Genus Ordinis Dei – Glare Of Deliverance

Ein fettes Brett als Highlight des Jahres

Artist: Genus Ordinis Dei

Herkunft: Crema, Italien

Album: Glare Of Deliverance

Spiellänge: 71:50 Minuten

Genre: Symphonic Death Metal, Groove Metal, Metalcore

Release: 04.12.2020

Label: Eclipse Records

Link: https://www.eclipserecords.com/band/genus-ordinis-dei/

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre – Niccolò (Nick K) Cadregari
Gitarre – Tommaso (Tommy) Monticelli
Bassgitarre – Steven F. Olda
Schlagzeug –  Richard Meiz

Tracklist:

  1. Ritual
  2. Hunt
  3. Edict
  4. Examination
  5. Torture
  6. Judgement
  7. Dream
  8. Abjuration
  9. Exorcism
  10. Fire

Die italienische Symphonic Death Metal Formation Genus Ordinis Dei wurde 2011 von professionellen Musiklehrern der renommiertesten Musikschulen des Landes gegründet. Zwei Jahre später erschien ihr Debütalbum The Middle (2013). Danach spielten sie Liveshows in Italien und Europa, dabei lernten sie Marco Coti Zelati (Lacuna Coil) kennen. Mit ihm produzierten sie ihre erste EP, die den schlichten Titel EP 2016 (2016) erhielt. Kurz darauf unterschrieb die Band einen Plattenvertrag beim dänischen Label Mighty Music. Im Sommer ging es sogleich mit Produzent Simone Mularoni sowie Gastmusikerin Christina Scabbia (Lacuna Coil) ins Domination Studio, um den zweiten Longplayer Great Olden Dynasty einzuspielen. Im Herbst erhielten Genus Ordinis Dei von Lacuna Coil und Forever Still eine spontane Einladung als Supporter für ihre Delirium World Tour, worauf sie für 31 Konzerte quer durch Europa die Bühnen mit ihren Kollegen teilten. Das bescherte ihnen sehr gute Kritiken und obendrein diverse Angebote mehrerer Plattenlabel. Im Sommer 2017 unterschrieben sie schließlich einen Vertrag bei Eclipse Records. In den kommenden zwei Jahren folgten weitere Supporter-Touren, unter anderem mit Kollegen wie Dark Tranquility, Jinjer, Suffocation, Evergrey und Bloodred Hourglass. Unmittelbar nach dem Metalitalia.com Festival begann die Band im letzten Jahr neues Material für ihr nächstes Album zu erarbeiten.

2020 lief die Produktion von Glare Of Deliverance, dem nunmehr dritten Studioalbum auf Hochtouren. Am 4. Dezember fiel der finale Startschuss zur Veröffentlichung des neuen Meisterwerks. Thematisch dreht sich alles um die mittelalterliche Geschichte einer jungen Frau namens Eleanor, die von der Heiligen Inquisition verfolgt wird. Die insgesamt zehn Songs hat Gitarrist Tommaso Monticelli (Jumpscare, Eternal Delyria) in seinem eigenen Sonitus Studio gemixt und gemastert. Zu jedem Track drehten Genus Ordinis Dei jeweils ein Video mit einer eigens zusammengestellten Crew. Die Band konnte samt Unterstützer diese umfangreiche Produktion dank der erhaltenen Sondergenehmigungen trotz der strengen Quarantäne-Bedingungen stemmen. Dies hat ihnen die Einhaltung ihres Zeitplans ermöglicht. Allein das ist schon eine starke Leistung, wofür sich die gesamten Mitstreiter hart ins Zeug gelegt haben. Glare Of Deliverance ist mein erstes Review, bei der mir das Genre Symphonic Death Metal über den Weg gelaufen ist. Das war für mich die Entdeckung des Jahres – ein echtes Highlight!

