Placenta – Replace Your Face

„Ihr seid mir ja ein lustiger Verein!“

Artist: Placenta

Album: Replace Your Face

Spiellänge: 45:24 Minuten

Genre: Metal, Death Metal, Hardcore, Rock

Release: 30.09.2011

Label: NOIZGATE Records

Link: www.myspace.com/placentametal

Band Mitglieder:

Gesang – Sven Berlin
Gitarre – Michael Hoge
Gitarre – Daniel Martens
Bass – Florin Kerber
Schlagzeug – Tobias Stein

Tracklist:

  1. All Things Runnable
  2. I Ain’t No Horse
  3. Who Am
  4. Dyonisos Is Dead
  5. Bella Fruit Verona
  6. Vip Out
  7. Coca At The Cockloft
  8. Septopus
  9. Femme Digitale
  10. Replace Your Face
  11. This Is The Real Deal

Selten hatte ich das Problem, dass ich ein Werk einer Band vorliegen hatte und mir echt wenig Infomaterial vorlag. Klar, man kann googeln. Aber in dem Fall der Band Placenta hat mich das leider nicht so weitergebracht, wie ich es mir erhofft hatte. Zwar habe ich einige Fotos, Daten und lustige Videos der fünf Jungs gefunden, jedoch ist mein Gesamtwissen wirklich lückenhaft. Was ich euch jedoch über Placenta berichten kann ist, dass die Band aus Berlin kommt und bereits seit elf Jahren Musik macht – zu Beginn noch als Punkband. Und nett und gut drauf scheinen sie zu sein, wenn man dem Videomaterial im World Wide Web trauen kann.

So, wir alle wissen, was jetzt folgt: Das Albumcover wird bewertet. Als Grundfarbe wurde Weiß gewählt. In der Mitte des Albums prangert der Bandname in einer – wie man auf den ersten Blick annehmen könnte – in Blautönen gehaltenen Schrift, die an kristalline Splitterstücke erinnert, darunter befindet sich der Albumname Replace Your Face. Bei genauerem Hinschauen fällt auf, dass sich hinter den Buchstaben des Bandnamens ein Bild verbirgt, jedoch ist hiervon nur eindeutig ein Teil eines Gesichtes zu erkennen. Insgesamt ein eher schlichtes aber schönes Cover.

Weiter geht es zur musikalischen Bewertung. Mit Schlagzeugklängen beginnt All Things Runnable dann wird es kurzzeitig ein wenig elektronisch und Shouten setzt ein. Ich muss sagen, zuerst ist das Shouten etwas gewöhnungsbedürftig, da es irgendwie gepresst wirkt, jedoch gewöhnt man sich schnell daran, da gesanglich insgesamt eine große Palette geboten wird: von dem „gepressten“ Shouten bis zum Shouten in einer höheren Tonlage und Clear Vocals ist alles dabei. Besonders gefallen mir die Clear Vocals – super Stimme! Insgesamt ein wirklich gut gemachtes Stück, das durch einen eingängigen Refrain eindeutig hängen bleibt.

I Ain’t No Horse beginnt mit Galopp-Geräuschen und dem Ausruf „I Ain’t No Horse!“. Nein, ihr seid bestimmt keine Pferde. „Wie kommt man denn auf so etwas?“, frage ich mich direkt. Ein insgesamt krasser Song, der vor allem ab der dritten Minute durch einen schönen Gitarrensound untermalt wird.

Song Numero Drei, Who Am I, schockiert mich erstmal durch den elektronischen Beginn. Bis der Gesang endlich einsetzt, rechne ich schon mit dem Schlimmsten – man weiß ja nie, was einen so erwartet. Insgesamt sind in diesem Stück die Wechsel zwischen Shouts und Clear Vocals wirklich gelungen.

Dionysos ist tot? Wie? Ich hoffe nicht! Bei Dionysos handelt es sich um den griechischen Gott des Weins, der Trauben, der Ekstase und der Freude. Wäre doch schlimm, wenn dieser wirklich nicht mehr existent wäre. Jedoch ist der Song Dyonisos Is Dead noch recht lebendig und weiß direkt zu Beginn mit einer auffallenden Aggressivität zu punkten. Besonders hat es mir das gut gespielte Schlagzeug angetan. Auch die kurzen Einschübe, die ich schon fast in den Bereich Trance Core ordnen würde, sind gut gesetzt und fallen nicht negativ auf (hierzu sei angemerkt, dass von mir zu solchen Parts normalerweise immer Gemecker kommt).

