Aura Noir + Support am 11.12.2018 im Le Grillen in Colmar

                                          „Norwegische Invasion im Elsass!“

Hauptband: Aura Noir

Vorgruppen: Obliteration, Vorbid

Ort: Le Grillen, 19 Rue des Jardins, 68000 Colmar, Frankreich

Datum: 11.12.2018

Kosten: 13,- € VVK   15,- € AK

Genre: Thrash Metal, Black Metal, Progressive Thrash Metal, Melodic Thrash Metal, Death Metal, Extreme Metal

Besucher: 100 – 120

Veranstalter: Asso Overkill https://www.facebook.com/asso.overkill/?eid=ARDxysgQ646sXRwXtEwcmnRc9iPWA6-oJBdizpRltp8zm-5×0-hfafirYEIs7OvN9brnDwwiGcbiQStd

Link: https://www.facebook.com/events/1988894937787676/

Setlisten:

01. Closed Casket
02. Zombie
03. Invention Intervention
04. Crimson Crown
05. Garden Of Departure

01. Goat Skull Crown
02. Onto Damnation
03. Exterminate
04. The Spawn Of A Dying Kind
05. Orb
06. Detestation Rite
07. Sepulchral Rites
08. Nekropsalms Evoke The Frozen Age

01. Sons Of Hades
02. Dark Lung Of The Storm
03. Fed To The Flames
04. Deep Tracts Of Hell
05. Black Metal Jaw
06. Shadows Of Death
07. Demoniac Flow
08. Sordid
09. Snake
10. Hades Rise
11. Cold Bone Grasp
12. The Obscuration
13. Swarm Of Vultures
14. Destructor
15. Black Thrash Attack
16. Heaven`s On Fire (Zugabe)
17. Broth Of Oblivion (Zugabe)
18. The Stalker (Zugabe)

Nachdem ich in letzter Zeit häufiger in der Schweiz war, führt mich mein Weg heute mal wieder ins nahe gelegene Elsass. Im Club Le Grillen gibt es heute mit Vorbid, Obliteration und Aura Noir die Death / Thrash Vollbedienung aus norwegischen Landen. Eine halbe Stunde vor Türöffnung komme ich in Colmar an und vor der Location herrscht gähnende Leere. Ein Tourbus steht einsam und verlassen in der Dunkelheit, doch Metalfreaks sind an diesem kalten Dienstagabend weit und breit nicht zu sehen. Auch bei Türöffnung haben sich nur eine Handvoll Leute eingefunden und es ist zu befürchten, dass sich die Bands wieder einmal für eine Handvoll Leute den Arsch abspielen müssen, wie so oft bei kleinen Clubkonzerten. Der Einlass geht problemlos vonstatten und, oh Wunder, ich stehe sogar auf der Gästeliste, was hier in Frankreich leider in der Vergangenheit nicht so gut funktioniert hat.

Pünktlich um 20:30 Uhr entern dann auch Vorbid aus Arendal in Norwegen mit dem Song Closed Casket die Bühne. Glücklicherweise haben sich zwischenzeitlich noch ein paar Thrash Metal Begeisterte eingefunden und das Le Grillen füllt sich weiter. Zunächst machen die Jungs ein wenig den Eindruck, als wären sie hier falsch gelandet und das eigentliche Flugziel wäre das Kinderland, doch schnell wird klar, dass der Old School Thrash Metal aus dem Land der Fjorde vollkommen Okay ist. Mit Songs wie Zombie und Invention Intervention vom noch aktuellen Album Mind setzt man sich gekonnt zwischen die großen Klassiker der Bay Area und klingt dabei doch erfrischend jung. Die progressiv gewürzten Songs machen durchaus Spaß und mit den beiden Gitarristen Emanuelsen und Briggs hat man Meister ihres Fachs in den eigenen Reihen. Knallharte Riffs und saubere Soli lassen durchaus den einen oder anderen Headbanger näher an die Bühne treten. Auch die häufigen Tempowechsel und interessanten Songstrukturen machen richtig Spaß und sorgen für ein kurzweiliges Vergnügen. Leider ist aber auch hier nicht alles Gold, was glänzt und Frontmann Michael Eriksen Briggs sollte sich in Zukunft besser aufs Gitarrespielen konzentrieren, denn das hat er drauf. Seine Vocals sind zwar so richtig schön schrill, sorgen sonst aber höchstens für hochgezogene Augenbrauen. Der schwachbrüstige Gesang, welcher besonders bei Crimson Crown so richtig auffällt, geht dann eher in die Richtung, ich will, kann aber nicht. Schade, denn ansonsten haben die Jungs durchaus das richtige Gespür für gute Songs. Nichtsdestotrotz, die noch junge Band schlägt sich recht gut und wird nach dem letzten Song, Garden Of Departure, fairerweise mit Applaus verabschiedet.

