Wacken Open Air 2018 vom 02.08.2018 – 04.08.2018

„Bands, Staub und Metal-Party“

Festivalname: Wacken Open Air 2018

Bands:

  • Judas Priest
  • Nightwish
  • Running Wild
  • Amorphis
  • Arch Enemy
  • Behemoth
  • Cannibal Corpse
  • Children Of Bodom
  • Converge
  • Danzig
  • Dimmu Borgir
  • Doro
  • Ghost
  • Gojira
  • Hatebreed
  • Helloween
  • In Extremo
  • In Flames
  • Big
  • Nazareth
  • Sepultura
  • Solstafir
  • Steel Panther
  • Vince Neil
  • 2Cellos
  • Act Of Defiance
  • Adlers
  • Appetite
  • Alestorm
  • Alfahanne
  • Alien Weaponry
  • Amaranthe
  • An Theos
  • Arkona
  • Attic
  • AWS
  • Backyard Babies
  • Bannkreis
  • Belphegor
  • Betontod
  • Blaas Of Glory
  • Black Inhale
  • Blessed Hellride
  • Bloodsucking Zombies From Outer Space
  • Blues Pills
  • Bonfire
  • Budderside
  • Bömbers
  • Canterra
  • Cemican
  • Chuan-Tzu
  • Clawfinger
  • Clowns Dalriada
  • Der Wahnsinn
  • Deserted Fear
  • Destruction
  • Dezperadoz
  • Diablo Blvd
  • Die Apokalyptischen Reiter
  • Dirkschneider
  • Dirt-A-Gogo
  • Dokken
  • Dool
  • Dust Bolt
  • Dying Fetus
  • D’Artagnan
  • Ensiferum
  • Enslaved
  • Epica
  • Erik Cohen
  • Eskimo Callboy
  • Exit Eden
  • Feuerschwanz
  • Firewind
  • Fischer-Z
  • Fish
  • Fozzy

  • Fro-Tee Slips
  • Gaahls Wyrd
  • Ganaim
  • Grave Pleasures
  • Gruesome
  • Hate Squad
  • Heidevolk
  • Heilung Hellzapoppin Circus Sideshow Revue
  • Helmet
  • Herrschaft
  • Ignis Fatuu
  • Ingrimm
  • Jasad
  • Jesper Binzer
  • John Diva & The Rockets Of Love
  • Karaoke Till Death
  • Kellermensch
  • Knorkator
  • Korpiklaani
  • Leaves Eyes
  • Lee Aaron Long
  • Distance Calling
  • Lovebiters
  • Madball
  • Manilla Road
  • Manntra
  • Mantar
  • Markus Krebs Maschine’s Late Night Show
  • Metusa
  • Monstagon
  • Nails
  • Night Demon
  • Nocturnal Rites
  • Ondt Blod
  • Onkel Tom
  • Oomph!
  • Otto & Die Friesenjungs
  • Pampatut
  • Persefone
  • Pikes Edge
  • Plainride
  • Red Hot Chilli Pipers
  • Rezet
  • Riot V
  • Rogers
  • Salamanda
  • Samael
  • Sarke
  • Schandmaul
  • Schidl ’n‘ Schedl
  • Skiltron
  • Skindred
  • Skyline
  • Soen
  • Sons Of Apollo
  • Spoil Engine
  • Stiff Little Fingers
  • The Bloodstrings
  • The Charm The Fury
  • The Fright
  • The Privateer
  • Toxic Holocaust
  • Traitor
  • Tremonti
  • Trollfest
  • Unzucht
  • Vallenfyre
  • Victims Of Madness
  • Visions Of Atlantis
  • Vogelfrey
  • Walking Dead On Broadway
  • Watain
  • Wintersun
  • WirrWahr
  • Wirtz
  • Zeal & Ardor

Ort: Wacken, Gribbohm und Holstenniendorf (Nähe Itzehoe), Schleswig-Holstein, Deutschland

Datum: 02.08.2018 – 04.08.2018

Genres: Heavy Metal, Thrash Metal, Death Metal, Metalcore, Black Metal und mehr

Link: http://www.wacken.com

Kosten: „3 Day All In“-Ticket: 220 € (inkl. Gebühr, zzgl. Versandkosten und Systemgebühr)

Veranstalter: ICS Festival Service GmbH (http://www.ics-int.de/)

 

Weitere Infos zum Festival findet ihr am Ende des Artikels

 

Vorwort und Anreise

 

Was braucht es mehr als, ein paar Gummistiefel und eine Regenjacke, wenn es inklusive Zelt und Co. auf den Acker, der die Welt bedeutet, geht. So oder zumindest so in etwa war es in den letzten Jahren, wenn es hieß, dass das Auto für das vermeintlich größte Heavy Metal-Festival der Welt zu packen war. Dieses Jahr können wir jedoch die Regenjacke getrost zu Hause lassen (doch heimlich haben wir eine unter dem Beifahrersitz versteckt), denn die Wettervorhersage ist im Jahrhundertsommer 2018 absolut positiv gestimmt (mindestens 28°C im Schatten – je nachdem, welchem Wetterfrosch man Glauben schenken mag). Somit sind wir mit Staubtuch und kurzen Klamotten ausgestattet und da Willich nicht weit weg von der niederländischen Grenze ist, ist der Einkauf in der Grenzstadt natürlich alleine schon für pfandfreies Dosenbier von Interesse. Um die Autofahrt für alle drei Mitfahrer angenehm zu gestalten, müssen erneut die Tetris-Künste zeigen, dass noch nichts verlernt wurde. Um die fast 500 km lange Fahrt zum norddeutschen Festival zu überstehen, ist der letzte Espresso (obligatorisch) der wirklich nötige Treibstoff. Die Strecke ist soweit frei und mit einem kurzen Halt, um auch dem Auto noch mal Treibstoff zu geben und den einen oder anderen Espresso zu „entsorgen“, macht uns der Beginn der letzten Etappe ein wenig mehr zu schaffen. Da im Hamburger Elbtunnel Bauarbeiten stattfinden, lotst uns das Navigationssystem einmal quer durch die norddeutsche Metropole – „Sight Seeing“ inklusive. Doch da die Hamburger entweder gerade alle arbeiten oder im Urlaub zu sein scheinen, klappt selbst diese Etappe relativ schmerzfrei und vermutlich schneller, als durch den eingeschränkt befahrbaren Elbtunnel zu fahren.

Der Rest verläuft dann wieder recht harmlos und irgendwie sind wir irritiert davon, dass es wohl nicht mehr so modern ist, die Autos mit W:O:A-Aufklebern zu bekleben. Aber naja, für einen Festivalbesuch sind wir mit der Anreise am Mittwoch ja schon recht spät, so reist der Großteil ja bereits am Montag an oder bleibt (gefühlt) einfach auf dem Acker fürs nächste Jahr. Wie bereits im letzten Jahr hätte man auch auf dem Weg ins Nichts sein können, denn bis auf eine temporäre LED-Beschilderung an der Autobahnausfahrt ist vom Festival bis drei oder vier Kilometer (Landstraße) nichts zu merken.

Der letztjährige Andrang am Check-In-Schalter ist nicht besser, doch auch nicht schlimmer. So ist man mit gut eineinhalb Stunden Wartezeit zwar auch wirklich an der Geduldsgrenze, doch mit optimistischer Vorfreude auf die bevorstehenden Tage ist die Zeit unter Gleichgesinnten auch mehr als super entspannt. Dann wollen wir mal zum Bauplatz unseres Hauses für die nächsten Tage fahren. Da wo wir am liebsten eine Hütte inklusive Kühlschrank und Klimaanlage errichten wollen würden, bleibt „leider“ nur ein echt trockner Acker. Aber hey, man ist ja nicht auf einem Festival, um zu jammern oder? Naja gut, bei den aktuellen Temperaturen ist das Jammern doch schon von einigen hier vor Ort zu vernehmen.

Nach kurzer Bauphase sind die Behausungen gebaut und es bleibt Zeit, sich schon mal mit den ersten Kaltgetränken abzulenken. Hier treffen wir dann auch auf unsere Kollegen, die bereits ein wenig früher angereist waren. Bei kleiner Runde kommt doch wieder dieselbe Frage, die wir uns jedes Jahr stellen: Wie lang kann das mit dem Wacken Open Air noch gut gehen? Ich meine, sicher, ist es ausverkauft und die Felder, die diese Woche für uns die Welt bedeuten, gut gefüllt, doch ist rein subjektiv ein Rückgang der Nachfrage zu bemerken. So wurde sogar in unserer Region mit Plakatwerbung auf das Festival aufmerksam gemacht – was unseres Erachtens vor drei oder vier Jahren nicht nötig gewesen wäre. Ob es eine gewollte Stückelung der Ticketkontingente ist oder aber der gesalzene Ticketpreis, der innerhalb von zehn Jahren um mehr als 140 € gestiegen ist (aktuell kostet das Ticket 220 € zzgl. Versand). Das sind Dinge, die die Zukunft zeigen wird – klar ist aber auf jeden Fall, dass wir von Time For Metal das größte Heavy Metal-Spektakel der Welt nicht missen werden. Mit fast schon philosophischer Stimmung und ein paar noch kühlen Getränken kann das Wacken Open Air 2018 nun also beginnen – diesmal mit versprochenem Shine, no Rain!

