Ein Angsthase in Wacken / Moni goes Wacken 2018 

Ein Angsthase in Wacken / Moni goes Wacken 2018 

– ein Metal Sommer-Märchen – 

  

Nach nun über 13 Jahren erfüllte sich am Mittwoch, dem 02.08.2018, mein lang gehegter Lebenstraum: 

Einmal im Leben wollte ich das WOA besuchen und endlich Teil dieser unverwechselbaren und einzigartigen Zusammenkunft Gleichgesinnter sein. 

Wie bestimmt viele von euch, begann ich schon in der Schule als Teenager Metal zu hören, leider war ich damit damals in meinem Freundeskreis sehr alleine und fand nur schwierig Zugang zu anderen Metalbegeisterten. 

Nichtsdestotrotz lernte ich vor mehr als 13 Jahren einen gutausehenden, langhaarigen, jungen Mann kennen, dessen Arm voller Wackenbändchen war. Begeistert sprach ich ihn, der Rest ist Geschichte ;-).  

Die Jahre vergingen und ich fand einfach nicht das letzte Quäntchen Mut, mich den mittlerweile wirklich wackenerprobten Freunden anzuschließen, zu groß war die Angst vor den vielen Menschen. 

Die Tage zogen an mir vorbei und Metal wurde immer weniger präsent in meinem Leben. Zuerst verschwanden die schwarzen Klamotten und schließlich plagte mich nur noch selten die alte Sehnsucht nach der „schwarzen Gemeinschaft“, vor allem aber einmal im Jahr … zur Zeit des WOA. 

Am 05.10.2013 fuhren wir nach Oldenburg auf ein Mini-Festival, das mein Freund und vor allem die Teamkollegen von Time For Metal organisierten und ich lernte diese herzlichen und absolut über die Maße metalbegeisterten „Workaholics“ kennen. Ich war absolut fasziniert und begeistert von ihrem Engagement und was sie sich bis dahin schon aufgebaut hatten. 

Einige Zeit später, am Tag des Metallica-Konzertes, beschloss ich: „Ich brauche wieder mehr Metal in meinem Leben!“ und wurde auch kurze Zeit später Time For Metal-Mitglied, bisher allerdings stilles Mitglied, dennoch: Ich wollte ein Teil davon sein. 

Heute sitze ich hier und berichte von meinem großen Metal-Traum, meinem ersten Wacken Open Air. 

Vielleicht interessiert niemanden, was ich schreibe, aber eine kleine glückliche Fügung hat mich dazu ermutigt (dazu später mehr), also los geht’s: 

Mittwoch starten wir das Auto vollgepackt nach Wacken. Schon auf der Fahrt wird schnell klar, trotz prima Starthilfe meines ganz persönlichen „Wacken-Veteranen“ haben wir vor lauter Euphorie viel Wichtiges vergessen. Egal, wir haben uns und ich bin wild entschlossen, alles bestmöglich zu genießen, denn das Wetter ist traumhaft!!! 

 

Die Aufregung steigt. Was wird mich erwarten? Und ist es so, wie ich es mir vorgestellt habe? 

Die Anreise ist schon mal ganz anders als erwartet. Die Minuten fliegen dahin, genau wie wir unserem knallroten Metallzauberpfeil ohne Stau und dafür mitten durch Hamburgs Innenstadt. Ein riesen Kompliment an die Fahrkünste und stahlharten Nerven meiner Teamkollegin! Liebes, du bist wirklich sowas von Metal!

Dann erstmal Schlange stehen und Bändchen abholen. Jetzt bin ich aufgeregt und super unsicher. Wer mich kennt, weiß, dass, solange ich fröhlich plappere, alles gut ist, nur wenn ich ganz leise werde, dann fühle ich mich gar nicht mehr wohl und mir geht der Kackstift. 

Ich bin zeitweise sehr leise… Was mache ich eigentlich hier? Werde ich zwischen den ganzen Hardcore Wacken-Gängern auffallen? 

Ich kenne kaum Bands, kann mir keine Songtexte oder Lieder merken, FUCK!  

Egal, ich bin da und habe nicht mal einen Schlüssel von zu Hause mitgenommen. Alles oder nichts! 

