Frischer Wind für Firewind

Ein Gespräch mit Herbie Langhans, dem neuen Sänger bei den griechischen Powermetallern

Artist: Herbie Langhans, Firewind

Herkunft: Deutschland, Belgien, Griechenland

Genre: Power Metal, Hardrock

Label: AFM Records

Links: http://firewind.gr/
https://de-de.facebook.com/firewindofficial/
https://www.herbie-langhans.de/

Bandmitglieder:

Gesang – Herbie Langhans
Gitarre – Gus G.
Bassgitarre – Petros Christo
Schlagzeug – Jo Nunez

Anfang des Jahres gaben Firewind den Namen eines neuen Frontmanns bekannt. Auf Henning Basse folgt Herbie Langhans (ex-Sinbreed, Voodoo Circle, Radiant, Avantasia). Grund genug, um mit Herbie etwas ins Detail zu gehen. Zu Corona-Zeiten natürlich via Phone.

Time For Metal / Jürgen:
Moin Herbie, es ist sehr schön, dass Du dir ein wenig Zeit für Time For Metal genommen hast.

Firewind / Herbie Langhans:
Moin, ja gerne. Danke für die Anfrage.

Time For Metal / Jürgen:
Bevor wir zur Musik kommen – wie geht es Dir und Deinem Umfeld? Alle okay, keine Probleme mit Viren?

Firewind / Herbie Langhans:
Bei uns ist alles okay. Keine Viren und kein Corona. Aber natürlich ansonsten etwas eingeschränkt, wie alle anderen Menschen wohl auch.

Time For Metal / Jürgen:
Welche Auswirkung hat Corona bisher auf Dein Leben als Musiker und Produzent, vor allem auch in der Zusammenarbeit mit Firewind? Die Band ist ja über mehrere Länder verteilt.

Firewind / Herbie Langhans:
Wir haben schon vor Corona sehr viel online zusammengearbeitet. Gus und Petros sind ja in Thessaloniki zu Hause, Jo in Madrid und ich hier. Von daher war das online Zusammenarbeiten kein größeres Problem für Firewind.

Time For Metal / Jürgen:
Ich habe gelesen, dass Du bereits seit Dezember 2019 bei Firewind aktiv bist – hat Gus G. Dich einfach angerufen? Wie ist Dein Einstieg so schnell zustande gekommen?

Firewind / Herbie Langhans:
AFM hatte den Kontakt hergestellt und Gus G. hat mich dann angerufen. Zunächst hieß es, dass es um ein Projekt ginge. Gus sagte dann, dass er einen neuen Sänger für Firewind sucht. Dazu gab es eine Deadline bis ca. Mitte Januar 2020 zur Fertigstellung der Gesangspassagen. Ich hatte Zeit, also habe ich zugesagt. Zunächst habe ich einen alten Track gesungen, quasi als Demo. Das hat Gus und den anderen gefallen, also ging es an den ersten Titel vom neuen Firewind Album. Das war Devour. Ich konnte den Gesangspart selbst interpretieren. Einen Großteil der Texte und Melodien des Albums konnte ich so mitgestalten.

Time For Metal / Jürgen:
Wann und wo hast Du die anderen Bandmitglieder kennengelernt?

Firewind / Herbie Langhans:
In Thessaloniki beim Videodreh Anfang Januar 2020. Ich bin am Freitag hingeflogen. Wir haben uns bei Petros in seiner Bar auf ein Getränk getroffen. Samstag sind wir dann gemeinsam durch die Stadt gelaufen und abends essen. Am Sonntag dann der Drehtag. Wir haben zwei Videoclips gedreht und hatten dazu noch ein Fotoshooting.

Time For Metal / Jürgen:
Du hast dann die Gesangsparts für das quasi schon soweit fertige Album übernommen. Wie lange hast Du denn gebraucht, um Dich in die Materie einzuarbeiten? Laut Gus war das Zeitfenster bis Mitte Januar fix gesetzt?

