In Extremo – Kompass Zur Sonne

Werk Nummer 13 im Jahr 25 von den Sieben

Artist: In Extremo

Herkunft: Berlin, Deutschland

Album: Kompass Zur Sonne

Spiellänge: 55:39 Minuten (inkl. Bonustracks)

Genre: Mittelalter Rock, Mittelalter Metal, Folk Rock, Folk Metal

Release: 08.05.2020

Label: Vertigo / Universal Music

Links: https://www.inextremo.de/de/
https://www.facebook.com/officialinextremo/

Bandmitglieder:

Gesang, Cister – Michael Robert Rhein (Das letzte Einhorn)
Gitarre und Backgroundgesang – Sebastian Lange (Van Lange)
Harfe, Pommer – André Strugala (Dr. Pymonte)
Bassgitarre – Kay Lutter (Die Lutter)
Dudelsack, Drehleier – Marco Zorzytzky (Flex der Biegsame)
Dudelsack, Blasinstrumente, Nyckelharpa – Boris Pfeiffer (Yellow Pfeiffer)
Schlagzeug – Florian Speckardt (Specki T.D.)

Tracklist:

  1. Troja
  2. Kompass Zur Sonne
  3. Lügenpack
  4. Gogiya (mit Russkaja)
  5. Salva Nos
  6. Schenk Nochmal Ein
  7. Saigon Und Bagdad
  8. Narrenschiff
  9. Wer Kann Segeln Ohne Wind (mit Johan Hegg)
  10. Reiht Euch Ein Ihr Lumpen
  11. Biersegen
  12. Wintermärchen
  13. Brüder (Bonustrack)
  14. Saigon Bagdad Elektro Version (Bonustrack)

25 Jahre In Extremo! Ein Interview mit Sebastian „Van“ Lange und dem letzten Einhorn Michael Robert Rhein zum Dienstjubiläum, der neuen Scheibe und dem zur Zeit alles beherrschenden Thema findet ihr hier.

Gegründet 1995 von Sänger Michael Robert Rhein, der als begeisterter Besucher von Mittelalterveranstaltungen die Idee hatte, Mitstreiter für ein akustisches Ensemble zu suchen. Die fand er und gemeinsam erweckten sie mit Mittelalter-Coverversionen auf historischen Instrumenten die Musik aus dieser Zeit zum Leben. Erste Aufnahmen folgten schon 1996 in Form einer ersten Musikkassette für den Eigenvertrieb. Neben diesem Projekt gab es zudem eine Rockband, und der Versuch, die beiden zu kombinieren, gefiel Musikern und Publikum gleichermaßen. So kam zusammen, was offensichtlich zusammengehörte, und zunächst auf zwei Stücken des folgenden, heute als Die Goldene (1997) bezeichneten Albums zu hören war. Die beiden Formationen rückten immer näher zusammen und schon im April 1998 gab es das erste Konzert in kompletter In Extremo-Besetzung. Zwar erschien parallel dazu das eher akustisch gehaltene Hameln, doch machte diese rastlose und vielfältige Kreativität bald Indie-Labels auf die Band aufmerksam. Noch im gleichen Jahr wurden das Rockalbum Weckt Die Toten und das Livealbum Die Verrückten Sind In Der Stadt mit dem Mittelalterprogramm veröffentlicht.

Kurz vor dem neuen Jahrtausend begann schließlich der Durchbruch: Die Band unterschrieb beim Major Label Universal Music. Verehrt Und Angespien (1999) stieg auf einen sensationellen 11. Platz der deutschen Albumcharts ein. Das 2001 folgende Sünder Ohne Zügel bedeutete schließlich den eigentlichen Durchbruch, nicht zuletzt wegen der ersten eigenen Songs, die darauf zu hören waren. Diesen eigenkompositorischen Weg ging das Septett konsequent weiter auf 7 (2003) und Mein Rasend Herz (2005), auf der mit Liam der Song enthalten ist, der mit Platz drei beim Bundesvision Song Contest und einem deutlich zunehmenden Publikumsinteresse belohnt wurde. Fast im Wechsel erschienen nun Live- und Studioalben wie Sängerkrieg (2008), das sich des damals vorherrschenden Castingshow-Wahns annahm und die Band erstmals auf die Spitzenposition der Albumcharts führte, eine erneute Nummer eine Platzierung mit Sterneneisen (2011) und Kunstraub (2013) auf Platz zwei.

Zum 20-jährigen Jubiläum 2015 erschien die umfangreiche Boxset-Retrospektive XX, 2017 die Best-of-Compilation 40 Wahre Lieder und dazwischen Quid Pro Quo, das 2016 direkt auf Platz eins einstieg und sich für 15 Wochen in den Charts hielt, gefolgt von der dazugehörigen Live-Aufnahme namens Quid Pro Quo Live.

Das neue Album Kompass Zur Sonne wird als Standard-CD und auf Vinyl (Doppel-LP auf 180 g) veröffentlicht sowie auch als Deluxe Edition im Hardcover-Book mit zwei weiteren Tracks und Fan Box (Deluxe Edition plus Merchandise-Items).

