KIEL EM All am 25.01.2020 in der Kieler Pumpe

Full House im Roten Salon - ein unvergesslicher Abend in der Kieler Pumpe

Event: KIEL EM ALL 2020

Headliner: Slow Kill System

Bands: Slow Kill System, Riff Raff, Crusher, Tragedy Of Mine, Serpentic

Datum: 25.01.2020

Genre: Melodic Thrash Metal, Melodic Death Metal, Thrash Metal, Death Metal, Black Metal

Besucher: ca. 200

Ort: Die Pumpe Kiel

Kosten:  9,50 € (8 € zzgl. Gebühr), AK 10 €

Links: https://www.diepumpe.de/veranstaltungen/kiel-em-all/
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Veranstalter: KIEL EM All, Die Pumpe Kiel

Setlisten:

Tragedy Of Mine:

  1. Warriors‘ Curse
  2. My Own Hell
  3. Broken
  4. Prison
  5. Built To Resist
  6. Inferno
  7. Last Episode

Crusher:

  1. Downfall
  2. Son Of A Pit
  3. Time Leap Pit
  4. The Battle Of The Bridge Of Steel
  5. Religion (Is Killing God)
  6. The Journey
  7. Redeemer

Zugaben:

  1. Don´t Care
  2. Breaking The Law

Riff Raff:

  1. Cosmicon (Intro)
  2. Whip Of Live
  3. One Minute In My Head
  4. Renew Resistance
  5. Evil in White
  6. Brutal Indifference
  7. Are You God?

Zugaben:

  1. Sorrow
  2. Brainshake

Slow Kill System:

  1. Der Tod
  2. Warhead
  3. Anonymous
  4. La Sombra
  5. Demonized
  6. Conflict
  7. Black & White
  8. Paradise

Serpentic:

  1. End Of Green
  2. The Raven
  3. Call Me Sick
  4. Anthem Of A Dying Will
  5. Havoc
  6. Wings
  7. King Of Yours
  8. Mundane
  9. Mirage
  10. Damnation

Heute starten wir durch zur zweiten KIEL EM ALL Veranstaltung in der Kieler Pumpe, einem Minifestival, dessen Name schon sehr vielversprechend klingt.

Einlass ist laut Plakat um 18:00 Uhr, wir sind etwas später vor Ort und stellen fest, dass der Zugang zum Roten Salon noch abgesperrt ist. Der Einlass verzögert sich etwas. Also warten wir geduldig, bis das Absperrband entfernt wird und wir die Treppen zu den einen Stockwerk tiefer gelegenen Räumlichkeiten hinabsteigen dürfen. Flott bekommen wir sogleich unseren Stempel und schauen uns erst mal in Ruhe beim Merch-Stand um. Das erste Getränk darf dabei natürlich nicht fehlen. Die Preise hierfür fallen angenehm moderat aus und die Mädels hinter der Theke sind auf Zack, sodass niemand lange warten muss. Langsam füllt sich der überschaubare Raum, in den rund 200 Leute hineinpassen. Für Raucher gibt es im Roten Salon eine extra abgetrennte Lounge, damit die übrigen Besucher nicht vom Qualm gestört werden und eine gute Luftqualität erhalten bleibt. Auf der kleinen Bühne wird bereits eifrig gewerkelt für den ersten Auftritt. Die spartanische Bühnenbeleuchtung verspricht für die Fotografen mal wieder eine Herausforderung zu werden. Wer schon öfters hier war, weiß das und ist vorbereitet. Es ist jetzt kurz vor 19:00 Uhr. Der Raum ist bereits zu 80 % gefüllt, wir positionieren uns schnell vor der Bühne, um noch einen guten Platz abzubekommen.

