Ruhrpott Metal Meeting 2017 am 08.12.2017 – 09.12.2017 in der Turbinenhalle in Oberhausen

“Ruhrpott Metal Meeting 2017 Turbinenhalle 08.+09.12.2017!“

Festivalname: Ruhrpott Metal Meeting 2017

Bands: Doro, Max & Iggor Cavalera Return To Roots, Testament, Annihilator, Death Angel, Deserted Fear, Despair, Erazor, Gloryhammer, Insomnium, Orden Ogan, Overkill, Phantom Corporation , Tom Angelripper, Universe, Wizard, Wolfheart

Ort: Turbinenhalle, Oberhausen

Datum: 08.12.2017-09.12.2017

Kosten: 69,90 € VVK

Genre: Metal, Thrash Metal, Death Metal, Heavy Metal, Power Metal

Besucher: ca. 3000

Veranstalter: Continental Concerts & Management GmbH

Link: http://www.ruhrpott-metal-meeting.de/

Freitag

Das Ruhrpott Metal Meeting 2017 öffnet zum dritten Mal in Folge seine Pforten, um im Dezember den Headbangern aus NRW und ganz Deutschland harte Riffs auf die Ohren zu drücken. Dafür reisen ca. 3000 Headbanger Anfang Dezember nach Oberhausen, um die Turbinenhalle zum Beben zu bringen. Auf einer Bühne am Freitag und auf zwei Bühnen am Samstag werden an zwei Tagen insgesamt ganze siebzehn Bands abgefertigt.

Savage Messiah bilden gleich um 17:40 Uhr den Anfang. Die Engländer stehen bei Century Media Records unter Vertrag und haben Thrash sowie Heavy Metal mit im Gepäck. Die rund halbe Stunde mit Dave Silver, Sam S Junior, Mira Slama und Andrea Gorio vergeht wie im Fluge. Mit viel Spaß und Enthusiasmus gewinnen sie zudem neue Anhänger. Songs wie Blood Red Road, Solar Corona oder Scavengers Of Mercy unterstreichen die starke Leistung des Openers und spielt ihm perfekt in die Karten.

Die Finnen Wolfheart mit ihrem düsteren Metal, den sie selber Winter Metal nennen, kann man nicht oft genug sehen. Dahinter verbirgt sich eine Extrem Metal Gruppe mit Folk Anteilen, die kein anderer als Tuomas Saukkonen an den Zügeln führt. Before The Dawn Fans und Black Sun Aeon Jünger kommen auch hier voll auf ihre Kosten. Before The Dawn werden in den nächsten Wochen eine einmalige Reunion feiern. Mal sehen, vielleicht wird auch mehr daraus. Jetzt steht jedoch alles im Zeichen von Tyhjyys, welches im März über Spinefarm Records erschien. Atmosphärischer Death Metal macht sich breit und hebt die Stimmung verhältnismäßig schnell an. Als Lückenbüßer muss das Quartett nicht agieren, was viele gar nicht vorher vermutet hätten. Schnell ziehen Wolfheart das Publikum in ihrem eigenen Strudel mit.

Mit Deserted Fear stehen im Anschluss die deutschen Death Metaler der Stunde im Programm. Große Festivals, spannende Touren und das mit lupenreinem kernigen Todesblei made in Germany. Titel wie The Fall Of Leaden Skies hämmern durch die frostige Abendluft. Die Stimmung bei den Newcomern könnte daher nicht besser die Nacken der Kuttenträger erreichen. Die weiter ambitionierten Thüringer ziehen immer größer ihr Intermezzo auf. Nicht überzogen, dafür auf den Punkt gebracht bohrt der Death Metal tiefe Krater in die Herzen des Publikums. Applaus für Deserted Fear.

