Nytt Land – Ritual

Auf den abwegigsten Neofolk Pfaden durch das eisige Sibirien

Artist: Nytt Land

Herkunft: Sibirien, Russland

Album: Ritual

Spiellänge: 47:43 Minuten

Genre: Folk, Neofolk

Release: 06.08.2021

Label: Napalm  Records

Link: https://www.facebook.com/nyttland

Bandmitglieder:

Gesang, Schlagzeug, Perkussion, Flöten – Natasha “Baba Yaga” Pakhalenko
Gesang, Perkussion, Hörner, Pferdeschwanzhaar-Harfe, Maultrommel – Anatoly “Shaman” Pakhalenko

Tracklist:

  1. Ritual
  2. The Fires Of Ragnarok
  3. The Birth Of A Shaman
  4. Dead Man’s Dance
  5. U-Gra
  6. Gróttasöngr
  7. Svartravn
  8. Blood Of The North

Das teuflische Duo Pakhalenko ging Anfang des Monats auf eine neue Neofolkreise. Die Musiker aus Kalachinsk im sibirischen Russland lieben die frostigen Klänge und gehen in die Richtung von Heilung, über die sie auch angepriesen werden. Die Richtung passt grundsätzlich – auch wenn zwischen beiden Formationen noch viel Luft liegt. Das erste Mal bin ich mit Nytt Land auf dem Metal Festival Alliance Livestream 2020 in Berührung gekommen und hatte sie direkt im Kopf behalten. Die experimentelle Veranlagung mit dem Wunsch, einen dunklen wie epischen Weg einzuschlagen, macht das Ensemble zu einem schwermütigen Weggefährten. Der Einschlaffaktor bleibt jedoch auf Platte schnell bestehen. Fast 50 Minuten lang dringen die Klänge in die verregnete Augustluft und formen acht einzelne Episoden. Über Napalm Records kann man Ritual seit dem 06.08.2021 erwerben.

Kurz und bündig ist eben nichts bei Nytt Land. Alleine der Anfang von Ritual dauert gefühlt eine Ewigkeit, bis die einzelnen Klänge zu einer verbundenen Melodie zusammenschmelzen. Gesanglich dringen die Vocals ziellos umher, wie man sie in einigen Filmen wie Vikings vor der Schlacht kennt. Totenkult und dunkle Gedanken verbindet man unweigerlich mit der Truppe. Abgewandt vom Irdischen werden die Götter heraufbeschworen, um die menschlichen Probleme irgendwie zu lösen. Ohne Schlachtgesänge bleibt das Tempo auf kleinster Stufe. Wie paralysiert schwappen die Wellen der atmosphärischen Ergüsse an die Küste. Als Vorboten des Sturms agieren der Titeltrack und The Fires Of Ragnarok – nur zieht mit The Birth Of A Shaman nicht der erhoffte Sturm auf. Die Instrumente bleiben dennoch interessant und die Handschrift hat was mystisch Bedrohliches, was man nur schwer definieren kann. Kaum zu glauben, dass dieser Silberling bereits der siebte in sechs Jahren ist. Seit dem Debüt Hávamál sprudelt es nur so aus den Köpfen des Duetts heraus. Unterstützt werden sie dabei immer wieder von Mitstreitern. Grimmig auf die Äxte gestützt, blicken die leeren Augen in die Ferne, während Dead Man’s Dance langsam in unser Leben gleitet. Die Flöten nehmen den Hörer an die Hand und setzen ihn im kargen Land aus. Für die Dauer ist Ritual wirklich nichts, das gilt meines Erachtens auch für Nytt Land. Als einmaliges Intermezzo ganz bestimmt eine runde Sache, daher möchte ich die Russen auch gerne mal live sehen – nur eben nichts für die Dauer. Ein bis zwei Durchläufe und man hat U-Gra oder Gróttasöngr verstanden und braucht es nicht permanent auf die Ohren. Solche Langeisen zufrieden komplett durchzuhören, benötigt ein erweitertes Bewusstsein und die Lust auf kalte heidnische wie okkulte Wanderungen durch das Nichts. Was Bands wie Heilung aufziehen, ist eben nicht der richtige Weg für Nytt Land, die ihre Kunst ganz anders zelebrieren.

Nytt Land – Ritual
Fazit
So sehr habe ich mir noch nie einen Stolperstein gewünscht wie bei diesem Ritual. Nytt Land strapazieren sehr monoton die Nerven, da jegliches Finale (egal als Großes und Ganzes oder in den einzelnen Stücken) völlig ausbleibt. Höhen und Tiefen werden radiert und der Nullpunkt dient als einziger Richtwert, um den stets gependelt wird. Es gibt ganz bestimmt Fans für dieses psychisch schwer verdaubare Intermezzo, nur ob Fans unseres Genres die Scheibe wirklich dauerhaft zum Drehen bringen, halte ich persönlich für fraglich. 

Anspieltipps: The Birth Of A Shaman und U-Gra
René W.
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Leise War Gestern... - Der Time For Metal Podcast
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