Deathgoat – Dragged Into Realms Below

Finnische Todesziegen im schwedischen Unterholz unterwegs

Artist: Deathgoat

Herkunft: Finnland

Album: Dragged Into Realms Below

Spiellänge: 35:32 Minuten

Genre: Death Metal

Release: 10.06.2025

Label: Xtreem Music Records

Link: https://www.facebook.com/deathgoatdeathmetal

Bandmitglieder:

Gesang – Putrid Worm
Gitarre – Vicat Miggoat
Gitarre – Nihilist
Bassgitarre – L.F.Molestor
Schlagzeug – Chope666

Tracklist:

1. Alkulima
2. Pestilent Retribution
3. Congregation Of Disease
4. Dying To Be Dead
5. Compulsive Cannibalism
6. Monoxcide
7. Flashback Psychosis
8. Clinically Undead
9. Dragged Into Realms Below

Die finnische Band mit dem kongenialen Bandnamen Deathgoat lärmt auch schon seit einiger Zeit herum, und zwar seit dem Jahre 2015. Die letzte Line-Up-Veränderung erfolgte im Jahre 2021, allerdings erst nach dem Erscheinen des Debütalbums namens Regurgitaed Into Existence. Damals agierte man noch zu viert. Nun ist man als Quintett zurück und ballert mithilfe des Labels Xtreem Music Album Nummer zwei auf den Markt.

Das Debütalbum fand ich ja schon richtig geil und habe zu der Zeit auch schon alle finnischen Witze gerissen, sodass ich mich hier vollends auf die Mucke konzentrieren kann. Das fällt mir als Death Metal Lunatic aber nun auch wirklich nicht schwer, muss ich sagen.

Mit Alkulima (zu Deutsch Protoplasma) startet man ins Rennen, doch diese finnische Eröffnung dient eher der Ablenkung des Gesamtgeschehens. Ein gelungenes Täuschungsmanöver oder die sogenannte Ruhe vor dem Sturm. Ein gelungenes, aber ungewöhnlich langes Intro erwartet den Zuhörer. Langsam baut man den Song auf, liefert eine gesprochene Passage dazu und man bleibt schleppend, aber sehr intensiv und auch ein wenig bedrohlich.

Pestilent Retribution ist dann wohl der richtige Einstieg in das Album und man macht dort weiter, wo man beim Debütalbum aufgehört hat. Der HM2-Sound brettert aus den Boxen. Die Herkunft ist somit nicht mehr ableitbar, aber das ist ja auch egal, denn es geht ja um Death Metal an sich. Die Riffs fliegen durch den Raum, werden sachgerecht betont und so donnert man los, als gäbe es kein Morgen. Leider gehen die tiefen Vocals bei dem ganzen Spaß ein wenig unter, aber das stört nicht wirklich. Screams werden mit eingebaut und die sind gut zu vernehmen. Das Ganze ist eine rasante D-Zug-Fahrt mit geilem Songwriting. Das Tempo und der Rhythmus werden sehr geil gewechselt, bis man zu einem atmosphärischen und melodischen Part kommt, der es absolut in sich. Klingt eben nach alten schwedischen Kapellen der Stockholm Schule. Dann aber Vorspieler, Solo und noch einmal volle Attacke. Ja, das hat es absolut in sich und klingt so was von brutal und aggressiv. Gefühlt wollen die Finnen keinen Stein auf dem anderen lassen und einfach nur zerstören.

Mit Congregation Of Disease setzt man dann die Reise fort. Auch hier zieht man die schwedischen Gardinen zur Seite und liefert mit einem atmosphärischen Riff gleich eine absolut ordentliche Portion Gewalt dazu. Zwischen schnellem Midtempo und Uptempo geht es hin und her und ich liebe es, wenn sie mit einem HM2-Sound die Drums durchdrehen lassen. Feinstes Geballer. Klingt jetzt stumpf, ist es aber bei weitem nicht, denn sie haben auch wieder diese atmosphärischen Momente dabei, und diese Riffs haben es in sich. Danach nimmt man aber wieder schön Fahrt auf und zaubert mir ein absolutes Lächeln ins Gesicht. Stimmung hoch zehn. Wie schon gesagt, nur schade, dass der tiefe Gesang ein wenig in den Hintergrund gelangt. Instrumenten-technisch gesehen ist das hier ganz großes Kino. Dieses Solo ist einfach mega und der groovende und massige Midtempopart lässt keinen Death-Metal-Anhänger unberührt. Auch die Betonung der Drums am Ende hat es absolut in sich. Gefällt mir sehr gut.

