Das Interview mit Fynn Grabke von The Picturebooks am 10.04.2019 im Kölner Club Volta

Das Interview mit Fynn Grabke wurde zu einer großartigen Story über Leben, Einstellung und Musikbusiness von The Picturebooks.

Bandmitglieder:

Gitarre, Gesang – Fynn Grabke
Schlagzeug, Hintergrundgesang – Philipp Mirtschink

Heute Abend steht das Konzert von The Picturebooks in Köln im Club Volta an. Über das Label wurde ein Interview mit der Band vereinbart. Vereinbarungsgemäß bin ich vor dem heutigen Gig von The Picturebooks im Club Volta. Wie im Vorfeld vereinbart, treffe ich Claus, den Tourmanager und Vater von Fynn Grabke, der mich cool und total freundlich empfängt und mich direkt Backstage zu seinem Sohn Fynn bringt. Auch Fynn ist sehr cool und total nett und gibt mir zu meinen geplanten Fragen gerne Auskunft. Das Interview wird durch die aufgeschlossene Art und die ausführlichen Antworten regelrecht zu einer kleinen, coolen Story, die viel über das Leben und die Einstellung der Band preisgibt.

Time For Metal / Jürgen Simon

Hallo Fynn, schön dich und deine Band The Picturebooks wiederzusehen und danke, dass du dir heute für ein Interview Zeit genommen hast.
Ich habe euch das letzte Mal auf der Tour von Clutch am 04.12.2018 hier in Köln in der Live Music Hall gesehen. Wie ging es nach Köln weiter? Habt ihr Clutch bei der kompletten Tour begleitet? Auch den Teil der Tour von Clutch in den USA?

The Picturebooks / Fynn Grabke

Die USA Tour haben wir nicht gemacht, wir waren zu dem Zeitpunkt auf Kanada Tour mit Monster Truck. Wir haben die ganze Tour mit Clutch hier in Europa gemacht. War super, echt super erfolgreich für uns. Wie gesagt, dann waren wir in Kanada und jetzt machen wir hier unsere eigene Tour. Das ist für uns eigentlich ein kontinuierliches Touren. Wir spielen so ca. 200 Konzerte im Jahr weltweit. Für uns ist jetzt diese Headliner Tour, die nur einen Monat ist, fast wie Urlaub. Das sind wir eigentlich gar nicht gewohnt.

Time For Metal / Jürgen Simon

Fynn, beim Konzert in der Live Music Hall im Dezember hattest du ja schon angekündigt, dass ihr im Frühjahr wieder in Köln, dann mit einer Headliner Show seid. Du hast die Fans gebeten das eifrig weiterzusagen, damit dann auch viele kommen. Es ist zwar eine andere Location, aber wie ist es jetzt wieder hier zu sein? Was meint ihr, werden viele kommen, die im Dezember dabei waren. Gibt es in Köln eine Fanbase?

The Picturebooks / Fynn Grabke

Jetzt nur auf Köln gesehen, oder auch generell, The Picturebooks haben schon immer mit Mundpropaganda und sozialen Medien und Co. funktioniert. Wir haben eigentlich wohl den komplizierteren und längeren Weg gewählt, weil wir ganz an den Weg glauben, dass man sich einfach ein Publikum erspielen muss. Das ist eine Sache, die wir immer schon so angedacht haben. Das ist der Mix aus dem Versuch einen Support Act für eine größere Band und eine eigene Headliner Show zu machen. Halt immer zu sehen, wo stehen wir jetzt gerade. Das haben wir in Köln schon mal durchgezogen, über MTC, Blue Shell und Co. Wir arbeiten uns sozusagen hoch. Art Theater ist was, was uns immer sehr viel Spaß gemacht hat. Einmal als eigene Band, dann als Support, dann wieder als eigene Band und dann ausverkauft! So ist die Band immer natürlich am wachsen. Es spricht sich rum, dass man The Picturebooks einfach mal gesehen haben muss. Das ist anscheinend etwas anderes, unsere Show. Anscheinend ist es was, worauf die Leute Bock haben. Es kommt öfter vor, dass uns Leute sagen, dass es einfach erfrischend ist, auf unsere Shows zu gehen, da es nicht das Gleiche ist – es einem das Gefühl gibt, Teil der ganzen Show zu sein. So fühlen der Philipp und ich das auch, dass nicht nur wir performen, sondern dass das Publikum total mit zur Show gehört. Ich nehme mal das Beispiel Barcelona, wo wir vorgestern gespielt haben. Das war auch ausverkauft, es ging viel schief für uns. Wir hatten extrem viele Monitorprobleme. Echt so einen Kleinscheiß, der uns hinter den Kulissen echt was die Laune weggenommen hat und dann am Set zu so einem kleinen Tief geführt hat. Die Fans haben auf einmal das ganze Ding umgedreht, mich hochgetragen, einmal durch den ganzen Saal getragen. Ich habe das noch nie im ganzen Leben gemacht. Ich bin jetzt auch nicht der Typ, der so auf die Showeinlagen (Surfbrett über den Leuten oder Schlauchboot) und dem ganzen Tralala steht, also alles, was die Bands sich alles ausdenken, um Show zu machen. Aber wenn ein Publikum sich selbst ausdenkt, so was mit dir zu machen, dann ist das total geil, wenn man merkt: wir sind jetzt alle Teil von so einem Ding, wir schwimmen hier gemeinsam. Meine/unsere Lebensphilosophie ist, dass wir alle eins sind, ein Rhythmus, ein Ganzes, in solchen Momenten spürt man das sehr extrem, das ist dann sehr, sehr wild.

Time For Metal / Jürgen Simon

Wo wird euch eure Tour überall hinführen?

