Soilwork – A Whisp Of The Atlantic (EP)

Der schwedische Qualitätslieferdienst ist wieder da

Artist: Soilwork

Herkunft: Helsingborg, Schweden

Album: A Whisp Of The Atlantic (EP)

Spiellänge: 36:54 Minuten

Genre: Melodic Death Metal, Progressive Metal

Release: 04.12.2020

Label: Nuclear Blast Records

Link: https://www.soilwork.org/

Bandmitglieder:

Gesang – Björn “Speed” Strid
Gitarre – David Andersson
Gitarre – Sylvain Coudret
Keyboard – Sven Karlsson
Schlagzeug – Bastian Thusgaard

Tracklist:

  1. A Whisp Of The Atlantic
  2. Feverish
  3. Desperado
  4. Death Diviner
  5. The Nothingness And The Devil

Selbst nach dem hochgelobten Album Verkligheten (Review: Klick) im letzten Jahr hat man das Gefühl, dass Soilwork noch längst nicht an ihrem Zenit angekommen sind. Die treibende Kraft hinter dieser EP ist Gitarrist David Andersson, der sich schon im Vorfeld mit allerhand philosophischen Ansätzen zu A Whisp Of The Atlantic äußerte: „Feuer ist das Element, welches uns heute antreibt, doch wir alle kommen aus dem Wasser. Zumindest, wenn du an die Evolutionstheorie glaubst, was ich von ganzem Herzen tue. Und Feuer ist das Element, welches die Konflikte auf der ganzen Welt anheizt. Es hat sehr oft mit Geschlecht, Gender, sexueller Ausrichtung oder Ethnie zu tun. Dass diese Konflikte immer noch existieren, erfüllt mich mit Trauer. Wir hätten uns schon so viel weiterentwickeln können.“

Der Titelsong strotzt nur so vor progressiven Einflüssen und ist mit über 16 Minuten der längste Song der Bandgeschichte. Andersson führt dazu weiter aus: „Ich hatte immer das Gefühl, dass Soilwork als Band unterschätzt werden und dass niemand sich wirklich bewusst ist, was wir leisten können. Seit einigen Jahren also hege ich den Traum, einen wirklich epischen Song zu schreiben und allen zu zeigen, zu was diese Band fähig ist.“ A Whisp Of The Atlantic startet dann auch gleich mit Meeresrauschen, gefolgt von seichten Gitarren- und Keyboardklängen. Die eindringliche Stimme von Sänger Björn beginnt die Geschichte zu erzählen. Der Gesang wird rauer und die ersten fetten Gitarrenriffs fliegen einem um die Ohren. Der Song bewegt sich im Midtempo weiter vorwärts und Björn wechselt cleane Gesangspassagen mit richtig fiesen Vocals. Zur Halbzeit nimmt der Song an Geschwindigkeit zu und der Hörer wird von Blastbeat-Attacken überrumpelt, nur um kurz darauf wieder in Melancholie zu versinken. Zum Schluss wechseln die Schweden zwischen progressiven Gitarrensoli, Raserei, atmosphärischen Parts und das Epos klingt mit jazzigen (!) Bläsern aus.

Die nächsten drei Songs wurden vorab schon unter dem Deckmantel The Feverish Trinity veröffentlicht. Feverish beginnt die Dreifaltigkeit mit Keyboardsounds aus dem The Night Flight Orchestra Universum. Gefolgt von Blastbeats, ist die Richtung aber gleich klar. Das schon 2019 veröffentlichte Lied hätte so auch auf Verkligheten stehen können. Mit einem bedrohlichen Intro startet Desperado und Soilwork machen dem Hörer klar, dass sie immer noch im Melodic Death Metal zu Hause sind. Aufgrund des etwas blassen Refrains bleibt jedoch nicht viel davon hängen. Das Riff von Death Diviner hat definitiv in Tool-Bettwäsche geschlafen. Als Fan der Amerikaner nehme ich diese Hommage positiv zur Kenntnis. Im Verlaufe des Songs bekommen wir wieder unverkennbare Soilwork Trademarks zu hören und das Ganze gipfelt in einem hymnischen Finale. Starkes Teil! Nach den größtenteils cleanen Gesangspassagen in Death Diviner kippt Speed in The Nothingness And The Devil seinen Schalter wieder auf evil. Generell muss einfach mal die Gesangsleistung der letzten Jahre gelobt werden, seine Stimme hat unfassbar von seinem zweiten Baby The Night Flight Orchestra profitiert. Der Song startet mit eingängigen Gitarrenriffs, die nach und nach immer progressiver werden und mit starken Drumfills unterlegt sind. Mit seinem lässigen Mittelteil und dem atmosphärischen Outro bildet der Song einen gelungenen Abschluss der EP.

Soilwork – A Whisp Of The Atlantic (EP)
Fazit
Soilwork sind wie der beste Paketdienst der Welt – sie liefern immer! Gitarrist David Andersson hat meine Erwartungen enorm nach oben geschraubt, insbesondere an den Titeltrack. So ganz gehe ich mit dem 16-minütigen Song nicht konform. Er wächst zwar mit jedem Durchlauf, hat aber auch seine Längen. Diese Erkenntnis trübt jedoch nicht den starken Eindruck der anderen Songs, auch das eher belanglose Desperado wird überspielt. Das technische Niveau, die Spielfreude und der überragende Gesang heben die Schweden deutlich von der Konkurrenz ab. Da liefern aktuell nur Dark Tranquillity ähnlich starke Ware aus.

Anspieltipps: Death Diviner und The Nothingness And The Devil
Florian W.
8
Leser Bewertung3 Bewertungen
8.5
8
Punkte
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