklang ist der Song Grund genug, sich diese EP zuzulegen. Stück Nummer fünf, The Truth Lies, ist dann noch einmal ein knackiger Tritt in den Arsch.
Hier geht es lang für weitere Informationen zu Cyclone – Known Unto God in unserem Time For Metal Release-Kalender.



