Imperial Age – Live On Earth: The Online Lockdown Concert (DVD)

Episches Onlinekonzert voller Mythen und Sagen

Artist: Imperial Age

Herkunft: Moskau, Russland

Album: Live On Earth: The Online Lockdown Concert (DVD)

Spiellänge: 170:00 Minuten

Genre: Symphonic Metal

Release: 23.10.2020

Label: Eigenproduktion

Link: https://www.imperial-age.com/

Bandmitglieder:

Gesang – Alexander “Aor” Osipov
Gesang – Jane “Corn” Odintsova
Gesang – Anna “KiaRa” Moiseeva
Bassgitarre – Dmitry “Belf” Safronov
Gitarre – Pavel Maryashin
Schlagzeug – Max Talion

Tracklist:

  1. Turn The Sun Off!
  2. The Escape
  3. Vanaheim
  4. Domini Canes
  5. Warrior Race
  6. Wings Of Your Heart
  7. Love Eternal
  8. In The Center Of The Earth
  9. Life Eternal
  10. The Castaways
  11. Islands In Time
  12. Battle Heart
  13. Aryavarta
  14. Death Guard
  15. And I Shall Find My Home
  16. The Awakening
  17. The Monastery
  18. Anthem Of Valour
  19. The Legacy Of Atlantis
  20. The Making Of Live On Earth (Bonus)

Eines der positiveren Dinge, die uns 2020 hinterlassen hat, ist die hohe Anzahl an hochwertigen Streaming-Konzerten aus aller Welt. Ein bisschen Livefeeling für gebeutelte Fans transportieren uns in diesem Fall die russischen Symphonic Metaller von Imperial Age ins heimische Wohnzimmer. Das Konzert wurde am 25. April 2020 im abgeriegelten Moskau aufgenommen und ist jetzt als DVD erhältlich. Für den 5.1 Mix und das Mastering ist Arkona-Gitarrist Sergei Lazar verantwortlich. Beim Livestream schalteten 38.000 Zuschauer ein und spendeten ca. 10.000 Euro an die Musiker, die im Vorfeld ihr Geld in die Umsetzung steckten.

Imperial Age wurden 2012 von Alexander “Aor” Osipov und Jane “Corn” Odintsova in Moskau gegründet. Nach einigen Jahren als Support Act international bekannter Bands wie Epica, Paradise Lost oder Fintroll kam 2014 der entscheidende Wendepunkt in der Karriere der Russen: Imperial Age eröffneten für Therion in St. Petersburg. Therion Mastermind und Genre-Mitbegründer Christofer Johnsson fand Gefallen an der Musik und bot der Band an, die CDs über sein Label Adulruna Records zu vertreiben. Einige Monate später nahm Johnsson die junge Band mit auf Therions Europatournee.

Nach zwei Alben, einer EP und einem Livealbum kommt nun die visuelle Vollbedienung Live On Earth: The Online Lockdown Concert als DVD. Dabei war der Weg bisher sehr steinig, wie Frontmann Aor erklärt: „Vor ein paar Jahren waren wir pleite, unbekannt und verzweifelt, irgendetwas zu unterschreiben. Wir haben unsere Musik an alle Labels da draußen geschickt, aber die Industrie hat uns komplett ignoriert.“ Als große Labels wie Napalm oder Frontier Records den durchschlagenden Erfolg des Streaming-Konzertes im April letzten Jahres bemerkten, boten sie Imperial Age lukrative Plattenverträge an – doch die Band lehnte respektvoll ab. Sie hatten es durch eigene Kraft und die freundliche Unterstützung von Christofer Johnsson bis hierhin geschafft. Doch wo war Gondor als die Westfold fiel? Übersetzung für die Nicht-HdR-Fans unter unseren Lesern: Wo waren die Labels, als die Band sie in ihrer dunkelsten Stunde gebraucht hätte? Do it yourself – die Russen ziehen ohne eure Hilfe in die Schlacht des Musikbusiness. Zumindest die hohen Follower-Zahlen in den sozialen Netzwerken sprechen für diese Einstellung.

Die DVD kommt inkl. 5.1 Sound und HD-Download. Das Sextett wurde dabei von fünf Kameras eingefangen. Ebenfalls enthalten ist ein kurzes Making-of. Die ersten epischen Klänge ertönen und Imperial Age eröffnen das Set gleich mit ihrem längsten Stück Turn The Sun Off!, dem Titelsong des ersten Albums. Über 14 Minuten dramatischer Symphonic Metal, folkige sowie balladeske Parts und „kitsch as kitsch can“ – Rhapsody oder Nightwish könnten es nicht besser machen. Zunächst stehen der Drummer, Gitarrist und der Bassist auf der etwas zu klein geratenen Bühne, zu ihnen gesellt sich Bandkopf Aor und intoniert: „There is a permanent fire, burning inside our hearts.“ Das lyrische Feuer brennt vor allem für Atlantis, Vanaheim und ähnliche mythische Orte. Dann betreten die Sängerinnen und Augenweiden Jane und Anna die Bühne. Leider geht mit diesem Genre auch immer Musik aus der Konserve einher, so kommen auch bei Imperial Age die Keyboards und Chöre vom Band. Da es sich unbestritten um erstklassige Musiker handelt, trübt diese Tatsache kaum den starken ersten Eindruck. Sängerin Anna liefert eine von vielen Soloeinlagen, die mir wohlige Schauer über den Rücken jagen. Optisch kommen die Russen in passenden Kostümen daher, die von Goldkehlchen Jane entworfen wurden.