 

Der Bericht

Unser Bericht wurde von mehreren Autoren in einer gemeinsamen Arbeit erstellt. Somit sind die einzelnen Konzertberichte nicht in einem gemeinsamen Kontext verfasst worden. Da das Wacken Open Air selbst eines der wirklich großen deutschen Festivals ist, haben wir diese Art des Schreibens in den letzten Jahren als Vorteil genutzt, um möglichst viel abgreifen zu können. Wir wünschen euch viel Spaß mit den Einzelberichten. Die einzelnen Autoren sind am Ende erwähnt – Kommentare hierzu sind via Facebook sehr gerne gewünscht.

 

Zu den einzelnen Berichten:

An Theos – W:E:T Stage – Mittwoch, 16:50 Uhr – 17:10 Uhr

Bedingt durch die lange Wartezeit beim Check-In sowie der Aufbauzeremonie bekommen wir nicht viel vom Metal Battle mit. Immerhin die letzte startende Band, der Beitrag Rumäniens, schaffen wir noch. Eine perfekte Show zu einer ungewöhnlichen Art des Symphonic Metal lässt aufhorchen. Die Battle gewinnt indes China. Eine Bewertung fällt deshalb aus…

 

Stiff Little Fingers – Headbangers Stage – Mittwoch, 17:20 Uhr – 18:20 Uhr

Sänger und Gitarrist Jake Burns ist das einzig verbliebene Gründungsmitglied der nordirischen Punkband, die in die Jahre gekommen ist. Im Gepäck hatten die vier ihre Klassiker, die ich in meiner Punkzeit Anfang der Achtziger sehr verehrt hatte. Leider fehlt mittlerweile das Aggressive, Rotzige, was die Musik von damals ausgemacht hat. Ein Kommerzerfolg war der Band nie gelungen und sie wird es auch jetzt nicht mehr schaffen. Mehr als ein weichgespültes Festivalprogramm kommt bei den betagten Herren nicht heraus. Schade, da war mehr drin.

Fischer-Z – W:E:T Stage – Mittwoch, 18:30 Uhr – 19:30 Uhr

I told them, I take photos for this magazine.”, die erste Textzeile aus Marliese ist für mich Programm und es kann keinen besseren Start in dieses Open Air für mich geben. Unter dem Bandnamen Fischer-Z versteckt sich seit der Wiederbelebung 1987 eigentlich nur John Watts, der mit seinen wechselnden Musikern in diesem Jahr sein 40-jähriges Bühnenjubiläum feiert. Wer denkt, der alte Mann mit seiner noch älteren blau-gelben Gibson hat nur ein paar eingefleischte Alternativ-Rock/Pop-Fans, der reibt sich reichlich die Augen. Als erste Band nach dem Metal-Battle betritt der alte Mann die Bühne im Bullhead City Circus und das Zelt ist absolut voll.

Nach einer Zeitreise durch die mittlerweile 20 Alben seiner Schaffensperiode spielt er seine ganzen Megahits. Ob Battalions of Stranger, The Worker, So Long, Wild Wild Wild, Berlin, Limbo oder eben Marliese. In dem saunaartig heißen Zelt singt die Menge jede Textzeile mit und verschafft mir eine Gänsehaut nach der nächsten.

 

Fish – Headbangers Stage – Mittwoch, 19:40 Uhr – 20:40 Uhr

 

Gleich nach dem Auftritt von Fischer-Z ist der Weg zum nächsten Auftritt nicht weit. Nebenan gibt sich Fish die Ehre und darf eine Stunde spielen. Das ist nun nicht gerade Metal, aber für den ersten Abend, der ja eigentlich so gar nicht vorgesehen ist, eine gute Alternative. Mit seiner klasse Begleitband liefert er dann eigentlich ein Potpourri an Marillion-Songs, die doch viele begeistern. Dafür erntet er mehr als nur freundlichen Beifall. 10 Titel schafft er in der vorgegebenen Zeit, davon sind acht Marillion Songs. Insbesondere der letzte Titel Incommunicado reißt die anwesende Menge vom Hocker.

Backyard Babies– Headbangers Stage – Mittwoch, 22:00 Uhr – 22:45 Uhr

 

Die dritte Band des Abends für das Time For Metal-Team sind die Backyard Babies, die in im gigantischen Bullhead City Circus auf der dortigen Headbangers Stage einen sehr guten Slot erwischt haben. In den kurzweiligen 45 Minuten bringen die Schweden, die übrigens nach wie vor in der bestens funktionierenden Stammbesetzung spielen, sämtliche Kracher der Bandhistorie unter, sei es Brand New Hate, Dysfunctional Professional, Th1rte3n or Nothing oder auch Minus Celsius. Mit den Backyard Babies hat das Festival einen richtig guten und würdigen Auftakt gefunden, von den anderen Bands zuvor haben wir mangels Anreise– und Aufbaustress leider noch nichts gesehen.

 

 

Jesper Binzer – Beer Garden Stage – Mittwoch, 20:00 Uhr – 20:45 Uhr

Die Beer Garden Stage ist auch immer gut für tolle und umjubelte Gruppen. Zur besten Tagesschau-Zeit tritt hier Jesper Binzer auf. Neben seinem Job als Gitarrist bei D.A.D. hat er sein eigenes Projekt und fungiert hier als Frontmann. Dass er das kann, beweist er eindrucksvoll. Auf den Boxen stehend oder auf der Absperrung direkt an den Fans liefert er gute Songs wie Dying Is Easy (Rock’n’Roll Is Hard) oder Real Love ab. Das Publikum ist begeistert ob der Energie und feiert Jeper ab. Da es auch nicht mehr ganz so knallig warm ist, ist der Bühnenvorplatz voll. Dies gilt auch für die vielen Sitzmöglichkeiten vor der Beer Garden Stage und so hat Jesper Binzer hier und heute einen mehr als nur gelungenen Auftritt abgeliefert.

 

Sepultura – W:E:T: Stage – Mittwoch, 22:55Uhr – 23:55 Uhr

 

Direkt im Anschluss hat die Trash Metal-Legende Sepultura die Gelegenheit, alle Anwesenden von sich zu überzeugen. Zwar hat man die Band schon auf den großen Bühnen des Festivals gesehen, dennoch machen die Brasilianer um Andreas Kisser eine gute Figur, auch wenn man im Publikum irritiertes Murren angesichts der Präsentationsmöglichkeit für die Band hört. Schwamm drüber, die Musik zählt. Fronthüne Derrick Green, den manche immer noch “den Neuen” nennen, obwohl er bereits länger bei der Band ist als Gründer Max Cavalera, feuert die Menge an und walzt sich mit seiner Präsenz durch die ihm entgegengereckten Hände, allerdings kommt die meiste Stimmung bei den alten Klassikern Against, Choke, Refuse/Resist, Arise, Ratamahatta und dem finalen Roots Bloody Roots auf.

 

John Diva zusammen mit Mambo Kurt – EMP Backstage Area – Donnerstag, 14:15 Uhr – 15:00 Uhr

 

Das Salz in der Suppe sind auf Wacken immer wieder diese Pressekonferenzen, die kurzfristig angesetzt werden und nicht großartig Verbreitung finden. Dieses Mal finden John Diva und Mannen den Weg in das EMP-Sponsorenzelt. Nachdem John seine “Geschichte” erzählt hat, wird Mambo Kurt auf die Bühne geholt. Als wenn er unbeteiligt wäre, saß er im Publikum. Ein bisschen Geplänkel und zum Ende performen sie – ohne vorherige Absprache – Jump von Van Halen. Natürlich gibt sich die Truppe volksnah, steht danach für Bilder und Autogramme zur Verfügung.

 

Dokken – Faster Stage – Donnerstag Startzeit 14:30 Uhr – 15:30 Uhr

 

Nachdem auf der Louder Stage die Band Skyline den Opener für das Infield meistert, muss eine Entscheidung her. Tremonti oder Dokken. Ich entscheide mich für Dokken und bereits nach dem zweiten Lied The Hunter überlege ich, ob es nicht eine falsche Entscheidung gewesen ist. Ohne Zweifel hatte Dokken in den Achtzigern einige Hits und mit der Platte Back For The Attack auch ihre größten Erfolge zu feiern. Davon sind dann auch zwei Songs vertreten. Ansonsten ist die Aktion auf der Bühne eher mäßig, davon ausgenommen ist die Begleitband, die trotz der hohen Mittagshitze eine gute Leistung abliefert. Gitarrist John Levin strotzt nur so vor Spielfreude und gibt dem Auftritt Schwung. Don Dokken ist da eher zurückhaltender und somit verpufft viel der Energie auf der Bühne.

