Eventname: Paddy Solo
Headliner: Paddy Schmidt
Ort: Kulturverein Leuchtturm, Kiel-Friedrichsort, Schleswig-Holstein
Datum: 13.02.2026
Genre: Irish- und Celtic Folk
Besucher: rund 50
Eintrittspreis: 18,00 EUR
Die ganze Woche nahezu krank im Bett, muss ich am Freitagabend einfach mal raus. Neben den großen Bühnen bietet die Musiklandschaft Schleswig-Holsteins auch viele kleine Bühnen, die große Künstler in familiäre Kreise einladen. Immer wieder kommt es dann zu Abenden wie dem heutigen.
Heute gastiert Paddy Schmidt bereits zum zweiten Mal im Kulturverein Leuchtturm in Kiel-Friedrichsort, einem kleinen, engagierten Kulturort, der regelmäßig Musiker aus Folk, Singer-Songwriter-Szene und akustischer Weltmusik präsentiert. Der Verein bietet eine intime Atmosphäre, in der Zuhörer dicht an der Musik sind und sie direkt erleben. Bis auf eine Handvoll Plätze ist das Event ausverkauft. Das Publikum ist gemischt, von langjährigen Folk-Fans bis zu Neugierigen, die den bekannten Sänger Paddy Schmidt „solo“ live erleben wollen.

Paddy Schmidt stammt aus Detmold und wird in drei Tagen 63. Zur Ruhe setzen möchte sich der Instrumentalist und Songwriter, der durch seine Arbeit mit der Folk-Rock-Band Paddy Goes To Holyhead bekannt ist, scheinbar noch lange nicht. Die Paddys, wie sie von den Fans genannt werden, hat er 1988 gegründet, und deren Musik bewegt sich zwischen Irish Folk und Celtic Rock. Die Band feiert seit Jahrzehnten Erfolge und wirkt mit akustischen und elektrischen Elementen, Geige, Mundharmonika und rauer Gesangsstimme. Songs wie Bound Around, Johnny Went To War oder Here’s To The People gehören zu ihren Klassikern und haben sich über Jahre im Folk-Repertoire etabliert.
Im Solokonzert heute steht Schmidt allein auf der Bühne, begleitet von seiner Gitarre und einem Sack voller Mundharmonikas in verschiedenen Tonarten. Der Aufbau ist schlicht, der Raum akustisch und ohne große Verstärkung, was eine direkte, ungeschönte Verbindung zwischen Künstler und Publikum ermöglicht. Die Location wird auch gerne als „Kleinste Bühne nördlich des Kanals“ bezeichnet. Die Show schöpft aus dem breiten Fundus, den Schmidt über Jahrzehnte mit Paddy Goes To Holyhead und in eigenen Projekten aufgebaut hat. Schmidt begeistert mit eigenen Liedern wie Whiskey And Women oder Far Away, die von Fernweh, Reisen und keltischer Mythologie handeln. Es sind alles Themen, die auch in vielen Paddy-Holyhead-Kompositionen zentral sind. In der Hauptsache jedoch singt er traditionelle irische Lieder mit Tiefgang. Seine rauchige Stimme und die oft virtuose Mundharmonika-Begleitung führen durch Gassenhauer und ruhigere Balladen wie Walzing Mathilda gleichermaßen. Die Mundharmonika-Passagen sind technisch nahezu perfekt, ein Markenzeichen, das ihn in der Szene auszeichnet. Die Stimmung ist geprägt von Wertschätzung für eine Musik, die oft auch einen melancholischen Blick auf menschliche Themen wirft. Die Songs entfalten in dem kleinen Raum eine intime Wirkung, die im Vergleich zu großen Bühnenkonzerten deutlich persönlicher wirkt.

Zwischendurch erzählt Schmidt kleine Anekdoten aus seinem Leben auf der Straße, etwa von Motorradfahrten durch Norwegen oder der Karnevalsflucht aus Köln. Die Moderationen sind improvisiert und persönlich und schaffen einen Bezug zwischen den Zuhörern und Schmidt als Künstler, der über die Musik hinausgeht.
Insgesamt bietet die zwei mal sechzig Minuten lange Solo-Show von Paddy Schmidt im Kulturverein Leuchtturm einen konzentrierten Blick auf seine musikalische Welt, die tief im Irish-Folk verwurzelt ist. Sie steht in der Tradition seiner Band Paddy Goes To Holyhead, aber zeigt zugleich in der Solo-Performance neue Facetten. Eine feste Setliste gibt es nicht. Hier kann er, wie er sagt, andere Töne spielen. Hier muss er nicht auf Geigen Rücksicht nehmen oder er kann eine Mundharmonika einsetzen, die er speziell nur für ein Lied benötigt. „Sie ist sonst nur für Blues zu verwenden“ sagt er und beweist es dann auch eindrucksvoll. Hier „rächt er sich für Viva Colonia“ und stimmt einen plattdeutschen Song an. Zum Abschluss des Abends holt er noch seinen Merch-Man als Sänger auf die Bühne und beide bringen passend den Song This Will Be The Last Song For Tonight.
Danke für diesen Abend und bis bald wieder auf großer Bühne mit seiner, wie er sie nennt, „kleinen Kapelle Freddy goes to Hoppenstedt„.






