Artist: Beheaded
Herkunft: Malta
Album: Ghadam
Spiellänge: 38:10 Minuten
Genre: Death Metal
Release: 25.07.2025
Label: Agonia Records
Link: https://www.facebook.com/BeheadedMT
Bandmitglieder:
Gesang – Frank Callelja
Gitarre – Simone Brigo
Gitarre – Fabio Marasco
Bassgitarre – David Cachia
Schlagzeug – Davide Billia
Tracklist:
1. Għadam
2. Xtrajt L-Infern
3. B’niket Inħabbru L-Mewt
4. Iħirsa
5. Il-Kittieb
6. Ix-Xjaten Ta‘ Moħħi
7. Iljieli Bla Qamar
8. Jidħaq Il-Lejl
9. Irmied
Den meisten Metlheads fällt bei dem Namen Malta wohl sofort der Name Beheaded ein. Vielleicht noch Abysmal Torment oder Angelcrypt, aber definitiv Beheaded. Seit 1991 sind sie schon dabei und wer erinnert sich nicht gerne an die Zeit, als sie mit den deutschen Death Metallern von Anasarca unterwegs waren? Die haben hier in meiner Heimatstadt Emden in einem ganz kleinen Juz geballert. Welch eine Party! Ich glaube, da gab es viele blaue Flecken und ganz wenig Erinnerungen, hehe. Von der damaligen Besetzung ist zwar nur noch Gründungsmitglied David Cachia dabei, aber in der jetzigen Besetzung zocken sie nun auch schon seit zehn Jahren. Lediglich im Jahr 2021 kam der neue Gitarrist Fabio Marasco hinzu. Album Nummer fünf Only Death Can Save You erschien im Jahre 2019. Wird also tatsächlich Zeit für was Neues.
Ich habe das letzte Album nicht mehr so richtig im Ohr und wollte es mir eigentlich noch zur Vorbereitung reinziehen, aber manchmal ist es ohne ja auch viel besser. Und so gehen meine Ohren unvoreingenommen ins Rennen. Schon nach einigen Klängen wird aber klar, dass sich etwas getan hat, im Hause Beheaded. Da wäre zuerst einmal die sprachliche Orientierung. Statt in Englisch singen sie jetzt in ihrer Landessprache. Nicht nur der Opener Ghadam, sondern das ganze Album ist in maltesisch geschrieben. Der Beginn ist ein wenig folkloristisch, allerdings legen nach kurzer Zeit dann die Gitarren los. Und schon kommt die zweite und dritte Veränderung. Auf der einen Seite klingt man wesentlich düster und auf der anderen Seite wesentlich atmosphärischer. Natürlich bleibt man dem Death Metal treu, das ist klar und auch die Geschwindigkeit ist ein fester Bestandteil der Band, aber man klingt vom Riffing her wesentlich ausgereifter, teilweise sogar progressiv. Man arbeitet mit einem hohen Wiedererkennungswert und sehr intelligentem Songwriting. Wow, hätte ich so nicht erwartet. Klingt an einigen Stellen, wie bei anderen Songs des Albums auch, ein wenig wie Nader Sedak. So von der Herangehensweise her gesehen. Richtig geile Riff, die sich festsetzen und hängenbleiben. Das kann man so machen. Geiles Stück.
Bei Ghadam lohnt es sich, ein wenig tiefer zu graben. Alle Songtitel sind Büchertitel des maltesischen Autors Anton Grasse und beinhalten einige Gruselgeschichten. Wie gesagt, alles auf maltesisch und damit möchten Beheaded dem lokalen kulturellen Erbe huldigen. Eine schöne Sache, wie ich finde.
In Xtrajt L-Infern kommt zu Beginn eine Anlehnung an Morbid Angel zur Geltung. Ein schöner schleppender Part eröffnet das Geschehen und führt uns wieder in die neue Welt von Beheaded. Ein Part, der an maltesische Folklore erinnert, wird fett vorgetragen. Man ist eher im gediegenen Tempo unterwegs und lässt das Riffing für sich sprechen. Trotzdem drückt das Ganze ohne Ende und hat wieder diesen atmosphärischen Touch. Finde ich immer noch ungewohnt, aber ziemlich geil.
Dass man neue Wege beschreiten wollte und dann auch konsequent in die Tat umgesetzt hat, macht auch der im Midtempo agierende Song Ihira mehr als deutlich. Auch hier ist das Riffing wieder sehr kompakt und die einheimischen Klänge und Einflüsse sind mehr als hörbar – man kann sie spüren und fühlen. Das ist alles noch Death Metal und sie geben auch hier noch einmal Gas, kommen aber immer wieder auf diese atmosphärischen Klänge zurück und klingen an einigen Stellen sehr progressiv, ohne komplett durchzudrehen. Die scheinen sich ziemlich lange in der Ghar Dalam (maltesisch für Höhle der Finsternis – eine Karsthöhle im Südosten der Insel) aufgehalten zu haben, um die Ideen so umzusetzen, denn auch Songs wie Il-Kittieb (völlig genial) oder Ix-Xjaten Ta‘ Moħħi gehen in diese Richtung, die natürlich auch nicht mehr verändert wird. Warum auch, denn der eingeschlagene Weg ist ein sehr interessanter und vor allem ein gelungener – und eine absolute Verbeugung ihrer kulturellen Herkunft.
Sehr maltesisch endet dann das Album. Harmonisch und düster romantisch. Der Song Irmied wurde in den Railway Studios (Malta) aufgenommen und von Simone Brigo auf einer traditionellen handgefertigten Harfengitarre gespielt. Klingt ziemlich geil und damit endet die vorläufige Reise von Beheaded.
Wenn ich es richtig gelesen habe, habe sie einen Music Award auf Malta gewonnen und mit diesem Album wird ihr Ansehen in der Heimat sicherlich noch mehr steigen. Ich musste mich erst ein wenig an die Veränderung des Stils gewöhnen und bin beim dritten Mal anhören sehr begeistert von dem Songwriting. Ob man das schon als avantgardistisches Death-Metal-Album bezeichnen kann, weiß ich nicht, ist aber ja auch egal.