Odet Kafri – Press Tent – Donnerstag, 17:30 Uhr – ca. 18:00 Uhr

 

Ohne Ankündigung spielt Odet Kafri, der wohl berühmteste Straßen-Schlagzeuger vor dem Pressezelt. Später setzt er sein Instrument um und steht vor dem Eingang in den Pressebereich, damit die Allgemeinheit ihn auch sehen kann. Der hebräische Straßenmusikant ist dafür bekannt, in Weltstädten vor kulturellen Einrichtungen seine geniale Trommelshow abzuziehen.

 

Behemoth – Harder Stage – Donnerstag, 19:15 Uhr – 20:30 Uhr

 

Welch „unchristliche“ Zeit für eine so dunkle Kapelle wie Behemoth, denn eigentlich wäre es hier doch besser, wenn zumindest schon einmal die Dämmerung eingesetzt hätte. Aber nun denn, wir sind ja nicht so anspruchsvoll (hoffentlich) und schauen uns die Polen auch bei strahlendem Sonnenschein an. Der Staub, der bereits vor den Bühnen wirbelt, gibt dem Ganzen zumindest ein gewisses post-apokalyptisches Feeling. Den Start macht der inzwischen fast schon als Klassiker zu bezeichnende Track Ov Fire and the Void, gefolgt von Demigod und Ora Pro Nobis Lucifer. Als fünfter Song erwartet uns das Live-Debüt des Songs God = Dog. Insgesamt reißen die Männer ein Set von vierzehn Songs ab und können das gewillte Publikum begeistern. Die Startzeit von Behemoth hätte definitiv eine andere sein müssen – jedenfalls irgendwann nach 21:00 Uhr, wenn es so langsam dunkel wird, denn dann wäre die nicht uneindrucksvolle Show mit Flammen und Blut wirklich wie eine dunkle Messe herübergekommen und nicht wie ein Ausflug in die Open Air Geisterbahn eines Freizeitparks bei bestem Wetter mit Mutti und Papi.

 

Visions Of Atlantis – Wackinger Stage – Donnerstag, 20:00 Uhr – 20:45 Uhr

 

Power oder symphonischer Metal aus dem schönen Österreich wird uns eindrucksvoll auf der Wackinger Stage nahegebracht. Sängerin Clémentine Delauney im Duett mit Sänger Siegfied Samer kann ab der ersten Minute überzeugen und beginnt ihr Set mit The Deep The Dark. Clémentine hat die vielen Zuschauer sofort auf ihrer Seite, was bestimmt nicht nur an der schwarzen, im leichten Wind wehenden Mähne liegt, sondern auch an dem luftigen Gewand. Auch Sänger Siegfried Samer weiß zu gefallen und so kommen Tracks wie New Dawn, Book Of Nature oder Return To Lemuria an diesem Abend super an. Die Zuschauer lassen sich hier von der tollen Darbietung anstecken und kommen der Aufforderung zum Mitsingen oder Klatschen gern nach. So wird dieser Auftritt ein voller Erfolg.

Danzig – Faster Stage – Donnerstag, 20:45 Uhr – 22:00 Uhr

 

Nach einem mäßigen Dirkschneider, der seine besten Kracher verrissen hat, habe ich mich massiv auf Danzig gefreut. Der ist mir bisher immer durch die Lappen gegangen – never seen on stage! Mit bester Laune und Spielfreude ziehen er und seine Mannen auf der Faster Stage vom Leder. Der bekannteste Gassenhauer ist wohl Mother, den kann irgendwie jeder mitgrölen.

Glenn und seine Mannen haben sichtlich ihren Spaß. Ich war völlig perplex, als ich ihn zum ersten Mal live sprechen hörte. Bei einem so düsteren Zeitgenossen hätte ich eine so softe Stimme überhaupt nicht erwartet. Zeitweise war er etwas kurzatmig, was wohl der Hitze geschuldet war, die sich bis in die späten Abendstunden hielt. Der Gig hat sich echt gelohnt. Ich habe es endlich geschafft Herrn Danzig live zu bewundern – gerne wieder! Gelegenheit bietet sich bei seiner Tournee zum 30-jährigen Bandbestehen, die ihn auch durch Deutschland führt. Karten sind noch für den 10.08.2018 – Tonhalle, München zu haben.

Hatebreed – Louder Stage – Donnerstag, 20:45 Uhr – 22:00 Uhr

 

Viertel vor neun, die Temperaturen des Tages kühlen langsam, aber sicher ein bisschen ab, da wird uns von Hatebreed erneut eingeheizt, aber mal so richtig! Die Herren aus Connecticut befinden sich gerade auf ihrer Sommer-Tour durch Europa. Ich weiß nicht, wie es passieren konnte, aber bis zum With Full Force sind die irgendwie total an mir vorbeigegangen, Asche auf mein Haupt… Vor zwei Jahren erschien ihr Album The Concrete Confessional, was der Band den bis dato höchsten Einstieg in die deutschen Albumcharts bescherte. Zu Recht, kann ich da nur sagen. Derbes Geshoute, Killerriffs, Breakdowns und Doublebass-Salven gehen voll auf die Zwölf. Der Pit geht voll ab, kommt nicht eine Sekunde zur Ruhe. Die Könige des metallischen Hardcores, wie ein Kollege mal geschrieben hat, bringen einen ihrer Nackenbrecher nach dem anderen und verlangen uns alles ab.

 

John Diva & The Rockets Of Love – Beer Garden Stage Donnerstag, 21:30 Uhr – 22:30 Uhr

 

Auf der gemütlichen Beer Garden Stage wird John Diva mit seinen Rockets Of Love dem vorauseilenden Ruf, eine ernstzunehmende Hairy Metal/Classic Rock intonierende Kapelle zu sein, mehr als nur gerecht. Das Outfit passt in die Achtziger wie Faust aufs Auge und die Performance lässt kaum ein Klischee aus. Passend dazu: Zwei Cheerleaderinnen, die mit ihren Pompons die Musik untermalen. Frontmann John Diva weiß sofort, alle in seinen Bann zu ziehen und liefert eine tolle Show ab. Kickstart My Heart eröffnet das Set. Danach folgt ein Feuerwerk von Klassikern wie Here I Go Again, Livin On A Prayer, Rock You Like A Hurricane oder Paradise City.

Die Begleitband bestehend aus Snake Rocket und JJ Love an den Gitarren sowie Bassist Remmie Martin und Drummer Lee Stingray liefern das dazugehörige Soundgewitter. Eine herrlich unterhaltsame Show an diesem lauschigen Abend. Dazu schmeckt dann auch das Pils.

 

Judas Priest – Harder Stage – Donnerstag, 22:30 Uhr – 0:00 Uhr

 

Donnerstagabend – Zeit für einen der Headliner des diesjährigen Wacken Open Airs: Judas Priest. Ich persönlich habe die Truppe bereits die Woche zuvor auf „einem anderen Festival“ in Slowenien gesehen und war nicht wirklich begeistert. Die Bühnenshow war mir zu eingefahren und einfach nicht überraschend neu. Und genau dieses Bild zeigt sich auch heute. Klar, Judas Priest sind nicht schlecht, haben eine jahrelange Bühnenerfahrung und sind gute Musiker, jedoch überrascht die Show erneut nicht, auch wenn die Lichtshow wirklich einmalig gut ist. Zudem muss man auch einfach das hohe Gequietsche von Rob Halford ertragen können, was nach ein paar härten Bands zuvor doch schwerfällt.

Jedoch ist es hier die Zugabe, die die Leute in Stimmung bringt, denn Glenn Tipton, der aus gesundheitlichen Gründen nicht den kompletten Gig spielen konnte, tritt auf die Bühne und spielt Metal Gods, Breaking The Law und Living After Midnight, was die Menge euphorisch mitsingen lässt.

 

Amaranthe – Louder Stage – Freitag, 11:00 Uhr – 12:00 Uhr

 

Früh geht’s los an diesem wieder heißen Freitag. Auf zwei der drei Hauptbühnen fängt die musikalische Beschallung um 11:00 Uhr an. Während auf der Faster Stage Thundermother ihr Klanggewitter loslassen, sind auf der Louder Stage Amaranthe zu Gast. Diese Truppe, die mit zwei männlichen und einer weiblichen Gesangsstimme für Aufsehen sorgt, haben wir im letzten Jahr beim Metal Hammer Paradise das erste Mal gesehen. Da begeisterten sie bereits und das machen sie heute auch wieder. Die aus Schweden stammende Band mit ihrer Augenweide und im Mittelpunkt stehenden Elize Ryd, heute mit einem knappen, schwarzem, rüschenbesetztem Outfit und als Gegenstück Henrik Englund Wilhelmsson und Nils Molin, überzeugt von ersten Ton an.

