Event: In Verses Tour
Bands: Karnivool, Intervals
Ort: Huxleys Neue Welt, Berlin
Datum: 21.04.2026
Kosten: ca. 43 €
Zuschauer: ca. 800
Genre: Alternative Rock, Progressive Metal
Link: https://huxleysneuewelt.de/event/2026-04-21-karnivool

In Berlin gibt es für Freunde progressiver Klänge ein weiteres Mal einen guten Grund, im Huxleys Neue Welt zusammenzukommen. Die Halle gehört zu den wichtigsten Locations der Hauptstadt für Konzerte mittlerer Größe. Auch wenn sie dieses Mal nicht ganz ausverkauft ist, herrscht doch reger Betrieb. Da die Ränge geschlossen bleiben, konzentriert sich das Publikum im Innenraum. Das sorgt von Beginn an für eine dichte und lebendige Atmosphäre.
Direkt nach dem Einlass zieht es bereits eine große Fanschar an den Merchandise-Stand von Karnivool, um neben Shirts und Aufkleber (letztere für den stolzen Preis von fünf Euro) zu erwerben. Auch Schallplatten sind gefragt – der Berliner Hipster mag seine Musik analog. Ein klares Zeichen, dass die Rückkehr der australischen Prog-Rocker gespannt erwartet wurde. Die Stimmung bleibt durchgehend entspannt, Gedränge und Geschubse gibt es nicht. Das Publikum ist auffallend bunt: langjährige Fans, jüngere Besucher, Eltern mit Kindern sowie Hörer, die optisch eher aus dem Hippie-Indie-Bereich zu stammen scheinen. Berlintypisch hört man beim Gang durch das Huxleys Neue Welt eine bunte Mischung verschiedenster Sprachen.
Ganz ohne Worte kommt hingegen der Opener aus: Gegründet im Jahr 2011 vom kanadischen Gitarristen Aaron Marshall, hat sich Intervals als eines der bekanntesten Projekte im instrumentalen Progressive-Bereich etabliert. Ursprünglich als Studio-Projekt konzipiert, hat sich Intervals inzwischen zu einer vollwertigen Live-Band entwickelt, bei der sich Marshall mit hochkarätigen Musikern umgibt, um die Komplexität seiner Kompositionen auf die Bühne zu übertragen.
Live überzeugen Intervals mit absoluter technischer Präzision. Ihr vollständig instrumentaler Sound bewegt sich zwischen Progressive Metal, Djent und Math Rock. Das Fundament für die Songs sind komplexe Strukturen, wechselnde Rhythmen und Musiker, die ihre Instrumente im Griff haben. Trotz der technischen Dichte wirkt der Auftritt nie distanziert, sondern bleibt durchgehend dynamisch und fesselnd.
Während ihres etwa 45-minütigen Sets stellt die Band sowohl ihre Virtuosität als auch ihre Fähigkeit, das Publikum zu fesseln und eine spannende Show abzuliefern, unter Beweis. Viele der Anwesenden sind mit dem Material augenscheinlich bestens vertraut und reagieren entsprechend enthusiastisch auf die einzelnen Passagen.
Die Ausführung ist durchgehend makellos – hier sitzt jede Note und das Zusammenspiel läuft präzise wie ein Schweizer Uhrwerk. Für einen bierseligen Festivalnachmittag wäre das Ganze vielleicht zu verkopft – und das Mitgröl-Potential hält sich offensichtlich in Grenzen –, beeindruckend ist die Performance aber allemal.
Es geht zwar anspruchsvoll weiter, der Mainact ist aber schon um einiges zugänglicher und nicht nur für absolute Liebhaber geeignet. Gegründet 1997 in Perth, Australien, haben sich Karnivool zu einer der einflussreichsten Bands des modernen Progressive Rock entwickelt. Angeführt von Sänger Ian Kenny, der als kreativer Kopf der Band gilt, haben sie einen unverwechselbaren Sound geschaffen, der auf Emotion, Komplexität und einem feinen Gespür für Dynamik basiert. Nach über einem Jahrzehnt ohne neues Studioalbum seit Asymmetry (2013) kehrten sie mit In Verses zurück, ihrem vierten Studioalbum, das am 6. Februar 2026 veröffentlicht wurde und einen neuen Abschnitt in ihrer musikalischen Entwicklung markiert.
Bevor die Menge das neue Material hören darf, muss sie sich gut 35 Minuten gedulden. Doch in dem Moment, in dem die Band die Bühne betritt, ist das sofort verziehen. Vom ersten Ton an entfalten Karnivool ihre charakteristische Mischung aus Intensität, Präzision und emotionaler Tiefe. Das Publikum ist sofort überzeugt und gibt sich dem Auftritt komplett hin.
Die Setlist umfasst zentrale Stücke des bisherigen Lebenswerks der Band, darunter Ghost, Goliath, We Are und Themata. Dazu gibt es frisches Material, mit dem die Band zeigt, dass sie sich beständig weiterentwickelt, ohne dabei ihre Identität zu verlieren. Die instrumentale Umsetzung ist durchgehend auf höchstem Niveau, mit einer beeindruckenden Geschlossenheit, die jedes Detail hörbar macht.
Besondere Erwähnung verdient die Stimme von Ian Kenny – schlichtweg herausragend. Mühelos wechselt er zwischen fragilen und kraftvollen Momenten und trägt einen Großteil der emotionalen Intensität des Konzerts. Seine Bühnenpräsenz und die Interaktion mit dem Publikum machen deutlich, wie wohl er sich in Berlin fühlt.
Der emotionale Höhepunkt des Abends wird gegen Ende mit Roquefort und New Day erreicht. Jetzt ist selbst der letzte im Saal überzeugt und singt lautstark mit. Zum Abschluss präsentiert die Band zwei ihrer neuesten Stücke, Opal und Salva.
Letzteres erweist sich als perfektes Finale: ein Song, der mit zarter Eleganz startet und schließlich in eine intensive Krafteruption mündet. Ein Abschluss, der den Abend perfekt zusammenfasst und einem brillanten Konzert gerecht wird. Doch mit dem Erlöschen der Bühnenlichter endet dieser Abend nicht, er wird in den Köpfen der Gäste sicher noch lange nachhallen.