Steffen Bunke – Tragedy Of Mine

Um 19:03 Uhr geht es dann endlich los. Die Melodic Death Metal Formation Tragedy Of Mine aus Osnabrück steht schon in den Startlöchern. Sänger Steffen Bunke trägt eine Maske, wie man sie schon sehr oft bei Corey Taylor von Slipknot gesehen hat. Beim ersten Song Warriors‘ Curse hat er noch mit der Mikrolautstärke zu kämpfen, dies wird schnell vom Mann hinter dem Mischpult korrigiert, sodass der Sound gut ausgesteuert rüberkommt. Die übrigen Bandmitglieder setzten sich aus Victor Vu und Jacob Stupp (Gitarre) sowie Steffen Niemann (Bass) und Marius Luersen (Schlagzeug) zusammen. Der fette Sound im Stil von Arch Enemy und Trivium zieht die Stimmung rasant nach oben. Das heutige Set besteht aus Songs ihrer EP The Beginning (2016) und dem Debütalbum Tenebris (2018). Nach Built To Resist prüft Sänger Steffen mit einem kräftigen „Kiel, seid ihr schon wach? !“, ob das anwesende Partyvolk auch schon fit ist. Ein breites „Jaaaaa“ schallt ihm darauf aus der Menge entgegen. Danach ruft er zu einer Wall of Death auf, die in den beengten Verhältnissen kaum möglich ist. Einige Fans lassen sich zwar dafür begeistern, der Rush ebbt jedoch wegen Platzmangel schnell wieder ab. Mit Inferno und Tenebres legen Tragedy Of Mine noch einmal ordentlich nach. Um Punkt 19:45 Uhr endet der erste von sechs Gigs des heutigen Abends. Sofort setzen die Umbauarbeiten auf der Bühne ein. Die Zeit ist knapp bemessen, es steht zwischen den Auftritten jeweils nur eine Viertelstunde zur Verfügung. Wir haben das schnell für eine Getränkepause ausgenutzt, finden uns aber schnell wieder vor der Bühne ein, es wird langsam voll im Roten Salon.

Robin Geiss – Crusher

Um 19:03 Uhr stehen Crusher aus Mainz auf der Matte. Bevor es dann losgeht, wird eilig das bandeigene Maskottchen, „Pit“ oder auch liebevoll „Pitty“ genannt, ein kleines blaues Monster, mittig auf dem Schlagzeug platziert. Bestens gelaunt begrüßt Sänger Robin Geiss die schon angeheizte Meute. Mit Downfall eröffnen Crusher ihr Set. Sie spielen heute Songs der Alben The Airfield Tapes (Demo von 2010) und Redemption (2016). Für den druckvollen Sound sorgen Dominik Zeier (Gitarre), Michael Rogles (Gitarre), Alexander Zeier (Bass) und Dennis Krüger (Schlagzeug). Ihr eigener Stil ist geprägt durch rauen Gesang und eine Härte, die irgendwo zwischen traditionellem Metal und Thrash Metal einzuordnen ist. Es geht schon gleich zu Sache! Ich habe mal etwas von einer „Metal-Polonäse“ gehört, aber nicht daran geglaubt, dass es sie wirklich gibt. Heute Abend wurde ich eines Besseren belehrt. Einige Minuten wurde ich von ausgelassenen Metalheads umrundet, sodass mir langsam schwindlig wurde. Ich kam mir vor, als stünde ich inmitten eines Heringsschwarms … Mittendrin statt nur dabei, könnte hier das Motto lauten. Titel Nummer vier The Battle Of The Bridge Of Steel, klingt schon verdächtig nach Manowar, er hört sich dann auch entsprechend an. Generell ist der Einfluss von Manowar nicht zu überhören. Die Stimme von Sänger Robin mutiert zeitweise zur laufenden Kreissäge. Weiter geht es mit es Redemption, einem Track des aktuellen Albums – die CD ist am Merch-Stand erhältlich (hier geht´s zu unserem Review). Darauf weist er kurz hin, bevor er die bangende Menge zum Mitklatschen auffordert. Robin freut sich wie Bolle über die Stimmung im Saal und hat raus: „Ihr seid ja gut drauf, wir spielen öfters hier.“ Wen wundert es? Er hat sich ja schließlich eine Kielerin als Partnerin geangelt. Mit den Zugaben I Don’t Care und Breaking The Law von Judas Priest pushen Crusher das Stimmungsbarometer noch einmal nach oben. „Wir waren Crusher – ihr wart geil!“, sind die Schlussworte des sympathischen Frontmanns. Fotograf Norbert C. hatte sich im vorab zum Fotoshooting in helleren Räumlichkeiten der Kieler Pumpe verabredet. Die anstehende Umbaupause hat er dafür auch schnell genutzt.