Im Anschluss stürmt die Norwegerhorde von Obliteration die Bühne und haut dem Publikum gleich den Klassiker Goat Skull Crown, vom 2013er-Album Black Death Horizon, um die Ohren. Schlagartig wird es vorne etwas enger und ich stehe endlich nicht mehr alleine in der ersten Reihe. Die grimmigen Herren aus Kolbotn servieren Old School Tech Death Metal der Marke Morbid Angel, Possessed, Autopsy oder Death. Im Anschluss gibt es mit Onto Damnation neues Material vom Cenotaph Obscure Album auf die Ohren und schnell zeigt sich, dass Sindre Solem und seine Mannen nur edelste Zutaten für ihren düsteren Sound verwendet haben. Abgründige Melodien, hämmerndes Schlagzeug, mächtig fiese Riffs und brutale, aber dennoch verständliche Growls. Nun kommt auch etwas Bewegung in das müde, französische Publikum und einige Haare fliegen tief. Die anfängliche Begeisterung schwindet aber im Laufe der nächsten Songs etwas, denn im Gegensatz zur Konserve klingen Songs wie z.B. Exterminate, The Spawn Of A Dying Kind und Orb gesichtslos und wenig spannend. Live klingen die morbiden Songs heute viel facettenärmer. Auch showmäßig ist spannend etwas anderes, Bass links, Gitarre rechts, einzig der Frontmann macht mal zwei – drei Schritte nach links oder rechts, oder einen halben nach vorn an den Bühnenrand. Dazu durchweg rotes Licht. Technisch präsentieren die Herren sich auf allerhöchstem Niveau, doch an Abwechslung mangelt es. Leichte Nuancen in der Geschwindigkeit, leichte Nuancen im Gesang, aber selbst bei einem Trip durch die Abgründe der morbiden Seelenlandschaft muss mehr drin sein. Auch einige Riffs klingen, als hätte man sie von Kerry King schon unzählige Male gehört. Delestation Rite klingt dann zumindest in einigen Passagen etwas doomig-melodiös und zeigt, dass auch in diesem Genre die Grenzen nicht ganz so eng gestrickt sind. Auch klingt Solems Gekeife hier herrlich besessen und gequält und nicht so klinisch glatt wie zuvor. Am geilsten ist die Todesbleihorde aber wie im Falle von Sepulchral Rites, wenn nämlich aus allen Rohren geschossen wird und die unbändige Spielfreude rüberkommt, was leider nicht während des ganzen Gigs so war. Auch zum Schluss gibt es noch einmal mitten in die Fresse, Nekropsalms Evoke The Frozen Age ist düsterer, verkommener, fauliger Death Metal und versöhnt.

Als in der Umbaupause dann endlich Aggressors Stuhl angeschleppt wird, haben sich doch etwa 100-120 Metaller im Le Grillen versammelt und auch direkt vor der Bühne wird es eng. Als es dann losgeht und die Bühne in blutrotes Licht gehüllt ist, humpelt zuerst der Ex-Dimmu Borgir Livedrummer Carl-Michael Eide alias Aggressor auf Krücken auf die Bühne. Nach einem Unfall im Jahr 2005, bei dem Eide aus dem 5. Stock fiel und zeitweise von der Taille ab gelähmt war, muss er noch bis heute mit Krücken laufen. Noch während einer kurzen Begrüßung legen die Nordmänner dann mit dicken Eiern und ohne anzuklopfen los. Sons Of Hades wird laut bejubelt. Ohne großes Drumherum wird ein Song nach dem anderen rausgehauen, Dark Lung Of The Storm, Fed To The Flames, Deep Tracts Of Hell, Black Metal Jaw. Aura Noir waren nie eine Band, die sich anbiedert, sich der Zeit anpasst, oder neuen Trends nachgibt und so auch heute: Es gibt altbackenen, oder nostalgischen, Black Thrash Mix à la Venom und Destruction auf die Ohren. Etwas wirklich Überraschendes passiert während der ganzen Show nicht, aber das hat wahrscheinlich auch niemand erwartet. Aggressor`s rotzige Stimme klingt eben, wie sie klingt. Neues Material wie z.B. Demoniac Flow fügt sich nahtlos ein und klingt, als wäre die Zeit stehen geblieben, dabei war das sechste fast selbst betitelte Album gar nicht so stark. Den Fans scheint es zu gefallen, auch wenn im Publikum genauso wenig Bewegung herrscht, wie auf der Bühne. Nur ein junger, reichlich angetrunkener Franzose fällt etwas aus dem Rahmen, steht wild bangend direkt an der Bühne und kriecht dabei immer wieder ansatzweise auf die Bühne, sodass er quasi immer wieder vor dem ehemaligen Mayhem Gitarristen Rune Eriksen alias Blasphemer kniet. Der Sound ist gut, die Setlist passt, die Spielfreude des Trios kommt rüber, die Riffs sind stimmig und lebendig, kommen aber nicht so aggressiv rüber, wie ich das live von dieser Truppe erwartet hätte. Ex-Immortal Ole Jorgen Moe alias Apollyon, der ja eigentlich für sein Bassspiel bekannt ist, bleibt den ganzen Abend hinter den Drums und drischt auf die Felle. Viel ist von ihm leider nicht zu sehen, er verschwindet fast vollständig hinter seinem Schlagzeug, nur ab und zu reckt er die Faust in die Höhe. Die ganz große Show bleibt hier heute aus, aber songtechnisch bleiben kaum Wünsche offen. Am lautesten bejubelt werden natürlich Destructor und Black Thrash Attack vom grandiosen 1996er-Album. Hier geben die Fans plötzlich alles und es wird ausgiebig gebangt. Danach ist Aufbruchsstimmung, sodass die Zugaben in Form von Heaven`s On Fire, Broth Of Oblivion und The Stalker viele nicht mehr mitbekommen. Klar, es ist Dienstag und viele müssen morgen arbeiten.

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