Aus dem schönen Nizza von der Mittelmeerküste kommen Darktribe und veröffentlichen 2025 ihre vierte LP via Scarlet Records aus Mailand (Milano). Sich selbst geben die Protagonisten das Etikett progressiv. Nach dem Genuss von Forgotten Reveries wäre der Begriff Etikettenschwindel zu hart, aber die progressiven Elemente sind nahezu mit der Lupe zu suchen.
Forgotten Reveries agiert auf ausgetretenen Pfaden
Bei einer Band mit mehr als 20 Jahren Geschichte hält sich die Fluktuation innerhalb des Bandgefüges in Grenzen. Kern von Darktribe sind Sänger Anthony Agnello und Bassist Bruno Caprani, die die Band ursprünglich mitgegründet haben. Die Vocals von Agnello tendieren in Richtung Höhenlagen, ähnlich wie bei den modernen Power-Metallern Beast In Black oder Bloodbound. Auch für das neue Material bietet sich der Vergleich zu den bekannten neuen Power-Metal-Bands an. Viel Melodie, reichlich Keyboard, die Gitarrenarbeit im Hintergrund und immer leicht bekömmlich. Ohne Ecken und Kanten kommen die ersten Sachen wie I Walk Alone und The Fallen World rüber und von der angekündigten Progressivität ist keine Spur zu finden. Selbst Laufzeiten von knapp sechs Minuten mit gelegentlichen progressiven Nuancen bieten kaum große Anhaltspunkte für eine stärkere stilistische Handschrift, die nicht bereits von diversen anderen Bands angeboten wird.
Das Klavierintro zu Sicilian Danza weckt anfänglich die Hoffnung auf einen Richtungswechsel. Der Schein trügt, spätestens mit dem einsetzenden Gesang geht es im bereits bekannten melodischen Takt weiter. Wer es richtig rund und fröhlich haben möchte, springt zu Ghost Memories, etwas düsterer, aber genauso rund kommt Eden And Eclipse daher.
Auch das weitere Material setzt so gut wie keine Akzente, die dafür sorgen, dass die Hörerschaft die Ohren spitzt. Moderne Keyboardtöne, der bekannte Gesang, aber ohne die hervorstechende Melodie oder einen Chorus, der sich im Gehörgang festsetzt. Zum Ende der Platte gibt es mit Morning Of Fear und dem balladesken Son Of Illusion zwei Stücke mit einer Laufzeit um die sechs Minuten. Grundsätzlich ändern auch die beiden Dinger nichts an der Ausrichtung. Es kommt aber sowas wie ein progressiver Versuch um die Ecke, der aber durch Melodie und Keyboard im Keim erstickt wird.
Wer eine Kostprobe mag, der kann das Album jederzeit auf Bandcamp anhören.
Hier geht es für weitere Informationen zu Darktribe – Forgotten Reveries in unserem Time For Metal Release-Kalender.



