Sober Truth – Live At The Groove Bar in Köln am 18.07.2020

Die Kölner Szene trotzt dem Coronavirus und setzt mit dem Konzert von Sober Truth ein starkes Ausrufezeichen

Künstler: Sober Truth

Ort: Groove Bar, Frankfurter Str. 200, 51147 Köln

Datum: 18.07.2020

Genre: Groove Metal

Besucher: 75 / begrenzt nach Corona-Auflagen

Kosten: 12 Euro

Veranstalter: Groove Bar, Sober Truth

Link: https://www.facebook.com/events/1025422544629486/?notif_t=plan_user_joined&notif_id=1593529740011072

Setliste:

Intro Samples

  1. Solitude
  2. Dark Valley
  3. Rebirth
  4. Collapse
  5. Hope, Enjoy & Death

Intro Ode To Reality

  1. Imperfection
  2. Dizygotic Twins

Intro Dying Dreams

  1. Psychosis
  2. Riven
  3. Leave Me Alone

Pause

Intro Samples

  1. Locust

Drum Solo

  1. Sober
  2. Akardos

Intro Samples

  1. Horizon
  2. Utopia
  3. Murphys Law
  4. Outta Hell
  5. My Life

Outro Collapse

Was ein Jahr, was eine Krise für alle. Doch den Musik- und vor allem Underground-Zirkus hat es extremst getroffen. Hier hilft nur eins, zusammenstehen und vor allem zusammenhalten, um da irgendwie durchzukommen.

So langsam geht es aufwärts, auch für mich als Konzertbesucher. Nachdem ich am 20.06.2020 bereits beim Siegener Wohnzimmergeballer mit Purify, Eraserhead und Mindreaper im Vortex beim Livestream persönlich anwesend sein konnte (hier geht’s zum Bericht), geht es jetzt noch einen Schritt weiter. Mein erstes Konzert mit Publikumsbeteiligung nach dem 11.03.2020 (Descent Into Madness Tour mit Evil Invaders, Angelus Apatrida und Schizophrenia im Schlachthof in Wiesbaden) steht an.

Sober Truth geben heute ein Konzert in der Groove Bar in Köln. Die Groove Bar veranstaltet bereits seit Wochen unter den gesetzlichen Bestimmungen und der Corona-Auflagen Livekonzerte. Die zweistündige Spezialshow mit der Troisdorfer Metal Underground Institution Sober Truth ist bei dem zulässigen Kartenkontingent von 75 Gästen natürlich schnell Sold Out!

Für mich geht es früh genug ab nach Köln/Porz, um pünktlich da zu sein. Die Location kenne ich bisher noch nicht. Metalkonzerte waren hier bisher, so glaube ich, noch nicht so im großen Stil angesagt. Die Kölner Wolfen haben hier vor ein paar Wochen aber schon ein Corona-Konzert vor 50 Leuten gespielt, das weiß ich.

Parkmöglichkeiten sind durch einen Park and Ride Parkplatz ganz in der Nähe vorhanden. Also kein Problem mit dem Parken, was sich ja sonst sehr oft in der Kölner City ergibt. Ich bin ca. eine Stunde vor offiziellen Konzertbeginn dort. Im Biergarten vor der Groove Bar ist schon eine Menge los. Freudig begrüße ich den Tausendsassa Torsten Schramm, seine Frau Pat und die restlichen Bandmitglieder. Tut echt gut Torsten und Pat nach so langer Zeit wiederzusehen, das letzte Mal war es beim Bauhaus Revival in Troisdorf im Dezember letzten Jahres.

Die Stimmung vor der Groove Bar ist bereits richtig gut. Die Fans freuen sich, endlich mal wieder ein Livekonzert zu haben. So ist das quasi eine Art Familientreffen, man kennt sich größtenteils untereinander. Musiker anderer bekannter Undergroundbands, wie Andi Dötsch (Ex-Wolfen, Steelpreacher) und PY (Sic Zone, Abart) sind unter der illustren Gästeschar. Auch unser Freund Norbert ist heute Abend anwesend. Wir freuen uns alle, ihn hier zu sehen. Norbert war Anfang April an Corona erkrankt und lag 3 ½ Wochen im Koma. Nun ist er wieder genesen und ist als echter Metaller natürlich dabei.

Im Mittelpunkt draußen vor der Tür und bestens aufgelegt ist Torsten Kröger, der zusammen mit dem Groove Bar Betreiber George Schindler dafür sorgt, dass das hier alles so laufen kann, wie geplant. An dieser Stelle an die beiden und das super nette Personal der Groove Bar ein ausdrückliches Danke!!!

Torsten führt die Listen, hält die Fans bei Laune und dann endlich ist es soweit. Die Gäste werden in Gruppen auf die zugewiesenen Plätze im Innern geführt. Wir können es wirklich kaum noch erwarten. Torsten sagt mir dann auch, in welchen Bereich ich mich ohne Maske aufhalten kann und wo ich eben die Maske tragen muss (zum Beispiel beim Fotografieren).

Dann geht es los. Sober Truth beginnen nach dem Intro mit ihrer Show, die sich heute über ca. zwei Stunden, mit einer Unterbrechung hinziehen wird.

Die Fans sind richtig gierig heute Abend. Da kann die Band überhaupt nichts falsch machen. Mastermind Torsten an Gitarre und Mikrofon zeigt den Fans gleich, dass man da oben auf der Bühne genauso Bock hat, wie die Fans unten vor der Bühne. Ich befinde mich (mit Maske) vor der Bühne, gleich neben Pat, die den Merchstand der Band in der linken Ecke hat. Zunächst finde ich mich mit Maske noch etwas befangen, was jedoch schnell weg ist. Gleich nach dem Intro geht es mit Solitude vom neuen Album Psychosis in die Vollen. Hier ist jetzt niemand mehr einsam. Hier sind 75 Metaller, die vielleicht ein bisschen anders wie sonst auf den Konzerten, so was von scharf auf die Mucke sind, die das Quartett oben auf der Bühne loslässt. Die Fans belohnen das bereits mit riesigem Applaus gleich nach dem ersten Song.

