Darkthrone – The Underground Resistance

„Verderben viele Genres den Brei?“

Artist: Darkthrone

Herkunft: Oslo, Norwegen

Album: The Underground Resistance

Spiellänge: 41:40 Minuten

Genre: Black/Heavy/Doom/Speed Metal, Punk

Release: 25.02.2013

Label: Peaceville Records

Link: https://www.facebook.com/pages/Darkthrone/101075189934422

Bandmitglieder:

Gesang, Schlagzeug, Bass, Gitarre – Fenriz
Gesang, Gitarre, Bass – Nocturno Culto

Tracklist:

  1. Dead Early
  2. Valkyrie
  3. Lesser Men
  4. The One You Left Behind
  5. Come Warfare, The Entire Doom
  6. Leave No Cross Unturned

Darkthrone - The Underground Resistance - voer

Die Schwergewichte Darkthrone kehren drei Jahre nach Circle The Wagons mit The Underground Resistance zurück auf die Bildfläche, nachdem es gerüchteweise hieß, dass die Schaffungsphase der Band beendet sei. So groß der Einfluss der Band auf die Black Metal-Szene in der frühen Phase auch war – ebenso groß war das Geschrei als sich der Stil weiter veränderte und man nach dem Abschied vom anfänglichen Death Metal sich auch ein gutes Stück abseits der Riesenflut an Black Metal-Bands platzierte. Man kann dazu stehen wie man will, aber Fakt ist: Jeder Band sollte es ohne Gemurre freistehen, sich zu verändern. Dass sich dabei die Zielgruppe ändert, liegt in der Sache der Natur. Außerdem muss man dem Duo zugutehalten, dass die Veränderungen nicht in so seltsamen Eskapaden endeten wie die von Cradle Of Filth (hört euch mal die Demos an!) oder Dimmu Borgir (wobei das Lied Gateways ganz nett ist…). Wie dem auch sei, mit 16 habe ich A Blaze In The Northern Sky verschlungen, ein bisschen später Panzerfaust für mich entdeckt und dann bis F.O.A.D. die Band aus den Augen verloren, das titelgebende Lied bis zum Erbrechen gehört, den Nachfolger fast vollständig ignoriert (ohne besonderen Grund) und Circle The Wagons ein paar Mal gehört, allerdings gab es um die Zeit einfach viel zu viel, was mich interessierte. Und trotzdem freue ich mich über eine neue Darkthrone-Veröffentlichung, da mir der seit ein paar Jahren vorherrschende Stil, der eigentlich undefinierbar weil extrem genreübergreifend, mit steigender Lebensdauer zusagt.

So kommt es, dass mich der Auftakt, Dead Early sofort in gute Laune versetzen würde, wenn ich nicht schon gut gelaunt wäre, da es mit einem episch klingenden Riff beginnt, die Gitarrenverzerrung der Vorgänger aber 1:1 übernimmt, so dass die Epik durch dreckigen Klang verschmutzt wird. Das ganze Spiel dauert zum Glück keine Minute, denn danach legen die beiden mit gutem Tempo und simplen, aber effektiven Riffs los. Im Prinzip beschränken sie sich auf in zwei Riffs eingebettete Hauptriffs auf einem höher gespielten Anfang, bevor sie in die Tiefe „fallen“. Kombiniert mit dem unverwechselbaren Krächzgesang entsteht eine wunderbare, rohe Atmosphäre, die natürlich von den Vorgängern bekannt ist. Der erste einbettende Riff wird später übrigens noch zum Hauptmotiv des letzten Drittels, wodurch ein geschickter Haken geschlagen wird. Trotzdem nichts überraschend Neues – also alles beim Alten?

Nein, denn schon bei den ersten Tönen von Valkyrie weiß man, dass dieses Lied gänzlich anders ist, als der Opener: Mit Akustikgitarren begonnen, wechselt die hymnenartige Meldoe recht zügig in mit Strom versorgte Töne, bevor ein krasser Bruch erfolgt: Ohne Vorwarnung nimmt das Lied Thrash Metal-Züge mit extrem gehalltem, klarem und vor allem hohen Gesang an. Der Kontrast zur Hymne wirkt bis zur dritten Minute des Liedes nach, welches, abgesehen von ein paar geschlagenen Haken bis zu dieser Stelle fast durchgehend schnell bleibt, bevor es wieder zur Hymne mutiert. So ein gelungener Wechsel zwischen Hymne und Geschwindigkeit ist mir bis zum heutigen Tage noch nicht unter die Ohren gekommen. Genial! Dass das Lied durchgehend klar und hoch gesungen wird, ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber spätestens nach dem dritten Hören ist der Gesang kaum mehr aus dem Lied wegzudenken.

Lied Nummer Drei, Lesser Man behält erst einmal das Tempo vom Mittelteil von Valkyrie bei, bringt aber kreischende Soligitarren mit sich. An drei Stellen deutet das Lied kurz an, langsamer zu werden, was sich aber jedes Mal als Finte herausstellt. Das Riffing ist ähnlich stark wie im Vorgängerlied, allerdings gefällt mir das Schlagzeug besonders gut, da es stechend im Midtempo spielt und die Hi-Hat, geöffnet und geschlossen, in den Vordergrund stellt. Beendet wird das Lied von einem Solo, das ähnlich verworren wirkt wie damals das Solo in In The Shadows Of The Horns, bevor The One You Left Behind anrollt.

