Nightwish am 11.04.2012 im Falconer Salen in Kopenhagen

”Ohne Erwartungen hin, um komplett überzeugt zu werden!”

Band: Nightwish

Vorbands: Battle Beast & Eklipse

Location: Falconer Salen, Kopenhagen

Homepage: www.radissonblu.com/falconerhotel-copenhagen

Datum: 11.04.2012

Einlass: 19:00 Uhr / Konzertbeginn: 20:00 Uhr

Kosten: VVK: 320 DKK (ca. 43 €); AK: unbekannt

Besucher: Kapazität: 2000 / Anwesende: ca. 1500-1700

Am 11.04.2012 sind mein Mitbewohner und ich also beim lang erwarteten Konzert von Nightwish mitsamt Begleitung. Hierbei dreht es sich um die Landesmänner der Finnen, Battle Beast, und das deutsche Streicher-Quartett aus Deutschland, namentlich Eklipse. Nach gut 400 km Fahrt und einer viel zu langen Suche nach einem Parkplatz sind wir auch endlich in das Innere des Falconer Hotels, welches bereits gut gefüllt war, sowohl vor der Tür für eine letzte Zigarette, als auch drinnen bei der Garderobe(hierfür übrigens über 3 € pro Kleidungsstück/Tasche!).

An sich ist die Location schon sehr schön anzusehen, beide Terrassen/Ränge sind leicht zugänglich, aber bei unserer Ankunft um 19:30 Uhr bereits komplett gefüllt. Es ist also nicht einmal der Versuch, sich ein Bild von oben zu machen, möglich. Es soll aber auch den ganzen Abend an den beiden Bars fix gehen – selbst während der Umbauphasen sind die Wartezeiten gering. Der Merchandise-Stand ist zwar gut besucht, aber mit Kosten, die pro T-Shirt 100 Kronen (ca. 13,50 €) höher sind als in Bestellkatalogen, ist dies der reinste Wucher und ich verziehe mich recht schnell.

Nun aber zu den Bands und ihren Auftritten. Bei Eklipse handelt es sich um vier sehr schön anzuschauende junge Damen aus Deutschland, die mit Violine, Viola und Cello einige Pop- und Film-Songs covern. Eine nette, aber alte Idee, die das weibliche Quartett allerdings sehr gut umsetzt. So gibt es zum Beispiel etwas wie Cry Me A River und ein Stück aus The Godfather (Der Pate) auf die Ohren. Wären die hohen Töne nicht völlig übersteuert, würde diese „Aufwärmgruppe“ definitiv noch besser ankommen. Im Übrigen sind die Mädels von Eklipse schon mitten bei ihrem Auftritt, obwohl es erst 19:45 Uhr ist. Zwanzig Minuten später sind die vier Streicher auch schon fertig und mit Applaus und Pfiffen verabschiedet das Publikum die Mädels gebührend. Ein gelungener Auftritt, der dankend angenommen wird, aber mehr für die Augen als für die Ohren, zumindest von männlicher Seite aus gesehen 😉

Weiter geht es mit den Durchstartern von Battle Beast, die wie der Headliner ebenfalls aus Finnland stammen. Nachdem ich bereits das Review zu ihrem Debütalbum Steel schreiben durfte, und dieses mit 10 von 10 Punkten bewertet hatte, sind die Erwartungen an die Heavy Metaller groß. Und ich soll nicht enttäuscht werden! Sängerin Nitte singt live noch besser als im Studio, was wirklich sehr beeindruckend ist. Das Sechserpack gibt von Anfang bis Ende wirklich Gas und versucht pausenlos das Publikum anzustacheln. Man merkt jedoch schnell, dass sich kaum einer wegen Battle Beast nach Kopenhagen bewegt hat. Jede Klatsch-Arie oder „Hey“-Gerufe verstummt nach spätestens 30 Sekunden wieder, was bei der außerordentlich starken Leistung der Finnen doch ein bisschen enttäuschend ist.

Anton beweist im Übrigen ebenfalls enorme Stimmgewalt, auch wenn die Klänge seines Organs im Vergleich zu Nitte sehr gewöhnungsbedürftig sind. Jedoch sind auch bei dieser Show die Höhen übersteuert und manchmal wird das Gehör praktisch blockiert, wenn Anton seine Soli rausschmeißt wie ein wildes Tier. Insgesamt ist aber auch diese Show bravourös und das Publikum ist mittlerweile aufgewärmt für den großen, sehnsüchtig erwarteten Auftritt der Headliner und Landesmänner von Battle Beast.

Gegen die 20 Minuten Umbauphase zwischen den ersten beiden Gruppen ist der zweite Umbau die reinste Tortur. Geschlagene 45 Minuten muss man sich gedulden und mein Mitbewohner und ich befürchten schon, dass das Publikum wieder eingeschlafen ist, wenn Nightwish endlich loslegen. Doch weit gefehlt! Alle haben geduldig gewartet und als endlich das Licht hinter dem zerrissenen Vorhang angeht und der übergroße Schatten von Marco Hietala in einem Schaukelstuhl mit einer Spieluhr in der Hand zu sehen ist und er Taikatalvi, das Intro vom Album Imaginaerum, anstimmt, ist das Publikum nahe des Siedepunktes des Elans.

Dann fliegt der Schaukelstuhl durch die Luft, der Rest der Band wird langsam sichtbar (immer noch nur als Schatten) und mit Storytime fängt die Show erst richtig an. Das Publikum ist voll da und die Band ist ebenfalls von Anfang an (sobald der Vorhang fällt) am Party machen und dabei, die Zuschauer anzufeuern. So beginnt der glorreiche Auftritt von Nightwish, der von mir erwartungslos angegangen wird, da ich nichts von Anette Olzons Gesangskünsten auf der Bühne ahne.

