Event: Hardline – The Next Chapter Tour 2026
Bands: Hardline, Sevi
Ort: Knust Hamburg, Neuer Kamp 30, 20357 Hamburg
Datum: 06.05.2025
Kosten: VVK circa 40,50 €, AK 45 €
Zuschauer: ca. 150 Menschen
Genre: Hard Rock, Melodic Rock, Classic Rock, AOR, Alternative Rock
Link: https://knusthamburg.de/
Setlist Hardline:
- Shout
- Rise Up
- Dr. Love
- Bad Taste
- When You Came Into My Life
- Everything
- Danger Zone
- Hands Of Time
- Life’s a Bitch
- 31-91
- Hot Cherie
- Rhythm From A Red Car
- Takin‘ Me Down
- Fever Dreams
Erst vor wenigen Wochen war Johnny Gioeli mit Axel Rudi Pell in der Hamburger Fabrik. Heute steht der zweite Teil von „Johnny Gioeli rocks Hamburg“ an. Mit seiner eigenen Band Hardline veröffentlichte der Sänger 1992 Double Eclipse. Die Platte gilt als Klassiker des Hard Rock und mit Takin‘ Me Down gibt es eine Nummer, die vor circa 35 Jahren in die Top 50 der US‑Billboard-Charts einstieg. Die Kooperation mit den beiden Journey-Musikern Deen Castronovo und Neil Schon ist genauso Geschichte wie Hardline es lange waren. Das zweite Album II folgte erst 2002 mit komplett neuer Besetzung. Die Konstante bei Hardline war und ist Johnny Gioeli.
Seit 2011 sind Hardline wieder aktiv. Eine Unmenge an ehemaligen Musikern ist in der Hardline-Liste zu finden. Das aktuelle Line-Up besteht aus italienischen Musiker:in, wobei der ehemalige Frontiers-Tausendsassa am Keyboard nicht ganz unbeteiligt war. Alessandro Del Vecchio war in unzähligen Frontiers-Projekten involviert, löste sich aber in den vergangenen Jahren vom Label. Die Folge ist, dass auch Hardline nicht mehr bei Frontiers sind und die aktuelle Platte Shout via SPV veröffentlicht wurde.
Sevi eröffnen den Abend

Zurück zum heutigen Abend, wo viele Menschen zum Veranstaltungszentrum Knust pilgern, aber nicht bezüglich Hardline. Fußball als Berieselung und Unterhaltung auf der Leinwand funktioniert immer. Am Ende sind es kaum mehr als 150 Fans, die sich gegen 21 Uhr in der Location einfinden. Der Auftakt nennt sich Sevi, eine Band um die bulgarische Sängerin Svetlana „Sevi“ Bliznakova, die bisher ein unbekannter Name ist. Zu hören gibt es einen Mix aus Metal, Gothic und Rock, wobei vor allem die Überbetonung der Backingtracks negativ auffällt. Wenn die Sängerin einen A‑Capella-Gesang nur von Backingtracks begleitet aufs Parkett legt, dann hinterlässt das am Ende mehr Fragezeichen als Ausrufezeichen. Gesanglich ist Bliznakova facettenreich und pendelt problemlos zwischen Härte und Zerbrechlichkeit. Wer auf einen Genremix steht, sollte die Band antesten. Zwei Platten haben Sevi bisher veröffentlicht, ein drittes Album ist im Werden.

Knust und Konzerte unter der Woche bis Mitternacht. Warum hier nicht eine Stunde früher gestartet wird, ist ein weiteres Fragezeichen. Erst gegen 22:15 Uhr stehen Hardline auf der Bühne und arbeiten gleich zwei aktuelle Nummern mit Shout und Rise Up ab. Gioeli ergreift das Wort und kündigt mit Dr. Love die Klassiker-Rubrik an. Die neuen Sachen sind bestimmt nicht schlecht, aber Titel wie Dr. Love, Bad Taste oder Everything sind unschlagbare Klassiker. Das wissen auch Gioeli und Co. und kredenzen dem Publikum gleich neun von elf möglichen Double-Eclipse-Titeln. Das Tourmotto The Next Chapter ist noch immer „The First Chapter“.
Double Eclipse und die Klassiker-Rubrik

Speziell ist die Scorpions-Ballade When You Came Into My Life, die Gioeli auf der aktuellen LP coverte. Klar, das Ding bringt er gut rüber, aber wie im Original hat auch die Coverversion etwas zu viel Blick zum Mainstream, wobei Balladen generell eine Geschmacksfrage sind und Balladen von den Scorpions sowieso.
Die Performance der Band ist musikalisch stark und trotzdem unterhaltsam, wobei Bassistin Anna Portalupi für einige Gimmicks gemeinsam mit Gioeli sorgt. Ein Beispiel ist das Kicken der beiden Protagonisten des Bad Taste, natürlich im Rhythmus und passend zum Text. Neben der aktuellen Platte und dem Klassiker gibt es noch zwei Kostproben von Danger Zone aus dem Jahr 2012, unter anderem den Schlusspunkt Fever Dreams. Circa 100 Minuten rocken Hardline die Bühne, wobei neben der unterhaltsamen Gioeli-Show auch der Sound punkten kann.
Wie bereits bei Masterplan in der vergangenen Woche, so ist auch heute der Zuschauerzuspruch schwach. Trotzdem bedankt sich Gioeli für das Kommen bei den Menschen, die mit dem Quintett eine ausgelassene Rockparty feiern, die bis kurz vor Mitternacht läuft. Dann wird es für die Fans höchste Zeit, zur U-Bahn zu hetzen, um noch nach Hause zu kommen. Wer auf handgemachten, nicht kitschig rüberkommenden Rock steht, sollte sich mit Hardline beschäftigen. Gioeli zeigt einmal mehr seine herausragenden Entertainer-Fähigkeiten und entlässt zufriedene Fans in die kalte Hamburger Mai-Nacht.






