Der Opener Ritual beginnt mit lieblichem Vogelgezwitscher und weiblichem Operngesang, die dann Unterstützung von einem Chor bekommen. Es klingt wie der Beginn eines Film-Epos. Die Reise ins Ungewisse beginnt nichts ahnend, dass sich gleich eine gewaltige Soundwand aufbaut, die für eine mächtige Gänsehaut sorgt. Wenn schon gleich der erste Track so flasht, ist die Erwartung an die weiteren Songs entsprechend hoch. Hunt erfüllt diese auch prompt. Es hagelt reichlich Blastbeats und ordentliches Drumgeballer bei einer üppigen Bombastkulisse. Am Ende dieser Jagd ertönen Glockengeläut sowie galoppierendes Pferdegetrappel. Eine atemlose Stimme predigt zur Umkehr, warnend vor dem schwarzen Mönch. Diese Nummer hat es in sich! Edict schlägt am Anfang wieder softere Töne an, die dann warnend mit einer ansteigenden Spannungskurve immer mehr den Bombastfaktor aufbauen. Reibeisen Tommy haut dazu aggressive Growls raus, die durch Mark und Bein gehen. Eine wuchtige Instrumentalkulisse untermauert die düstere Stimmung – einfach nur brutal genial! Examination setzt den eingeschlagenen Weg konsequent fort. Das sägende Riffing schleift sich unerbittlich durch die Gehörwindungen, ein echter Nackenbrecher. Gehetzte Sprecheinlagen steigern die Dramatik dieses Songs. Ein Brett jagt hier das nächste. Sogleich steht Torture in den Startlöchern und bläst die Gehörgänge mit einer fetten Soundwand ordentlich frei. Epische Streicher plus Choruntermalung setzen dem Ganzen das Sahnehäubchen auf. Sowohl hektische Sprecheinlagen als auch ballernde Breakdowns erschüttern zudem die Hirnwindungen. Judgement setzt mit seiner wehmütigen Melodie noch eins obendrauf, sie hinterlässt bleibenden Eindruck – Ohrwurmgefahr droht! Etwas ruhiger und getragener geht es zunächst bei Abjuration zu. Nach der ganzen Dramatik wird es auch Zeit für eine Verschnaufpause, um mal wieder etwas runterzukommen. Die Spannungskurve zieht allerdings im Verlauf wieder deutlich an, es war nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm. Die Melodie von Exorcism tänzelt anfänglich mit leichtfüßigen Walzerklängen, die an eine Marktplatzszene eines mittelalterlichen Films erinnern. Das ändert sich jedoch schlagartig. Schwere Dramatik hält wieder Einzug ins Geschehen. Rausschmeißer Fire präsentiert in üppigen 16 Spielminuten noch einmal alle Facetten, die Genus Ordinis Dei reichhaltiges Repertoire zu bieten hat.

Glare Of Deliverance ist für mich das Album des Jahres 2020. Dieses Meisterwerk hat mich vom ersten Moment an schwer beeindruckt!

 

Genus Ordinis Dei – Glare Of Deliverance
Fazit
Genus Ordinis Dei liefern zum Ende des Jahres 2020 ein echt fettes Brett ab. Wer noch eine Geschenkempfehlung für Weihnachten braucht, bitte, hier ist sie! Mit Glare Of Deliverance kann man einfach nichts falsch machen. Das Ding ist brutal genial! Es ist deutlich spürbar, wie viel Herzblut in diesem Album steckt. Es ist aufwendig produziert. Vom Songwriting über Instrumentalbeherrschung bis zum Mixing und Mastering stimmt einfach alles. Ich kann hier nur eine absolute Kaufempfehlung aussprechen. Die investierte Kraftanstrengung der italienischen Band samt seiner fleißigen Mitstreiter hat sich definitiv gelohnt.

Anspieltipps: Ritual, Hunt, Edict, Examination, Torture, Judgement … einfach alle Songs
Sandra R.
9.8
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9.8
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