Dies Ater
Ein wahrlich schwarzer Tag, als die Geschichte von Human Traces im Jahr 2017 enden sollte, bevor sie wirklich begann: Das hart erarbeitete Material für die Debüt-EP war im Kasten, die Motivation war groß. Zumindest bei einem Großteil der Metal-Combo aus (Berlin), denn der damalige Sänger verließ das Quartett vor der Veröffentlichung und zurück blieb ein Trio, das daraufhin die kompletten Vocals einstampfen musste und um einen ganzen Schritt im Zukunftsplan zurückgeworfen wurde.
Die verbliebenen Gründungsmitglieder ließen sich davon aber nicht aufhalten und machten sich auf die Suche nach einem neuen Vokalisten für ihr ehrgeiziges Projekt. Mit dem in Seoul geborenen Kyuho fanden sie schließlich genau die richtige, einzigartige Stimme für ihren Sound. Gemeinsam brachten sie das begonnene Werk endlich zu Ende und hoben Chastise Mankind aus der tiefschwarzen Taufe. Das Glück währte jedoch nur kurz. Südkorea zog den frisch gewonnenen Frontmann zum Militärdienst ein – ein Ruf, der selbst bis nach Deutschland reicht und dem Folge geleistet werden muss. Den Dienst beginnen durfte Kyuho aber nicht, gleichzeitig wurde sein Reisepass eingezogen. Eine Rückreise war unmöglich, der Sänger war in seinem Heimatland gestrandet und damit fernab seiner Bandkollegen. Kam nun doch das Ende für Human Traces? Keinesfalls! Nach einer Pause sammelte sich die junge Band, überbrückte die Distanz mithilfe der Technologie und bastelte remote an neuen Songs.
Dies Irae
Mit einer ordentlichen Ladung Wut im Bauch melden sich Human Traces lautstark zurück, um die Böden der Moshpits beben zu lassen. Sie sind bereit, der Community erbarmungslos ein knüppelhartes Metal-Brett nach dem anderen um die Ohren zu hauen. Kompromisse gesteht sich das Trio nur beim Sound ein, hier werden ausgetüftelter Progressive Metal, eindringliche Clean-Vocals und fachmännische, bitterböse Death-Metal Growls zu virtuosen, musikalischen Kleinoden zusammengezimmert. Band und Diskografie sind ein Gesamtkunstwerk, innerhalb ihres Schaffenskosmos halten sich absolute Freiheit und konstruiertes Kalkül die Waage. Während ein Song komplett vom ersten Ton aus dem Nichts heraus entstehen kann, kann ein anderer streng nach allen Regeln der Zunft auf dem Papier zwischen den Notenzeilen geboren werden. Am Ende des Tages zählt nur eines: Die eigenen Emotionen müssen einen Weg in die Ohren der Hörer finden, Fans sollen sich mit der Musik identifizieren und sie weitergeben können.
Dies Reditus
Nach langem Leidensweg voll persönlicher und globaler Krisen ist es nun endlich an der Zeit, als Band zurückzukehren und die Früchte der harten Arbeit unter die Menschen zu bringen. Dabei wird die sorgfältig zubereitete und gewohnt düster-schwere Kost in ein Menü mit mehreren Gängen unterteilt. Den Anfang macht die EP Akt I: Life To Die For, die am 28.10.2022 erscheinen wird und den ersten Teil von dreien darstellt, welche am Ende zu einem Album zusammengefasst werden. Was auf dem Speiseplan steht? Die Spezialität von Human Traces: Brutale Depression in Reinform, ein Destillat aus Wut, Trauer und Aggression.
Dies lässt sich allein schon beim Blick auf die Auswahl der Songtitel erkennen, I Die Therefore I Am und Interior Monologue sprechen Bände. Und nicht gerade zwischen den Zeilen, sondern die Intention wird den Hörern direkt ins Gesicht geklatscht. Parts wie “The animal of doom in me wants to wear my face / I become its mask” oder “I am trapped in life / I’m suffocating but I can’t die” zeichnen tintenschwarze Illustrationen einer aufgewühlten Innenwelt, gefangen in chaotischer Reflexion. Darin finden sich auch gelegentlich Fragmente auf Koreanisch, die der Seelenschau des aus Seoul stammenden Frontmanns eine noch persönlichere Note geben. Mit Also Sprach Zarathustra Kapitel 34 zementiert das Trio dann vollkommen seinen Status als Gesamtkunstwerk und den hohen Anspruch an sich selbst. Lyrisch werden Abgründe aufgerissen, mit Gift und Galle wird der Gesellschaft der Spiegel vorgesetzt.
Ein Mix aus eindringlichen Clean-Vocals und bitterbösen Death-Metal Growls singt beziehungsweise schreit diese Botschaften in die Welt hinaus, während auf instrumentaler Seite ausgetüftelter und experimentierfreudiger Progressive Metal die Aufmerksamkeit fängt, fesselt und nicht mehr loslässt. Hier werden lebendige Emotionen auf die Suche geschickt – nach Gleichgesinnten, Leidensgenossen und Mitkämpfern. Die Geschichte von Human Traces geht endlich weiter und dies ist der erste Akt des neuen Kapitels.
Human Traces sind:
Kyuho Lee (Madmans Esprit) – Vocals
Johannes Löffler – Drums
Tom Haberland – Gitarre
https://www.facebook.com/humantracesband/
https://humantracesband.bandcamp.com/releases