In Extremo @ M’era Luna 2016 08 14

Soweit die Geschichte der Jubilare. Eigentlich sollte das Album bereits im März erscheinen. Die Gründe für die Verschiebung dürften allgemein bekannt sein. Was haben uns die Sieben auf die Scheibe Nr. 13 gepackt? Troja eröffnet das Werk. Eigentlich ein klassischer In Extremo Track vom Thema, das Riffing kommt metallisch um die Ecke, ohne die Folk Elemente zu vernachlässigen. Willkommen bei In Extremo und Folk Metal. Zu Kompass Zur Sonne empfehle ich, das Video zu verfolgen, welches in Berlin 1967 spielt (Klick). Ansonsten etwas sanfter als der Opener, aber mit einem nachdrücklichen Refrain wo es heißt „Ich schrieb Worte an die Ufer. Bevor die Flut die Spur verwischt. Komm, wir trotzen den Gezeiten. Hoch am Leuchtturm blinkt ein Licht“. So was bleibt hängen! Mit Lügenpack greifen die sieben ganz andere Themen auf und jagen das Lügenpack mit dem Dudelsack. Klare politische Botschaft von In Extremo mit einem folkigen/metallischen Sound. Auch der Track kann überzeugen. Wenn man noch nicht auf Betriebstemperatur ist, dann passiert es spätestens mit Gogiya. Ein Duett mit Russkaja-Frontmann Georgij Makazaria, dazu eine Art Balkan Folk Rock/Metal, der voll ins Bein geht. Die Nummer gehört für die nächste Tour auf jeden Fall auf die Setlist und dürfte den Laden zum Kochen bringen. Salva Nos knüpft daran an. Sprachlich geht es ins Latein. Sehr runde, zum Mitmachen geeignete Nummer, wo die Anhängerschaft in Richtung Mittelalter auch ihre Freude dran haben sollte. Schenk Nochmal Ein nimmt das Tempo deutlich runter. Das Letzte Einhorn kommt schwermütig aus den Boxen und erzählt von Verlusten und den daraus resultierenden Sehnsüchten und Träumen. Geschmackssache, nach dem Feuerwerk zum Anfang ein Track, der mich nicht ganz so erreicht. Saigon Und Bagdad ist der Nachfolger von Lieb Vaterland Magst Ruhig Sein und hat nur eine klare Message für die Welt: Krieg ist Scheiße und Micha schreit sich auch mal die Wut aus dem Leib! Musikalisch bewegt man sich wieder mit deutlich mehr Tempo und die Gitarren kommen kräftig zum Einsatz. Passt! Narrenschiff ist eine Nummer, die eigentlich ein In Extremo Klassiker von Musik und Thema ist. Recht rund und eher ein irgendwo zwischen Mittelalter und Pop anzusiedelnder Track. Folkig wird es mit Wer Kann Segeln Ohne Wind, welcher auf einem schwedischen Volkslied beruht. Für den metallischen Part sorgt kein geringerer als Johan Hegg. Das Duo Hegg / Rhein ist natürlich schon sensationell und gibt der Nummer die entscheidende Note. Reiht Euch Ein Ihr Lumpen ist dann Rock ’n‘ Roll Party Mucke made bei In Extremo und knüpft an Sternhagelvoll vom Vorgängeralbum an. Biersegen wird dann noch mal lateinisch und mittelalterlich mit kräftig Dudelsackeinsatz. Hier dürften die Mittelalter Anhänger voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Wintermärchen beendet die normale Version der Scheibe. Akustisch geht es zu Ende, wo In Extremo ein Gedicht von Otto Ernst mit Ton versehen haben. Als Bonustrack gibt es Brüder, die mich vom Anfang an Troja erinnert. Also eher rockig/metallisch, ohne die folkigen Elemente zu vernachlässigen. Weiterhin gibt es nochmals Saigon Und Bagdad als elektronische Version, die für mich etwas gewöhnungsbedürftig ist.

In Extremo – Kompass Zur Sonne
Fazit
Die Sieben mit Werk 13 in Jahr 25! Was soll man sagen? Abwechslungsreich kommt die Scheibe rüber, sowohl der Mittelalter-Experte als auch der Metalhead dürften sich an dem Werk erfreuen. Nicht alle Tracks sind Granaten, aber alle Tracks bringen Leidenschaft und Energie zum Ausdruck. Auch nach 25 Jahren macht das Hören des neuen Werks Spaß und dürfte reichlich Anhänger finden sowie eine hohe Platzierung in den Charts. Von mir gibt es Abzüge für den einen oder anderen etwas zu poppig geratenen Track – da bin ich eher bei Metal oder Mittelalter. Trotzdem reicht es für eine Top Note und eine Empfehlung für Anhänger in Richtung Folk Metal / Folk Rock.

Anspieltipps: Troja, Kompass Zur Sonne, Saigon Und Bagdad und Gogiya
Jürgen F.
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