Event: Overkill Scorching Europe Tour 2024
Bands: Overkill, Angelus Apatrida, One Machine
Ort: Markthalle Hamburg, Klosterwall 11, 20095 Hamburg
Datum: 01.09.2024
Kosten: VVK 45,55 € inkl. Gebühren, AK 47 €
Zuschauer: ca. 700
Genre: Thrash Metal, Old School Thrash Metal, Groove Metal, Progressive Thrash Metal
Links: http://www.facebook.com/OverkillWreckingCrew
Setlist Overkill:
1. Scorched
2. Rotten To The Core
3. Bring Me The Night
4. Hello From The Gutter
5. Deny The Cross
6. Electric Rattlesnake
7. Mean, Green, Killing Machine
8. Necroshine
9. Horrorscope
10. Under One
11. The Surgeon
12. Ironbound
13. Elimination
14. In Union We Stand
15. E.vil N.ever D.ies
16. Fuck You
Sonntag, 01.09.2024 – ein denkwürdiger Tag. Bereits vor dem anstehenden musikalischen Programm sickert durch, dass 85 Jahre nachdem deutsche Faschisten ein Nachbarland überfallen haben, eine faschistische Partei in zwei Bundesländern auf circa 30 Prozent der Stimmen gekommen ist. Was ist bei diesen Menschen nicht angekommen? Was haben diese Menschen aus der Geschichte nicht gelernt? Es gehört schon eine übergroße Portion Dummheit dazu, ein derartiges Abstimmverhalten 85 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs an den Tag zu legen. Viele Fragen begleiten die Musikfans auf dem Weg zur Hamburger Markthalle. Hier hat sich heute Abend eine Thrash-Metal-Legende aus New York angesagt. Der 65-jährgie charismatische Schreihals Bobby „Blitz“ Ellsworth und seine Mannen von Overkill werden den Abend rocken.
In der Markthalle ist alles wie immer. Das bedeutet, es ist alles entspannt, unkompliziert und korrekt kommuniziert. Angekündigt ist Einlass um 18:30 Uhr, dann ist auch um 18:30 Uhr Einlass. Los geht es um 19:30 Uhr laut Ankündigung. Das bedeutet, dass um 19:30 Uhr das Licht im großen Saal ausgeht und One Machine aus England auf der Bühne stehen. An dieser verlässlichen Kommunikation können sich andere Veranstalter und Locations ein Beispiel nehmen.
Es gibt bestimmte Labels, die für Genres stehen. Härtere Kost liefern oft zum Beispiel Metal Blade oder Century Media. Underground Old School Zeug kommt in der Regel von No Remorse Records. Scarlet Records aus Italien haben – logisch – viele italienische Bands rund um Power Metal, Melodic Metal und Symphonic Metal im Rooster. Dazu auch zum Beispiel die Black-End-Thrash-Altmeister Bulldozer. Eine englische progressive Thrash Metal Band überrascht dann doch. Seit 2008 ist das Quintett aktiv und nach eigenen Angaben zwischen Power Metal, Thrash Metal, Progressive Metal und Groove Metal unterwegs. Die Zusammenfassung der Genres beschreibt das Dargebotene sehr gut. Von allen Zutaten etwas, nur nicht richtig verbaut. Der Rhythmus ist schnell, der Gesang aber an vielen Stellen drüber und eher für eine Power-Metal-Band zu gebrauchen. Es ist heiß in der Markthalle, sodass sich auf der Stehterrasse mehr Menschen tummeln als in der Halle und beim Kaltgetränk einen Plausch halten.
Ganz anders sieht das bei den Spaniern Angelus Apatrida aus. Einige Minuten nach 20 Uhr steht das Quartett auf der Bühne und sorgt für den ersten Aufguss in der Sauna Markthalle. Die Energie von Sänger und Gitarrist Guillermo Izquierdo und seinen Mannen überträgt sich von den ersten Sekunden auf die Menschen vor der Bühne. Die kochend heiße Bude bekommt einen Aufguss. Leiber tanzen und moshen zu Nummern wie Cold, Give ‚Em War, Sharpen The Guillotine oder dem Schlusspunkt You Are Next. Die Herren unterstreichen einmal mehr ihren ausgezeichneten Ruf. In Hamburg war die Truppe erst im Frühjahr als Headliner im Logo. Der Zuschauerandrang war dort überschaubar. Trotzdem sind Angelus Apatrida eine der Bands, die sich um die Nachfolge der Altmeister Kreator, Sodom und Co. bewirbt. Das unterstreichen die heutigen 45 Minuten einmal mehr.
Circa 20 Minuten dauert die Umbaupause. Die Bühne ist so präpariert, dass das Equipment der Vorbands nur von der Bühne geholt werden muss. Das Drumset von Jeramie Kling, der aktuell der Live-Support für Overkill an den Fellen ist, steht bereits. Ein kurzer Line-Check, dann entern die Herren die Bretter und die Halle erstrahlt im bekannten grünen Overkill-Licht, während der Titeltrack Scorched vom 2023er-Release die Sause startet. Blitz stürmt während der instrumentalen Phasen hinter die Bühne zum Sauerstoff. Seit seinem Schlaganfall benötigt der Herr etwas Luftunterstützung bei seinem Job am Mikro. Pünktlich zum Klassiker Rotten To The Core steht Blitz am Mikro und macht die grüne Sauna perfekt.
Nachschlag? Aber sicher! Bring Me The Night, Hello From The Gutter und Deny The Cross. Ironbound 2010, Under The Influence 1988 und Taking Over 1987. Das Quintett liefert ein Old-School-Set, das die Meute vor der Bühne kräftig in Wallung bringt. Klar, Blitz und Bassist D.D. Verni sind keine Duracell-Hasen, die 90 Minuten auf der Bühne rumspringen. Die alten Klassiker klatschen die gesetzten Herren dem Publikum aber immer noch wunderbar mitten ins Gesicht. Den ein oder anderen Aussetzer gibt es am Mikro oder Instrumenten, aber das gehört zu einem Live-Gig. Overkill kennen keine Einspielungen vom Band. Es gibt live und in grüner Farbe direkt auf die Ohren.
Luft zum Atmen hat Bobby Blitz, das Publikum eher weniger. Necroshine, Under One oder das von Blitz angekündigten Ironbound, was Overkill und seine Fans verbindet, sorgen für kollektives Ausrasten. Wie gut, dass die Decke der Markthalle hoch genug ist. Noch sammelt sich kein Wasser an den Wänden, aber die grüne Sauna fordert von den Fans ihren Tribut.
Mit Elimanation geht der Hauptteil der Show zu Ende und alle Beteiligten tut die Verschnaufpause gut. Es folgt – sehr passend für den heutigen Abend – In Union We Stand und der Refrain „In union we stand, as they blaze across the land, In union, we make a final stand…“ wird nicht nur einmal von den Fans ausgiebig intoniert. Über E.vil N.ever D.ies geht es zu einer Coverversion der Subhumans. Die vielen Mittelfinger sind für die bereits erwähnten Damen und Herren in zwei Bundesländern. Besser kannst du heute nicht den Deckel draufmachen.
Erschöpft, ausgepowert und klitschnass strömen die Fans nach draußen. Was für ein Abriss der New Yorker Altmeister. Schlechte Konzerte liefern Overkill nicht. So lange Bobby und D.D. Verni stehen und schreien können, gibt es eine ordentliche Portion energiegeladenen Thrash Metal. Danke an das Quintett für den klasse Gig in der grünen Sauna.