Maximize, On The Rocks und Digital World sind die ersten drei Songs, bei denen wir Fotografen Zeit und Gelegenheit haben, die Truppe abzulichten. Die Anwesenden, nicht ganz so viele wie bei Thundermother, sind begeistert und feiern die Musiker ab. Bei Liedern wie Dynamite, Fury oder True ist das kein Wunder. Diese Tracks sind eine gelungene Mischung aus harten Klängen und mehrstimmigem Gesang und beinhalten eine Mischung verschiedener Metal-Genres. Live eine überaus positive Überraschung, da sie auf Platte nicht ganz so überzeugend sind. Für heute ein gelungener Auftakt.

 

Thundermother – Faster Stage – Freitag, 11:00 Uhr – 12:05 Uhr

 

Die Schwedinnen sind auf den Tag genau nach einem Jahr von der Beergarden Stage auf die große Faster Stage umgezogen. In diesem einen Jahr haben sie sich eine große Fangemeinde erspielt, was sich anhand der Zahl der Menschen vor der Bühne zu dieser frühen Uhrzeit belegen lässt. Auch mich haben sie in ihren Bann gezogen und es ist bereits mein fünftes Konzert innerhalb dieser zwölf Monate. Musikalisch top, versprühen sie noch immer ihre Spielfreude, Stimmlich zeigt sich aber, dass die vielen Gigs auf die Gesundheit gehen. Guernica Mancinis Stimmbänder bräuchten dringend eine Pause! Bei Quitter springt sogar Chefin Filippa Nässil ein. In der kurzen Setlist verbirgt sich sonst keine Überraschung, natürlich fehlen die Tophits Whatever, Hellevator, It’s Just a Tease und als letzter Song We Fight for Rock ‚N‘ Roll nicht.

Kellermensch – Headbangers Stage – Freitag, 11:35 Uhr – 12:15 Uhr

Was ist das denn? Kellermensch. Eine Truppe, die scheinbar unkontrolliert auf der Bühne agiert. Da ist ein Bassist, der sein Instrument wie ein Gewehr mit Bajonett hält und über die Bühne rennt wie von Hornissen gestochen. Der Sänger, ach nee, es sind ja zwei, tobt wie ein Derwisch, wirft Mikroständer um oder feuert sein Tamburin in Richtung Kamera. Das Kabel verfängt sich und er wird immer ungehaltener. Eine tolle Stimme hat Sebastin Wolf ja, aber die Musik ist schon schwierig. Stoisch auf der Bühne steht Jan Laursen, Geiger und Kontrabassist, als ruhender Pol und darf ab und zu einsetzen. Das ist mir zu chaotisch und nach wenigen schlechten Bildern verlasse ich das Zelt.

 

Amorphis– Faster Stage – Freitag, 13:25 Uhr – 14:25 Uhr

 

Die Finnen Amorphis liefern eigentlich immer spitzenmäßig ab, so auch auf dem diesjährigen Wacken Open Air, bei dem die Death Metaler einen denkbar ungünstigen Slot bei einer Affenhitze erwischt haben. Im Time For Metal–Team schwinden die Kräfte und so wird kurzerhand beschlossen, die Band von der Monster-Tribüne aus anzuschauen, die sich in direkter Sichtweite der Faster Stage befindet. Zwar kommt der Sound dort stark verwaschen an, diesen Kompromiss sind wir aber angesichts von dreißig Grad und mehr gerne bereit, einzugehen. Das neue Material des Queen Of Time–Albums fügt sich in der Setlist wunderbar unauffällig neben die Klassiker der jüngeren Dekade ein, ganz alte Songs aus der epischen Tales From The Thousand Lakes–Zeit sind lediglich mit dem wunderschönen The Castaway vertreten, Against Widows gibt es von Elegy. Kleine Randnotiz, auch Ur–Basser Olli Pekka Laine ist wieder an Bord, der die Elegy–Produktion als das beste Album von Amorphis bezeichnet. Somit zeigen sich Amorphis als moderne Band, die jedoch ihre tiefen Wurzeln in der Metalhistorie nicht vergisst, ein großartiger Gig einer unserer Lieblinge.

 

Korpiklaani – Harder Stage – Freitag, 14:35 Uhr – 15:35 Uhr

 

Beim Wort “kauzig” fallen mir sofort die Waldschrate Korpiklaani ein, die eine Bühne weiter das Wacken Open Air mit ihrer kruden Mischung aus Metal, Polka und finnischem Humor rocken. Zwar haben die Finnen ziemlich ulkige Saufnummern an Bord (Beer Beer, Tequila, Vodka, Wooden Pints), allerdings vergisst man schnell, dass neben dem ganzen Saufimage eine begnadete Truppe musikalischer Ausnahmekünstler unter einem Banner vereint ist. Somit feiern und musizieren die Mannen ziemlich hochkarätig am frühen Nachmittag und können sicherlich für staunende Gesichter im Publikum sorgen.

 

Epica – Faster Stage – Freitag, 15:45 Uhr – 16:45 Uhr

 

Und wieder eine Band, die ich bereits vor einer Woche in Slowenien bewundern durfte. Auch wenn Symphonic Metal inzwischen nicht mehr unbedingt meins ist, so weiß ich einen guten Auftritt doch immer zu schätzen und bei dem eingespielten Team rund um Simone Simons und Mark Jansen kann man definitiv nichts falsch machen. Beide wissen, wie das Publikum zu fangen ist – auch bei praller Nachmittagshitze, der bereits einige Metaller „erlegen“ sind und sich daher nur noch sitzend oder liegend vor der Bühne befinden („bewegen“ kann man hier definitiv auch nicht mehr sagen).

Die Playlist ist im Endeffekt die gleiche wie die Woche zuvor, jedoch hat es dieses Mal noch Victims of Contingency als dritter Song auf die Faster Stage des Wacken Open Airs geschafft und das definitiv auch zurecht, denn auch dieser Track gehört zu den wirklich guten Stücken von Epica. Insgesamt ist die Songauswahl auch darauf ausgelegt, die Menge zu begeistern und zum Mitsingen, Mitschunkeln oder einfach Mitschnarchen zu bewegen. Epica kann man sich definitiv jederzeit ansehen und man wird es nicht bereuen.

Schandmaul – Harder Stage – Freitag, 16:55 Uhr – 17:35 Uhr

 

Immer gerne gesehen sind die Mittelalter-Musiker von Schandmaul, die neben Mithüpfnummern und allerlei Mittelalterinstrumenten stets für gute Laune und massiv Sympathien bei den Fans sorgen. Kein Wunder, in der knappen Stunde wuselt man sich einmal quer durch den Katalog der Band, wobei auch hier die alten Nummern wie Walpurgisnacht oder Dein Anblick massiv von den Fans gefeiert werden. Was mich extrem bei Schandmaul stört, ist die undeutliche Aussprache des Sängers, der gefühlt jede zweite Silbe wegatmet und so mindestens fünfzig Prozent dafür verantwortlich ist, dass man sich immer gegenseitig mit einem Fragezeichen anschaut. “Hast du verstanden, was er möchte?”, “Nee, egal, hüpf mal, wird schon passen”.

 

Children of Bodom – Faster Stage – Freitag, 18:05 Uhr – 19:05 Uhr

 

Finnland ist auf dem Wacken stark vertreten. So kommt es, dass die Jungspunde Children Of Bodom, die eigentlich mittlerweile alte Säcke sind und kein neues Album haben oder neue Songs präsentieren, auch mitspielen dürfen. Gut so, denn die Mischung zwischen Black Metal, Power Metal und Death Metal kommt beim Publikum immer gut an, angefangen beim harten Are You Dead Yet? über Needled 24/7, Hate Me! bis zum grandiosen grünen Album und den Nummern Downfall und Towards Dead End braten Children Of Bodom einen Klassiker nach dem nächsten in den Staub und Alexi Laiho jagt seinen Keyboarder Janne Wirman musikalisch vor sich her, wird Zeit für ein neues Album!

 

Dool – Headbangers Stage – Freitag, 18:20 Uhr – 19:05 Uhr

 

Da habe ich mich schon lange drauf gefreut. Die Holländer Dool treten hier auf. Das Zelt ist nicht so voll, aber vor der Bühne sind viele Fans, die genau wissen, was da auf sie zukommt. Ein Soundgewitter, das von drei Gitarren erzeugt wird, die auf einem soliden Sockel von Bass und Schlagzeug ihr Werk verrichten können. Dazu der Gesang von Ryanne Van Dorst, die der Musik einen so prägenden Charakter gibt. Ausufernde, aufpeitschende Passagen in Songs wie She Goat oder auch gerade in Vantablack sind fast hypnotisierend. Das hätte so weitergehen können, aber nach sechs Songs in 45 Minuten ist das leider zu Ende. Hätte der Ablaufverantwortliche nicht eingegriffen, wären sie in dieser Trance bestimmt weit über ihren Slot herausgekommen. Wer es nicht so brachial mag, sondern etwas spaciger mit vielen doomigen Einflüssen, der ist hier genau richtig.