The Picturebooks / Fynn Grabke

Die geht durch ganz Europa. Sie hat gerade in Spanien angefangen, geht hoch bis Stockholm, geht nach Osteuropa, Deutschland, Österreich, Schweiz, Benelux (außer Lux) und nach UK. Das ist echt lustig, egal wie groß die Tour ist. Wir hatten jetzt letztes oder vorletztes Jahr eine 60-tägige Europatour angekündigt, wo man versucht wirklich jedes Gebiet abzuklappern. Die ersten 30 Kommentare auf Tourposts sind dann einfach immer nur Städte, die man nicht spielt. So ein Running Gag für uns ist dann immer: What about Ireland oder was ist mit Griechenland oder Mexiko – Fragezeichen!? Man kann halt echt nicht immer jeden glücklich machen. Da merkst du die Power des Internets. Man hat halt ein Sprachrohr, was so viel weiter geht, als man sich irgendwie vorstellen kann. Wir haben zuletzt mal nachgeschaut, wir haben unheimlich viele Follower in Thailand.

Time For Metal / Jürgen Simon

Also, mir geht das eigentlich auch immer so, wenn ich nachschaue und sehe eine Band ist unterwegs, die ich unheimlich geil finde und sehen möchte. Ich sehe dann den Tourplan und merke Köln, Wiesbaden oder Frankfurt ist nicht dabei, dann schreibe ich unter den Post auch immer drunter: „Mein Gott, wieso kommt ihr denn nicht nach Köln, Wiesbaden oder Frankfurt“. Das ist schon irre!

The Picturebooks / Fynn Grabke

Ja, das ist einfach irre! Also ich freue mich immer, wenn Bands nach Deutschland kommen und die spielen mehr als einfach nur Hamburg, Berlin, Köln, München. Das sind einfach nur diese vier Dinger. Irgendein Booker hat sich das mal ausgedacht. Dahinter steckt wohl die Idee, dass zum Beispiel ein Düsseldorfer sich nicht mehr darauf berufen kann, dass eine Band nach Düsseldorf kommt. Der muss dann nach Köln fahren. Und alle aus dem Ruhrgebiet wissen dann schon, du brauchst gar nicht da auf Konzerte zu warten, du musst nach Köln oder gehst gar nicht. Ich finde das extrem nervig. Es gibt so viel geile Clubs und so viel mehr Leute. Zum Beispiel, wer aus Gütersloh kommt. Ich bin vlt. mal von da aus auf zwei Shows gefahren, um die jeweilige Band unbedingt mal mir anzuschauen. Ansonsten denke ich mir: ich fahre jetzt nicht von Gütersloh nach Köln, um eine Show zu gucken.

Time For Metal / Jürgen Simon

Ich sage mal so: Wenn du in Koblenz wohnst (wie ich), bleibt dir nichts anderes übrig!

The Picturebooks / Fynn Grabke

Ja, du weißt, was ich meine, was ist bei uns um die Gegend Gütersloh Größeres in der Nähe? Du hast Hannover und du hast Bielefeld, was in 10 Minuten zu erreichen ist. Du hast das ganze Ruhrgebiet um die Ecke und Co. Also wir versuchen, mit The Picturebooks da immer eine Abwechslung rein zu bekommen. Klar, kann man nicht immer alles bedienen. Und klar muss man auch strategisch denken und klar kannst du nicht auf einer Tour Frankfurt und Wiesbaden spielen. Aber das haben wir auch schon gemacht und beides war topp besucht, beides war ausverkauft. Wenn du das Gewicht hast und du es schaffst für die Leute so wichtig zu sein, dass sie es sogar teilweise zweimal gucken. Wir haben schon Leute bei den Shows, die uns bereits 7 oder 8 mal gesehen haben und die immer wiederkommen. Die sagen, sie haben jedes Mal wieder das Gefühl eine neue Band zu entdecken, weil sich unsere Show immer so wandelt. Das ist schon interessant für eine Band in unserer Größe, so enge Fans zu haben. Fans, die so eng da dran sind und so extrem mitfühlen. Wir haben weit über 100 Leute, die unser Bandlogo tätowiert haben. Also so richtige Die Hard Fans.

Time For Metal / Jürgen Simon

Das hört sich ja richtig geil an. Ich habe gerade von einem Kollegen von mir mitbekommen, dass er sich ein Ticket von Metallica gekauft hat, womit er auf alle Konzerte auf der Tour gehen kann. Also ein Ticket für alle Konzerte!!! Wäre ja dann auch wohl was für euch!?

The Picturebooks / Fynn Grabke

Das sind natürlich Sachen, um ehrlich zu sein, die nicht so unseres sind. Da gibt es natürlich so Ideen, wie zum Beispiel zum Release allen preorder Bestellungen etwas dazu zu schenken. Das sind natürlich alles letztlich nur Taktiken. Wir glauben nicht an Taktiken. Taktiken sind oft sehr nahe an einer Lüge dran und auch hinterlistig. Alles, was wir machen, ist ehrlich. Alles, was wir machen wollen, soll ehrlich sein. Wir wollen nur für die Wahrheit stehen. Ich will zum Beispiel dir hier jetzt im Interview nicht etwas sagen und umschmücken und im nächsten Interview sage ich irgendetwas anderes. Und ich lese es hinterher durch und merke dann, dass ich an etwas rumgedreht habe. Es geht nicht darum, was andere darüber denken, sondern was ich für mich darüber denke. Ich selbst könnte nicht damit leben. Dementsprechend sind wir immer ehrlich, auch damit was Verkaufszahlen angeht, was alles angeht. Ich glaube, das merken die Leute auch.

Time For Metal / Jürgen Simon

Anfang März ist euer neues Album The Hands Of Time veröffentlicht worden. Ich durfte dazu ein Review in Time For Metal machen. Also ich war mit dem Album sehr zufrieden 9.1/10 Punkten. Wie zufrieden seid ihr mit dem Album? Wie verkauft es sich? Ich habe irgendwo (glaube bei facebook) mal ein Bild gesehen, wo ihr mit einer Palette von Platten des neuen Albums abgelichtet seid! Ist das richtig?

