Unexpect – Fables Of The Sleepless Empire

„Vom Kunstschock bis zum musikalischen Rauschen“

Artist: Unexpect

Album: Fables of the Sleepless Empire

Spiellänge: 55:46 Minuten

Genre: Extreme Metal/ Progressive Metal/ Black Metal/ Avantgarde Metal

Release: 30.05.2011

Label: Eigenproduktion

Link: www.unexpect.com

Klingt wie: The Agonist, Ayreon, Cradle Of Filth, Dream Theater

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre – Artagoth
Gesang, Gitarre – Syriak
Gesang – Leïlindel
Keyboard, Sampling – Exod
Bassgitarre – Chaoth
Schlagzeug – Landryx
Violine – Borboën

Tracklist:

  1. Unsolved Ideas of A Distorted Guest
  2. Words
  3. Orange Vigilantes
  4. Mechanical Phoenix
  5. The Quantum Symphony
  6. Unfed Pendulum
  7. In The Mind of The Last Whale
  8. Silence This Parasite
  9. A Fading Stance
  10. When The Joyful Dead Are Dancing
  11. . Until Yet A Few More Deaths Do Us Part

Bei Unexpect handelt es sich um eine siebenköpfige Band aus Kanada, die Elemente verschiedenster Metalrichtungen miteinander verbindet. Ich bin auf diese Band aufmerksam geworden, da sie Dream Theater im Jahre 2009 auf der Progressive Nation Tour unterstützten und zudem besonders durch Dream Theaters Ex-Drummer Mike Portnoy (jetzt bei Avenged Sevenfold) gelobt wurden.

Das Cover ist so unerklärlich, wie man es ebenfalls von der Musikmischung der Band erwartet. Ich persönlich sehe auf dem Bild ein zerfallendes Männchen auf einem Ball, der soeben ins Meer gestürzt ist. Aber das ist ja auch wieder so etwas wie Kaffeesatzlesen – jeder sieht da etwas anderes.

Der erste Song beginnt ruhig und scheint von weit her zu kommen. Die Stimme der Sängerin erinnert mich direkt an einige Stücke des Metal-Projekts Ayreon. Zunehmend unruhiger und durcheinander wirkt die Musik – dann setzt das erste Mal der Scream des Sängers sowie verstärkend dazu Chorgesang ein. In einem munteren progressiven Wirrwarr endet das Stück dann schließlich.

Platz da, jetzt kommt der neun-saitige Bass! Mit äußerst auffälligem Bassspiel beginnt der zweite Song der Platte, Words. Der Gesang, den die Sängerin Leïlindel daraufhin an den Tag legt, könnte auch ausgezeichnet auf einer Theaterbühne vorgetragen werden. Im gesamten Lied zeigt sich ein Wechselspiel zwischen ruhigem, sentimentalem Gesang von Leïlindel und aggressiverem Scream sowie Gesang der männlichen Stimmen. Den Abschluss bildet ein eher traurig stimmendes Violinenspiel.

Zumindest beginnt der nächste Song, Orange Vigilantes, direkt kraftvoller. Kein langes Vorspiel, sondern der direkte Einsatz von Chor und Scream steht hier im Vordergrund. Aber auch hier gibt es die Unterbrechungen durch den weiblichen Gesang, der doch wieder im krassen Gegensatz zu dem Rest steht und einem das Gefühl gibt, in einem Pariser Club der 1930er Jahre gelangt zu sein. Ganz klar, dass hier die Progressive-Achterbahn in voller Fahrt ist!

Langsam und mit orgelähnlichem Klang erhebt sich der mechanische Phönix. Der Anfang erinnert einen an ein okkultes Ritual. Die Stimmung ist schleppend und düster, nimmt aber zunehmend Fahrt auf und wirkt schließlich wie eine Verfolgungsjagd mit anschließendem Kampf.

Dramatisch geht es weiter. Quantum Symphony ist ein äußerst experimentelles Stück, das besonders durch die Verwendung von Verzerrern & Co. auffällt. Neben Elementen der klassischen Musik ist diese Experimentierfreudigkeit doch sehr ausdrucksstark.

Unfed Pendulum ist im Vergleich zu den vorigen Stücken beim Hören wesentlich weniger anstrengend. Zwar sind hier wieder zig Elemente Kombiniert, jedoch wirkt das Gesamtbild weniger chaotisch und bringt einen sogar mit zwischenzeitlichen Reggae-Elementen zum Schmunzeln. Ein wirklich gelungenes, abwechslungsreiches Stück!

Bei In The Mind Of The Last Whale handelt es sich um ein Interludium von gut drei Minuten Länge. Leider wird im ersten Drittel mit undefinierbaren, anstrengenden Klängen gearbeitet, die an einen Wal im Müllschlucker erinnern. Wa(h)lweise könnte man auch annehmen, dass hier das liebe Mädchen aus The Grudge den Tod durch unkontrollierte Liebesbekundungen erleidet – ein echt merkwürdiges und nicht sehr hörenswertes Zwischenspiel.

Mit Silence This Parasite fühle ich mich in einen russischen Zirkus Anfang des 20. Jahrhunderts versetzt. Wäre der wirklich äußerst gut gelungene Scream hier nicht, könnte es sich tatsächlich um eine wirklich aufwendige Zirkusbegleitmusik handeln.

Bei Fading Stance handelt es sich erneut um ein kurzes Zwischenspiel, welches zu Beginn durch Violinenspiel und den hohen, langsamen Gesang von Leïlindel geprägt ist. Gegen Ende kommt Dramatik auf und läutet so den nächsten Song, When The Joyful Dead Are Dancing, ein. Dieser ist nicht nur dramatisch, sondern um einiges aggressiver und mächtiger als die vorangegangenen Songs.

Schleppend und diesmal mit einer fast normal singenden Männerstimme beginnt das letzte Stück, Until Yet A Few More Deaths Do Us Part. Nach nur zwei Minuten ist auch dieses Stück zu Ende und hinterlässt ein Gefühl der Verwirrung und Verzweiflung.

Fazit: Wer eher einfache und klar strukturierte Musik mag, ist mit Unexpect ganz klar falsch bedient. Die Band ist äußerst experimentierfreudig und scheut sich nicht, Elemente vieler Genres zu kombinieren bis es fast scheint, als sei ein einziges Rauschen entstanden. Für den ungeübten Hörer ist es hier schwierig, die einzelnen Instrumente – und teils auch den Gesang – herauszuhören. Das spielerische und gesangliche Können ist jedoch zu keiner Zeit zu bemängeln. Fables Of The Sleepless Empire ist wirklich ein Gesamtkunstwerk. Anspieltipps: Words, Quantum Symphony & Unfed Pendulum
Petra D.8.5
8.5

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