Wetterbedingt ist es recht heiß hier drinnen, die Fans und ihre Band sorgen dafür, dass es noch heißer wird. Weiter geht es mit einem Song von Psychosis. Eigentlich bezeichnend für das aktuelle Geschehen. Der Song  nennt sich Dark Valley. Wir sind jetzt alle durch ein dunkles Tal geschritten. Aber auch gerade das Konzert heute Abend zeigt, dass wir Licht am anderen Ende des Tunnels sehen.

Eine schweißtreibende Show gibt es heute hier. Die vier Bandmitglieder sind schnell klatschnass. Torstens Gesicht da vorne am Mikrofon ist schweißgebadet. Bei Aaron sieht man den Schweiß an der Gitarre heruntertropfen. Tolle Performance hier von Torsten Schramm (Gesang, Gitarre), Jules Rockwell (Bass), Aaron Vogelsberg (Gitarre) und Sam Braw (Schlagzeug).

Sober Truth bringen ihren einzigartigen Modern Metal Mix mit progressiven Einflüssen mit viel Herz auf die Bühne. Prog Groove Metal in der Groove Bar zu Köln. Das passt einfach!!!

Zehn Songs umfasst die Setlist bis zur Pause. Eine Pause ist dann wirklich notwendig, für Band und für die Fans. Das haben sich jetzt alle verdient hier.

Ich muss hier nochmals den reibungslosen Ablauf und die tolle Bedienung besonders hervorheben. Die Fans stehen/sitzen an den für sie vorgesehen Plätzen. Das Personal ist gleich zur Stelle, damit hier bei der großen Hitze auch niemand dehydriert.

In der der kurzen Pause versammeln wir uns alle (auch die Band) vor der Groove Bar im Biergarten. Dort können wir dann Andreas von Lipinksi (Wolfen) begrüßen, der mittlerweile eingetrudelt ist. Draußen wird gefachsimpelt und Smalltalk ergibt sich.

Tom Tom (mit dem ich auf Facebook schon lange befreundet bin) begegne ich heute hier zum ersten Mal persönlich. Bei uns kommt die Frage auf, wer die Mano Cornuta im Metal erfunden hat. Oben in der Fotoshow seht ihr ihn mit der Mano Cornuta. Er und seine Freundin sind der Meinung, dies sei Dio gewesen. Und ja, Gene Simmons wird auch genannt, aber in dem Sinne: der hat alles erfunden, bei ihm kann man alles kaufen… Ich erzähle ihnen von Coven, deren Sängerin Jinx Dawson ich vor zwei Jahren persönlich getroffen haben. Auf deren LP Witchcraft: Destroys Minds & Reaps Souls von 1969 ist die Mano Cornuta bereits deutlich zu sehen. Also, da dürfte Dio doch etwas zu spät dran gewesen sein… Aber nicht wichtig, denn wir freuen uns ja heute auf Sober Truth, die gleich weitermachen.

Alles wieder toll von Torsten Kröger organisiert, sodass es nach dieser kurzen Pause schnell weiter geht.

Nach einem Intro geht es mit Leave The Locust In The Lunatic Asylum  vom Album Locust ▽ Lunatic Asylum weiter. Gleich im Anschluss hat Sam Braw die Möglichkeit mit einem Drumsolo zu glänzen. Jeder der vier Bandmitglieder darf hier auch mal besonders glänzen. Jules Rockwell mit tollen Bassläufen, Aaron Vogelsberg als Guitarhero (der junge Kerl ist schon echt Klasse an seinem Arbeitsgerät). Torsten Schramm glänzt schon alleine mit seinem Auftreten und nimmt in der Bandmitte den Raum für sich ein. Dabei versteht er es ausgezeichnet, seine jungen Bandmitglieder in Szene zu setzen. Ausgezeichnet auch seine Art und Weise, das Publikum mitzunehmen.

Nach Sam Braws Drumsolo stehen noch einige Songs auf der Setlist, die vom Publikum regelrecht abgefeiert werden. Kurzweilig geht es durch bis zu Outa Hell vom gleichnamigen Album! Frenetische Zugaberufe – und es folgt noch My Life vom selben Album. Dann ist Schluss und wir sehen in der ganzen Groove Bar zig Mano Cornuta.

Ein wirklich toller Metalabend geht hier zu Ende. Die Fans zeigen, dass sie sich nicht unterkriegen lassen. Draußen vor der Groove Bar wird sich anschließend noch prächtig unterhalten. Fachkundige Gespräche und ein paar Selfies stehen noch an. Ich verabschiede mich bei vielen, bevor der Heimweg angetreten wird, immer noch das tolle Konzert im Ohr.

Fazit: Wahnsinnsabend mit Sober Truth in der Groove Bar in Köln. Ich denke mal, wenn der ganze Corona-Wahnsinn vorbei ist, dann wird dieses Konzert zu den denkwürdigen Konzerten hier gehören. Die Groove Bar hat gezeigt, dass auch unter den aktuellen Bedingungen etwas möglich ist. Vielen Dank an alle Beteiligten, die das hier möglich gemacht haben!

Der Abend hat gezeigt, dass wir zusammenstehen und vor allem zusammenhalten … um irgendwie durchzukommen. Trotzdem freuen wir uns dann in Zukunft wieder auf volle Hütten!

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