The Picturebooks / Fynn Grabke (lacht)

Ja, das ist richtig, wir machen ja unseren eigenen Onlinestore. Wir machen alles gerne alleine, alles was wir alleine machen können. Wir geben sehr ungerne Sachen aus unserer Hand. Wir haben sehr wenig Vertrauen in Menschen in diesem Geschäft. Wir sind halt eben zu oft verarscht worden. Ich hatte ja bereits mit 16 Jahren meinen ersten Plattenvertrag unterschrieben, auch mit The Picturebooks. Bei Noisolution in Berlin damals. Arne Geesemann ist das, der bis heute der Nummer 1 Mensch für mich ist in diesem Geschäft, wenn ich Fragen habe. Neben meinem Vater ist er der Typ, dem ich da glaube. Ich finde, dass er einer der ehrlichsten Menschen ist. Dementsprechend sind solche Entscheidungen der Band, wie einen eigenen Onlineshop zu führen, ganz klar. Wenn jemand bei uns online bestellt, kann er im Infotext Wünsche äußern. Zum Beispiel, was er unterschrieben haben möchte, oder wie er es unterschrieben haben möchte. Das machen wir für jeden einzelnen Fan immer gerne. Es gibt auch immer kleine Geschenke mit dabei. Ich will jetzt nicht für unseren Onlinestore werben, ich will damit nur sagen: Das sind so Sachen, auf die stehe ich bei anderen Bands. Das möchte ich weitergeben, das macht mir eine Freude.
Alles bei dieser Band (The Picturebooks) ist ein Familienbetrieb. Den Onlinestore vertreibt meine Frau. Wir leben alle zusammen. Wir haben alle, wenn wir zu Hause sind, zusammen Mittagessen. Meine Eltern, meine Großeltern, Philipp (der Drummer) wohnt bei mir. Meine Frau, ich, unsere Tiere – wir leben alle zusammen. Es ist wirklich fast schon ein kommunales Leben, wie man das vlt. aus Hippie Storys kennt. Das macht halt mega Spaß.
Das Album hatte für uns relativ schnell den Moment, wo für uns klar war, dass alles das, was von jemand anderem darüber geschrieben, gedacht oder gefühlt wird, uns einfach so egal ist (das war es mir vorher noch nie so). Einfach egal, ob das jemand gut oder schlecht findet. Ich bin mit 110 Prozent happy damit, was wir da gemacht haben. Das ist das Ehrlichste, was ich je geschrieben habe. Es ist das Beste, was wir je herausgebracht haben. Jeder Millimeter vom Cover, die Videos, die Songs, jede Entscheidung war perfekt. Wir sind noch nie so schnell fertig mit einem Album geworden. Gleichzeitig haben wir noch nie so hart gearbeitet. Wir haben, vlt. im Gegensatz zu anderen Künstlern, ganz klare Arbeitszeiten am Tag gehabt. Wir haben eine richtige Tagesroutine gehabt. Wir haben dem Kopf gesagt: Es gibt eine Zeit, in der du kreativ sein musst und es gibt eine Zeit, in der Kreativität nichts zu suchen hat, wo du dann wirklich wie ein Roboter dann deinen Scheiß machst. Ich habe wirklich mit einem Stundenplan gearbeitet. Einfach nach dem Motto: Dann mach ich das und dann mache ich das. Das war unglaublich, wie die Birne dann in den Zeiten, in denen Kreativität gefragt war, an war und total sensibel und feinfühlig war für Inspirationen. Das war wirklich wie so ein Käfer, der die Fühler ausstreckt und dann alles aufgegriffen hat. In diesen Zeiten, wo ich nicht kreativ war, hat der Kopf eigentlich alles aufgenommen wie ein Schwamm. In den kreativen Phasen habe ich dann das alles total geil rauslassen können.
Zu solchen Sachen wie Verkaufszahlen, da zählt für mich auch die Ehrlichkeit, wir hatten eben schon einmal über Ehrlichkeit geredet. Ich muss dir sagen, ich habe ehrlich keine Ahnung. Die Verkaufszahlen sind wahrscheinlich wie alles heutzutage, was in diesem Bereich ist, erschreckend wenig. Aber ich kann nur sagen, unser Onlinestore und das Merch hier auf unseren Konzerten, das ist unsere Hauptfinanzquelle. Wir leben davon. Aber wir müssen dann halt auch 200 Konzerte im Jahr spielen.

Time For Metal / Jürgen Simon

Wann habt ihr überhaupt Zeit gehabt The Hands Of Time aufzunehmen? Ihr Jungs seid ja eine richtige Touring Band. 350 internationale Gigs in den letzten Jahren. Da seid ihr doch eigentlich nur unterwegs. Wie schafft man es, da noch nebenbei ein Album fertigzustellen? Wo kam die Idee fürs Album her?

