Virocracy – Irradiation

Newcomer mit reichlich Potenzial

Artist: Virocracy

Herkunft: Stuttgart, Deutschland

Album: Irradiation

Spiellänge: 47:18 Minuten

Genre: Death Metal, Progressive Death Metal, Thrash Metal

Release: 20.03.2020

Label: MDD/Black Sunset Records

Links: http://www.virocracy.org/
https://www.facebook.com/virocracy/

Bandmitglieder:

Gesang – Anika ov Moseberg
Gitarre – Jan Heidelberger
Gitarre – Alex Jelinek
Bassgitarre – Florian Betz
Schlagzeug – Alejandro Serrano Martinez

Tracklist:

  1. Omen
  2. Initio
  3. Rane
  4. Walking Ghost
  5. Solitude
  6. Dysplasia
  7. Incarnation
  8. Void Of Heart
  9. Forgotten

Virocracy wurden erst Mitte 2018 gegründet und sind nach eigenen Angaben im Progressiv Death und Thrash Metal unterwegs. Es dominiert die Aggression, die sich in verschiedenen Tempi und Rhythmen innerhalb der Songs stets weiterentwickelt und wie ein Virus neue Formen annimmt. Der Erstling ist ein Konzeptalbum, welches sich mit der Rolle des Menschen in der Umwelt beschäftigt.

Soweit mal kurz von der Band. Also bzgl. der Weiterentwicklung von Viren hat man ja den Zahn der Zeit sehr gut getroffen. Death Metal/Thrash Metal und eine Dame am Mikro? Da fallen einem zwangsläufig Holy Moses oder Arch Enemy ein. Hören wir mal rein, ob die Newcomer aus Baden-Württemberg Potenzial für derartige Größen haben.

Omen ist ein ca. einminütiges Intro, gefolgt von Initio. Der Gesang von Anika erinnert mich eher an The Black Dahlia Murder, während der Musikstil thrashig in Richtung Holy Moses tendiert. Es wird kräftig gekeift und weniger geknurrt. Die Drums klingen sehr clean. Das würde ich gerne mal live sehen. Nach ca. drei Minuten gibt es einen kompletten Break und progressive Rocktöne für eine Minute. Was das Interlude hier soll, werden wohl die Künstler nur selbst wissen. Rane startet mit einer Ansprache und akustischen Gitarrenklängen. Nach einer Minute nimmt die Nummer Fahrt auf. Es wird mehr Death Metal mit einem stampfenden Rhythmus. Auch hier gehen die cleanen Drums etwas über das Ziel hinaus und überlagen die Gitarren. Es gibt einiges an Tempowechsel und Anikas keifendes Knurren dazu macht die Nummer alles andere als uninteressant. Etwas sperrig ist der Track insgesamt jedoch schon, das Ding wird nicht in jedem Ohr Wohlgefallen auslösen. Walking Ghost startet leicht progressiv, die Drums bleiben aber auch hier für meinen Geschmack etwas zu dominant. Ansonsten eine Thrash/Death Walze, die durchaus gefallen kann bis ca. drei Minuten Laufzeit. Wie bei Initio gibt es wieder einen völligen Break mit progressiven Art Rock Gitarrenspiel über ca. eine Minute. Dann geht es im Midtempo keifend weiter. Schade eigentlich, die ersten drei Minuten haben Spaß gemacht. Solitude startet gleich mal mit richtig Dampf auf dem Kessel. Die Tempovariierungen sind auch hier vorhanden. Die sind aber nicht so extrem, wie bei Initio oder Walking Ghost. Das Teil kann absolut gefallen und sogar bei mir Eindruck hinterlassen. Stark! Weiter geht es mit Dysplasia. Eine ziemliche Bleifuß Nummer, auch der progressive Break in der Mitte des Tracks ist nicht so stark. Wenn die Drums nicht so dominant ballern würden, wäre es ein richtig cooler Song. Incarnation ist dann mal richtiger Todesblei zum Anfang. Der progressive Part nach ca. dreieinhalb Minuten ist dann wieder derart krass, dass der Song für ca. 40 Sekunden regelrecht unterbrochen wird. Es geht anschließend wieder vernünftig zur Sache, aber das progressive Zwischenspiel macht aus dem klasse Track eine durchschnittliche Nummer. Das ist einfach zu viel „Bruch“ zwischen den Songteilen. Void Of Heart hat auch wieder einen Tempowechsel und einen progressiven Teil, aber lange nicht so abrupt wie bei anderen Werken auf der Scheibe. So ballert sich der Todesblei vernünftig vorwärts. Daumen hoch. Forgotten ist knappe 90 Sekunden Outro.

Virocracy – Irradiation
Fazit
Für einen Newcomer ein mehr als zu beachtendes Werk. Es ist noch kein Metalmeister vom Himmel gefallen. Der Style insgesamt gefällt mir absolut. Da scheint reichlich Potenzial in dem Quintett zu stecken. Leichte Drehungen an Stellschrauben wie Drums bzw. den progressiven Breaks hätten der Scheibe eine noch bessere Note beschert. Auf der positiven Seite steht ein mutiges Konzept und reichlich Kreativität. Virocracy versuchen etwas Eigenständiges und hängen sich nicht an die üblichen Genregrößen ran. Das ist noch nicht alles perfekt, aber der Weg scheint schon mal richtig eingeschlagen zu sein. Ich bin gespannt, was als Zweitling von der Truppe kommt.

Anspieltipps: Solitude und Void Of Heart
Jürgen F.
7
Leser Bewertung6 Bewertungen
6.3
7
Punkte