Nachdem ich mich in letzter Zeit, privat und auch als Time-For-Metal-Redakteur dem Death Metal gewidmet habe, denn April 2026 ist ein guter Monat dafür gewesen, widme ich mich nun mal wieder dem Thrash Metal, denn dieser hat es ja auch verdient, gehört zu werden, und da sind wir ja in unseren eigenen Gefilden sehr gut aufgestellt. Nuclear Warfare stammen aus Stuttgart und sind somit nicht im Zentrum der Dreschgemeinde (Ruhrgebiet) großgeworden, sind aber auch schon seit dem Jahre 2001 dabei und haben somit 25-jähriges Bandjubiläum. Da kann man nur gratulieren. So richtig hat man sie aber nicht auf dem Schirm, obwohl man natürlich mitbekommt, dass sie in der Szene aktiv sind. Bis dato hat man fünf Alben rausgehauen, wobei das letzte namens Lobotomy im Jahre 2020 erschienen ist. Die Band ist zu dritt unterwegs und ist im Line-Up sehr stabil. Basser/Sänger Florian und Gitarrist Sebastian haben die Band gegründet und Drummer Alexandre ist seit dem Jahr 2014 dabei. Das klingt stabil. Warum man jetzt sechs Jahre für Album Nummer sechs namens All Hail To The Liberator gebraucht hat, weiß ich nicht, aber wahrscheinlich sind sie alle im Projekt Stuttgart 21 involviert und dieses benötigt Zeit. Schlechter Kalauer zur guten Musik? Wir werden sehen bzw. hören.
Der Opener Nuclear War kommt gleich derbe thrashig und fix aus den Boxen gekrochen. Feines und schnelles Riffing, gepaart mit kurzen Stopps, dazu Drumming auf die Zwölf, und die Laune des geneigten Thrash-Metal-Anhängers steigt schon mal. Man wechselt in einen aggressiven Midtempo-Groove und wiederholt dann den Anfangspart. Schon einmal Daumen hoch. Sicherlich nicht sehr innovativ, aber absolut effektiv. Und dieses will ich zumindest beim Dresch Metal spüren und hören. Und das Geknatter geht weiter und weiter. Der screamige Gesang setzt dann ein und man groovt dabei, wird aber zu keiner Zeit müde oder erholt sich, und dann wird es wieder schnell. Nuclear War kann man mitbrüllen, es ertönt ein wildes Solo, wieder das Hauptriff des Anfangs, und Nuclear War ertönt. So muss das sein. Groove und Uptempo wiederholen sich noch einmal und dann baut man noch einen verschleppten, langsamen Part zur Abwechslung ein, um am Ende noch einmal das Schema Uptempo/Groove/Uptempo zu wiederholen. Und nun alle – „Nuclear War, what are we fighting for? Nuclear War – A war to end all wars.“
Rough Day kommt dann sehr rockig und rotzig zu Beginn, drischt sich ins Gehör, erinnert an alte Zeiten und hat einen gewissen Black-Metal-Rhythmus und Flair – also ich meine den Song von Venom und nicht die Musikrichtung. Geht gut ins Ohr und setzt sich fest. Zusammen mit den Backing-Vocals kommt es schön intensiv rüber. Dieser treibende Groove kommt auch nicht übel, aber irgendwie nimmt mich der Song nicht wirklich mit. Das gerade genannte Riff kommt geil und am Ende des Parts erklingt Rough Day, aber so richtig meine Baustelle ist es nicht. Vielleicht fand ich den Opener auch nur zu gut.
Manowar, im textlichen, heroischen Sinne und nicht im musikalischen, würden sich sicherlich über den Song United By Thrash freuen. Hier wird die Thrash-Metal-Community direkt angesprochen und dies geht natürlich perfekt mit einer feinen Uptempo-Nummer. Auch hier bietet man nichts Neues, aber diese Mischung aus Uptempo, Groove und eben Mitbrüllfaktor macht Laune. Ein Song, der live sicherlich sehr gut abgeht, zumal das Riffing auch ziemlich fetzt. Ein längeres, verspieltes und cooles Solo darf nicht fehlen und kommt zur rechten Zeit. Man nimmt noch einmal Fahrt auf und bietet die Möglichkeit, noch einmal ordentlich abzugehen und mitzumachen.
Thrash Metal der alten Schule
Kriegssirenen läuten den Song Power Of War ein und dieses Ding knallt ohne Ende. Geiles Riffing, welches sofort ins Ohr geht und schön straight nach vorne geht. Kurzes Stakkato und wieder Attacke. So geht es dann erst einmal hin und her, bevor man dann wieder straight wird und den Refrainpart ans Tageslicht zaubert. Ich muss sagen, dass mir das Riffing hier besonders geil gefällt. Sehr markant und natürlich alte Schule. Alles andere würde ja auch überhaupt keinen Sinn ergeben, das ist ja klar. Der Song ist schön abwechslungsreich, kommt mit fetten Parts und einem guten Refrain. Ein schleppender Part und ein Solo inklusive. Kann man so machen, absolut. Das geht gut nach vorne.
Der langsame und melodische Anfang von With Sword And Cross hat es auch absolut in sich. Hier geht man gediegen zur Sache. Der Rest vom Song setzt sich bei mir aber leider nicht fest, obwohl man trotz des verschleppten Tempos sehr aggressiv klingt. Der melodische Part wird wiederholt und ist richtig geil.
Meines Erachtens haben die Burschen ihre Stärken im klassischen Thrash-Metal-Stil, wenn ein old schooliges Gitarrenmotiv zu erkennen ist und sie straight forward zu Werke gehen, so wie bei The Striker. Man startet mit einem Anpfiff und jetzt sind auch die Fußballfans dabei. Geiler Rhythmus und simple Parts. Aber eben diese setzen sich fest. So muss das. Das ist auch ein Highlight des Albums für mich.
Die Stuttgarter werden nicht müde, und das ist auch gut so, und man zelebriert eine Mischung aus Darkness, Sodom, Destruction und Bay Area Thrash. Gelungenes Thrash-Metal-Album.
Hier geht es für weitere Informationen zu Nuclear Warfare – All Hail To The Liberator in unserem Time For Metal Release-Kalender.