The Picturebooks / Fynn Grabke

Zu dieser Zeit im letzten Jahr waren es tatsächlich eigentlich nur Festivals oder Wochenendsachen, die wir gespielt haben. So hatten wir am Wochenende immer Konzerte und konnte während der Woche unseren strikten Plan einhalten. Was natürlich nicht einfach ist. Du bist nicht nach einem Festivalwochenende montags um 09:00 Uhr oder 10:00 Uhr im Studio auf der Matte und kannst direkt abliefern. Außerdem müssen wir ja auch noch den ganzen Bürokram machen, der dann noch dazukommt und die ganze Buchführung. Das hört sich jetzt vlt. nicht alles so Rock ’n‘ Roll an, aber das ist einfach sehr viel Arbeit Rock ’n‘ Roll sein zu können. Und das ist sehr harte Arbeit, etwas leicht aussehen zu lassen. Aber das ist etwas, was wir ausgewählt haben. Alles ist besser, als in einem 9-5 Job zu verkümmern. Also für uns zumindest. Wir, mein bester Freund (Philipp) und mein anderer bester Freund (mein Vater), sind gerade dabei jeden Tag unseren Traum zu leben. Wir wissen das sehr, sehr zu schätzen. Wir sind auch jeden Tag sehr dankbar dafür. Dementsprechend sind diese Momente, wo es mal schwerer ist, eigentlich eher etwas Positives. Da sagt man zu sich selbst: Ich bin dankbar. Ich habe totalen Respekt vor jemandem, der sagt: meine Berufung ist den und den Schulabschluss zu machen, das zu studieren oder direkt in die Lehre zu gehen, usw. Also eine klare Idee zu haben. Und dem sehr diszipliniert nachzugehen. Da habe ich totalen Respekt vor. Für mich war es eine andere Erwägung/Entscheidung und da arbeite ich wahrscheinlich genauso hart dran, wie jeder andere für seinen Traum.

Time For Metal / Jürgen Simon

Ihr kommt aus Gütersloh.

The Picturebooks / Fynn Grabke

Ja, ich bin in Güterloh geboren, Philipp kommt eigentlich aus dem Osten, er ist in Bautzen geboren.

Time For Metal / Jürgen Simon

Die Platte klingt kein Stück nach Gütersloh, so will ich es mal sagen. Die klingt voll nach amerikanischem Blues Rock. Spiegelt sich da ein Lebensgefühl wider, macht sich da die Tourerfahrung bemerkbar? Habt ihr Kontakt zu anderen (amerikanischen) Blues Rock Bands?

The Picturebooks / Fynn Grabke

Also, wir leben ja halb in Amerika. Ich lebe seit 19 Jahren halb in Kalifornien und halb in Deutschland. Mein Papa war früher professioneller Skateboardfahrer. Er hat mich, seit ich 10 bin, immer dahin gebracht. Wir haben sehr viele Freunde, die wir auch Familie nennen. Wir haben dort ein komplettes Equipment, eine komplette Backline, einen eigenen Tourvan und alles Sonstige. Wir haben hier 7 Jahre in Deutschland, Schweiz und Österreich herumgekrebst und haben alles versucht, es zu schaffen. Wir waren damals noch zu dritt. Wir haben tausend Versuche unternommen, um auch ins Ausland zu gehen. In dem Moment, wo gehört wurde, dass wir aus Deutschland sind, wurden alle Türen zugemacht, keine E-Mails mehr beantwortet. Das hat genervt. Dann sind wir nach Amerika gegangen und haben eine einzige Show gespielt. Cedric Bixler-Zavala von At The Drive-In hat die organisiert. Der hat an uns geglaubt. Sehr früh sogar, auf Instagram haben wir uns kennengelernt. Der hat diese eine Show klargemacht. Das war eine ausverkaufte Show in Hollywood auf dem Hollywood Boulevard, also Klischee – mehr geht nicht. Eagles Of Death Metal kamen 10 Minuten vor Show Time an und haben gesagt: „Eh cooler Laden, wir wollen auch spielen, habt ihr was dagegen, wenn wir euer Equipment benutzen?“ Wir dann: „Äh, nein!“ Der ausgebuchte Laden wurde dann, nachdem sie dies getwittert hatten, dass sie dort eine Secret Show haben, nochmal dreimal so voll. Wie auch immer die das hingekriegt haben. Über Nacht hatten wir dann ein internationales Label, eine internationale Bookingagentur, ein internationales Management und waren seitdem, das ist jetzt ca. 5 Jahre her, bis heute unterwegs. Auf einmal waren wir eine amerikanische Band. Auf einmal war es in England überhaupt kein Problem mehr, irgendwo anzuklopfen. Generell in Europa dann überhaupt kein Problem mehr. Das war schon interessant. Das war eine Situation, wo man als Deutscher mal Faschismus gelernt hat, wie sich das anfühlt, auf eine ganz andere Art. Um Gottes willen, ich will jetzt nicht politisch werden. Kann auch sein, dass die uns einfach nur Scheiße fanden. Aber es ist schon lustig, dass alle, die vorher überhaupt nicht drauf reagiert haben, plötzlich sagen: „Ich wusste schon immer, dass ihr gut seid.“ Also alles nur so Ausreden!
Zum Einfluss auf unsere Musik kann ich nur sagen, dass der musikalische Einfluss einfach von überall kam. Ob das nun Hardcore oder Punkrock waren. Von Refused, Black Flag und Co. ging das bis hin zu Fiona Apple. Oder auch Beck, Katy Perry und hast du nicht gesehen. Gute Musik, halt alles, was gute Musik ist und ausmacht. Das kann ich erkennen und das kann alles sein. Wir hatten gerade eben schon drüber gesprochen. In allen Sachen kann man Gutes finden. Das Wichtige ist, dass man sich nicht nur auf ein Genre einstellt, sondern gute Musik danach beurteilt, ob sie gut gemacht ist, oder nicht. Da muss man sich nicht in einem Genre festlegen. Ob man nun nach Gütersloh klingt!? Wie klingt überhaupt Gütersloh und was klingt überhaupt amerikanisch? Ich meine, das sind alles Einwanderer gewesen, von denen wir da reden. Da können auch Gütersloher dabei gewesen sein (lacht).

Time For Metal / Jürgen Simon

Ich will nur so ein Beispiel nennen. Ich mag zum Beispiel Sludge, da bin ich ein richtiger Fan von. Für mich steht für Sludge New Orleans, Kirk Windstein und Crowbar. Es gibt aber auch richtig geile deutsche Sludge Bands. Wenn ich dann so was höre, dann sage ich: Boah, das hört sich nach New Orleans an. Ja und eure Sache, die hört sich so richtig staubig und so an. Das ist natürlich auch wieder irgendwie so ein Klischee.

