Eventname: I Feel The Everblack Festering Within Me Tour
Headliner: Lorna Shore
Vorbands: Whitechapel, Shadow Of Intent, Humanity‘s Last Breath
Ort: The Hall, Zürich
Datum: 03.02.2026
Kosten: 74 bis 79,30 CHF
Genre: Deathcore
Besucher: ca. 5000
Veranstalter: Goodnews Production AG
Link: https://www.lornashoreband.com/
Setlisten:
- Väldet
- Abyssal Mouth
- Godhood
- Tide
- Labyrinthian
- Bellua Pt. 1
- Instill
- They Murdered Sleep
- Flying The Black Flag
- Mechanical Chaos
- Vehement Draconian Vengeance
- Infinity Of Horrors
- Feeding The Meatgrinder
- The Heretic Prevails
- Prisoner 666
- Hymns In Dissonance
- A Visceral Retch
- Bedlam
- Ex Infernis
- Hate Cult Ritual
- The Somatic Defilement
- Devirgination Studies
- Prostatic Fluid Asphyxiation
- This Is Exile
- Oblivion
- Unbreakable
- War Machine
- Sun//Eater
- Cursed To Die
- In Darkness
- Glenwood
- Prison Of Flesh
- Pain Remains I: Dancing Like Flames
- Pain Remains II: After All I’ve Done, I’ll Disappear
- Pain Remains III: In A Sea Of Fire
Zugabe: - To The Hellfire
Das neue Jahr ist gerade einen Monat alt und wartet schon mit dem ersten großen Highlight auf: Lorna Shore sind wieder in Europa unterwegs! Wer die Jungs aus New Jersey schon einmal live erleben durfte, weiß, wie süchtig sie machen, und hat vielleicht, ebenso wie ich, schon sehnsüchtig auf diese Tour gewartet. Schließlich haben sie dieses Mal noch ein brandneues Album im Gepäck! Die Erwartungen sind also hoch, doch aufgrund ihrer ausnahmslos perfekten Shows der letzten vier Jahre bin ich sehr zuversichtlich, dass die Deathcore-Giganten sie auch dieses Mal erfüllen, wenn nicht übertreffen werden.
Supportacts heizen der Schweiz ein
Erst einmal fordert aber der harte Alltag seinen Tribut: Das Konzert ist leider an einem Dienstag und ich komme um die Arbeit bis in den späten Nachmittag hinein nicht umher, sodass sich die Abfahrt in Richtung Zürich ein wenig nach hinten verschiebt. Damit werde ich Humanity’s Last Breath wohl verpassen, schade. Immerhin gastiert das heutige Line-Up in The Hall, meiner Meinung nach einer der besten Venues, die ich besuchen durfte: gute Erreichbarkeit, modern, eine angenehme Größe und stets eine super Organisation. Als ich besagte Halle betrete, sind Shadow Of Intent schon mitten in ihrem halbstündigen Set und präsentieren mit Infinity Of Horrors einen Song aus ihrem im letzten Jahr erschienenen neuen Album Imperium Delirium. Eine Sache ist direkt klar: Stimmung machen können die vier US-Amerikaner. Das gesamte Publikum ist von ihnen in den Bann gezogen und der große Pit in der Mitte sorgt schon jetzt für eine dämpfige Atmosphäre. Während Bryce Butler, der, nach seinem Grinsen zu urteilen, immer glücklich zu sein scheinende Drummer des Quartetts, und seine Kumpane ihre Spielzeit mit The Heretic Prevails beenden, bleibt also nur zu hoffen, dass bei der Crowd am Ende des Abends noch genügend Energie für den Headliner vorhanden ist.
Als nach 20-minütiger Pause die Menschen wieder in den Saal strömen, fällt erst so richtig auf, wie voll es eigentlich ist. Im Vorfeld war das Konzert nicht ausverkauft, doch dem Füllstand nach zu urteilen kann es nicht mehr viele übrige Tickets gegeben haben. Für Lorna Shore heißt das, dass sie im Vergleich zu ihrem letzten Headlinerstopp 2023 in der Schweiz mal eben dreimal so viele Fans angelockt haben!

Zuerst ist aber Zeit für den letzten Supportact und damit niemand Geringeren als Whitechapel. Auch sie haben Anfang 2025 eine neue Platte herausgebracht und zögern die populärsten Songs davon auch nicht lange heraus. Prisoner 666 stellt den Opener dar. Ohne dass der Ton ausklingt, geht es weiter mit Hymans In Dissonance, bevor einem schon A Visceral Retch um die Ohren fliegt. Whitechapel scheinen viel mit ihrer Zeit vorzuhaben! Vocalist Phil Bozeman zeigt mit seiner riesigen Bandbreite an Screams, warum er oft zu Recht als einer der besten Deathcore-Frontmänner angesehen wird, und hat damit die Menge von Anfang an auf seiner Seite. Whitechapel spielen mit drei Gitarren, was sich bei einigen Bands soundtechnisch leider des Öfteren als Herausforderung darstellt. Heute ist davon aber zum Glück absolut nichts zu merken und jeder einzelne Song hört sich perfekt abgemischt an, als die Jungs mit Hate Cult Ritual ihre Reise durch die Tracks des neuen Albums beenden. Von ganz neu geht es dann zu ganz alt, denn es folgt als Nächstes eine musikalische Auswahl des Debütwerks The Somatic Defilement. Als Abschluss wurde sich für This Is Exile aus 2008 entschieden, bevor es den Besuchenden zugestanden wird, vor dem Headliner noch einmal durchzuatmen. In jedem Fall eine spannende Setlist, aber ohne Zweifel kam sie sehr gut an und heizte alle noch mal ordentlich vor.
Lorna Shore sorgen für Abriss- und Gänsehautmomente
Die angesprochene Verschnaufpause gestaltet sich mit 30 Minuten etwas länger, bevor um 20:55 Uhr endlich Total Eclipse Of The Heart als Vorspieler den Beginn der Show einläutet. Die Bühne ist noch verdeckt, während das Intro zu Oblivion läuft, dann geht es mit spektakulärem Vorhang-Drop und wilder Lichtshow hinein in knapp anderthalb Stunden feinster Deathcoreklänge. Direkt zu Beginn des Refrains schlagen schon zahlreiche Flammen empor, ebenso beim Breakdown, und das Publikum liebt alles daran.

