Event: Fury Live Twenty Six
Bands: Pohlmann, Fury In The Slaughterhouse
Ort: Freilichtbühne Kalkberg, Bad Segeberg, Schleswig-Holstein
Datum: 01.05.2026
Kosten: VVK 77,75 / 80,75 / 86,75 Euro Stehplatz, 83,75 / 86,75 Euro Sitzplatz
Zuschauer: etwas über 8000
Genre: Rock
Setliste:
- Waiting For Paradise
- Nine Lives
- Milk And Honey
- Letter To Myself
- Radio Orchid
- Why Worry?
- Better Times Will Come
- Haunted Head And Heart
- Sorrowland
- When We Were Young
- When I’m Dead And Gone
- In Love With A Clown
- Viva La Revolution
- Every Generation Got Its Own Disease
- Fix This Crack
- Trapped Today, Trapped Tomorrow
- Rain Will Fall
- Kick It Out
- Party Girl
- Pussycat Run
- Won’t Forget These Days
Zugabe: - Won’t Forget These Days Reprise
- Goodbye So Long
- Time To Wonder
Zugabe 2: - Walk On
- Cry It Out
- Down There
Die Sonne heizt den Kalkberg in Bad Segeberg schon einmal richtig auf. Da, wo sonst Winnetou durch die Manege reitet, steht heute eine riesige Bühne und wartet auf eine Megashow.
Manche Bands altern nicht – sie wachsen. Fury In The Slaughterhouse liefern auf dem Kalkberg in Bad Segeberg ein Open-Air-Konzert, das eindrucksvoll zeigt, warum die Hannoveraner seit vier Jahrzehnten zu den konstantesten Größen der deutschen Rocklandschaft gehören. Vor rund 8.000 Fans eröffnet die Band die Konzertreihe am Kalkberg mit einer Show voller Energie, Emotion und jener Selbstverständlichkeit, die nur echte Live-Veteranen besitzen.

Den Auftakt übernimmt Ingo Pohlmann, der dem Ruf von Fury-Frontmann Kai Wingenfelder nach Bad Segeberg gefolgt ist. Unterstützt wird der Singer-Songwriter von Hagen Kuhr am Cello und Jonathan Kluth an der Gitarre. Mit reduzierten Arrangements, warmem Sound und Songs wie seinem Dauerbrenner Wenn Jetzt Sommer Wär gelingt ein stimmungsvoller Einstieg in einen nahezu perfekten Frühlingsabend.
1987 gegründet, avancierten Fury In The Slaughterhouse schnell zu einer Ausnahmeerscheinung. Sie sind eine deutsche Band mit internationalem Rocksound, englischen Texten und großen Hymnen. Die Brüder Kai und Thorsten Wingenfelder, Gitarrist Christof Stein-Schneider, Drummer Rainer Schumann sowie ihre Mitstreiter schufen Klassiker, die bis heute generationenübergreifend funktionieren. Nach der Auflösung 2008 und dem umjubelten Comeback ab 2017 gelang mit dem Album Hope 2023 sogar das erste Nummer-eins-Album der Bandgeschichte.

Schon früh macht die Band klar, dass dieser Abend mehr sein wird als eine reine Greatest-Hits-Revue. Zwar stehen mit Time To Wonder, Won’t Forget These Days, Radio Orchid und Every Generation Got Its Own Disease jene Songs auf dem Programm, die Fury einst unsterblich machten, doch ebenso präsent sind Stücke der aktuellen Alben Now! und Hope, die sich organisch in das Set einfügen. Mit Fix This Crack steht zudem ein Song des im Juni erscheinenden Albums Changes auf der Setlist.
Gerade diese Mischung ist es, die Fury derzeit so stark macht. Die Klassiker lösen kollektive Mitsing-Momente aus, während neue Songs beweisen, dass die Band nicht vom Gestern lebt. Wo andere Legacy-Acts ihre Vergangenheit verwalten, schreiben Fury weiter an ihrer Geschichte.

Ein besonders sympathischer Moment des Abends ereignet sich mitten im Set. Gitarrist Christof Stein-Schneider feiert Geburtstag und der gesamte Kalkberg stimmt ein lautstarkes „Happy Birthday“ an. Stein-Schneider fällt gerührt auf die Knie und bedankt sich mit einer tiefen Verbeugung. Einer dieser ungeplanten Live-Momente, die größer wirken als jede perfekt choreografierte Showeinlage.
Kai Wingenfelder führt charismatisch durch den Abend, stimmlich stark, emotional präsent und mit jener rauen Wärme, die Fury-Songs seit jeher auszeichnet. Dazu kommt eine Band, die sichtbar Lust hat, hier auf der Bühne zu stehen. Immer wieder suchen die Musiker die Nähe zum Publikum, bewegen sich bis an den Bühnenrand, und Kai performt einzelne Passagen sogar mitten in der Menge.
Musikalisch ist das alles präzise, aber nie steril. Stein-Schneiders Gitarrenarbeit ist elegant und songdienlich, das Zusammenspiel der Rhythmusgruppe kraftvoll und locker zugleich. Besonders beeindruckend: Trotz Arena-Kulisse wirkt das Konzert nie distanziert, sondern erstaunlich intim.

Der Kalkberg selbst erweist sich erneut als perfekte Open-Air-Bühne. Das Amphitheater-Setting, milde Temperaturen und ein Himmel, der langsam in Abendfarben übergeht, verleihen dem Konzert zusätzliche Größe. Wenn Tausende bei Won’t Forget These Days mitsingen, bekommt dieser Ort beinahe etwas Magisches.
Fazit: Fury In The Slaughterhouse zeigen in Bad Segeberg, dass sie weit mehr sind als eine nostalgische Erfolgsband. Sie präsentieren sich als lebendige, relevante Rockformation mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Pohlmann sorgt mit seinem akustischen Support für den passenden Auftakt, bevor Fury das Gelände in einen einzigen Chor verwandeln. Kein Bombast, keine Tricks, kein Leerlauf, sondern nur große Songs, starke Musiker und ehrliche Emotionen. Fury In The Slaughterhouse sind noch lange nicht fertig, der Kalkberg liefert den besten Beweis dafür. Danke und tschüss, bis zum nächsten Mal!
