The Picturebooks / Fynn Grabke

Ja klar, das hat uns natürlich inspiriert in dieser Zeit, wo wir aus Deutschland weg sind, als es damals so gestockt hatte. Wir waren sehr viel da (in den USA), haben keine Musik gehört, wir haben es uns richtig verboten, Musik zu hören. Auch, um wirklich jeden Einfluss anderer Bands wegzulassen. Wir haben uns einfach darauf zurückgezogen mit der Fragestellung, was sind wir eigentlich? Ich habe noch nie Blues gehört. Ich finde Standard Blues grausam. Ich finde, es gibt nichts Langweiligeres als eine Standard Blues Band. Eine Standard Blues Band in irgend so einer Bar kann richtig langweilig werden. Mittlerweile kenne ich natürlich viel mehr. Ich rede gerade von meinem Point Of View zu dieser Zeit. Dann haben wir auf einmal wieder angefangen Songs zu schreiben in diesen Jahren. Und auf einmal war Blues da. Ich kann keinen Akkord spielen, bis heute nicht. Alles, was ich da spiele sind Sachen, die ich mir ausgedacht habe. Auf einmal war da was, so ein Twang, irgendwas war da! Ich konnte es gar nicht benennen. Irgendwann sagten da Leute: „Das ist Blues, das ist super bluesig, was du da machst.“ Was macht denn Blues aus? Ich kann´s noch nicht einmal sagen. Ja, ich weiß mittlerweile, es gibt da irgendwelche Schemen, die dann einen Blues ausmachen. Das war für mich eine reine herzliche Sache, die da passiert ist, die null gelenkt war.

Time For Metal / Jürgen Simon

Das ist ja eigentlich Blues. Das macht den Blues aus!

The Picturebooks / Fynn Grabke

Ja!!! Das ist das, was ich dann irgendwann von den Amis gehört habe. Wir hatten da eine Show gespielt im Nirgendwo, in so einer crazy Bar, die heißt Bum Steer. Da steht so ein Typ vor mir, ein alter Mann mit weiß-grauem Hut, und meint: „Ich habe alles gesehen. Screamin Jay Hawkins und Co. Ich war von Anfang an dabei. Das letzte Mal, dass ich das gefühlt hab, was ich gerade gefühlt habe bei eurer Show, war, als ich Screamin Jay Hawkins damals gesehen habe.“ Und damals war das neu, da war der Blues neu. Da war es etwas, was nur vom Herzen kam. Das ist Blues, das ist keine Mathematik, sondern das ist ein Gefühl. Das fand ich interessant. Da habe ich erst einmal angefangen in den Blues reinzugucken, ob ich das überhaupt so gut finde, was da gerade mit mir passiert. Ich bin natürlich mittlerweile ein totaler Fan von diesen early Delta Blues Sachen. Auch cool was heutzutage passiert mit Blues. Es gibt ja mittlerweile mega viel, was von der Richtung inspiriert ist. Dann haben uns in Amerika natürlich extrem auch diese ganzen Ureinwohner Sachen inspiriert. Die Musik der Ureinwohner. Zu dieser Zeit haben wir ganz viele Freunde gewonnen, die Indianer sind, das ist vlt. nicht der politisch korrekte Ausdruck, also ich meine Native American. Die haben uns von ihren Stämmen aus eigene Instrumente gebaut. Diese Instrumente haben wir dann in unsere Musik eingebaut!

Time For Metal / Jürgen Simon

Manchmal hört man das in den Songs von Euch auch!

The Picturebooks / Fynn Grabke

Ja extrem! Ja, weil wir zu der Zeit extrem viele Freunde kennengelernt haben, die uns Instrumente gebaut haben. Wir spielen ja keine Becken. Dementsprechend haben wir sehr viel Percussion irgendwann eingebaut. Das hat mega Spaß gemacht, weil es einfach mal ein ganz anderer Aspekt war.

Time For Metal / Jürgen Simon

Kommen wir mal zurück zum Lebensgefühl. In euren Videos kommen immer Motorräder vor. Besteht da ein besonderer Bezug? Da gibt es ja auch einen Bezug/eine Geschichte zu Thunderbike / Harley Davidson! Ist das eine besondere Kooperation?

The Picturebooks / Fynn Grabke

Motorräder haben uns das Leben gerettet. In dieser Phase, die ich jetzt auch noch mal ansprechen musste, wo Musik für uns ein Problem wurde, wo keiner einfach zuhören wollte, haben wir voll den Spaß an der Musik verloren. Wir mussten halt was machen in den zwei Jahren, wo wir in Amerika waren und keine Musik gehört haben. Wir mussten einen Output finden, der nicht mehr diesen Druck hat, dieses „Abliefern müssen“. Dieses „du musst einen neuen Song schreiben, du musst was Geiles machen, du musst eine neue Idee haben“. In dieser Zeit haben wir sehr viel Motorräder gebaut und sind sehr viel Motorräder gefahren. Zu der Zeit haben wir angefangen Chopper zu bauen und sind einfach mit den Dingern in der Wüste rumgeballert oder auch hier in Deutschland mal. Das hat uns eine Menge Spaß gemacht. Irgendwann kamen auch Harley Davidson Maschinen mal dazu. Zuerst ganz alte Dinger. Die haben wir dann ein bisschen „hoch“ gebaut. Damit haben wir dann Wettbewerbe gewonnen. Harley Davidson hat dann irgendwann mal davon Wind bekommen. Wir bekamen irgendwann einen Anruf von denen, die wollten tatsächlich mit uns zusammenarbeiten. Die haben zu uns gesagt: „Könnt ihr das, was ihr mit den alten Dingern macht, auch mit neuen Dingern?“ Unsere Antwort war: „Ja, klar können wir!“ Dann war aber das Problem, dass die neuen Dinger sehr viel Elektrik haben. Also die alten Dinger haben so ca. 5 Kabel und die neuen Dinger haben so ungefähr 5 Kabel pro Knopf. Dann haben wir Thunderbike mit ins Boot geholt, die große Fans der Band sind. Wir haben zusammen zwei Bikes gebaut. Diese Zusammenarbeit mit Harley Davidson geht gerade weiter. Wir kriegen dieses Jahr wieder zwei neue Bikes, wir spielen zwei oder drei Harleyevents als Headliner. Das ist halt mega cool. Harley Davidson ist nicht eine Firma, die sich irgendwie doof einkauft. Das ist eine Firma, zu der wir extremst stehen. Der halbe Schrank ist eh voll mit Harley Shirts. Die fragen immer: „Braucht ihr Shirts?“ Wir immer: „ääh!?“