Bei diesem Lied fällt vor allem der Gesang wieder stark auf, der fließend zwischen krächzend und klar schwankt, was wohl der Affinität zum Punk geschuldet ist. An den hohen Schrei in Minute 2 werde ich mich niemals gewöhnen und muss bestimmte Bereiche meines Körpers davon abhalten, sich nicht zu suizidieren. Das Lied wirkt irgendwie befremdlich, wenn auch der Gesang von Nocturno Culto deutlich variabler ist als auf sämtlichen Vorgängeralben und insgesamt stimmiger wirkt. Auch wenn das Lied weit von einem Füller entfernt ist, ist es für mich das schwächste Lied der Platte. Beim Durchhören der Scheibe werde ich es in Zukunft nicht überspringen, aber gezielt Hören werde ich es keinesfalls.

Warum die Scheibe nur sechs Lieder hat, konnte man sich bisher nicht erklären, waren die Lieder bisher alle um die 4-5 Minuten lang. Die Antwort liegt in Lied Fünf (8 Minuten) und Lied Sechs (13 Minuten), welche mehr als die Hälfte der Spielzeit der gesamten Platte ausmachen. Bei Come Warfare, The Entire Doom bin ich deshalb anfangs skeptisch, funktionierten die kurzen Lieder doch mehr als nur ganz gut. Aber die acht Minuten Spielzeit erweisen sich komplett ohne Längen, viel mehr gibt es einige Doom Metal-Stellen, welche aber immer mit irrem Tempo beantwortet werden. Der Fokus wechselt regelmäßig zwischen den anwesenden Instrumenten, mal ist das Schlagzeug im Vordergrund am Rasen, dann schrammelt die Gitarre, was sie kann, nur um vom kraftvollen Kehlgesang abgelöst zu werden. Die Übergänge sind geschickt eingefädelt, das bisher auf dem Thron des besten Liedes sitzende Valkyrie mal eben runtergestoßen.

Und wieder einmal muss ich meine eh schon angeschlagenen Ohren schützen: Der Auftakt von Leave No Cross Unturned beginnt mit unfassbar hohem Gesang der Marke Power Metal. Dank Darkthrone weiß ich wieder, warum ich um die Musik einen Bogen mache. Abgesehen davon ist auch hier wieder ein stark weiterentwickelter Nocturnal Culto zu hören, der sogar ein ähnlich markantes „uh“ wie Kvarforth von Shining abliefert, bevor das Tempo des Liedes gedrosselt wird, dass bis zu dieser Stelle wieder angenehm hoch war. Ich weiß nicht, wie es auf der lyrischen Seite aussieht (ich kann kaum ein Wort raushören), aber rein musikalisch hätte man ab Minute Vier einen Cut machen können: Natürlich passt das, was man hört, irgendwie zusammen, aber alles ab hier könnte auch als neues Lied durchgehen. Das Tempo wird auf mittlere Stärke gedrosselt, das Lied entwickelt regelrecht einen Groove, bevor die Aufmerksamkeitsspanne des Hörers durch immer wieder erneutes Spielen eines kurzen Riffs auf die Probe gestellt wird. Quittiert wird die Ausdauer mit der Wiederholung des Anfangs, allerdings mit einem deutlich besseren Übergang. Erst in der zehnten Minute kommt ein gänzlich neuer Part, mehr Doom Metal als alles andere, welcher aber in einer Wiederholung vom zweiten Part des Liedes mündet, allerdings diesmal kürzer gehalten, da man das Album dann doch mit einem noch nicht verwendeten Riff beenden möchte. Es liest sich allerdings kritischer, als es ist: Das Lied macht ebenfalls Laune, auch wenn für meinen Geschmack etwas zu viel wiederverwertet wird.

Fazit: Das in meinem Geburtsjahr gegründete Duo wartet mit sechs neuen Liedern auf, die sich nahtlos in die Reihe der aktuelleren Veröffentlichungen einreihen. Dabei passiert in den 40 Minuten – trotz einer stark vertretenden Wiederverwertung von Liedteilen im letzten Lied – mehr als bei manchen Bands in drei Alben. Es kommt an keiner Stelle das Gefühl auf, es könne sich um ein Übergangsalbum handeln, um im Gespräch zu bleiben. Jedes Lied zeichnet sich durch ein individuelles Alleinstellungsmerkmal aus: In Valkyrie erwartet den Hörer klarer und in der Form ungewohnter Gesang, bei Lesser Man imposante Gitarren oder bei Come Warfare, The Entire Doom spielte definitiv Fenriz´ Doom Metal-Neigung eine wichtige Rolle beim Komponieren. Man kann es drehen wie mal will, aber abgesehen von einigen Längen bei Leave No Cross Unturned liefert Darkthrone das rundeste Album seit Jahren ab. Die Band hat sich in ihrem uniquen Stil, der aus vielen Strömungen der 80er Jahre besteht, gefestigt. Ich kann das Album jedem empfehlen, der die letzten 3-4 Alben mochte. Aber auch Hörer, die mit den Entwicklungen der Band bisher nichts anfangen konnten, sollten zumindest mal reinhören! Anspieltipps: Come Warfare, The Entire Doom, Valkyrie und Dead Early
Gordon E.
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