Ein riesiger Pit tut sich auf, die ersten trauen sich, zu Crowdsurfen, und die Vorfreude, die den ganzen Abend schon spürbar in der Luft lag, entlädt sich. Für den Fotograben haben wir nur während des anschließenden Unbreakable Zeit, da bei War Machine schon wieder die ganze Bühne zu explodieren und in Flammen zu stehen scheint. Doch nicht nur das begeistert, auch die visuellen Animationen und Showelemente auf den LED-Wänden hinter den Musikern sind von hoher Qualität, passen sehr gut zur Musik bzw. zum Rest der Show und unterstreichen noch einmal, wie viel sich Lorna Shore seit dem letzten Mal weiterentwickelt haben. Als Sänger Will Ramos dann die Begrüßungsworte spricht, sich erkundigt, wie viele denn schon mit dem neuen Album vertraut wären, und dann auch für die, die es nicht sind, Sun//Eater ankündigt, gibt es endgültig kein Halten mehr. Der Pit wird anfangs zwar noch durch einige am Boden sitzende, rudernde Menschen behindert, doch schnell verstehen auch sie, dass jetzt nicht der richtige Moment dafür ist, und fügen sich in das Chaos in der Mitte des Saals ein. Übergangslos geht es weiter mit Cursed To Die und In Darkness, der, neben War Machine, auf dieser Tour zum ersten Mal live performt wird. Auch hier beeindruckt mich die perfekt abgestimmte Show wieder sehr, genauso im folgenden Glenwood. Das Ganze wird hierbei noch durch CO2 ergänzt, passt mit herbstlichem Waldthema super zum Song und erzeugt eine sehr emotionale Stimmung, wie es auch sein soll. Schließlich geht es im Text um die zeitweise sehr schwierige Beziehung zwischen Will und seinem Vater. Deshalb widmet er ihn im Voraus auch allen „who left home looking for peace“. Gänsehaut ist da beim Chorus „take me home“ garantiert. Als krasser Kontrast reiht sich dann Prison Of Flesh ein: Sieben Minuten lang geben die Jungs auf der Bühne der Crowd gerade heraus auf die Schnauze.

Dass hier viel Feuer nicht fehlen darf, versteht sich von selbst. Der Breakdown am Ende ist schon auf der Platte ein Alleinstellungsmerkmal, live kommt das aber noch mal ganz anders rüber, denn die Vibrationen von Doublebass und Bass durchdringen den gesamten Körper. Leider, das ist die schlechte Nachricht, haben Lorna Shore nur noch einen Song mehr für uns, wie Will ankündigt. Die gute Nachricht ist aber, dass es eine Trilogie ist! Bahn frei also für Pain Remains! Kaum hat Gitarrist Adam De Micco das Riff angespielt, singt der ganze Raum die Töne mit. Was diese Trilogie musikalisch bietet, muss ich niemandem erklären, der sie schon einmal gehört hat. So geht es allen Anwesenden, denen im Pit und denen, die sie still am Rand fühlen und genießen: Alle drei Teile sind ein Fest! Natürlich werden sie wieder von einer großartigen Show, viel Feuer und CO₂ untermalt, bevor der epische Epilog das Ende vorwegnimmt. Einen gibt es aber noch: Nach zahlreichen, lauten Zugaberufen entflammt die gesamte Bühne und das Riff zu To The Hellfire ertönt. Sowohl Lorna Shore als auch die Crowd lassen noch einmal alles raus, feiern jede Sekunde, bis Wills charakteristische Breakdown-Screams, oder wie man diese auch immer bezeichnen möchte, das nun endgültige Ende einläuten. Dieser Mann ist einfach eine Macht. Jeder Musiker dieser Band ist es.
Glücklich und überwältigt verlasse ich nach kurzem Durchatmen die Venue. Was für ein durch und durch gelungener Abend! Eine perfekte Show, super Musik, die durch Mark und Bein geht, und ein Line-Up, von dem viele Deathcore-Fans noch lange träumen werden. Einziges Manko: Austin Archeys Bassdrum war für mein Empfinden ein klein wenig zu leise, um ihre gesamte Wirkung zu entfalten. Nichtsdestotrotz wird mir dieser Abend noch lange im Kopf bleiben und hat für alle folgenden Shows dieses Jahr eine sehr hohe Messlatte gelegt. Hoffen wir, dass uns Lorna Shore bald wieder beehren!