Franz Potreck – Riff Raff

Voll, voller, Riff Raff – es wird verdammt eng vor der Bühne! Die Thrash Kultband aus Wasbek (Krogaspe) in Schleswig-Holstein ist gleich dran. Jetzt sind auch die letzten Fans eingetrudelt, die extra nur für diese Band zum KIEL EM ALL gekommen sind. Der Saal platzt fast aus allen Nähten. Riff Raff feiern heute noch einmal gebührend ihre Reunion, 25 Jahre nach ihrer Bandauflösung im Jahr 1995. Die Trash Metaller haben noch ein Jahr unter dem Namen Cosmic Haze gespielt, 1996 war dann endgültig Schluss. Henning Rohweder (Schlagzeug), Michael Hamann (Gitarre), Jan Potreck (Gitarre) und Franz Potreck (Gesang) beendeten ihre musikalische Zusammenarbeit. Heute Abend stehen sie wieder vereint auf der Bühne, um dem Roten Salon der Pumpe mächtig einzuheizen. Ihr Set besteht aus Songs der LPs Recently Deceased (1993) und Cosmic Haze (1995) sowie der Demo-EP Deep Frustration (1992). Bis es um 21:07 Uhr dann endlich abgeht, muss zunächst beim Sound noch das Finetuning abgestimmt werden – es gleicht einer Art „Stille Post“ mit den Jungs hinter den Reglern. „Bereit, wenn ihr es seid!“, schmettert Sänger Franz den wartenden Fans entgegen. Sie sind es und fiebern dem bereits lang ersehnten Gig entgegen. Opener Cosmicon verbreitet eine stimmungsvolle Atmosphäre, die dann durch einen mächtigen Urschrei des Frontmanns unterbrochen wird. Es folgt Thrash at it´s best mit einer ordentlichen Portion Geschrammel und mächtigen Banger-Riffs. Nach Whip Of Live prostet Sänger Franz dem Publikum mit einem zackigen „Skol“ zu, um dann schnell die trockene Kehle zu befeuchten. In die Vollen geht es dann mit One Minute In My Head und New Resitance. Bei Evil In White kommt mächtig düstere Stimmung auf. Der Sänger schlägt jetzt aggressive und beschwörende Töne an. Erhält dabei ein Holzkreuz aus zusammengebundenen Zweigen in Richtung der Fans. Es folgen theatralische Sprüche. Bei Prudal In Difference schlägt der Gesang in massives Brachialgeschrei um. Die Zugaben Sorrow und Brainshake haben es noch einmal in sich. Der Sound einer Polizeisirene ertönt nach dem letzten Song, die Band verlässt sogleich die Bühne. Die begeisterten Riff Raff Jünger sind kaum zu bremsen und verlangen weitere Zugaben. Das ist aus zeitlichen Gründen leider nicht möglich, denn der nächste Auftritt steht unmittelbar bevor. Die Bühne muss für die nächste Band hergerichtet werden. Der Umbau ist diesmal etwas umfangreicher, sodass einige Minuten mehr benötigt werden, um das Equipment ab- und aufzubauen. Vor der Bühne lichtet es sich merklich. Viele nutzen die Zeit, um sich die Beine zu vertreten, eine Zigarette zu rauchen oder sich mit einem Getränk zu versorgen. Kurz vor dem nächsten Gig füllt sich der Saal allmählich wieder.

Marco – Slow Kill System

Um 22:16 Uhr ist es dann schließlich soweit. Gastgeber Slow Kill System aus Kiel geben sich die Ehre. Black (Gesang), Marco (Gitarre), Ole (Schlagzeug) und Neuzugang Uwe (Gitarre) sind startklar für ihren Auftritt. Einer fehlt noch im Bunde – richtig, der Bassist fehlt! Der Bass steht für sich allein mit einer Art „Want You“ Schild bestückt auf der Bühne. Sänger Black löst das Rätsel sogleich auf und verkündet, dass ein neuer Bassist gesucht wird, und stellt bei der Gelegenheit den neuen Gitarristen Uwe vor. Scherzhaft verkündet er, dass der neue Mann am Griffbrett ja schon fünf Proben hinter sich hat und jetzt damit klarzukommen hat. Ja klar, macht er natürlich locker! Danach brüllt er aus voller Kehle ins Mikro: „Habt ihr Bock? Ob ihr Bock habt?!!“ Selbstverständlich haben alle Bock, aber so was von! Slow Kill System bringen heute den Kessel mit den Songs ihrer Alben Straight To Paradise (2012) und Demonized (2016) zum Kochen. Ein melodisches Thrash/Death Gewitter mit dem orkanartigen Organ des Frontmanns prasselt auf die Menge hernieder. Fans von Exodus, Pantera, Slayer, Testament und Co. kommen hier voll auf ihre Kosten. Nach Anonymous gibt es kleinere technische Herausforderungen, sodass Sänger Black das Publikum mit etwas Small Talk bei Laune hält. Dabei greift er zu ungewöhnlichen Mitteln, wie einer Spanisch-Einlage. Er erweist sich als Entertainer, während eine Gitarre gewechselt wird und es danach endlich mit La Sombra weitergeht im Programm. Danach folgt dann eine Interaktion mit den Metalheads – Jubeln nach Animation. Das Mikro schmiert dabei zwar einige Male ab, aber das juckt hier heute niemanden mehr. Nach Conflict bedankt sich Black bei den Kollegen von Riff Raff für ihre Teilnahme am zweiten KIEL EM All nach 25 Jahren Bühnenabstinenz.