Time For Metal / Jürgen Simon

Ja kenne ich. Meine Frau schimpft immer: „Schon wieder ein T-Shirt.“ Ich: „Ja, haben die mir geschenkt.“ Sie: „Höre auf damit, wir haben doch sowieso keine Schränke mehr!“

The Picturebooks / Fynn Grabke

Ja, das ist irgendwie die entspannendste Partnerschaft, die wir je hatten. Die sind total locker, die stehen zu uns. Harley Davidson ist eine Firma, die auch mal so richtig Sachen wagen. Die hatten zum Beispiel jetzt 115 Jahre in Prag. Das war ein Riesenevent. Da haben am Samstag The Hives geheadlined. Harley Davidson haben sich dann einfach mal getraut, so eine Band wie uns am Freitag als Headliner spielen zu lassen vor einigen Tausend Leuten. Das ist aufgegangen, da ging es so was von ab. Das ist cool, das ist oft immer so eine Sache, wenn eine Firma sagt, ja wir unterstützen euch, aber wir wollen so viel abgrasen, wie es geht. Setz den hashtag oder mache das und das, so wie das heute halt funktioniert.

Time For Metal / Jürgen Simon

Ich schätze mal, das hat Harley Davidson nicht nötig.

The Picturebooks / Fynn Grabke

Ja genau! Die sagen: „Wir wollen einfach nur mit euch zusammenarbeiten. Was sollen wir euch da aufdrücken!?“ Das macht total Spaß mit Harley Davidson. Ich will jetzt null für die werben. Das ist einfach nur die pure Wahrheit!

Time For Metal / Jürgen Simon

Ihr habt The Picturebooks 2009 aus der Taufe geholt, ist das richtig?

The Picturebooks / Fynn Grabke

Ich glaube, da ist das erste Album herausgekommen, uns gibt es seit 2005.

Time For Metal / Jürgen Simon

Am Anfang war ja am Bass noch Tim dabei, der die Band kurze Zeit später verließ. Dann habt ihr im Anschluss ganz auf den Bass verzichtet. Haltet ihr es da genauso wie The Inspector Cluzo, mit denen ihr auf der Clutch Tour zusammen unterwegs ward, nach dem Motto: Fuck The Bassplayer!!! Oder wieso verzichtet ihr auf einen Bassplayer? (Wir lachen beide bei dem Vergleich zu The Inspector Cluzo.)

The Picturebooks / Fynn Grabke

Als Tim uns so ein bisschen Ge-YokoOno-d (Anm. der Redaktion: welch eine Wortschöpfung) hat, ist ein cut gewesen! Das ist eine andere Band! Unser Debütalbum ist Imaginary Horse. Davor, das ist eine andere Zeit gewesen. Der Tim ist bis heute unser bester Freund geblieben.

Time For Metal / Jürgen Simon

Ja das habe ich irgendwo gelesen. Und das ist wirklich so?

The Picturebooks / Fynn Grabke

Ja klar. Der ist immer in der ersten Reihe, wenn er irgendwo in der Nähe ist. Mit Tränen in den Augen. Er ist wirklich einer der wenigen Freunde, der sich bis heute zu 100 Prozent mit uns freut, dass wir da stehen, wo wir gerade stehen und worauf wir zusteuern. Es gibt genügend Leute, die man mit Erfolg verliert. Leute, die nicht so damit klarkommen. Das ist natürlich interessant. Eine Situation, die man auch erst einmal für sich lernen muss, dass ein Freund, der immer in schlechten Zeiten für dich da war, auf einmal nicht das wahre Glück mit dir teilen kann/mag. Da merkt man, ok in schlechten Zeiten für einen da zu sein ist manchmal einfach, weil man auf einem Egotrip ist und sich manchmal selbst auf die Schulter haut und sagt: „Ich war für den anderen da.“ Die Frage ist doch dann: War man wirklich da für den anderen, oder nur für sich selber!?
Aber zurück zu der Frage, wieso jetzt ohne Bass? Ja, wir haben uns dann irgendwann komplett neu erfunden. Philipp und ich sind die besten Freunde und verstehen uns so was von blind. Wir haben eh schon immer alles zusammen gemacht, es ging eh schon immer alles um uns beide. Das hatte der Tim auch erkannt. Der hat dann auch gesagt: Ich stehe euch eh nur im Weg.

Time For Metal / Jürgen Simon

Das fünfte Rad am Wagen!?