Firewind / Herbie Langhans:
Die Songs standen von der Musik, aber die Texte waren noch nicht komplett. Gus hatte die Idee eines kleinen Minikonzepts. Wir haben Texte aus der Sicht eines Astronauten geschrieben, der von oben auf die Welt schaut. Das lief ab Mitte Dezember. Es war täglich Aufnehmen, Text schreiben, Aufnehmen und natürlich abstimmen. Das war schon ein ziemlicher Druck – aber unter Druck entstehen Diamanten! Weihnachten hatte ich aber ein paar Tage frei. Am Ende hat alles zeitlich super gepasst. Ich hatte privat auch noch einen Umzug. Daher war Mitte Januar auf jeden Fall ein fixer Termin.

Time For Metal / Jürgen:
Ihr wart bei Tobias Lindell zum finalen Abmischen. Wie lange wart ihr vor Ort?

Firewind / Herbie Langhans:
Wir waren gar nicht vor Ort. Das haben wir komplett online gemacht. Da hat jede Band so ihre Art, ein Album zu finalisieren und die Kosten sollen ja auch im Blick behalten werden.

Time For Metal / Jürgen:
Lass uns über die Musik der neuen Firewind von Firewind sprechen. Rising Fire wurde bisher veröffentlich. Da sieht man Dich ja erstmalig mit Firewind in Aktion. Wo und wann habt Ihr das Video aufgenommen?

Firewind / Herbie Langhans:
Wie erwähnt – eins der beiden gedrehten Videos war das Video zu Rising Fire. Das haben wir in Thessaloniki in einem Studio aufgenommen.

Time For Metal / Jürgen:
Welcome To The Empire geht als Opener gleich richtig los. Nach dem ca. einminütigen Intro gibt es typische Firewind Trademarks und richtig Tempo. Wollt Ihr den Zuhörer im Firewind Empire willkommen heißen? Worum geht es in dem Track?

Firewind / Herbie Langhans:
Welcome To The Empire ist ein Teil unseres Minikonzepts. So heißt euch unser Astronaut in seinem Empire willkommen. Der Space Cowboy oder Orbitual Sunrise sind weitere Tracks, welche zu dem Minikonzept gehören.

Time For Metal / Jürgen:
Mit Overdrive, Space Cowboy oder Orbitual Sunrise gibt es dann etwas andere Töne, für mich Hardrock alter Prägung im neuen Gewand. Verlassen Firewind den Powermetal Pfad mit neuem Sänger?

Firewind / Herbie Langhans:
Ich finde, die Mischung ist ziemlich cool, Gus und ich haben die Texte gebaut. Aktuell gehe ich davon aus, dass der Mix in etwa so bleibt. Das ergibt sich einfach aus dem musikalischen Zusammenwirken. Jeder schmeißt seine Ideen mit rein. Es ist so eine Art kleine kreative Spielwiese. Nun komme ich neu mit dazu mit meinen Einflüssen. Da müssen wir einfach abwarten, welche Ideen sich entwickeln und welche der Ideen sich dann auch wirklich umsetzen lassen.

Time For Metal / Jürgen:
Ich persönlich finde den Rausschmeißer sehr stark – Kill The Pain. Der Track vereinigt für mich etwas die Hardrockelemente und den Powermetal von Firewind. Ist der Track bewusst ans Ende des Werks gesetzt worden?

Firewind / Herbie Langhans:
Das war ein Song, der lange in der Schwebe war, ob er es aufs Album schafft oder nur als Bonutrack. Es ist halt ein hartes Schlusswort. Aber die Reihenfolge war wohl eher Zufall. Mir ist jetzt nichts in Erinnerung, dass wir bewusst Kill The Pain ans Ende gepackt haben.

Time For Metal / Jürgen:
Nun steht ja auch im Mai die erste große Tour für euch auf dem Programm. Die USA mit 27 Shows in einem Monat, gemeinsam mit Symphony X und Primal Fear. Da gibt es gleich ein hartes Programm für Dich (wenn Corona es zulässt). Machst Du eine spezielle Vorbereitung? Bisher hast Du mit Firewind noch keinen Liveauftritt gehabt, oder?

