Event: Hell Over Hammaburg 2026
Bands: Mega Colossus, Skräcken, Argus, This Gift Is A Curse, Christian Mistress, Forteresse, Sintage, Night, Phrenelith, Slingblade, Helheim, Atlantean Kodex, Templar, Vollmondprozession, Palantyr, Wrahha, Sun Worship
Ort: Markthalle, Klosterwall 11, 20095 Hamburg
Datum: 06.03.2026 und 07.03.2026
Kosten: VVK ab circa 95 € plus Gebühren, sold out
Zuschauer: ca. 1000 Menschen
Genre: Heavy Metal, Speed Metal, Doom Metal, Classic Rock, Hard Rock, Psychedelic Rock, Sludge, Black Metal, Death Metal, Epic Metal, NWoTHM, True Metal, Viking Metal
Link: https://helloverhammaburg.blogspot.com/
Festivals wie das Hell Over Hammaburg 2026 sind viel zu schnell vorbei. Die weit gereisten Menschen tummeln sich bei Hafenrundfahrten, in der Plattenkiste, auf der Plattenbörse beim Bambi Galore oder irgendwo auf’m Kiez. Das Wetter ist heute schon fast sommerlich – zumindest für norddeutsche Verhältnisse. Die einheimische Meute reist pünktlich zur Öffnung der Türen der Markthalle an. Die Besucherschaft ist mit Festivalbändchen ausgestattet und der Einlass zügig erledigt. T-Shirt-Wetter sorgt für leichte Bekleidung.
Im Gegensatz zum ersten Festivaltag wird heute zusätzlich die kleine Location der Markthalle bespielt. Die nennt sich MarX und hat grob eine Kapazität von circa 180 Personen. Wenn der Schuhanzieher benutzt wird, dann eventuell noch zehn mehr. Problem: Bei einer kompletten Auslastung geht die Temperatur steil nach oben, der Sauerstoffgehalt steil nach unten. Das führt dazu, dass sich viele Fans ausschließlich auf den großen Saal konzentrieren. Um 16 Uhr eröffnen Sintage aus Leipzig das Geschehen.

Gefühlt sind Sintage gerade Dauergast in Hamburg. Vor circa vier Wochen im Bambi Galore, jetzt beim Hell Over Hammaburg. Der große Saal ist trotzdem gut besucht und die Truppe drückt ordentlich auf die Tube mit Sachen wie Ramming Speed oder Flames Of Sin. Ein weiteres Problem des zweiten Festivalstages sind die Überschneidungen zwischen MarX und dem großen Saal. Bereits um 16:30 Uhr rufen Templar, die gerade vor wenigen Wochen ihr bockstarkes Debüt Conquering Swords veröffentlichten. Wer sicher einen Platz im MarX bekommen möchte, muss sich zeitig auf den Weg machen. Die Bude platzt aus allen Nähten, als die schwedischen True-Metaller die Bühne entern und sich durch ihre aktuelle LP zocken. Blickfang ist vor allem Sänger und Bassist Isak Neffling, der mit seinem Umhang an seine Landsleute Helvetets Port erinnert. Die junge Band legt sich ordentlich in die Seile. Die beiden Gitarristen posen um die Wette und es ist reichlich Bewegung auf der Bühne. Soundtechnisch bietet das Marx nicht ganz die Qualität der großen Halle, für eine junge Truppe ist der Auftritt aber mehr als ordentlich. Die Temperaturen in der Venue thematisiert auch Neffling, der darauf verweist, dass er zum Glück sein Hemd vergessen hat.
Für den norddeutschen Körper sind die Temperatur und der geringe Sauerstoffgehalt auf Dauer leider nicht machbar, sodass schweißgebadet der Weg zum Wasserhahn angetreten wird. Mit gekühltem Kopf und nach circa einer halben Stunde Pause geht es im großen Saal weiter.
Night sind die Überraschung