Nach ein paar Minuten kommen wir auf unserem Campground an und ich  bin erleichtert. Unser Lager ist direkt an einem riesigen, von Weitem sichtbaren Lichtmast und die Dixis sind in Sicht- aber nicht Riechweite. Perfekt! Ich werde nicht verloren gehen. 😉 

Zeit zum Ankommen lassen mir meine erfahrenen Begleiter allerdings keine, sondern bauen in einem Affenzahn die Zelte auf. Dank neuer Luftpumpentechnik geht das fast wie durch Zauberhand. 

Dann haben wir ein bisschen Zeit zum Durchschnaufen und ich schaue unser Lager etwas genauer an und lerne die anderen Teamkollegen kennen. Leute, ihr würdet es sogar hinbekommen, in der Antarktis ein gemütliches, optimal funktionierendes Lager zu schaffen. Danke dafür! 

Danach beginnt eigentlich erst mein eigentliches Wacken und ich muss sagen, es fällt mir fast schwer, das Erlebte in Worte zu fassen, denn anders als meine kurios langgeratene Einleitung tue ich mich etwas schwer, die vergangenen Tage zu beschreiben. 

Das Handy gibt schon am ersten Tag den Dienst mehr oder weniger auf. Weshalb ich absolut nicht mehr zu erreichen bin (wie geil!). Laden ist eher umständlich und ich habe sowieso viel zu viel Input. Außerdem sehe ich auf meinem Sonnen-Wacken – genau wie auf einem normalen Matsch-Wacken – innerhalb kürzester Zeit kacke aus. Weiße Schweißränder auf den schwarzen Klamotten, Dreck und Staub überall, Augenringe und ein dümmliches, glückliches Grinsen im Gesicht. Die Fotos also eher Nebensache. 

Nach dem Ankommen fühlte ich mich schon etwas besser, allerdings irgendwie auch noch etwas fehl am Platze, während meine Begleiter das erste – da noch kalte – Bierchen schlürfen und schon vollkommen entspannt sind (gefühlte 5 Minuten nach dem Eintreffen).  

Es wurde bestimmt schon viel berichtet über die einzigartige Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Wackinger und auch ich fühle mich meist geborgen und wir werden sowohl beim Aufpumpen des Nachtlagers tatkräftig unterstützt als auch mit leckerem Wein versorgt. Ein bis zwei Ausnahmen gibt es leider zwar auch, aber naja, ich schätze das waren eher Menschen, die sich nur einmal im Jahr wichtig vorkommen und es sei Ihnen verziehen. 😉  

Also Leute, es ist Mittwochabend und der Adrenalinspiegel steigt. Wir machen uns also auf, das erste Konzert zu sehen, die Backyard Babies. 

Ich muss sagen, da habe ich meinen ersten „perfectly happy“ Moment. Diese Band kannte ich noch nicht und sie sind ja soooo gut! Mein Gehüpfe und Gejohle wird von einem nebenstehenden Altmetaller mit einem amüsierten Lächeln bedacht und er freut sich mit mir über meine Begeisterung, wartet aber eher auf die nächste Band. Sepultura (ergreifen mich nicht so wie die Backyard Babies, aber das mag auch an meiner zunehmenden Erschöpfung liegen). Müde, aber glücklich geht es in den Schlafsack, mit dreitausend Lagen Kleidung, denn ich friere ja so schnell. 

Der Donnerstag ist extrem heiß und Behemoth ist die einzige Band, die wir interessant genug finden, um unser gemütliches Camp zu verlassen. Also erstmal das Wetter genießen und relaxen, die Musik kommt dann zu uns und eine nette Band aus Australien stellt sich vor: Copia.   

