Aus dem Land der 1000 Metalbands und Seen kommen Chalice. Genauer gesagt aus der Hauptstadt Helsinki. Das Quartett tummelt sich aber in anderen Gewässern als viele ihrer Landleute. Schon die erste volle LP Trembling Crown, die bei High Roller Records veröffentlicht wurde, legte Wert auf Melodie. Der Nachfolger nennt sich Divine Spear. Circa sechs Jahre später erweitern Chalice via Dying Victims Productions ihre Diskografie. Was hat uns das Quartett aus der finnischen Hauptstadt auf ihren Zweitling gepackt?
Divine Spear: melodische Kost aus Helsinki
Ein Blick auf die Tracklist und die Laufzeit offenbart Nummern zwischen zwei Minuten und mehr als acht Minuten. Da drängen sich Quervergleiche zu Mausoleum Gate und Iron Griffin aus Kuopio auf. Nach dem Intro startet Dwell Of A Stellar Trance flott und liefert klassisches Material, wobei Sänger und Gitarrist Verneri Benjamin Pouttu eine sehr spezielle Note hinterlässt und nicht in jeden Gehörgang passen wird.
Mit reduziertem Tempo und einer anfänglich unorthodoxen Melodieführung überrascht Hollow Curtain, bei dem der Bass eine führende Rolle übernimmt und das ganze Stück gewöhnungsbedürftig, aber auch interessant aus den Boxen dröhnt und zwischen Metal und Hard Rock pendelt. War das bisherige Material bereits abwechslungsreich, legen Chalice direkt noch einen drauf. The Pact erinnert anfänglich an Art Rock, kommt insgesamt als entspannter Rocker daher und setzt nochmals andere Akzente.
Der bereits angesprochene mehr als achtminütige Langläufer Age Ethereal bleibt rockig entspannt und wirft einen lockeren Blick zum Art Rock oder Instrumental Rock. Im hinteren Teil nimmt das Ding etwas mehr Tempo auf, ohne sperrig oder progressiv zu wirken. Die weiteren Tracks wie Divine Spear, das verträumte Empyrean Liturgy oder das mit einem eingängigen Refrain verzierte In From The Cold bleiben im rockigen Segment und versprühen eine gehörige 70er-Jahre-Attitüde, in der auch folkige Töne verflochten werden, sodass Bandnamen wie Bröselmaschine oder The Strawbs aus den hinteren Schubladen des musikalischen Archives reanimiert werden. Der Schlusspunkt nennt sich Alioth und erinnert mehrfach mit Sequenzen an Comfortably Numb von Pink Floyd. Insgesamt gibt es einen träumerisch ruhigen Ausklang, der sich auch gut auf einem Folk-Rock-Album aus den 70ern machen würde.
Wer sich selbst einen ersten Eindruck verschaffen möchte, wird auf Bandcamp fündig.
Hier geht es für weitere Informationen zu Chalice – Divine Spear in unserem Time For Metal Release-Kalender.