Einziger Kritikpunkt ist tatsächlich ein wenig Produktion. Den Gesang hatte ich schon angesprochen, aber auch die Rhythmusgeschichte ist nicht immer klar zu vernehmen. Schade, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Die Gitarren sind dafür dominant und brutzeln ohne Ende.

Musikalisch läuft hier alles so, wie ich es mir vorgestellt und nach dem starken Debüt auch erhofft habe.

Dying To Be Dead knüppelt am Anfang erst einmal alles nieder, bevor man dann in ein sehr geiles rhythmisches Midtempo wechselt. Hat schon, vom Drumming her gesehen, etwas von Amon Amarth. Aber nur kurz, dann kommt wieder der Knüppel und der gerade angesprochene Part wiederholt sich. Ja, das macht alles Spaß und dieser Part ist der Hauptbestandteil des Songs, wird aber natürlich auch niedergeballert. Man wechselt jetzt in einen anderen Midtempopart und bietet am Ende des Parts einen heiseren Gesang an, der es absolut in sich hat. Ein kurzer Moment atmosphärischer Eruptionen, um mit einem Scream in einen Ballerpart rüberzuwechseln. Ja, das macht alles Laune ohne Ende. Besonders der Songaufbau hat es in sich. Von den gelungenen Riffs fangen wir erst einmal gar nicht an.

Und ja, so geht es in einer Tour weiter. Sei es das energische Stück Monoxcide, welches wieder mit einer hervorragenden Drumarbeit und wechselndem Riffing, mal genüsslich, mal fix, überzeugt oder Flashback Psychosis, welches eine etwas andere Gitarrenarbeit und eine geile Atmosphäre innehabt.

Am Ende verabschiedet man sich mit dem Namensgeber Dragged Into Realms Below. Der Song wird druckvoll, schleppend und atmosphärisch aufgebaut und zwischendurch geknüppelt, um dann wieder die schleppende Variante zu wählen. Das Uptempo ist nicht weit und folgt natürlich auch. Ein emotionales Solo wird nachgeschoben, doppelter Gesang und wieder ins Uptempo. Hier macht man mal wieder sehr viel richtig, denn danach holt man erst einmal richtig den Knüppel aus dem Sack, um danach wieder ordentlich zu schleppen. Aber auch in diesen Momenten bleibt man aggressiv. So geht es erst einmal ein wenig weiter, bis man dann ein melodisches Riff mit fiesen Vocals übernehmen lässt. Da ist ein geiles Solo nicht weit weg. Ja, so ist das eben bei Deathgoat. Und nun dürft ihr raten, ob man den Song so enden lässt? Klar, natürlich nicht! Man steigert sich ins Midtempo, spricht am Ende noch einmal Tacheles und haut alles kurz und klein!

Deathgoat – Dragged Into Realms Below
Fazit
Die Finnen mit dem Blick nach Schweden setzen dort an, wo sie bei Regurgitated Into Existence aufgehört haben. Das Boss-Pedal und somit der HM2 dienen wieder als Wunderwaffe. Lediglich die Produktion, gerade beim Gesang und der Rhythmusfraktion, ist ein kleines Manko, ansonsten ist dieser Old School Death Metal ein reiner Schlag in die Magengrube. Man krümmt sich und möchte wieder einen Schlag bekommen. Und immer wieder. Das Drumming ist absolut kompromisslos und geht von schleppend bis zum absoluten Geballer und die Riffs sind sowohl einprägsam als auch technisch anspruchsvoll. Diese Tempo- und Rhythmuswechsel sind großartig und das Songwriting absolut anspruchsvoll. Wer auf Old School Death Metal, besonders natürlich der Stockholm Schule, steht, muss hier zuschlagen.

Anspieltipps: Pestilent Retribution und Congregation Of Disease
Michael E.
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