Na, jetzt aber austrinken und los geht´s. Im Infield angekommen (was, wie ich gelernt habe, der Fachbegriff für das “Aktionfeld” ist) befinde ich Behemoth für nicht ganz so meins und wir lassen uns treiben, erkunden das Wackinger Village, die Fressstände und gehen ein bisschen Shoppen. Erwähnenswert ist hier der Halle 15 Stand. Ich bin selten so nett bedient worden und muss sehr lachen als sie erzählten, dass ihr kleiner Standventilator fast für 599 € den Besitzer gewechselt hätte, aber sie ihn doch lieber behalten haben. Irgendwie kommt mir das damals im völlig überhitzen Zustand sehr plausibel vor. 😉 

Ich entdecke meine Faszination für Bogenschießen und „Hau den Lukas“, diese altmodische Art der Massenunterhaltung allein durch sinnloses, aber friedliches Zurschaustellen männlicher Kraft. Ich amüsiere mich prächtig. So einfach kann das sein… 

Freitag ist der Tag vollgestopft mit Bands, die wir sehen wollen und das teilweise gleichzeitig. 

Also kommt dieser Bandmarathon in Kurzform, da viele meiner Kollegen das bestimmt viel besser beschreiben: 

Amorphis verfolgen wir von der Monster-Tribüne ganz von oben mit einer leichten Brise in den Haaren und einer atemberaubenden Aussicht!  

Schandmaul eine Band, die ich früher viel gehört hab, genießen wir auch auf unserem Adlerhorst. Leider ist der Sound nicht so toll von oben und das Konzert nicht ganz so betörend wie damals in den Trierer Kaiserthermen, aber meine nostalgische Seite berühren sie dennoch.  

Ich habe das Gefühl, dass ich schon eingetaucht bin in diese köstliche Melasse des WOA-Gefühls, das dich all deine Alltagsverpflichtungen abstreifen lässt und dich vollkommen im Hier und Jetzt erdet. Das Handy ist eh tot und das ist auch gut so. Ab jetzt kann ich nicht mal mehr Fotos machen, bin aber sehr dankbar, dass meine Lieben diese Momente für mich festhalten. Children of Bodom  sehen wir auch – sie sind wirklich echt gut. Dann kurze Pause und Duschen. Als großes Event am Abend: In Flames, eine meiner absoluten Lieblingsbands. Die Show startet vielversprechend mit großen Lichteffekten und viel Chichi, schafft es allerdings nicht, mein Herz so wie es die alten Songs z. B. Jester Race oder Moonshield zu tun pflegten, zu berühren. Ich bin echt enttäuscht. 

Mittlerweile todmüde tigern wir rüber zu Ghost, die eine wirklich tolle Show abliefern. Ich allerdings werde immer unruhiger, denn gleichzeitig spielen auch Soen im Bullhead City Circus. Die Band Soen entdeckte ich einige Zeit vorher aufgrund ihres genialen Covers bei Spotify, welches mich an ein Gemälde von Hieronymus Bosch erinnerte und deren Sound mich von der ersten Sekunde an gefangen nahm. 

Ich zerre den nur schwer zu überzeugenden Lieblingsmenschen in Rekordzeit in dieses Zelt und quetsche mich in die erste Reihe. Ich liebe und feiere jeden einzelnen Moment dieses unfassbaren Konzerts. Zweiter „perfectly happy“ Moment dieses ereignisreichen Wochenendes! Wie ich im Endeffekt ins Bett gekommen bin, weiß ich nicht mehr so richtig, müde und glücklich auf jeden Fall, es war schließlich ca. 3:30.    

Samstag genieße ich einfach nur und lache und scherze mit meinen Lieben so viel, dass wir „bestimmt in die Hölle kommen!“. Wintersun ist mega genial live und wir bekommen Konfetti geschenkt (was wir natürlich auch werfen) und treffen „Thor“, der Pommbären in der Tasche hat. Meine größte Überraschung sind die Franzosen Gojira, die bei mir seit diesem Konzert rauf und runter laufen und mich immer wieder kurz in die Wackenmelasse zurückschicken, während ich mich dabei ertappe, wie ich im Alltag dümmlich grinse. Live der Hammer! Leider geht dies zulasten der Die Apokalyptischen Reiter, welche gleichzeitig auf der Louder Stage spielen und da sehr schlechten Sound haben. Ich liebe es trotzdem, wenn ich mit meinem metalbegeisterten Werkstattchef das Album “Tief” ganz laut durch die Goldschmiede dröhnen lasse. Aber in dem Moment sind Gojira einfach so viel geiler und ich sprinte zurück. 