The Picturebooks / Fynn Grabke

Ja, oder das Dritte am Motorrad (wir lachen beide). Er ist auch nie Motorrad gefahren. Wir haben viele Leidenschaften, die wir nicht miteinander geteilt haben. Da haben wir uns, wie schon gesagt, komplett neu erfunden. Das ist zu zweit viel einfacher. Es ist finanziell viel einfacher. Wir sind eigentlich zu dritt nur unterwegs. Vater, Philipp und ich! Wir teilen uns immer ein Dreierzimmer. Gagen musst du nun durch weniger Leute teilen. Auf der Bühne kannst du vor jeder großen Band die Vorband machen. Wir bauen vorne vor dem Equipment der anderen Band auf. Wir bringen jedes Mikro mit, jedes Kabel, unser eigenes Mischpult. Was auch immer die machen, welchen Kreis auch immer, wir stellen uns in den Kreis. Gerade am Anfang hat das extrem geholfen, diese Art von Band zu sein. Jeder wollte das. Wir suchen auch Bands, wenn wir Vorbands suchen, die einfach sind, die jetzt nicht groß Aufstand machen. Wir können auch keine 6 Mann Band bei uns auf die Bühne packen. Das passt nicht.
Letztlich war die einzige Entscheidung, dass wir jetzt nur noch zu zweit die Band sind, weil es einfach so war. Weil kein anderer da war. Wir kommen aus Gütersloh, da gibt es keine Szene. Da gibt es keinen coolen Club. Das gab´s mal vielleicht, aber das ist alles tot. Da gibt es nur Altenheime und Industrie: Bertelsmann, Miele … Dementsprechend mussten wir uns komplett neu finden, haben dieses Studio gebaut und haben Motorräder darin gebaut. Ein eigenes Paradies aufgebaut. Da war nicht wirklich viel Platz für jemand anderes. Den hätten wir aus wer weiß wo einfliegen lassen müssen. Den gab es aber nicht in Gütersloh und in ganz Ostwestfalen wohl auch nicht!

Time For Metal / Jürgen Simon

Kommen wir mal zu Philipp. Philipp verzichtet an seinem Schlagzeug vollkommen auf den Einsatz von Becken. Dafür hat er einige Perkussionsinstrumente, die für die Höhen zuständig sind. Wieso der Verzicht auf Becken. Die anderen Perkussionsinstrumente, sind das Eigenbauten?

The Picturebooks / Fynn Grabke

In erster Linie war die Entscheidung dafür damals finanziell. Wir konnten es nicht mehr stemmen. Du hast ihn ja schon spielen sehen!!!

Time For Metal / Jürgen Simon

Stimmt! Der schlägt einfach alles kaputt! Hast ihn ja als The Beast vorgestellt!

The Picturebooks / Fynn Grabke

Das war wirklich ganz schnell, dass das finanziell nicht mehr machbar war für uns. Dann haben wir es versucht mit einem Sponsor. Den will ich jetzt nicht namentlich hier erwähnen, denn was die dann mit uns gemacht haben, war ein bisschen eklig. Nach einer Woche wollten wir wohl zu viele Becken, weil die vorhandenen Becken halt in dieser einen Woche alle komplett zerstört waren. Nach der dritten Bestellung wurde dann gesagt: es reicht jetzt! Mit denen konnten wir dann natürlich nicht weiter arbeiten. Das war dann für uns der Punkt, wo wir uns gesagt haben, wie läuft das jetzt weiter. Tim hatte gerade die Band verlassen. Wir mussten einfach mal die Box von außen sehen. So ist das dann entstanden. Weniger ist mehr!

Time For Metal / Jürgen Simon

Das finde ich sehr interessant. Da wäre ich nie drauf gekommen, dass ihr aus finanziellen Gründen auf die Becken verzichtet.

The Picturebooks / Fynn Grabke

Ja, wir hatten eben zum Anfang gesagt, wie schlimm ist Standard Blues. Damit meine ich nicht nur den Standard Blues. Damit meine ich, wie schlimm ist eine Band, die einfach nur Malen nach Zahlen macht. Das ist langweilig, ich finde es einfach nur todlangweilig!

Time For Metal / Jürgen Simon

Ich finde, Bilder nach Zahlen malen auch total langweilig!

The Picturebooks / Fynn Grabke

Ja das ist es ja auch! Deswegen verstehe ich ja auch teilweise die Situation/Reaktionen damals, als wir als deutsche Band angefragt haben. Deutsche Bands sind einfach Malen nach Zahlen! Deutsche Bands sind immer eine deutsche Version von…..Da steht dann auch oft: die deutsche Madonna, die deutschen Metallica. Es gibt in keinem Land der Welt so viele Coverbands wie in Deutschland. Man muss einfach was Neues kreieren. Da gibt es auch in Deutschland genügend andere Beispiele: Kraftwerk, Can, Rammstein oder auch Scorpions. Alles so Bands, die sich dann gesagt haben: Nein den Weg gehen wir nicht! Ist wirklich interessant. Diese Bands haben eine ähnliche Story. Wie hart es war da raus zu kommen. Weil wir in Deutschland so eine große Musikindustrie haben, die so eigen ist. Du unterschreibst bei einem internationalen Label in Deutschland. Aber das heißt gar nichts. Du bist bei Universal, du bist englischsprachig und so weiter und so fort. Aber es geht nur um Deutschland. Du kommst noch nicht mal ans Büro in England dran. Wir hatten damals alle Videos fertig. Das war zwei Wochen, bevor wir nach Amerika geflogen sind. Wir hatten ein Meeting bei Universal, die wollten uns zeichnen! Also ab nach Berlin gefahren, wir haben alles gemacht. Wir kamen da rein, S. Pellegrino auf Eis und hast du nicht gesehen. Goldene Schallplatten um uns rum. Dann kam der Typ auch rein, den Namen will ich jetzt nicht erwähnen, weil er eigentlich auch ein netter Typ ist, auch Motorradfahrer. Da wurde erst eine halbe Stunde nur darüber geredet, wie geil wir eigentlich sind und seine Karre steht auch vor der Tür, habt ich ja vlt. schon gesehen … bla, bla, bla. Irgendwann wurden dann die Voraussetzung/Bedingung für die Unterschrift / den Vertrag genannt! Der wollte das alles jetzt auf Deutsc was wir machen und wir sind morgen groß raus! Dann haben wir nur einmal auf den Tisch geklopft und gesagt: vielen Dank fürs Gespräch. Dann sind wir rausgegangen. Das ist komisch, nur so funktioniert das hier. Da muss man rausbrechen. Das bedeutet sehr viel Arbeit und auch sehr viel Eier, weil du musst auch ein sehr hohes Risiko fahren!