Jasad – Wasteland Stage – Freitag, 20:15 Uhr – 21:00 Uhr

 

Auf unserem Rundgang durch das Wasteland mit seinen bizarren, stark an Szenen aus Mad Max III erinnernden Bauten und Gebilden, den in endzeitmäßigen Klamotten umherwandernden Gestalten, fehlt nur Mel Gibson. Von der kleinen aber oftmals mit guten Underground Bands besetzten Wasteland Stage hören wir brachiale Klänge. Das schauen wir uns näher an und stoßen dort auf die indonesische Truppe Jasad. Deren Death Metal passt in diese Kulisse wie Arsch auf Eimer. Sänger Ferly schreit und growlt, dass es eine wahre Freude ist. Der Zuspruch ist groß und so zeigen auch die übrigen Musiker, dass Indonesien nicht nur ein schönes Urlaubsland ist, sondern dass es da auch andere Töne zu hören gibt. Den ordentlichen Applaus haben sie sich verdient, obwohl von den Texten nichts zu verstehen ist, braucht es aber auch nicht, denn Jasads Texte sind oftmals in ihrer Heimatsprache gehalten.

 

Nightwish– Harder Stage – Freitag, 21:00 Uhr – 22:15 Uhr

 

Die Sonne will schon langsam untergehen, als die obligatorische Bandanzeige-Gitarre auf den Leinwänden zu sehen ist. Wir stehen heute nach bereits zwei sensationell heißen Tagen am dritten Tag vor den großen Bühnen des Wacken Open Airs. Wenn wir an Nightwish auf dem Wacken Open Air denken, dann kommt gleich der legendäre Auftritt von 2014 in den Kopf, wo die damals noch “neue” Sängerin Floor Jansen vorgestellt wurde und beim ein oder anderen Besucher des Festivals für Gänsehaut und vielleicht sogar Tränchen in den Augen gesorgt hat. Heute ist das Bühnenbild bei weitem nicht so aufwendig gestaltet, so ist eigentlich bis auf die normale Beleuchtung und die LED-Wand im Hintergrund nicht wirklich etwas von Nightwish zu erahnen. Schade eigentlich, so erzählt die Band doch gern Geschichten und sowas kann mit einem passenden Bühnenbild natürlich unterstrichen werden. Heute bringen die Finnen (ich wollte wirklich erst „Schweden“ schreiben – muss ein Hirnfurz gewesen sein) die sehr präsente Masse vor der Bühne nicht zum Moshen oder zum Circlen, sondern eher dazu, dass kleine Tanzgrüppchen entstehen – phänomenal.

 

So bringt die Truppe um Mastermind Tuomas Holopainen aber nicht nur eine geniale Setlist mit zum Wacken Open Air, man bedient sich quasi quer an allem, was die Band in den letzten Jahrzehnten veröffentlicht hat. Während Songs wie I Want My Tears Back, Nemo, Slaying The Dreamer und The Greatest Show On Earth aus den Boxen der Faster Stage schallen, bedient man sich mit langsam einsetzenden Nachthimmel doch noch an Flammenwerfern und pyrotechnischen Effekten – also mir gefällt es sogar sehr. Dass Nightwish qualitativ ihr Handwerk verstehen, brauche ich an dieser Stelle glaube ich nicht wirklich erwähnen oder? So steigt die Vorfreude noch mehr, wenn die Finnen zum Ende dieses Jahres auch wieder durch Europa und somit auch durch Deutschland touren.

Blues Pills – W:E:T Stage – Freitag, 21:40 Uhr – 22:25 Uhr

 

Blues Pills, wer kennt sie nicht? Die in 2011 gegründete und aus Schweden stammende Band hat erst zwei Alben veröffentlicht, sich aber durch ihre Livepräsenz eine große Fangemeinde zusammengespielt. Der von ihnen gespielte Blues mit rockigen Elementen ist inspiriert von Bands wie Fleedwood Mac, Frumpy oder Grand Funk Railroad. Dabei lässt sich die herausragende Sängerin Elin Larsson stimmlich an Etta James oder Aretha Franklin messen. Gitarrist Dorian Sorriaux liefert fast schon psychedelische Klänge und so klingen Songs wie Astralplane und Black Smoke wie aus den späten Sechzigern. Die barfüßige Elin weiß ob ihrer Wirkung und lässt die langen blonden Haare wirbeln. Aber es ist nicht ihr Aussehen, sondern ihre Stimme, die einen fängt. Dazu die fetten Drums von André Kvarnström und der knallende Bass von Zack Anderson, die beide für den Sound die Härte liefern. Zum Abschluss folgt noch der Überkracher Devil Man und die 45 Minuten sind wie im Fluge vergangen.

Maschines Late Night Show – Welcome To The Jungle – Freitag, 23:00 Uhr – 00:00 Uhr

Kurz vor der Abfahrt zum Campground verschlägt es uns noch in die neue Location mit dem namen „Welcome To The Jungle“. Hier finden tagsüber unterschiedliche Events wie Metal Yoga oder der das Metal Slam Battle statt. Auch der überall bekannte Moderator und Entertainer Maschine hat hier einen Auftrittsort gefunden und so präsentiert er täglich die Maschines Late Night Show. Dazu lädt er sich Gäste des Tages ein, die er in bester Night Talker-Manier befragt. Das Publikum wird in dieses Geschehen involviert und so müssen sie bereits, wie im TV, im Vorfeld üben, damit dann später die Rufe und Antworten sitzen. Das ist kurzweilig, weil Maschine sich auch nicht zu schade ist, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Eine willkommene Abwechslung zu später Stunde, die sich eines regen Zuspruchs erfreut, da auch gesessen werden kann und natürlich auch Getränkestände für Lockerheit sorgen.

 

In Flames– Faster Stage – Freitag, 00:15 Uhr – 01:30 Uhr

 

Früher ein absolutes Highlight und die Band der Stunde haben sich In Flames mittlerweile zur absoluten Enttäuschung des Festivals und der Metalszene gemausert. Seit dem kontinuierlichen Ausstieg beinahe sämtlicher Mitglieder, die die Metalfahne stets hochhielten, dödelt die Band extrem ideenlos seit nunmehr fünf beschissenen Alben durch eine Flaute, die sich gewaschen hat. Dazu kommt noch Sänger Anders Fridens Talentfreiheit des Klargesangs und fertig ist der Auftritt der Band. Versteht mich nicht falsch, früher liebte ich In Flames und war riesiger Fan, nun tut mit der Abstieg in der Seele weh. Da nützt leider auch nicht die fetteste Lichtshow aller Zeiten, die Songs sind kraftlos vorgetragen und das Publikum rockt bei den wunderbaren Melodien der alten Songs wie Only For The Weak, Pinnbal Map, Cloud Connected und My Sweet Shadow aus der Glanzzeit der Band; der neue Kram erntet Höflichkeitsapplaus. Warum merkt die Band das nicht? Quo vadis In Flames?

 

Ghost – Harder Stage – Freitag, 01:45 Uhr – 03:00 Uhr

 

Wer kommt auf die Idee, einer der heißesten Bands der Stunde um Viertel vor 2 in der Nacht spielen zu lassen? Hier gehört eindeutig nachgebessert, liebe Wacken-Veranstalter, das ist viel zu spät! Dann lieber etwas aus der Setlist streichen, denn um diese Zeit hat man kaum noch Kraft. So ist es nicht verwunderlich, dass ich mir nur noch die ersten fünf Songs der Band anschaue, die mit massivem Bass, harten Gitarren und ihrem coolen Outfit sicherlich einen bessere Uhrzeit verdient hätten. Dennoch machen Ghost das Beste draus und präsentieren Ashes, Rats, Absolution, Ritual und From The Pinnacle To The Pit in Höchstform, danach schleppen wir uns todmüde gen Zeltplatz.

 

Soen– Headbangers Stage – Freitag, 02:15 Uhr – 03:00 Uhr

 

Während wir uns also bereits zum Shuttle begeben wollen, ertönen im nahe gelegenen Bullhead City Circus markante Klänge, die uns richtig neugierig machen. Demnach entschließen wir uns, doch noch vorbeizuschauen und mit Soen eine der absoluten Überraschungen des Festivals zu erleben. Die progressive Band hat mit Joel Ekelöf sicherlich einen der markantesten Frontmänner an Bord. Nicht nur sein smarter Anzug, auch seine tiefe Gesangstimme weiß äußerst gut zu beeindrucken und die Supergroup, die ein absoluter Geheimtipp zu sein scheint, nach Belieben zu steuern und mit den Emotionen der gebannten Zuschauer zu spielen. Völlig verdient legt die Band eine Meisterleistung im progressiven Metal hin und am nächsten Tag laufen wir bangend zum Merchstand, um T – Shirt und Patch der Band abzugreifen, hier investiere ich sehr gerne einige Euro. Absoluter Geheimtipp.

