Noch schnell vor dem großen Weihnachtsgeschäft der Musikindustrie: Ein paar Reviews zu Veröffentlichungen, die in diesem Jahr – aus mir unerklärlichen Gründen – bisher unter meinem Radar geblieben sind. Dazu zählt für mich auch das neue Album der amerikanischen (Stoner-) Rock-Schwergewichte Lo‑Pan.
Benannt nach dem ikonischen Bösewicht aus John Carpenters Big Trouble In Little China, sind Lo‑Pan seit zwei Jahrzehnten selbst so etwas wie ein liebenswerter Schurke innerhalb der Stoner-Rock-Szene – laut, schwer, unnachgiebig. Der Bindestrich im Namen ist übrigens mehr als nur ein Stilmittel: Die Lo‑Pan aus Columbus, Ohio sollte man keinesfalls mit der ähnlich benannten Grindcore-Truppe Lo Pan aus Knoxville, Tennessee verwechseln.

Zum 20-jährigen Bandjubiläum meldet sich das Quartett mit einem neuen Album zurück: Get Well Soon, das bereits im April über Magnetic Eye Records erschienen ist. Und es ist alles andere als ein Alterswerk – im Gegenteil. Lo‑Pan präsentieren sich auf gewohnt kraftvolle Weise, mit einer Mischung aus erdiger Schwere und melodischer Klarheit. Der typische Lo‑Pan-Sound ist sofort wieder da: druckvolle, moderne Metal-Gitarren, kantige Riffs, eine treibende Rhythmusgruppe und darüber die Stimme von Jeff Martin, die sich klar und mitreißend durch das Klanggewitter zieht. Sein Gesang schmeichelt den Ohren und verleiht den Songs eine fast hymnische Qualität. Jeff Martin ist das markante stimmliche Aushängeschild der Band. Mit seiner kraftvollen, klaren und ausdrucksstarken Stimme setzt er einen bewussten Kontrapunkt zu den schweren, rifflastigen Instrumentals von Lo-Pan.
Doch wo Lo‑Pan in einem Moment große Refrains auffahren, können sie im nächsten Moment wieder aggressiv und unberechenbar klingen. Dieses Wechselspiel zwischen Eingängigkeit und roher Energie macht den Reiz des Albums aus. In diesem Sinne sind die Glanzstücke für mich persönlich auf diesem Album Rogue Wave, oder auch das abschließende Six Bells!
Get Well Soon klingt nicht wie ein Rückblick, sondern wie ein kraftvoller Schritt nach vorn – und zeigt eindrucksvoll, dass Lo‑Pan noch lange nicht zum alten Eisen gehören.
Hier! geht es für weitere Informationen zu Lo-Pan – Get Well Soon in unserem Time For Metal Release-Kalender