Insomnium kommen gerade aus der Schweiz und haben dort gestern noch in Pratteln gezockt. Nun geht es für die nächsten Skandinavier in den Ring. Die Tracks vom letzten Langeisen Winter’s Gate noch im Kopf, spielen die Männer aus Joensuu groß auf. Zuletzt auf dem Party.San und Rockharz gesehen, kommt die Truppe in einer dunklen Halle eindeutig viel besser an. Bei Sonnenschein und gefühlten 30 Grad im Schatten geht das düstere Feeling der Melodic Death Metal Recken verloren. In der Turbinenhalle wiederum passen Licht und Sound einwandfrei zusammen und umgarnen Insomnium, bevor sie mit der Band eine Verbindung eingehen. Eine wie bislang von allen Acts gezeigte gute Leistung, an die Overkill und Max & Iggor Cavalera Return To Roots erst einmal herankommen müssen.

Die als Co-Headliner aufgestellten Overkill dürfen zur späteren Stunde ihre Erfahrung aus fast vier Jahrzehnten bestätigen. Auch wenn ich nach wie vor kein abgöttischer Fanatiker der amerikanischen Thrash Legende bin, können Mean, Green, Killing Machine, Rotten To The Core und Electric Rattlesnake zu Beginn elektrisieren. Während es in der Turninnenhalle kocht, macht der Wettergott erstmals in diesem Winter Deutschland zu einem Wintersport Paradies. Das hat zur Folge, dass diverse Besucher frühzeitig die Veranstaltung verlassen. Dadurch verpassen sie von Bobby „Blitz“ Ellsworth angestimmte Hymnen wie Ironbound, Elimination oder Fuck You. Da kann man, selbst wenn man möchte, den Nacken gar nicht locker lassen. Geballte Fäuste, Crowdsurfer und Headbanger an jeder Ecke und das zurecht.

Last But Not Least am ersten Abend eine absolute Legende: Max & Iggor Cavalera Return To Roots. Da wird jedem Old School Sepultura Fan warm ums Herz. Für mich fehlt nach dem Weggang von Max Cavalera der finale Punsh beim jetzigen Sepultura. Die fetten Jahre waren auf Schlag vorbei – um so schöner die beiden Brüder wieder vereint zu erleben. Aus der Halle dröhnen Roots Bloody Roots, Attitude, Cut-Throat und Ratamahatta mit einer enormen Wucht. 20 Jahre Roots müssen eben gnadenlos gefeiert werden. Es folgen Breed Apart, Straighthate, Spit und Lookaway. Schweißtreibend nicht nur für die Jungs auf der Stage. Gleiches gilt für die Darbietung bei den Hymnen Born Stubborn, Itsári oder Ambush. Ein phänomenaler Abschluss, der Lust auf Tag zwei macht!

Samstag

Verkatert? Im Schnee versunken? Ausreden zählen nicht – Death Angel bitten auf der Hauptbühne zum frühen Tänzchen. Live immer am Limit, kann man Mark Osegueda am Mikrofon nichts vorwerfen. Seit ihrer Reunion 2001 stehen die Amerikaner abermals am Thrash Metal Himmel. Wer möchte auch schon auf die letzten beiden Platten The Dream Calls For Blood und The Evil Divide verzichten müssen? Wenn solch eine Formation als Opener herausgehauen wird, darf man Böses erahnen. Nach starker Leistung lassen auch Death Angel nichts anbrennen und legen die Messlatte gewaltig hoch. Die Titel Claws In So Deep, Thrown To The Wolves und Mistress Of Pain bleiben nachhaltig hängen.

Wir bleiben bei der Mainstage und kommen nach dem Programm, wie schon beim Party.San auf die Flöz Stage (Newcomer/Underground Stage) zu sprechen. Für Gloryhammer geht ein erfolgreiches Jahr zu Ende. Im Januar drehen die Power Metal dann erneut voll auf, wenn es mit Civil War auf Europa Tour geht. Mit dem gewohnten Spaß im Arsch beginnt eine bunte unheilige Sause. The Hollywood Hootsman, Angus McFife, Universe On Fire und The Unicorn Invasion Of Dundee bilden den Abschluss eines wilden Rittes, der bei jedem Power Metal Liebhaber für Entzückung sorgt.