Time For Metal / Jürgen Simon

Wer ist bei euch für das Songwriting zuständig! Beide, oder ist jemand von euch federführend?

The Picturebooks / Fynn Grabke

Ja …..ich

Time For Metal / Jürgen Simon

Kommen wir mal zu eurem Tourmanager, Produzenten, Mischer, ich sage einfach mal Tausendsassa Claus. Er ist dein Vater. Wie wichtig ist er für euch? Ist er durch seine Funktion so etwas wie ein Bandmember?

The Picturebooks / Fynn Grabke

Ja klar, er ist voll Bandmenber. Als ich mit 16 den Plattenvertrag unterschrieben habe, habe ich sehr schnell im Umkreis lernen müssen, dass sehr viele Leute sehr viel Scheiße reden in diesem Geschäft und auch sehr viel Versprechungen machen, wo nichts dahinter ist. Papa war schon sehr lange im Musikgeschäft und er war dadurch auch sehr schnell der Einzige, dem ich da vertraut habe, den ich dann sehr schnell auch einfach dazu geholt habe, weil da zu viel Blödsinn passiert und ich jemanden brauche, der das kennt. Ich bin im Tourbus groß geworden und bin mit Papa seit ich denken kann unterwegs gewesen. Er hat mich überall mit hingenommen. Das war für mich auch immer wunderschön auf Tour zu sein. Ich war hier auf dem Gelände, da war VIVA noch hier. Papa ist auf jeden Fall Teil der Band und du hörst ihn gerade meine Gitarre einspielen (Der Soundcheck hat nun zwischenzeitlich begonnen und wir werden gefragt, wie lange wir noch brauchen)

Time For Metal / Jürgen Simon

Claus hat ja selbst als Sänger der deutschen Crossoverlegende Thumb Erfahrungen als Musiker. Ist ja schon ein anderes Genre. Gibt es da keine musikalischen Verstimmungen? Kann er euch durch seine Erfahrungen wichtige Tipps geben, euch weiterhelfen?

The Picturebooks / Fynn Grabke

Nein, musikalische Verstimmungen gibt es mit ihm überhaupt nicht. Papa hat ja damals auch ein Soloprojekt gehabt, bei dem ich Bass gespielt habe. Philipp, unser Drummer, war zu dieser Zeit Tourmanager. Da haben wir angefangen, das Tourleben kennenzulernen. Zu der Zeit haben wir meistens Vorband gemacht. Dann bin ich noch mal auf die Bühne, das war damals so der Deal. Wir haben Roadie und Crew gemacht und gleichzeitig waren wir auch die Vorband. Da haben wir sehr viel gelernt übers Geschäft. Papa hat ja einige Projekte gehabt außer Thumb. Er hat sehr viel produziert. Ich habe mit ihm zusammen produziert. Unter anderem auch das letzte Dog Eat Dog Album. Es geht super zusammen.

Time For Metal / Jürgen Simon

Macht Claus selbst noch was musikalisch, außer seinen Job für The Picturebooks? Gibt es noch Projekte? Nach der Auflösung von Thumb 2005 hat es keine Reunion gegeben. Könnte Claus sich so was mal vorstellen, oder ist Thumb ein für alle Mal ad acta gelegt?

The Picturebooks / Fynn Grabke

Nein, ich glaube nicht. Die ehemaligen Musiker von Thumb verstehen sich alle sehr gut, aber da wird nichts mehr kommen. Ich glaube einfach, dass das nicht mehr zeitgemäß ist. Das ist einfach Vergangenheit. Wir sind alles Menschen, die im Jetzt leben. Das ist das Einzige, was zählt. Immer in der Vergangenheit rumzuwühlen bringt gar nichts. Dementsprechend schauen wir nur nach vorne. Alle haben ihre Family. Da gibt es einfach Wichtigeres, als sein Ego aufzuputzen und nochmals auf Tour zu gehen. Ich glaube, die haben alles geschafft, was zu schaffen war damals in der Zeit. Ich war als Kind dabei, das war eine tolle Zeit! Ich weiß nicht, wo Papa das in seinem Leben noch einbinden sollte. Der arbeitet sowieso 24 Stunden am Tag.

Time For Metal / Jürgen Simon

Wie geht es nach der Tour weiter? Neue Tour, neues Album, oder einfach mal verschnaufen? Oder ab auf die Motorräder?

The Picturebooks / Fynn Grabke

Alles! Wir fahren mit den Motorrädern auf die Tour. Wir haben mehrere Konzerte dieses Jahr, die wir mit den Motorrädern machen. Für die Harley Davidson Rally fahren wir runter nach Portugal mit den Dingern. Wir fahren nach Farg am See, was auch immer groß ist. Ansonsten sind wir noch international auf Tour. Wir werden Amerika fahren, Kanada und wir kommen definitiv zurück für eine weitere Europatour. Wir machen dieses Mal sozusagen nur die A Städte, dann kommen wir noch mal wieder und machen die anderen Städte. Wir schreiben jetzt schon an weiteren Songs. Also das hört nicht auf!

Time For Metal / Jürgen Simon

Fynn, herzlichen Dank für das Interview!

The Picturebooks / Fynn Grabke

Jürgen, ich habe zu danken!

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