Eventname: Epilogue – Colour Gray Album Releasekonzert
Headliner: Colour Gray
Support: Rapid Strides und Back To School
Ort: Schaubude im Hinterhof, Kiel, Schleswig-Holstein, Deutschland
Datum: 07.03.2026
Genre: Alterativ Rock, Punkrock, Indie, Progressive Rock
Besucher: etwa 80
Eintrittspreis: VVK 12,00 €, AK 15,00 €
Setlisten:
- Fairytales
- Reminiscence
- Jam
- Epilogue
- Teenage Dirtbag
- Airglow
- Razorblade
- Memories
- Iris
Zugabe: - Maquerade
- Old Friend
- Pressure
- In The Dark
- Devil’s Advocate
- Grey
- Puzzle
- Bloodbanks
- Quicksand
- Wasting Time
- All The Small Tings
- Another Party Song
- Astronaut
- Fix The World
- Irgendwann
- Up All Night
- Sadie
- Echoes
- Words Unspoken
Zugabe: - Denkmal
- Hey Jude
Der heutige Abend steht ganz klar unter dem Motto Nachwuchssichtung. Wenn eine Kieler Band ein Albumrelease feiert, versuchen wir natürlich, dies auch zu unterstützen. Die Kieler Schaubude im Hinterhof ist gerüstet, Einlass ist ungewöhnlich früh, bereits um 18:30 Uhr. Wir haben aber ja auch drei junge Bands mit unterschiedlichen Stilrichtungen am heutigen Abend auf dem Zettel.

Den Anfang machen Back To School. Pop-Rock-Punk aus Marne in Dithmarschen steht auf ihrer Visitenkarte. Die Jungs haben gerade ihr zweites Album WordsUnspoken herausgebracht. Stilistisch sind sie geprägt von Bands wie Blink-182 und Green Day. Sie haben es geschafft, sich beim Local Heroes Bandcontest in Hamburg den zweiten Platz zu erspielen. Sie schaffen nostalgische Momente mit Moshpit-Charakter. Die Show erinnert ein wenig an eine Zeitreise in die 2000er. 2009 gründeten die beiden Gitarristen Niklas und Yannick die Band, drei Jahre später folgte das Debütalbum Back To School und Jes kam als neuer Schlagzeuger dazu. 2024 wurde das Trio um Johannes am Bass ergänzt. Bemerkenswert ist, dass Jes sein Schlagzeug barfuß spielt. Gleich zu Beginn tauscht er sein Drumset zum Song Wasting Time mit dem Bass von Johannes. Publikumsnähe beweisen sie, als der Akustiksong Sadie inmitten des Saales gespielt wird. Als Zugabe streuen sie zwei Cover ein, die mit eigener Note versehen richtig abgehen. Sie schaffen es mit ihrem 45-minütigen Set, die schon anwesenden Gäste direkt abzuholen.

Die zweite Band des Abends ist mit Rapid Strides ein Rocktrio aus Bremen, das seit 2022 gemeinsam Musik macht. Bestehend aus Milan Funck (Gesang, Bass, Gitarre), Jakob Lengfeld (Gitarre, Backing Vocals) und Adam Winiarski (Schlagzeug) nahmen auch sie am Bundesfinale der Local Heroes teil und vernetzten sich mit den heutigen Kieler Gastgebern. Ihr Stil erinnert mich an den Progressive Rock der 80er-Jahre und holt mich direkt ab. Sie verbinden druckvolle Gitarren, markanten Bass und energetisches Drumming mit eingängigen Melodien zu einem einzigartigen Sound, der verschiedene Nuancen des Alternative-Rock vereint. Charakteristisch sind ihr vielschichtiges Klangbild und der zweistimmige Gesang. Die Songs bewegen sich zwischen dynamischer Wucht und introspektiven Momenten. Ihre Texte greifen Themen wie Selbstzweifel, Entfremdung und emotionale Überforderung auf, bleiben dabei aber offen genug, um Raum für eigene Deutungen zu lassen. Zum Herbst ist das Release ihres Debütalbums geplant, auf das ich mich direkt schon freue. Als ersten Vorgeschmack erschien im November 2025 die Live-Version ihrer Single Devil’s Advocate, die heute auch live präsentiert wurde. Auch dieser Gig ist leider nach 45 Minuten beendet. Davon hätte ich gerne mehr gehört.

Nach wiederum kurzer Umbaupause stehen dann um 21:30 Uhr die Schleswig-Holsteinischen Local-Heroes-Bandwettbewerb-Gewinner 2025, Colour Gray, auf der Bühne. Jan-Phillip (Gitarre und Gesang), Kevin (Bass), Jan (Lead-Gitarre) und Bennet (Drums) haben im März 2024 ihre EP Hometown mit einem Release-Konzert in der damals noch alten Kieler Schaubude veröffentlicht und nun, genau zwei Jahre später, steht das Debütalbum Epilogue an. Das seit gestern erhältliche 7-Track-Album setzt den Werdegang der Band gelungen fort. Die vorab erschienenen Singles Masquerade und Lie Awake gaben schon einmal einen Vorgeschmack auf den heutigen Abend. Ich zitiere einmal ihren eigenen Pressetext, denn besser kann man ihre Musik nicht beschreiben: „Zwischen unbeschwertem Hochgefühl und bittersüßer Melancholie, zwischen Pop-Rock, Indie und Alternative, stets schattiert mit elektronischen Elementen – genau dort fühlen sich Colour Gray am wohlsten und setzen zum musikalischen Pinselschwung an. Dabei entsteht ein ganz und gar nicht monochromes Klangbild, das in seiner Raffinesse an die Emotionalität von The Cure und die Verträumtheit von Oasis erinnert. Eine dennoch tanzbare Linienführung scheint Inspiration von den Riffs der Smashing Pumpkins oder Blink-182 zu beziehen und komplettiert ein Aquarell, welches in seinem Stil trotzdem unverkennbar Colour Gray bleibt.“ Ihr Sound kommt an. Leicht, unbeschwert und tanzbar. Ich habe seit Ewigkeiten kein solches Bild des Publikums gesehen, denn die ersten zwei Reihen bestehen ausnahmslos aus Frauen. Auch hier ist das Set nach 45 Minuten beendet. Für einen Headliner hätten wir schon etwas mehr erwartet, aber es soll ja auch noch Zeit für die Party mit den Gästen bleiben.
Wir haben viele neue Eindrücke gesammelt. Wenn die moderne Musikszene mehr von solchen Bands hervorbringt, braucht einem nicht bange zu werden. Einzig die Musikkonsumenten müssten so langsam mal wieder von der Couch aufstehen und mehr in die Clubs gehen. 15 Euro sind nun wirklich nicht die Welt für drei richtig gute Bands an einem Abend.




