 

Riot V – Louder Stage – Samstag, 12:00 Uhr – 13:00 Uhr

Die Entscheidung, welche der beiden im Infield beginnenden Bands ich sehen möchte, ist schnell gefällt. Riot V ist meine erste Wahl und so stehe ich pünktlich um 12:00 Uhr vor der Bühne und sie beginnen mit ihrem größten Hit Thundersteel. Die Set List wurde durchgewürfelt und so gibt es heute, im Gegensatz zum Headbangers Open Air letzte Woche, andere Songs. Fight For All und Sign Of The Crimson Storm schließen sich an. Todd Michael Hall, seit 2013 am Mikrofon, beherrscht die Songs, auch wenn sie schon, wie eben Thundersteel, älteren Kalibers sind. Natürlich sind die meisten Tracks der letzten beiden Alben Unleash The Fire und Armor Of Light, aber ein paar ältere Stücke werden gern mitaufgenommen. Der etwas ruhigere Gitarrist Mike Flyntz und der wesentlich agilere Nick Lee wechseln sich mit Soli gekonnt ab, während der mit Spiegelbrille agierende Bassist Don Van Stavern seinem Instrument die tiefen, direkt in die Magengrube gehenden Töne entlockt. Drummer Frank Gilchriest arbeitet hinter seiner Schießbude gewohnt präzise und somit ist der gesamte Auftritt auf der Louder Stage ein gelungener Einstand in den Tag.

Wintersun – Harder Stage – Samstag, 13:15 Uhr – 14:15 Uhr

Und es geht gleich weiter nach nebenan auf die Harder Stage. Da sind jetzt Wintersun dran. Die bei diesen Temperaturen eigentlich eher „Summersun“ heißen müssten. Trotz der über dreißig Grad erzeugen die Melodic Death Metaler um Sänger und Gitarristen Jari Mäenpää ein wohliges Gefühl. Diese fangen mit Awaken From The Dark Slumber (Spring) vom Album The Forest Seasons an. Das ist ein guter Einstand. Die Umsetzung der doch recht komplexen Songstrukturen klappt gut und live ist es um einiges härter als auf der CD. Der schon fast epische Metal mit vielen verschiedenen Einflüssen aus dem Viking, Death, Black oder Power Metal sowie folkigen Anleihen weiß zu gefallen. Der ehemalige Ensiferum-Gitarrist stellt bei seine Songs den Folk-Anteil aber nicht in den Vordergrund. Nach dem gelungenen Einstand, der Song wird nicht die kompletten 14 Minuten der CD gespielt, geht es weiter mit Battle Against Time vom ersten Wintersun-Album. Die guten Arrangements kommen gut zur Geltung. Vielleicht wäre aber ein Slot am Abend schöner gewesen, denn hier könnte das Licht eine gute Ergänzung sein. Aber trotzdem ist das ein super Auftritt, der den vielen Fans gerecht wird. Das insgesamt nur fünf Titel gespielt werden, ist nicht verwunderlich, sind die meisten doch entsprechend lang und bieten Schlagzeuger Kai Hahto, Viersaitenbediener Jukka Koskinen und Gitarrist Teemu Mäntysaar die Gelegenheit, zu zeigen, wie schön ihre Musik ist. Mit Time vom gleichnamigen Album wird dieser Auftritt würdig beendet.

Eric Cohen – W:E:T Stage Samstag, 14:05 Uhr – 14:50 Uhr

Auf der W:E:T Stage spielt nun Eric Cohen. Der Kieler Jung, früher Frontmann bei Smoke Blow, ist seit 2011 unter diesem Namen unterwegs und liefert eine Mischung aus Punk und Rock in einer etwas schweren düsteren Variante. Musikalisch geht er hier voll ab. Kaum Stillstand, immer unterwegs, außer bei einem etwas ruhigeren Lied, bei dem er sich den kleinen Jungen, der auf den Schultern von seinem Vater sitzt, holt und mit ihm gemeinsam auf den Boxen sitzt. Der ist voll cool und schreit auch in das Mikro wie zuvor Cohen. Die meiste Zeit steht Eric Cohen auch am Absperrgitter und klatscht Hände ab oder nimmt sich die Mützen der Anwesenden. Für seinen ersten Auftritt beim WOA bedankt er sich und hat hier ordentlich Eindruck hinterlassen. Seine Begleitmusiker machen einen guten Job und unterstützen die klaren, direkten Songs. Treue Herzen, Englische Wochen, Neues Blut oder Goldener Reiter sind nur einige der hier dargebotenen Tracks.

 

Night Demon – Headbangers Stage – Samstag, 14:55 Uhr – 15:40 Uhr

Night Demon sind derzeit fast omnipräsent. Anfang des Jahres haben sie Accept supportet und in den letzten Wochen hatten sie diverse Auftritte in verschiedenen deutschen Städten. Das Trio aus Kalifornien um Sänger und Bassist Jarvis Leatherby ist seit 2012 aktiv und hat letztes Jahr sein zweites Album namens Darkness Remains auf den Markt gebracht. Sie spielen amerikanisch geprägten Metal der Achtziger Jahre, mit meist schnell und geradlinig angelegten, packenden Riffs. Gitarrist Armand John Anthony spielt ein gewaltiges Brett. Zusammen mit dem markanten Bass von Leatherby und dem trittsicheren Schlagzeug von Dusty Squires ergibt das eine runde Sache. Die Jungs machen echt Spaß. Die Power, die sie haben, springt über und es gibt kein Halten mehr. Der Bullhead City Circus bebt regelrecht.

Long Distance Calling – Headbanger Stage – Samstag, 16:35 Uhr – 17:20 Uhr

Long Distance Calling steht schon lange auf der Liste von Bands, bei denen ich zum Konzert gehen möchte. Hier ist die Gelegenheit, die ich beim Schopfe packe. Die Münsteraner spielen einen instrumentalen Postrock, der oftmals durch die Wiederholung der Grundthemen lange Stücke hervorbringt. Gesang gibt es keinen, aber oftmals werden Text Samples eingespielt. Trotz der schon eher eigenwilligen Musik ist der Platz vor der Bühne gut gefüllt und so lassen sich die Anwesenden von der Musik tragen und nicht wenige lauschen mit geschlossenen Augen den Musikstrukturen, die auch live hervorragend sind. Getragen durch die beiden Sechssaiter David Jordan und Florian Füntmann erklingen Ascending oder Black Paper Planes durch das Zelt. Ab und am wird der Einfluss von Classic Rock-Elementen hörbar und auch Boogie- und Funk-Nuancen sind feststellbar. Die gute Rhythmusarbeit von Jan Hoffmann und Janosch Rathmer wirken schon an vielen Stellen schon fast hypnotisch. Schööön.

Die Apokalyptischen Reiter – Louder Stage – Samstag, 17:00 Uhr – 18:15 Uhr

Während Gojira die Faster Stage rocken, entscheiden wir uns, einen kleinen Abstecher zu Die Apokalyptischen Reiter zu machen. Vor der Louder Stage ist es wahrlich sehr voll, jedoch ist die Soundqualität dermaßen schlecht und wird regelmäßig von der Wucht der Main Stages übertönt, dass wir uns nach lächerlichen zwei Songs verabschieden und entscheiden, lieber Gojira mit ausgezeichneter Klangqualität zu hören als Die Apokalyptischen Reiter, die zwar motiviert sind, jedoch klanglich absolut untergehen. Schade, denn wir hatten uns wahrlich sehr auf den Auftritt der Thüringer gefreut.

Gojira – Faster Stage – Samstag, 17:00 Uhr – 18:15 Uhr

Die Band der Stunde sind eindeutig die Franzosen Gojira, die einen denkwürdigen Gig in die Abendsonne brennen. Mit ihren progressiven Death-Elementen und ihrem sehr innovativen Sound sind die Duplantier-Brüder samt Mannschaft auf dem Wacken 2018 kaum zu bremsen und die Menge feiert die Mischung zwischen harten Death–Attacken und sphärischen Elementen tierisch ab. Ich würde sogar so weit gehen, dass Gojira die beste Band des Festivals sind und sich mit Songs wie The Heaviest Matter Of The Universe, Flying Whales, Love, Stranded, Terra Inc., The Shooting-Star sowie Explosia und einem wahnsinnigen Drumsolo direkt in die Herzen der Metaler spielen. Ich würde mir wünschen, dass diese unglaublich geniale Band nächstes Jahr erneut die Menge verzaubern darf, diesmal jedoch eindeutig auf einem Headlinerslot.

Pressekonferenz mit Beyond The Black – Pressezelt – Samstag, 18:00 Uhr – 19:00 Uhr

Die heutige Pressekonferenz mit Jennifer Haben, ihrem Bassisten Stefan Herkenhoff, der heute an der akustischen Gitarre brilliert und dem Schlagzeuger Kai Tschierschky wird von Christoff Leim geführt. Es werden drei Songs der in kürze erscheinenden CD Heart Of The Hurricane vorgestellt, wovon einer schon seit längerem im Radio läuft. Jennifer spielt am E-Piano eine abgespeckte Version, die aber gut ankommt. Dann gibt’s das neue Video und anschließend dürfen noch Fragen gestellt werden. Alles in allem eine kurze Pressekonferenz, die Jennifer Haben aber als sympathische junge, natürliche Frau präsentiert.