Wer Bandnamen wie Graveyard, High Spirit, Wytch Hazel oder Tanith kennt, kann das schwedische Quartett grob eingruppieren. Eine Mischung aus Hard Rock und Heavy Metal liefert die Truppe aus Linköping und trifft am Nachmittag mit dieser Kombination den Nerv des Publikums. Natürlich zocken schwedische Bands ihr Repertoire sehr kompetent, aber auch der Sound, der ganze Drive und die Interaktion von Sänger und Gitarrist Oskar Andersson, der eventuell auch von Ambush bekannt sein könnte, sorgen für eine hervorragende Atmosphäre. Das 2017er-Album Raft Of The World bildet das Gerüst des Sets mit fünf von sieben Stücken. Die kommen nahezu perfekt rüber und zeigen, dass der Ambush-Sänger noch ganz andere Qualitäten hat als die Rampensau. Mit Drummer Linus Fritzson ist noch ein weiteres Bandmitglied von Ambush heute auf der Bühne. Night sind viel zu gut, als dass die Band nur die zweite Geige neben Ambush spielt. Daher die Frage: Wann gibt es neues Night-Material, Herr Andersson?
Die Pausen im großen Saal sind mit 30 Minuten identisch zum Vortag, dann stehen Phrenelith aus Dänemark auf der Bühne. Es gibt Death Metal der rabiaten Art. Todesbleifans kommen vollkommen auf ihre Kosten. Für die True-Metaller eine gute Möglichkeit zur Nahrungsaufnahme außerhalb der Markthalle. Es gibt noch einiges an Programm, sodass es gut gestärkt um 19:45 Uhr zu The Unpredicted Deeds Of Molly Black geht.
Slingblade und ein gefeiertes Album

Der Name The Unpredicted Deeds Of Molly Black ist unbekannt? Dann ist ein Album mit unzähligen Hits unbekannt. Eigentlich sind die gesamte Band und das Album unbekannt, das Album aber trotzdem ausgezeichnet. 2011 veröffentlichten Slingblade ihren bisher einzigen Arbeitsnachweis. Auf dem Hell Over Hammaburg ist die Band aus Stockholm bereits das dritte Mal. In einer gerechten Welt würde die Platte auf ganz vielen Plattentellern liegen und sich drehen. Die Welt ist ungerecht und nur Bassist Niclas Svensson (unter anderem The Baboon Show) ist als professioneller Musiker unterwegs. Sängerin Kristina Karlsson kommt genauso auf die Bühne, wie vor circa 15 Jahren. Die Stimme hat sich nicht verändert, die Show hat sich nicht verändert und die Stücke haben sich nicht verändert. Wahrscheinlich sind Band und Publikum in den ganzen Jahren in einer Frischhaltezelle gewesen, um heute ordentlich zu feiern.
Off The Hook, This Dream Will End, Molly’s Death und zum Abschluss Give Back What You Borrow. Zehn Stücke für die Ewigkeit, die unbedingt von der musikalischen Welt außerhalb einer enthusiastischen Bubble entdeckt werden wollen. Eventuell funktioniert es mit der zweiten Platte? Karlsson kündigt an, dass in naher Zukunft die zweite Scheibe veröffentlicht werden soll. Nun, Slingblade sind nicht King Diamond, aber das Gerücht kam bereits vor zwei Jahren auf. Job und Familie hatten aber bisher Priorität. Slinglade sind einer der gefeierten Acts auf dem Hell Over Hammaburg und ein euphorisiertes Publikum gönnt sich eine Pause, bis sich die Tonlage dunkel färbt.
Helheim und der Klassiker Jormundgand