Song Nummer sieben ist eine eigenwillige Interpretation und leicht verändertem Text von Michael Jacksons Black & White. Das beweist einmal mehr, dass ein Popsong im Thrash/Death Gewand durchaus auch Gemüter des härteren Musikgeschmacks begeistern kann. Slow Kill System wissen zu überraschen. Sänger Black schmettert im Anschluss die immer wieder gern genommene Floskel „Prost ihr Säcke!“, in Richtung Fans, die ordnungsgemäß mit einem „Prost du Sack!“, vom Publikum beantwortet wird. Für den letzten Song Paradise mischt er sich mitten unter das Volk und singt im Bad der Menge. Kurz vor dessen Schlussakkord erklimmt er dann wieder die Bühne. Wer nicht genug davon bekommen hat, kann Slow Kill System noch einmal live on stage am 25.04.2020 auf dem April Metal Ritual 3 Festival im Hamburger headCRASH erleben. Ein letztes Mal wird die Bühne für den Abschlussauftritt umgerüstet. Diesmal zieht sich der Umbau ordentlich in die Länge, sodass der Saal deutlich sichtbare Lücken bekommt. Viele Besucher treten bereits jetzt den Heimweg an. Wir bleiben noch bis zur letzten Band des heutigen Abends.

Christian Kaiser – Serpentic

Um 23:35 Uhr kann dann die Melodic Death Metal Formation Serpentic aus Bad Oldesloe mit einiger Verspätung loslegen. Mit von der Partie sind Tobias Bredenbeck (Bass), Stefan Gorgas (Schlagzeug), Timon Posern (Gitarre), Christian Kaiser (Gesang), Sven Hickstein (Gitarre) und Verena Jurawitz am Keyboard. Heiko Domeier (Gitarre) steht heute nicht mit auf der Bühne. Vom Stilmix her kann man diese Band zwischen In Flames und Mors Pricipium Est einordnen. Sämtliches Material ihres Sets ist in Eigenproduktion erstanden. Die verbliebenen Metalheads dürfen sich über insgesamt zehn Tracks freuen, die Serpentic noch im Gepäck haben. Das Intro End Of Green geht leider wegen der noch unzureichenden Aussteuerung beim Gesang völlig unter. Ab dem zweiten Song The Raven ist das Problem auch schon behoben. Fotograf Norbert C. bekommt nach Call Me Sick Probleme mit der Speicherkarte seiner Kamera – sie hat sich dafür entschieden zu verrecken. Wir beschließen daraufhin, den Heimweg anzutreten. Für ein paar Fotos hat es dann doch noch gereicht.

Fazit: Ein geiler Abend geht zu Ende. Es sind keine Wünsche offengeblieben. Niemand muss enttäuscht nach Hause gehen. Der moderate Preis von einem Zehner hat sich mehr als gelohnt bei der ausverkauften Veranstaltung. Das fest verbaute Schlagzeug von InSound hat sich auch diesmal, wie schon zuvor auf dem Autumn Blast in der Kieler Räucherei, bewährt. Es hat ein gutes Stück Umbauzeit gespart. Der kleine Saal war allerdings so gerammelt voll, dass es sich für die nächste Veranstaltung empfiehlt, in den großen Saal der Pumpe zu wechseln, wenn die Besucherzahl weiterhin ansteigt. Der Rote Salon ist für das KIEL EM All am Ende der Kapazität angekommen. Wir sind hochzufrieden und kommen gerne wieder!

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