1782 – From The Graveyard

Doom vom Coven auf dem Friedhof

Artist: 1782

Herkunft: Ossi (Sardinien), Italien

Album: From The Graveyard

Genre: Stooner, Doom Metal

Spiellänge: 43:28 Minuten

Release: 26.03.2021

Label: Heavy Psych Sound Records

Link: https://www.facebook.com/1782doom/

Bandmitglieder:

Gitarre, Gesang – Marco Nieddu
Schlagzeug, Hintergrundgesang – Gabriele Fancellu
Bass – Francesco Pintore

Gastmusiker:
Orgel (Track 4) – Nico Sechi
Keyboards (Track 8) – Alfredo Carboni

Tracklist:

  1. Evocationis (Intro)
  2. The Chosen One
  3. Bloodline
  4. Black Void
  5. Inferno
  6. Priestess Of Death
  7. Seven Priests
  8. In Requiem

Dass das römische Label Heavy Psych Sounds Records immer ein tolles Händchen für Stoner/Doomer unterschiedlicher Couleur hat, weiß man ja mittlerweile. Auch bei den sardischen Landsleuten von 1782 hat man sich da nicht die Finger verbrannt. Nach dem selbst betitelten Debüt der Doomer 1782 im Jahre 2019, folgt nun mit From The Graveyard das zweite Album der Band erneut bei Heavy Psych Sounds Records.

From The Graveyard wird am 26.03.2021 veröffentlicht und es erscheinen neben der CD wieder schöne Vinylvarianten, in diesem Fall folgende: Test Press (15 Stück), Ultra Ltd. Side A/B Gold / Black Vinyl (125 Stück), Ltd. Transparent Purple Splatter Black (400 Stück) und  Black.

Das nenne ich schon fulminant, wie 1782 mit ihrer düsteren und entschleunigten Mucke durchstarten. Die Band wurde nicht etwa 1782 gegründet, sondern erst 2018. Bereits 2019 erschien das selbst betitelte Debüt bei Heavy Psych Sounds Records. Im gleichen Jahr kam ich das erste Mal mit dem Trio in Berührung, denn ich durfte sie im Dezember 2019 live auf dem Heavy Psych Sounds Fest in Berlin sehen, wo sie mir mit ihrem langsamen und schleppendem Doom sehr gut gefielen. 2020 erschienen sie zusammen mit Acid Mammoth in der kultigen Doom Sessions Serie des Labels direkt auf der der zweiten Ausgabe Doom Sessions Vol. 2, bei der sie auf der A-Seite drei Songs besteuerten. Nun also der neue Output, auf den ich schon gierig gewartet habe.

Der Bandname 1782 ist eine Ehrerbietung an alle „Hexen“, die von den bigotten Köpfen vieler Generationen ermordet wurden. Dabei hat dieses Datum eine besondere Bedeutung, denn am 13. Juni 1782 wurde im Schweizer Kanton Glarus die Dienstmagd Anna Göldi wegen angeblicher Hexerei hingerichtet. Dies gilt als letztes „legales“ Todesurteil gegen eine vermeintliche Hexe in Europa.

So geht es in den Songs der Band um Hexen (Titel der ersten Single war She Is A Witch), Hexenprozesse und allerlei okkultes around the witches. Also meine schwarze Katze auf den Buckel gesetzt, den Plattenspieler angeworfen und dem Hexentreiben auf From The Graveyard zugehört. Verdammt, wieso habe ich meine Katze Nala getauft und nicht Witch oder Anna (in memory of Anna Göldi), Rosemary wäre vielleicht auch ein geiler Name gewesen. Naja, sie heißt halt Nala, vielleicht kann ich das mit der Ausgabe eines Hexenhammer auf dem Tisch ja gut machen und eine okkulte Atmosphäre beim Hören des Albums bewirken. Das ist aber überhaupt nicht notwendig, denn die okkulte Stimmung kommt sofort mit dem Intro.

Die Glocken schlagen, eine düstere Stimmung entsteht. Mit einer Beschwörung / Evocationis als Intro werden wir in den magischen Hexendoom von 1782 eingeführt! Langsam, bedächtig und irgendwie bedrohlich erscheint die Auserwählte in The Choosen One. Das Trio zeigt gleich, dass es für Auserwählte des Dooms nicht mehr braucht als Gitarre, Bass und Schlagzeug.

Francesco Pintore zieht mit seinem Bass die Bloodline, auf der die beiden anderen Witcher von 1782 bedächtig hinterhertrotten. Dem Ganzen wohnt eine teuflisch/okkultige Stimmung inne. Die Stimme klingt, als wenn sie von weiter weg käme, mit leichtem Hall. Siebenminütige Qual auf der Bloodline, die uns ins Ungewisse, in die Black Void führt. Hier quälen uns widerhallende verzerrte Gitarren. Nicht nur die, auch die schier nicht vergehenden Qualen unendlicher Entschleunigung bringen die Spannung zum Zerbersten. Noch mehr Trübsal bläst in diesem Song die Orgel, die Nico Sechi als Gast besteuert. So muss man sich wohl die schwarze Leere vorstellen. Noch mehr minimieren und dabei die Ohren malträtieren geht wohl nicht!

Raus aus dem Black Void geht es in ein doomiges (Sound) Inferno, bevor wir der Priestess Of Death begegnen und sie geradezu in einer Litanei anbeten. Diese okkultig/doomige Stimmung, die die Italiener hier verbreiten, geht in die Knochen.

Nach der Priestess Of Death folgen Seven Priest, quasi eine Armee von Doom-Priestern. Der Sound wird noch einmal dunkler und massiver und nimmt sogar etwas an Fahrt auf. Geradezu so viel wie nötig, bloß keine unnötige Eile!

Ähnlich wie vorhin Francesco Pintore mit seinem Bass die Bloodline gezogen hat, stimmt er nun die Prozession zu In Requiem an. Ist diese Prozession zu Beginn noch guten Schrittes, unterstützt durch einen leichten Chorus, versäumt man es im Mittelteil nicht, mit bedächtigen Pausen anmutende Zwischenschritte einzulegen. So gibt man, einer Totenmesse gleich, dem Track etwas sehr Sakrales. Hier holt man sich noch Alfredo Carboni an den Keys (allerdings dezent und einem Requiem würdig) zur Hilfe, der auch für Recording, Mixing, Mastering der Platte zuständig ist.

Boah, jetzt bin ich durch dieses okkulte Doom Ding durch, mir schlottern noch die Knochen. Das Trio hat mich nicht nur begeistert, sondern direkt elektrifiziert. Das hatten sie mich 2019 in Berlin ja bereits.

Das Coverartwork von SSCVLT, die bereits für das Artwork des ersten Albums zuständig waren, fängt die Stimmung wunderbar ein und zeigt dem Hörer, wo die Reise hingeht.

1782 – From The Graveyard
Fazit
Das sardische Doom Trio 1782 lässt auf seinem Zweitwerk From The Graveyard den Hexenzirkel auf dem Friedhof beschwören. Schwerer, entschleunigter Okkult-Doom, der dem Magischen huldigt. Gespenstischer Doom direkt From The Graveyard, der in einem, der toten Hexen würdigen Requiem mündet.

Anspieltipps: Black Void, Seven Priests und In Requiem
Juergen S.
9.8
Leser Bewertung4 Bewertungen
9
9.8
Punkte
Podcast
Leise War Gestern... - Der Time For Metal Podcast

Where To Listen: