Bands: Urne, Devastated
Ort: Kesselhaus im Schlachthof Wiesbaden, Murnaustraße 1, 65189 Wiesbaden
Datum: 19.02.2026
Kosten: 30 € VVK, 32 € AK
Genre: Stoner, Sludge Metal, Groove Metal
Veranstalter: Schlachthof Wiesbaden
Link: https://schlachthof-wiesbaden.de/events/urne-2026

Urne spielen heute ihre Nachholshow vom 15.09.2025 in Wiesbaden im Kesselhaus. Die Band habe ich 2024 als Support von Alien Weaponry in Köln erstmalig gesehen und war damals richtig von ihr angetan. Da ist es natürlich keine Frage, Urne bei ihrer Headlinertour in Wiesbaden nochmals zu besuchen.
Devastated setzen ein starkes Ausrufezeichen als Support
Den Auftakt des Abends im Kesselhaus des Schlachthofes in Wiesbaden übernimmt mit Devastated eine Band aus der regionalen Szene, die sich zunehmend einen Namen im Groove-Metal-Untergrund erspielt. Die Formation aus Frankfurt am Main existiert seit 2017 und nutzt den Supportslot sichtbar entschlossen, um sich einem neuen Publikum vorzustellen. Die Besetzung besteht aus Sänger Frieder Krause, Gitarrist Johannes Paetzel, Bassist Tobias Rohnke sowie Schlagzeuger Florian Schwarze. Obwohl die Diskografie bislang noch vergleichsweise überschaubar ist – neben einer frühen Demo stehen aktuell zwei EPs im Katalog –, präsentiert sich die Band live eingespielt und selbstbewusst.
Musikalisch setzen Devastated auf eine Mischung aus Groove Metal und thrashlastigen Einflüssen. Druckvolle Riffs, markante Rhythmuswechsel und ein klarer Fokus auf treibende Grooves bestimmen das Klangbild. Statt technischer Überladung setzt die Band auf Direktheit und Energie, eine Entscheidung, die sich live als äußerst wirkungsvoll erweist. Schon mit den ersten Songs wird deutlich, dass Devastated nicht nur als Opener funktionieren wollen, sondern die Bühne aktiv für sich beanspruchen. Tracks wie Human Virus, Lizard King und Executioner sorgen früh für Bewegung im Publikum, während Suneater und Blackened Rivers die groovige Seite der Band besonders stark hervorheben. Mit Eternal Night und Wasteland zeigt die Band zudem ein Gespür für Dynamik, indem sie aggressive Passagen geschickt mit schwereren Midtempo-Parts kombiniert. Die Songs sind klug arrangiert, sodass Tempo- und Stimmungswechsel das Set lebendig halten. Frontmann Frieder Krause übernimmt dabei souverän die Rolle des Anheizers, sucht immer wieder den Kontakt zum Publikum und verleiht den Songs zusätzliche Intensität.

