:Nodfyr: – Eigenheid

Von verwirrten Hühnern, epischen Melodien und alten Zeiten. Ein Genrehighlight für alle Pagan- und Epicfreunde

Artist: :Nodfyr:

Herkunft: Niederlande

Album: Eigenheid

Spiellänge: 40:20 Minuten

Genre: Pagan Metal, Doom Metal

Release: 05.03.2021

Label: Ván Records

Link: https://www.facebook.com/nodfyr/

Bandmitglieder:

Gesang – Joris
Keyboard & Backings – Jasper
Gitarre & Backings– Mark
Drums (live) – Nico
Bass (live) – Ernstjan
Gitarre (live) – MJWW

Tracklist:

1. Mijn Oude Volk
2. Gelre, Gelre
3. Wording
4. Driekusman
5. Bloedlijn
6. Zelf
7. Nagedachtenis

Nodfyr ist ein altes Wort für das sogenannte „Notfeuer“ aus dem Mittelalter. Von einer Krankheit oder Seuche befallenes Vieh wurde durch den Rauch des entzündeten und oft aus Eichenholz bestehenden Feuers getrieben, da – so damals der Glaube – die Krankheit dadurch bekämpft und vernichtet werden konnte.

:Nodfyr: aus den Niederlanden, genauer gesagt aus der Provinz Gelderland, treiben wahrscheinlich keine völlig verwirrten Hühner über glühende Holzscheite, haben sich auf Eigenheid aber in gewisser Weise der Suche nach ihrer eigenen Identität verschrieben.
Das Cover, der Bandname und die Tatsache, dass die Texte in niederländischer Sprache verfasst sind, lassen schon erahnen, wohin die Reise geht.

Die vorab veröffentlichte Single Gelre, Gelre – für mich auch gleich einer der Hits auf dem Album – steht schon fast stellvertretend für den Rest auf Eigenheid.
Im Fahrwasser von Falkenbach, Atlantean Kodex und Ereb Altor und der charismatischen Stimme von Ex-Heidevolk-Sänger Joris pendeln die sieben Songs zwischen vorwiegend getragenem Epic Metal, Pagan/Folk-Strukturen und Doom hin und her.

Der Opener Mijn Oude Volk entführt einen dann auch gleich raus aus dem hektischen Alltag, rein in fantasievolle Bilder aus vergangenen Tagen (…ok, wahrscheinlich aus irgendwelchen Wikinger/Ritterfilmen tief im Netflix-Zentrum des Hirns verankert).
Überepische Melodieführung, hypnotischer und teils mehrstimmiger Gesang und durch die niederländische Sprache auch mit einem Exotenbonus versehen. Die schnelle Doublebass und der Speed/Thrash/Blast-Part am Ende kommt überraschend. Heidewitzka! Wahnsinnig geiler Song.

Die oben schon erwähnte Regionshymne Gelre, Gelre kann das Niveau halten, glänzt durch ein Paradise Lost-artiges Solo und schönes Metalriffing gegen Ende.

Wording bricht aus dem Korsett etwas aus. Hier wird es klassisch-doomig. Etwas Candlemass hier, etwas alte und langsame Tiamat zu Clouds-Zeiten da. Sicherlich kantiger und grober als die beiden Epen vorher, mir gefällt die epische und erhabene Seite von :Nodfyr: aber definitiv besser.

Driekusman klingt wie ein Soundschnipsel aus einer Reportage über niederländische Folklore und einem Dorffest. Zumindest der Anfang. Ich habe tanzende Bauern im Herbstlicht vor dem inneren Auge. Prost!
Nach ein paar Sekunden wird es aber metallisch und ich fühle mich an überragende Skyclad-Großtaten zu Irrational Anthems-Zeiten oder sogar noch älter, zurückversetzt. Gesang kommt in den etwas mehr als drei Minuten nicht vor. Ein kurzes und kurzweiliges Instrumental.

Bloedlijn knüpft da an, wo Gelre, Gelre aufgehört hat. Langsam, episch, groß. Erhaben, mal wieder. Es ist schon beängstigend, wie gut Joris‚ Gesang zum musikalischen Fundament passt. Der ruhige Mittelteil mit dem dezenten Keyboardsolo geht irgendwann wieder in ein Gitarrenbrett mit Blastparts über und sorgt für einen schwarzmetallischen Moment, der dann wieder von Klargesang und einem fiesen, mittelschnellen Immortal-Riff abgelöst wird, nur um sich in Melodie und Weite komplett aufzulösen. Ganz ganz großes Kino.

Zelf lässt mich an Summoning denken, zumindest musikalisch. Und extrem besser produziert. Ich habe irgendwie Bilder aus dem Tolkien-Universum im Kopf. Berge, dunkler Himmel, irgendwie bedrohlich und hart. Mehr Mordor, weniger Auenland. Die sieben Minuten empfinde ich aber als etwas zu lang, es zieht sich etwas gegen Ende. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Nagedachtenis gehört definitiv zu den drei anderen 10-Punkte-Nummern und macht das magische Quadrat vollständig.
Der mächtige Chorgesang lässt Wände wackeln und Trommelfelle schmerzen. Melodien zum Niederknien.
Das ruhige Ende bildet den perfekten Ausklang eines Albums, das ich so stark nicht erwartet habe. Danke, :Nodfyr:

:Nodfyr: – Eigenheid
Fazit
Epic- und Paganfanatiker können sich das nächste Bier aufmachen und vor Freude im Dreieck springen. Es gibt Nachschub für die Ohren.
Irgendwo zwischen Falkenbach und Atlantean Kodex kommen die Niederländer von :Nodfyr: um die Ecke und entführen den geneigten Hörer in andere Zeiten.<br< Weit weg von Humpa Humpa und dem ewig gleichen Folkgehüpfe bleibt die Band in ihrer kleinen Nische. Ich bin schwer begeistert und unerwartet ergriffen.

Anspieltipps: Mijn Oude Volk, Gelre, Gelre und Bloedlijn
Andreas B.
9.2
Leser Bewertung4 Bewertungen
9.6
9.2
Punkte
Podcast
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