Firewind / Herbie Langhans:
Hier gibt es aktuell zwei mögliche Szenarien. Das erste, und meines Erachtens wahrscheinliche Szenario, ist die Absage der Tour. Aber da sind der Promoter am Zuge, bzw. die Politik.
Das zweite Szenario wäre, dass die Tour überraschenderweise doch stattfindet. Wenn es so kommt, werden wir uns in Thessaloniki ein paar Tage zum Proben treffen, die Setlist fixen und dann in die USA fliegen. Es ist richtig – ich hatte mit den Jungs noch keinen Livegig. Aber das wird sich hoffentlich in naher Zukunft ändern. Ich muss vor allem noch die ganzen alten Firewind Tracks lernen. Das ist auch noch mal ein ganzer Haufen an Arbeit.

Time For Metal / Jürgen:
Dann müssen wir noch zu Deinen anderen Projekten kommen. Radiant habe ich für ein Indoor Fest in der Markthalle in Hamburg im Billing gesehen, ebenso, dass Du mit Avantasia weiter tourst? Bleibt das so? Was wird mit Voodoo Circle?

Firewind / Herbie Langhans:
Okay, also zunächst mal Radiant. Die mache ich auf jeden Fall weiter. Das ist meine Band mit Menschen, mit denen ich bereits sehr lange musikalisch unterwegs bin. Ich produziere und mische auch alles, was wir bei Radiant tun. Die Bandkollegen arbeiten alle Fulltime. Das bedeutet, dass wir eigentlich nur am Wochenende etwas gemeinsam realisieren können. Da muss man immer schauen, wie es zeitlich bei allen Bandmitgliedern passt. Aber auch hier gibt es bereits die ersten Absagen. Das Sicking High Rock Festival in Weselberg für Juni 2020 ist bereits um ein Jahr, auf 2021, verschoben worden.

Bezüglich Avantasia erwarte ich ebenfalls, dass einige Shows nicht stattfinden werden. Madrid für Juni ist bereits abgesagt worden. Verona im Juli wird vermutlich das gleiche Schicksal ereilen. Wie es mit den deutschen Terminen aussieht, muss man abwarten. Ob es dieses Jahr ein Wacken Open Air gibt oder nicht, wissen wir momentan alle nicht. Das musikalische Thema Avantasia wird mich aber auf jeden Fall auch zukünftig beschäftigen.

Voodoo Circle wird vermutlich um einige Monate nach hinten geschoben. Da Primal Fear ja eigentlich mit uns durch die USA touren sollten, wäre da natürlich ein guter Slot für Voodoo Circle. Wenn die Tour nicht stattfindet, kommen ja dann viele andere Termine. Primal Fear sind im Herbst auf Tour, Mat Sinner dann auch noch bei Rock Meets Classic mit eingebunden. Da wird es zeitlich irgendwann schwierig.

Ich arbeite aber gerade noch an einem komplett neuen Projekt. Es ist alles eingetütet. Da wird es demnächst eine Info für die Presse geben. Das wird eine komplett neue Band – lasst euch überraschen.

Time For Metal / Jürgen:
Laut einschlägiger online Magazine arbeitet Tobias Sammet an einem neuen Avantasia Werk. Wirst Du dort auch wieder eine Rolle übernehmen?

Firewind / Herbie Langhans:
Ich weiß, dass bei Avantasia etwas läuft, aber involviert bin ich nicht. Für mich wird das Thema, wenn überhaupt, erst in der Endphase interessant. Evtl. mach ich dann die Background Vocals oder Ähnliches. Draconian Love (Ghostlights, 2016) war ja ursprünglich auch völlig anders angedacht. Der Track sollte an Andrew Eldritch von Sisters Of Mercy oder Ville Valo von HIM gehen. Das kam letztendlich nicht zustande. Tobi (Tobias Sammet) fand den Track, so wie er war, aber auch gut und sagte „komm, den machen wir mit auf das Album“. So bin ich zu dem Gesangspart bei Avantasia gekommen.

Time For Metal / Jürgen:
Vielen Dank für das nette Gespräch und die Informationen. Ich hoffe, dass die Zeit nach Corona bald beginnt und Du mit Firewind und den andren Themen richtig durchstarten kannst. Aktuell bleibt mir nur zu sagen stay healthy, stay metal, stay home.

Firewind / Herbie Langhans:
Vielen Dank, das hoffen wir auch. Danke für Dein Interesse und immer die Hände waschen!

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