Madball – Headbanger Stage –Samstag, 18:25 Uhr –19:10 Uhr

Etwas zu früh, zu Nocturnal Rites zu schneien, also gehen wir zum Auftritt von Madball. Das Zelt kocht. Der Platz vor der Bühne ist gerammelt voll. Crowd Surfer, Mosh Pit, alles, was geht, wird hier abgeliefert. Die Hardcore-Band aus Amiland räumt richtig ab. Die Stilrichtung ist nicht meins, aber Respekt für diese Leistung. Durch diese Urgewalt und die nicht minder aufgeheizten Fans bleibt es nicht aus, dass die körperliche Unversehrtheit leidet. Nachdem ein ca. 120 Kilo Mann von einem der Security-Mitarbeiter nicht ohne Blessuren in den Graben gewuchtet wird, ist ein Sanitäter-Einsatz nötig. Der Humpelnde will aber nicht und ist schnell wieder weg. Dafür kommt dann einer, der mit der Nase die stählerne Absperrung eindrücken wollte, in die Obhut der anwesenden Sanitäter. Trotz heftig blutender Nase muss das erstmal mit einem Selfie festgehalten werden und beim Abtransport wird das nochmals heftig gefeiert.

Nocturnal Rites – W:E:T Stage – Samstag, 19:20 Uhr – 20:05 Uhr

Nach Madball kommt nun Nocturnal Rites. Das Zelt ist mindestens um Dreiviertel leerer und so sehen nur wenige den Auftritt der schwedischen Power Metaler. Jonny Lindkvist hat es zunächst nicht leicht, aber da die Anwesenden wegen Nocturnal Rites hier sind, bekommt er sie schnell eingefangen. Before We Waste Away, Still Alive, Shadowland und ähnliche melodische Tracks sind eine Wohltat nach den brachialen Madball. So können sie überzeugen und liefern eine solide Leistung ab. Das macht eben das Festival aus. Die unterschiedlichen Genres, die nacheinander ihre Fans haben und somit für die notwendige Abwechslung sorgen. Leider kann ich nicht allzu lang bleiben, da Ensiferum ruft und ich noch bis zur Louder Stage muss.

Metusa – Wackinger Stage – Samstag, 19:30 Uhr – 20:15 Uhr

Metusa kommen aus der Nähe von Böblingen und sind auf dem Campground unsere Nachbarn. Da ich von Haus aus eine Vorliebe für Folk-Punk habe, lasse ich mir die Show natürlich nicht entgehen. Sie überraschen die Metal-Gemeinde mit zwei eigenen Fan-Bases, Autogrammstunde in der Gaming Area und einer richtig professionellen Show auf der Wackinger Stage. Feuerfontänen und Glitterdusche zum spendierten Apfelwein lassen die Tanzbeine bei den reichlich anwesenden Fans schwingen. Musikalisch durften die Titel Barfuß am Strand und Kein Weg zu weit natürlich passend zur Lokation im hohen Norden nicht fehlen.

Ensiferum – Louder Stage – Samstag, 20:00 Uhr – 21:15 Uhr

Tja, was soll ich noch zu Ensiferum schreiben. Seitdem ich sie auf den Wacken Winter Nights gesehen habe, bin ich von ihrer Art der Präsentation und der Spielfreude begeistert. Dauergrinser-Gitarrist Markus Toivonen zeigt neben dem ausdruckstarken Gitarrenspiel auch, dass er eine nicht ganz so lange Zunge wie Gene Simons hat. Bassist Sami Hinkka, wie immer viel unterwegs, fällt durch seine starke Mimik auf, die passend zu den Songs wechselt. Nach dem Intro Ajattomasta Unesta kommt erwartungsgemäß For Those About To Fight For Metal. Das Set weist keine Überraschungen auf, aber das muss es auch nicht. Petri Lindroos singt sich durch Two Paths, Heathen Horde und weitere Knaller aus ihren Repertoire. Das können alle mitsingen und so ist es auch gerappelt voll vor der Bühne. Ensiferum sind ein Garant für gute Laune Musik und gute Songs. Heute wird auf den Einsatz von sonst schon mal eingesetzten Folk-Instrumenten verzichtet. Einfach nur klasse und ein Gewinn für jedes Festival.

Arch Enemy – Faster Stage – Samstag, 20:00 Uhr – 21:15 Uhr

Darauf habe ich gewartet: Endlich Arch Enemy mit Alissa White-Gluz live sehen! Zum Glück muss ich meine Teamkollegen doch nicht so sehr davon überzeugen, nicht zu Ensiferum zu gehen (denn auch diese habe ich bereits vor einer Woche live gesehen), da die Soundqualität der Louder Stage einfach nicht überzeugend war und so können wir gemeinsam den Auftritt der Schweden bewundern.

Arch Enemy überzeugen mit einem 1A Sound, sehr guter Bühnenshow und toller Lichtshow, die zwar in der Helligkeit nicht so rüberkommt wie es zu späterer Stunde der Fall gewesen wäre, aber dennoch sind für mich nach kurzer Zeit insgeheim schon DER Auftritt des diesjährigen Wacken Open Airs. Neben vielen Tracks der letzten beiden Alben War Eternal und Will To Power wagt sich Alissa White-Gluz auch an ältere Stücke ran. Und, siehe da, sie kann es. Nicht, dass ich das jemals bezweifelt hätte, aber ich sehe sie in der Tat das erste Mal live mit Arch Enemy und war doch gespannt, wie sie das Erbe von Angela Gossow antreten würde. Ganze fünfzehn Songs reißen die Melo-Deather ab (wenn man Intro, Interludien, Gitarrensolo und Outro mal nicht mitrechnet) und die Menge tobt. Das Infield war lange nicht mehr so voll und die Menschen schauen selbst von den Essensständen aus auf die mitreißende Show von Arch Enemy. Ich bin begeistert – einfache Texte hin oder her.

Helloween – Pumpkins United – Harder Stage – Samstag, 21:30 Uhr – 00:00 Uhr

Die Urgesteine von Helloween sind mit Pumpkins United wieder da zu ihrem 30-jährigen Bandjubiläum! Michael Kiske, Andi Deris, Kai Hansen, Michael Weikath und Markus Großkopf geben sich die Ehre. Die Metal-Koryphäen reißen mit der aktuellen Bandbesetzung alles ab, was die Master der Keeper Of The Seven Keys zu bieten haben. Es ist ein wahrer Höllenritt durch ihre Glanzzeit der 80er Jahre. Es gibt zweieinhalb Stunden Speedmetal der alten Schule vom Feinsten auf die Ohren. Der Nacken steht kaum still. Der Sound ist bestens abgemischt. Die Band wirkt perfekt aufeinander eingespielt. Als Fan der ersten Stunde kann man gar nicht genug von alten Dampfhammern wie Helloween, Dr. Steen, Eagle Fly Free, I´m Alive bekommen. Es ist eine wahre Freude, zu hören und zu sehen, wie gut alles miteinander funktioniert. Fehlt es mal bei Herrn Kiske bei den Höhen, springt Meister Deris sofort in die Bresche.

Schon verdammt geil, wie sich die beiden ergänzen! Melodien und Riffs beamen mir wie früher den Schädel weg – einfach nur geil! Das einzige, was mich etwas stört, sind die nervigen Pausenfüller via Zeichentrick-Jingles. Die kann man aber schon verschmerzen bei der Leistung. Helloween machen alles richtig und erweisen sich als würdiger Headliner in bester Verfassung. Gekrönt wird ihre Performance durch ein Feuerwerk, was dem Ganzen einen runden Abschluss beschert. Macht Lust auf mehr. Unter anderem schlagen die Kürbisköpfe am 22.12.2018 in Hamburg wieder auf.

Solstafir – Headbanger Stage – Samstag Startzeit 22:05 Uhr – 23:05 Uhr

 

Zu fortschreitender Stunde wird es Zeit für ein etwas atmosphärisches Konzert – die Isländer von Sólstafir beehren das diesjährige Wacken Open Air. Und da ich sie bereits im Dezember live in Köln sehen konnte, ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, auch diesen Auftritt auf der Headbangers Stage im Bullhead City Circus zu besuchen. Eine Stunde reicht gerade einmal für sechs Songs des Quartetts, jedoch hat man das Gefühl, sich in einem Rock-Epos zu befinden. Der Geruch von Marihuana liegt in der Luft und man kann nur im Ansatz nachempfinden, wie sich diejenigen „Konsumenten“ fühlen müssen, denn so atmosphärisch und stimmungsvoll wie der Auftritt von Sólstafir bereits nüchtern ist, ist er in berauschtem Zustand bestimmt noch mal deutlich eindrucksvoller. Und so kommt es, dass man einige sieht, die einfach über das ganze Gesicht strahlen, wieder andere hüpfen durch die Gegend und mache stehen einfach nur mit offenem Mund vor der Bühne und bewundern das Spektakel. Ich persönlich finde die Show erneut sehr gelungen, auch wenn einige Aussagen von Adalbjörn Tryggvason (insbesondere zum Thema Depressionen) die gleichen wie im Dezember waren, aber gut, man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden.