Ich werde mehrfach maßlos überrascht, das muss ich wirklich gestehen. Doch gerade darauf kommt es bei Live-Auftritten ja an: überrascht zu werden! Die Pyro-Show der Gruppe ist genial, es wird Stimmung gemacht ohne Ende, die Projektionen an der Wand hinter der Band sind sehr schön gemacht (teilweise mit Filmmaterial des kommenden Werkes von Tuomas), doch vor allem ist für mich Anette die größte Überraschung. Sie meistert nicht nur alle aktuellen (Dark Passion Play und Imaginaerum) Stücke sehr gut, sondern gibt auch noch alte Klassiker wie Once I Had An Angel und Planet Hell von sich. Der größte Knaller ist allerdings, und das wage ich selbst heute noch nicht zu bewerten, dass die Symphonic Metaller aus Finnland tatsächlich Over The Hills And Far Away spielen. Grossen Respekt zu diesem Mut!

Das ist natürlich noch nicht alles: circa gegen Mitte des 1½-stündigen Auftrittes gibt es eine kleine Akustik-Session, bei der die Songs Slow, Love, Slow, The Islander und Nemo dargeboten werden. Vor allem bei The Islander wird das Publikum einbezogen, denn jeder soll hierbei sein Feuerzeug oder Handylicht anmachen und es in die Luft strecken. Allerdings ist die Anzahl der aktiven Teilnehmer nach der Hälfte dieses Stückes bereits auf 50 geschrumpft. Die Initiative ist jedoch eine sehr lobenswerte und funktioniert bei anderen Locations und Zuschauermengen umso besser!

Irgendwann ist der Auftritt dann auch leider zu Ende…oder halt auch nicht! Natürlich gibt es noch eine Zugabe, bei der, wie sollte es anders sein, der Abschluss mit dem Song Last Ride Of The Day gebildet wird. Das Publikum ist noch mal am Kochen und die Band wird nach gigantischem Konfettiregen gebührend verabschiedet, denn die sechs Finnen haben eine grandiose Show abgeliefert, die nur zu empfehlen ist. Auch dass der Sechste im Bunde, das (in-)offizielle Bandmitglied Troy Donockley, mit seinen folkloristischen Instrumenten und seiner angenehmen Stimme nur zum Guten des Auftrittes beigetragen hat, ist hier mit großem Respekt zu erwähnen.

Fazit:
Ich möchte in dieser Zusammenfassung erst die schlechten Dinge aufzählen, bevor ich die Guten zusammenfasse:

Die ansonsten tolle Lichtshow von Battle Beast ist gerne mal blendend, sehr unangenehm. Zudem ist die Lichtshow auch nicht auf den Takt der Musik abgestimmt, sondern verzögert.

Slow, Love, Slow hat nichts mit Metal zu tun.

Die beiden Vorgruppen hätten mehr Aktivität von Seiten der Zuschauer verdient.

Die Zeitangaben des Konzertbeginns hätten genauer sein können, Eklipse waren bei unserem Eintreffen fast fertig mit ihrem Auftritt.

Die Höhen waren durchgehend übersteuert, teilweise kurz vor Ohren-Zuhalten.

So das war’s auch schon, dafür habe ich um so mehr Gutes zu berichten:

Eklipse haben ihren Job gut gemacht und werden ihren Weg sicherlich finden. Als Support einer so großen Band mitzuwirken, kann einen nur nach vorne bringen.

Battle Beast hatten nicht so viel Spiellänge wie erhofft, doch sie haben ihren Auftritt wirklich gut hin gekriegt. In den acht Songs wurde von vorne bis hinten durchweg Party gemacht und es hat unglaublich Spaß gemacht, den Newcomern zuzuhören.

Nightwish haben natürlich die Show schlechthin abgeliefert. Auch hier war die Stimmung immer gut, und die Akustik-Session ließ auch einige Herzen dahin schmelzen.

Der oben erwähnte Song Slow, Love, Slow wurde perfekt umgesetzt und somit war es egal, ob dieser nun passte oder nicht.

Pyro- und Lichtshow waren perfekt abgestimmt, auch auf den Takt der Musik. Zudem gab es auch noch Indoor-Feuerwerk, Rauchsäulen und Konfetti(!). Mehr konnte man sich von diesem Auftritt nicht erwünschen.

Setlisten:

Battle Beast
Nightwish(*mit Troy Donockley)
  1. Justice And Metal
  2. Armageddon Clan
  3. Cyberspace
  4. Steel
  5. Iron Hand
  6. Victory
  7. Enter The Metal World
  8. Show Me How To Die
  1. Taikatalvi
  2. Storytime
  3. Wish I Had An Angel
  4. Amaranth
  5. Scaretale
  6. The Siren
  7. Slow, Love, Slow
  8. I Want My Tears Back*
  9. The Crow, The Owl And The Dove*
  10. The Islander*
  11. Nemo (Akustisch)*
  12. Last Of The Wilds*
  13. Planet Hell(Keyboard-Solo mit Samplern von
    Stargazers, Gethsemane, The Wayfarer)
  14. Ghost River
  15. Dead To The World
  16. Over The Hills And far Away*

Zugabe

  1. Finlandia*
  2. Song Of Myself
  3. Last Ride Of The Day*
  4. Imaginaerum(Outro)

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