Bella Fruit Verona beginnt, diesen Song kenne ich bereits von der gleichnamigen Singleauskopplung, auf die ich nachher auch noch kurz zu sprechen kommen werde. Da die Clear Vocals hier besonders harmonisch sind, könnte man das Stück, wäre das Shouten und der eindeutige metallische Klang der Gitarren nicht, fast für ein Rock-Stück halten.

Vip Out ist die ersten 77 Sekunden instrumental und powervoll gehalten. Zwar ist das Tempo schleppender, der Gitarrensound dafür aber umso drückender. Im Endeffekt macht dem Song dann aber doch das Tempo zu schaffen – es ist als renne man auf einer Rolltreppe in entgegengesetzter Richtung und komme nicht voran.

Cocoa At The Cockloft beginnt wieder schleppender und das Geklimper im Hintergrund macht mich fast wahnsinnig. Zum Glück hat dieses nach etwa einer Minute ein Ende, jedoch ist das was dann beginnt, auch nicht viel entspannender. Die Beatwechsel machen mich nervös. Nach einem von mir ersehnten Break setzen wieder die Clear Vocals ein. In der schier unendlichen Wüste habe ich die rettende Oase endlich erreicht, so ungefähr kann ich jedenfalls das Gefühl, das mich jetzt durchströmt, beschreiben.

Septopus ist das achte Werk auf der Platte. Wenn ich mich hier recht an meine schon etwas verblichenen Lateinkenntnisse erinnere, würde der Name doch „das siebte Werk“ bedeuten, oder? Oder es handelt sich um einen Neologismus? Dann will ich nichts gesagt haben. Für Placenta ist dieses Werk jedoch eher eine Durchschnittsleistung und fällt im Gesamtkonzept des Albums nicht wirklich auf.

Auf Femme Digitale war ich schon gespannt als ich den Titel gelesen habe, klang irgendwie interessant. Nun, digital ist das Stück jetzt nicht, eher brachial würde ich sagen.

Der Namensgeber des Albums ist das vorletzte Stück der Platte und wieder gewohnt abwechslungsreich unterwegs. Macht definitiv Spaß beim Hören.

Ich bin überrascht, ein Pianoklang dringt an mein Ohr. Sind das auch Placenta? Und dann nach 90 Sekunden? Nichts! Ich warte. 180 Sekunden und immer noch nichts passiert. Ich warte weiter. 270 Sekunden. Irgendwann muss doch noch was kommen, oder? Jetzt hab ich keine Lust mehr und spule vor. Ahja, nach 393 Sekunden kommt… Stadionsound? Was? Habe ich dafür jetzt so lange gewartet? Nein, ein kurzes musikalisches Intermezzo folgt und dann, als solle ich jetzt auch noch für mein Warten verspottet werden, ertönt ein „Scheißegaaaaal“. Wie nett.

So, wie versprochen wollte ich auch noch auf die Singleauskopplung Bella Fruit Verona zu sprechen kommen. Diese enthält drei Songs: zwei Versionen von Bella Fruit Verona (einmal die Radio Version und einmal einen Kalibou Beach Remix) sowie den Song Who Am I. Zu der Radioversion der Singleauskopplung sowie zu dem Song Who Am I muss ich jetzt nicht mehr viel sagen, da ich diese schon im Rahmen des Albums kommentiert habe, also beginne ich direkt mal mit dem Kalibou Beach Remix von Bella Fruit Verona. Das klingt nach Chillout-Musik! Aber irgendwie erinnert mich das Ganze an den Cloub Connected Remix des In Flames Songs Cloud Connected. Interessant aber leider nicht so mein Fall.

Fazit: Irgendwie eine lustige Truppe, diese fünf Jungs aus Berlin. Voller Power und Tatendrang und obendrauf noch äußerst experimentierfreudig. Aber zudem auch sehr abwechslungsreich. Musikalisch wirklich super und einmalig. Einige Parts sind jedoch ganz klar Geschmackssache – so bin ich für meinen Teil z.B. kein Fan von zu viel Elektro – jedoch wird anderen gerade dies besonders gefallen. Also ihr steht auf abwechslungsreiche, härtere Musik? Dann hört euch doch mal das neue Album von Placenta an! Anspieltipps: All Things Runnable, Bella Fruit Verona
Petra D.8.5
8.5
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