Orden Ogan haben es trotz Charterfolge nicht leicht, den Genre Kollegen den Schneid abzukaufen. Als Wettkampf sollte man ein Festival eh nicht sehen – dass Gloryhammer mindestens auf ihrer Stufe stehen, spürt man dennoch. Das letzte Album Gunmen wurde sehr positiv bewertet und unterstreicht, wie bissig beide Bands bei den ganz großen Acts an die Tür klopfen, bevor diese aus den Angeln gehoben wird. Mitsingen bei Forlorn And Forsaken, Headbangen bei We Are Pirates und zufriedenes Kopfnicken zum Ende bei The Things We Believe In hinterlassen nur positive Gefühle.

Jeff Waters – ein Gott unter den Thrash Metal Künstlern, Produzenten und ein wahnsinnig cooler Typ im Allgemeinen – betritt mit seiner kanadischen Kappelle Annihilator die Stage. Alleine Alison Hell ist ein Meisterwerk, welches jeder Konsument des Genre kennen muss wie Angel Of Death von Slayer. Warum die Nordamerikaner so einen teils viel zu kleinen Status besitzen, bleibt schleierhaft. Die abwechslungsreiche Diskografie hat so viele Leckerbissen parat, und eine grandiose Stimmung auf der Bühne darf man nicht nur heute bewundern. Agil, spritzig bis in die Haarspitzen motiviert, scheppern unter anderem King Of The Kill, Annihilator, No Way Out oder Set The World On Fire durch Oberhausen.

Frei nach dem Motto Raise Your Fist In The Air steigt Doro mit Gefolge etwas verspätet auf die Bretter. Das Kontrastprogramm mit klassischem Heavy Metal steht wie erwartet nicht im Glanze des aktuellen Langeisens Für Immer, welches das erste reine deutsche Studioalbum ist und die alten Hymnen vergangener Tage mit neuen Sachen kombiniert. Bis auf den Titeltrack schaffte es kein Stück in die Turbinenhalle. Dafür rockt die Queen mit Wacken Hymne (We Are the Metalheads), Breaking The Law dem Cover von Judas Priest gemeinsam mit Jeff Waters und dem Evergreen All We Are. Wie gewohnt gut gelaunt zeigt Frau Pesch, wo der Hammer hängt. Die gut aufgelegte Gemeinschaft beweist, warum sie noch heute zu den größten Liveacts gehört. Den Schluss bilden True As Steel und Revenge – dafür gibt es zurecht ordentlichen Applaus.

Als Headliner sollten eigentlich Arch Enemey fungieren. Die Tourpläne wurden jedoch geändert, sodass sie dem Ruhrpott Metal Meeting und Christmash Bash schweren Herzens absagen mussten. Alle Fans der Band kommen dafür gleich im Frühjahr 2018 auf ihre Kosten, wenn sie auf ausgedehnte Tour aufbrechen. Als Ersatz, wenn man es überhaupt so sagen möchte, geschweige denn darf, schwingen Testament das Zepter.
Chuck Billy, seit 31 Jahren gesanglicher Leader der Band, lässt mit dem letzten Gründungsmitglied Eric Peterson nichts anbrennen. Brotherhood Of The Snake und Rise Up machen direkt zu Beginn richtig Laune. Gut aufgelegt wurde hier keine Formation eingesetzt, die sich als Lückenbüßer fühlt, sondern eine Thrash Metal Dampfwalze, die mit The Pale King, Electric Crown oder Into the Pit nicht einen Gefangenen nimmt.

Wie angesprochen führt uns der Weg zum Abschluss zur Flöz Stage (Newcomer/Underground Stage), auf der sich Wizard, Universe, Erazor, Phantom Corporation, Despair und Onkel Tom die Klinke in de Hand geben. Angenommen wurden alle mehr oder weniger gut. Das Problem in meinen Augen ist die Lösung der Spielzeiten. Nicht wie auf dem Party.Sans spielen die Bands meist in den Pausen der Großen, sondern müssen parallel agieren. Darüber sollte man vielleicht noch mal nachdenken, um den Bands möglichst viel Aufmerksamkeit schenken zu können.

Podcast
Leise War Gestern... - Der Time For Metal Podcast
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