1995 veröffentlichte eine Band aus Bergen die LP Jormundgand. Während Namen wie Enslaved, Windir, Kampfar oder Borknagar einen respektablen bis großen Bekanntheitsgrad erreichten, sind Helheim in der zweiten Reihe geblieben. Viele schwarzmetallische Fans brennen auf den heutigen Gig der Truppe, um eine Platte zu hören, mit der oft jugendliche Assoziationen verbunden sind. Selbst für das eher ungeübte Ohr bezüglich Black Metal sind Helheim gut hörbar. Das ist keine stumpfe Prügelei und auch die Saitenarbeit kann sich sehen und hören lassen. Der Gesang ist dagegen gewöhnungsbedürftig und das dauerhafte Keifen peitscht kräftig das Trommelfell. Trotzdem sind Helheim eine Black-Metal-Combo, bei der auch Nicht-Black-Metal-Fans durchaus ein Ohr riskieren können. Eine Stunde beackern die Herren die Bühne, dann ist es Zeit für den finalen Change.
Der Abschlusschor des Hell Over Hammaburg 2026 mit Atlantean Kodex

Wenn das Publikum von der ersten Strophe dabei ist und „Empires rise, empires fall, Atlantean tombs, imperial halls“ aus vielen Mündern erklingt, dann ist der Headliner ein würdiger Headliner. Mehr noch, Atlantean Kodex räumen am heutigen Abend in der Markthalle ab, wobei sich Publikum und Band in einen nahezu rauschhaften Zustand steigern. Wer die Platte The Annihilation Of Bavaria kennt, hat einen ungefähren Eindruck von dem denkwürdigen Abschluss der Hell Over Hammaburg 2026. Wobei es langsam losgeht und Lion Of Chaldea erstmalig für ausgestreckte Arme in der gesamten Crowd sorgt. Mit The Prophet In The Forest und Pilgrim nimmt der Chor zu. Aber da gibt es eine Platte mit dem Namen The White Goddess. Es genügt das Streichholz Sol Invictus von Sänger Markus Becker und die Halle brennt.
Nachschlag? Klar, Heresiarach und “Lightbringer of the damned – Heresiarch, Heresiarch! Flame in Elysian gardens, Sword of the vengeful blessed, oh groom of the night” schallt durch die Venue.

Höhepunkt: „I wish to speak to you today about the tragedy of Europe„. Becker selbst übernimmt die Ansage und das langgezogene Ohhoho trägt Band und das Publikum selbst bis „On a strong white bull the Goddess rides, in the darkest night twelve stars will rise, Daughter of the East in an azure gown, our new Jerusalem we found.” Stimmung? Gänsehaut, Erpelpelle, genial, ergreifend, unbeschreiblich, abgefahren, überdreht oder einfach nur geil. Nachschlag: „Heed to the – Atlantean Kodex, Kneel before – Atlantean Kodex, Bow your head – Atlantean Kodex, Share the madness, the fury and the might”.
Gitarrist und Songschreiber Manuel Trummer verabschiedet sich auf unbestimmte Zeit von den Bühnen. Kommende Woche in Athen ist er nochmals dabei, dann konzentriert er sich auf seine beruflichen Herausforderungen, wird der Band aber als Songschreiber und im Studio nach wie vor zur Verfügung stehen. Die Fans tragen Trummer heute nahezu durch die Show, und sichtlich beeindruckt verlässt die Band die Bühne. Was für ein Abschluss des Wochenendes!
Es gilt, Danke zu sagen für ein nahezu unglaubliches Wochenende. Danke an das Veranstaltungsteam des Hell Over Hammaburg um Wolf Rüdiger Mühlmann für die grandiosen Bands und die ganze Arbeit über ein Jahr. Danke an alle Bands. Ohne Musik auf der Bühne kein Festival. Danke an das Publikum, das gefeiert, gesungen und miteinander eine gute Zeit verbracht hat. Danke an die Crew der Markthalle, wo es immer entspannte Lösungen gab. Wann geht es weiter? Nur noch einmal ist Hell Over Hammaburg. Am 5. und 6. März 2027 verabschiedet sich das Festival, da die Markthalle umgebaut wird und das Festival nicht mehr in der Form durchgeführt werden kann. Bestimmt gibt es auch ein Warm-up im Bambi Galore am 4. März 2027. Tickets? Klick!
Bisheriges Billing:
Hier geht es zurück zum ersten Tag des Hell Over Hammaburg 2026.













