Einen besonders eindringlichen Moment liefert der Song Faust. Hier positioniert sich die Band klar politisch. Mit deutlichen Worten kündigt Krause das Stück an und erklärt, dass der Song bewusst auf Deutsch geschrieben wurde, „damit diejenigen es auch verstehen“. Ein lautstarkes „Fuck AfD“ hallt durch den Raum – ein Moment, der zeigt, dass Devastated nicht nur musikalisch Haltung zeigen wollen, sondern auch inhaltlich klare Kante beziehen.
Die Rhythmussektion aus Tobias Rohnke und Florian Schwarze sorgt über das gesamte Set hinweg für ein solides Fundament, während Johannes Paetzel mit prägnanten Riffs den nötigen Druck erzeugt. Insgesamt gelingt es der Band mühelos, das Publikum aufzuwärmen und eine intensive Atmosphäre zu schaffen, die perfekt auf den folgenden Headliner vorbereitet.
Zwischen Doom, Sludge und Emotion: Urne liefern ein eindrucksvolles Headliner-Set
Die Londoner Heavy-Formation Urne ist längst kein Geheimtipp mehr innerhalb der europäischen Underground-Szene. Seit ihrer Gründung im Jahr 2016 hat sich die Band mit ihren Veröffentlichungen kontinuierlich weiterentwickelt und sich eine eigene klangliche Identität zwischen Sludge, Doom und extremen Metal-Einflüssen erarbeitet. Mit ihrem frisch erschienenen Album Setting Fire To The Sky im Gepäck macht die Band auf ihrer aktuellen Tour Halt im Kesselhaus Wiesbaden. Es handelt sich erst um ihren zweiten Headliner-Auftritt außerhalb Großbritanniens.
Bereits vor Konzertbeginn ergibt sich die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit Sänger und Bassist Joe Nally. Dabei verrät er, dass Urne inzwischen als Quartett unterwegs sind. Diese Information kommt zwar überraschend, nimmt mir aber gleichzeitig die Verwunderung, die viele Besucher beim späteren Blick auf die Bühne vermutlich haben. Für mich ist es also eine neue, aber bereits eingeordnete Entwicklung der Band – und eine, die sich im weiteren Verlauf des Abends deutlich bemerkbar machen wird. Neben Joe Nally stehen Gitarrist Angus Neyra, Schlagzeuger James Cook sowie Neuzugang Kurtis Bagley auf der Bühne. Die erweiterte Besetzung sorgt für einen volleren, massiveren Livesound. Vom ersten Moment an wirkt die Band fokussiert und gleichzeitig sichtbar dankbar, überhaupt hier spielen zu können, eine Haltung, die sich durch den gesamten Auftritt zieht.

Eröffnet wird das Set mit Be Not Dismayed, dem Einstiegstrack des neuen Albums. Dann folgen weitere aktuelle Songs wie The Spirit, Alive, The Ancient Horizon, die live eine enorme Wucht entfalten. Gleichzeitig bleibt genug Raum für ältere Stücke: Serpent & Spirit (Titelsong vom gleichnamigen ersten Album) sowie Becoming The Ocean mit denen sie den Fokus auf das Album A Feast On Sorrow richten, sorgen für eine ausgewogene Mischung aus beiden bisherigen Alben.
Musikalisch bewegen sich Urne zwar im Sludge Metal, doch ihr Sound geht deutlich darüber hinaus. Doomige Schwere trifft auf dreckige Hardcore-Energie und gelegentliche Death-Metal-Anleihen. Joe Nally überzeugt mit einem variablen Gesangsstil zwischen klaren Melodien und harschen Vocals. Besonders beeindruckend ist das Zusammenspiel der Band: James Cook treibt die Songs mit intensiver Präzision voran, während Angus Neyra scheinbar entrückt dasteht und seine Gitarre atmosphärisch „sprechen“ lässt – ruhig im Auftreten, aber enorm wirkungsvoll im Klang. Bei Kurtis Bagley sieht es so aus, als wäre er schon immer ein Bandmember von Urne gewesen. Den Abschluss bildet Harken The Waves, das das Publikum nach einem intensiven und atmosphärisch dichten Konzert zurücklässt. Der Applaus fällt entsprechend herzlich aus – und die Band zeigt deutlich, wie viel ihr dieser Zuspruch bedeutet. Es macht schlicht Spaß, Urne live zuzusehen: Die Musiker wirken nahbar, ehrlich und vollkommen im Moment.
Lange dauert es nach dem letzten Ton nicht, bis alle vier Bandmitglieder wieder auftauchen, diesmal mitten unter den verbliebenen Fans. Geduldig werden Gespräche geführt, Selfies gemacht und mitgebrachte wie frisch gekaufte Platten signiert. Diese unmittelbare Nähe rundet einen Abend ab, der zeigt, dass Urne nicht nur musikalisch wachsen, sondern auch live immer mehr zu einer echten Headliner-Band heranreifen.
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