Nach Gojira schauen wir Arch Enemy an, bei denen ich schmunzelnd feststelle dass, mehr noch als Alice Schwarzer, die Tatsache, dass eine shoutende Frontfrau einer Metalband die Menge so zum Eskalieren bringt und so viele Menschen zieht, wohl ein deutliches Zeichen der Emanzipation ist. 

Kurz nach dem Konzert hörte ich ein: „Hey Mäusi,“, und fühlte mich direkt angesprochen „kannst du mal ein Foto machen?”. Plötzlich habe ich gefühlt sieben fremde Handys in der Hand und bin umringt von einem Haufen freudig beseelter Metalfans, die von allen Seiten vor meine Linse strömen. Ich muss herzlich mitlachen und halte es auf Video fest, während ich kurz aus Versehen die Kamera drehe und mit drauf bin. Sorry, Leute. 😉 Vielleicht teilt ja der ein oder andere meinen Artikel und wir stöbern die Gruppe auf, das wäre super schön. Ich werde aufs Herzlichste umarmt und freue mich immer noch, wenn ich auch zu diesem Zeitpunkt ein bisschen perplex über dieses Zusammentreffen bin. In diesem Moment spricht mich Claudia an, was für ein Magazin wir denn seien. Ich lache, erwähne Time For Metal und erkläre, dass ich mit den Leuten von eben rein gar nichts tun habe. Auch sie lacht und wir kommen ins Gespräch. Ich erzähle, dass dies mein erste Wacken sei und ich überlege, einen Artikel darüber zu schreiben, mir aber nicht sicher sei, ob das überhaupt irgendwen interessiere und sie sagte „Also ich würde das lesen.“  

Ich vertraue ihr außerdem meinen geheimen Traum an, diesen Tag noch mit einem Bad auf den Händen der Menge zu krönen. Das wäre dann die ultimative Überwindung der Angst und meiner Schüchternheit. Sie will unbedingt meine Kontaktdaten, um das Ende zu erfahren doch leider ist das Handy aus. Vielleicht finde ich dich ja auf diesem Weg… Also: Claudia gesucht! Der letzte Act, den wir auf jeden Fall sehen wollen, ist Dimmu Borgir und ich im höchsten Metal Himmel. Die Show ist super und ich bin entfesselt. Wann, wenn nicht jetzt? Claudia und mein Versprechen im Hinterkopf, nehme ich meinen ganzen Mut zusammen und spreche den größten Mann mitten in der Menge an und bitte ihn, mich hochzuheben. Er zuckt nur mit den Schulten und meint, das könne er schon machen… tippt seine Freunde an und sie schicken mich los. Vielleicht liest ja einer von ihnen diesen Artikel und ich kann nochmal „Danke“ sagen für die Erfüllung meines ganz großen Traums! Die Menge hält und trägt mich bis ich ganz vorne rauskomme und hüpfend den Rückzug antrete. Episch!!!  

Ich habe mich noch nie in meinem Leben gleichzeitig so frei und so sicher gefühlt wie auf dem WOA! 

Der Abbau am Sonntag vollzieht sich genauso schnell und routiniert wie der Aufbau und plötzlich ist es zu Ende und Zeit, sich zu verabschieden. Ich fühle mich ein bisschen hilflos und verlassen. Meine bessere Hälfte (Dominik B.) sieht mich nur an und sagt wehmütig: „Ja, das ist immer so, wie wenn der Herr der Ringe aus ist und die Gefährten sich auflösen!“ 

Ja, genau so fühlt es sich an. Die Rückfahrt ist allerdings trotz Wehmut ein Knaller und ein Fest! Wir haben die Musik laut, die Herzen voller Freude und Fast Food im Bauch, während wir sicher, jedoch mit ordentlich Tempo, plaudernd und scherzend der heimischen Dusche entgegenfliegen. 

 

Wenn ihr auch wieder mehr Metal in eurem Leben braucht, bleibt doch mit uns in Kontakt. 🙂 

Vielleicht sehen wir uns auf meinem nächsten Wacken. Abhärtungsphase 2: Schlamm? 

Allerliebste Grüße  

Eure Moni 

 

 

 

 

 

 

 

 

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