Mit feinstem britischen Akzent begrüßt der gebürtige Schotte Aor die Fans auf Facebook und YouTube. Es beginnt eine Reihe von Fragen, die von den Fans zwischen den Songs gestellt werden. Unfreiwillige Komik entsteht dabei immer wieder durch zwei Dinge: Zum einen liefert die Mutter des Gitarristen die meisten Kommentare, zum anderen lässt der Sänger des Öfteren seine Bandmitglieder auflaufen, indem er sie die Fragen beantworten lässt. Leider spricht keiner seiner Kollegen nur annähernd so gut Englisch wie der Schotte. Die Q&A Sektion gehört zwar mittlerweile zu dieser Form des Livestreamings, unterbricht allerdings auch etwas den Flow des Konzerts.

The Escape startet mit einigen Helloween-Vibes in der Gitarrenmelodie, bevor das Bombastlevel im Refrain wieder auf die Spitze getrieben wird. Zugegeben, die Stimme von Alexander Osipov ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, hat aber definitiv Charakter. Anna Moiseeva hingegen hatte mich von der ersten Note im Griff ihres fantastischen Soprans. In Vanaheim hat Bandmitbegründerin Jane ihren ersten Solospot. Schön ist, dass die Stimmen der Gesangsfraktion sehr viel Abwechslung ins Geschehen bringen. Kaum erkundigt sich Jane nach weiteren Fragen, schon setzt das Intro des nächsten Songs ein. Immerhin wurden solche kleinen Patzer nicht rausgeschnitten, was den Livecharakter unterstreicht.

Je länger ich Aor in seinem Kostüm betrachte, desto mehr beschleicht mich das Gefühl, dass an ihm ein Elb aus Herr der Ringe verloren gegangen ist. In Warrior Race darf Gitarrist Pavel Maryashin seine growligen Sangeskünste darbieten, denen ich leider nicht so viel abgewinnen kann. Nach kurzer Zeit übernehmen die etatmäßigen Vokalisten wieder die Mikros. Im Gegensatz zur gleichnamigen EP muss die Band in Warrior Race auf so illustre Gäste wie Sergei Lazar (Arkona), Fabio Lione (Rhapsody Of Fire) oder Daray (Dimmu Borgir) verzichten. Wie bereits erwähnt, ist auf der Bühne ohnehin wenig Platz. Auf die Frage, wo sich die Band denn befinde, wird lediglich mit Moskau geantwortet. Das hat vor allem damit zu tun, dass Imperial Age einige Hürden überwinden mussten, um überhaupt in der abgeriegelten Stadt spielen zu dürfen.

Das nächste Highlight liefert die Halbballade Love Eternal, die als Duett zwischen Jane und Aor fungiert und großes Gefühlskino transportiert. Der eine oder andere dahinplätschernde Song wie Islands In Time schleicht sich in die Setlist. Zu Beginn von Battle Heart kommen folkige Dudelsack-Klänge aus Aors zweiter Heimat Schottland zum Einsatz und liefern ein schönes Kontrastprogramm. Die Geschwindigkeit wird im Vergleich zu den vorangegangenen Songs etwas angezogen. Schlagzeuger Max begleitet das Flötensolo im Mittelteil auf dem Drumstick aka „Luftflöte“. Annas Gesangseinsatz in Aryavarta erweckt erneut die Nackenhärchen zum Leben, sie ist eine großartige Sängerin. Wie in Battle Heart gibt es auch hier schöne Folkklänge für den geneigten Hörer. Death Guard taugt zum amtlichen Headbanging und im Refrain schnellen die Fäuste nach oben: „Death Guard, Death Guard.“ Die garstigen Vocals kommen dieses Mal von Bassist Belf. Drummer Max muss für den nächsten Song And I Shall Find My Home Höchstleistung vollbringen und bekommt durch Zusatzfragen der Fans etwas mehr Zeit zum Verschnaufen. Frontdame Anna bezeichnete dieses Stück in einer der vorherigen Fragen als ihren Lieblingssong aufgrund der wundervollen Gesangsmelodien und läuft abermals zur Höchstform auf.

Wir machen einen kleinen Sprung zu den letzten beiden Liedern des Sets: Der epische Auftakt von Anthem Of Valour wird wieder voller Inbrunst von Herrn Osipov intoniert, bevor der Song von heroischen Chören durchzogen in feinstem Highspeed-Geballer endet. Zum Abschluss widmen sich Imperial Age wieder ihrem Lieblingsthema in The Legacy Of Atlantis. Ein getragener Stampfer, der natürlich wieder von den Gesangsharmonien der drei Protagonisten am Mikrofon lebt. Schöne Sache, auch wenn kein Onlinekonzert der Welt ein echtes schweißtreibendes Erlebnis vor Ort ersetzen kann.

Imperial Age – Live On Earth: The Online Lockdown Concert (DVD)
Fazit
Beim Thema Symphonic Metal zucke ich in der Regel etwas zusammen, weil ich in der heutigen Zeit immer an austauschbare female-fronted Tralala-Bands denken muss. Als Fan klassischer Bands wie Rhapsody oder in Teilen auch Nightwish habe ich den Russen von Imperial Age eine Chance gegeben und nicht bereut. Klar kommt auch hier wieder einiges vom Band, macht jedoch so viel Spaß, dass ich das Sextett gerne einmal in einer „richtigen“ Livesituation sehen möchte. Bestenfalls inklusive Chor und Orchester. Fans des Genres können blind zugreifen und dürften ihren Spaß haben mit Live On Earth: The Online Lockdown Concert, welches nicht nur als DVD, sondern auch auf gängigen Streamingplattformen verfügbar ist. Laut der Facebook-Seite ist die Band schon wieder im Songwriting-Prozess zum nächsten Album – stay tuned.

Anspieltipps: Turn The Sun Off!, Aryavarta, And I Shall Find My Home und Anthem Of Valour
Florian W.
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