 

Eskimo Callboy – Louder Stage – Samstag, 00:15 Uhr – 01:30 Uhr

 

Kurz nach Mitternacht ist die beste Partyzeit! Wer passt da besser als Eskimo Callboy? Die Fans warten bereits ungeduldig. Als es dann endlich losgeht, gibt es kaum noch ein Halten. Alles schreit, springt und reckt die Hände gen Himmel. Das Set wird mit The Scene vom gleichnamigen Album eröffnet. The Scene haben Eskimo Callboy erst letztes Jahr im August rausgebracht. Offensichtlich ist es den hier Anwesenden gut bekannt, denn fast ausnahmslos alle singen textsicher mit – und das übrigens den ganzen Gig und bei allen Songs. Zwischen den Songs gibt es mal mehr mal weniger kurze Ansagen von Sushi und Kevin. Die Fans wissen es zu danken und reagieren sehr offen auf alles. Das Set geht weiter, bunt gemischt aus alten und neuen Songs. Alle sind bester Laune. Den Fans wird weiterhin eingeheizt, als wenn es kein Morgen gäbe. Die Crowdsurfer sorgen dafür, dass die Security gut zu tun hat. Wir sind uns einig, dass eineinviertel Stunden viel zu kurz sind, aber so ist das eben auf Festivals…

Dimmu Borgir – Faster Stage – Samstag Startzeit 00:15 Uhr – 01:30 Uhr

 

Mit knapp zehn Minuten Verspätung legen Dimmu Borgir nach Helloween endlich los. Die Herren Headliner hatten etwas überzogen. Tapfer halte ich den ersehnten Gig von meinem Shagrath alias Stian Tomt Thoresen durch, auch wenn er mich mit seiner Performance nicht wirklich vom Stuhl hauen kann. Ungünstig angesetzt ist die Spielzeit schon, so direkt nach Helloween. Die Massen strömen nur so vom Platz – erst mal Bier holen und etwas essen gehen. In den ersten 20 läuft Minuten so rein gar nichts rund. Der Soundmixer hat einiges zu tun, um die Drums einzuregeln und in den Griff zu bekommen. Bis dann der Gesang und die Gitarren nicht mehr absaufen, ist schon das erste Drittel der Spielzeit vorbei. Erst gegen 00:50 Uhr kommt die deutlich geschrumpfte Mannschaft in Fahrt. Es ist gar kein Vergleich zum W:O:A 2012, wo Agnete Kjølsrud als Session-Sängerin plus Klassikorchester unterstützt haben. Schmerzlich zu vermissen ist auch Simen „ICS Vortex“ Hestnæs, der die Band noch beim 2007er Wacken mit seiner Clean-Voice als Kontrast bereichern durfte. Der gesamte Sound wurde dieses Jahr mit Unterstützung alter Sampler aus der Konserve gepimpt. Zudem ist die Setlist nicht gelungen. Dimmu Borgir sind ein Schatten ihrer selbst – sehr schade!

 

Abreise

Nachdem das Time For Metal-Team den Samstag noch komplett bis zum bitteren Ende mitgenommen hat, heißt es am Sonntag früh aufstehen, denn spätestens um 9 Uhr wollen wir auf den Straßen gen Heimat sein. Der Zeltabbau, der bereits ohne Probleme geklappt hat, funktioniert wieder hervorragend und schnell. So sind wir schon um 08:40 Uhr auf dem Weg nach Süd-Westen. Einen Stau gibt es um die Uhrzeit tatsächlich noch nicht und wir kommen schnell vom Gelände und noch schneller auf die Autobahn. Zwar ergeben sich auf der knapp 500 km langen Strecke im Laufe des Tages noch der eine oder andere Stau, aber nun gut, so ist das eben in der Sommerferienzeit in Deutschland.

Danksagung

Das gesamte Team von Time For Metal bedankt sich noch einmal herzlich bei allen, die das diesjährige Wacken zu dem gemacht haben, was es war: Ein großartiges, harmonisches und tolles Festival! Großer Dank geht insbesondere an die ICS Festival Service GmbH, die alles möglich gemacht hat, alle Helfer, Sanitäter, Feuerwehr, Polizei, die das Festival zu einem sicheren Ort gemacht haben, bei dem man sich kaum noch Sorgen machen muss, die Bands, die ihr Bestes gegeben haben und ihre Fans erfreut haben, die Metalheads, die einfach ausgiebig gefeiert haben und stets offen und freundlich waren und natürlich an unsere Zeltnachbarn und alldiejenigen, die wir kennen- und schätzen gelernt haben. Danke!

Mitwirkende Redakteure

Um diesen Bericht zu erstellen haben folgende Redakteure mitgewirkt:

Redaktion

Dominik B.
Redakteur

Beitritt: Seit der Gründung dabei Musik: Melodic Death-, Death-, Black-, Heavy-, Trash -Powermetal

Redaktion

Kay L.
Redakteur

Hard Rock der "guten alten Zeit", Metal der NWOBHM Aera, und in den letzten 20 Jahren Power Metal, mal Doom, mal Retro, mal Thrash, Hauptsache gut.

Redaktion

Maren J.
Lektorin & Redakteurin

Redaktion

Mario F.
Redakteur

Redaktion

Moni B.
Redakteurin

Redaktion

Norbert C.
Redakteur

Beitritt: 01.10.2016

Redaktion

Petra D.
Lektorin & Redakteurin

Seit der Gründung dabei Musik: Melodic Death Metal, Death Metal, Power Metal, Modern Metal, MetalCore, Thrash Metal, Symphonic Metal, Progressive Metal

Redaktion

Rene W.
Chef-Redakteur

Beitritt: Seit der Gründung dabei Musik: Thrash-, Pagan-, Black- und Death-Metal

Redaktion

Kai R.
Chef-Redakteur

Beitritt: Seit der Gründung dabei Musik: Melodic Death-, Power-, Modern-, Epic-, True-, Thrash-, Metal -Core

Weitere Informationen

Besucher: 84.500 Personen, davon offiziell 75.000 zahlende Besucher sowie 9.500 weitere Teilnehmer (VIP/Artists/Crew/Presse/etc.)

Größe des Geländes: 250 Hektar (Infield: 43.000 qm)

Bühnen: Zehn Stück: Faster Stage, Harder Stage, Louder Stage, W.E.T Stage (im Bullhead City Circus), Headbanger Stage (im Bullhead City Circus), Wackinger Stage, Wasteland Stage (beide im Wackinger Village), Beergarden Stage, Bühne im Metal Markt-Zelt und Presse Bühne (im Pressezelt/VIP & Presse)

Sanitätsdienst: über 500 Helfer insgesamt im Sanitätshaus „Krankenhaus Wacken“ (130 Rettungsassistenten und Notfallsanitäter, 12 Notärzte) und 750 Sanitäter täglich unterwegs – ca. 3.000 Behandlungen während der Festivaltage

Polizei / Sicherheitspersonal: 200 Polizisten täglich im Einsatz, 1.300 Securities und Ordner

Sanitäranlagen: 448 Duscheinheiten, 420 Waschplätze, 750 Mobiltoiletten, 310 wassergespülte Toiletten, 250 Urinalplätze, 150 Miet-WCs, 40 Trinkwasserstationen

Wasserverbrauch: 3.500 m3 Abwasser

Stromverbrauch: 12 Megawatt (Bedarf einer Kreisstadt mit ca. 70.000 Einwohnern) – hierfür wurden 4 km Leistungskabel verlegt und weitere 40 Dieselaggregate benötigt

Stände: 300 Non-Food-Stände und 100 Food-/Gastronomiestände

Logistik Aufbau und Abbau:

  • 2.200 LKW-Ladungen Material
  • 65 Sattelzüge (~ 1.000 Tonnen) Bühnenmaterial
  • 8 Sattelzüge Tontechnik
  • 27 Sattelzüge Lichttechnik
  • Bühnenaufbau: 7 Tage
  • Bühnenabbau: 5 Tage
  • 5 Kilometer mobile Schwerlaststraße
  • 300 Container Einheiten
  • 250 Zelte & Pagoden
  • 43km beplanter und gestellter Bauzaun

Geschätzte Kosten des Festivals: ca. 10 Millionen Euro

Umsatz durch den Ticketverkauf:  ca. 18,6 Millionen Euro

Müll: 500 Tonnen fallen über die Festivaltage an

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