Carcass – Torn Arteries

Carcass mit erschreckend veganem Cover - trotzdem blutig angerichtet

Artist: Carcass

Herkunft: Liverpool, England

Album: Torn Arteries

Spiellänge: 49:00 Minuten

Genre: Melodic Death Metal

Release: 17.09.2021

Label: Nuclear Blast Records

Link: https://www.facebook.com/OfficialCarcass

Bandmitglieder:

Gitarre – Bill Steer
Bass, Gesang – Jeff Walker
Schlagzeug – Daniel Wilding
Gitarre – Tom Draper

Tracklist:

  1. Torn Arteries
  2. Dance Of Ixtab (Psychopomp & Circumstances March No. 1)
  3. Eleanor Rigor Mortis
  4. Under The Scalpel Blade
  5. The Devil Rides Out
  6. Flesh Ripping Sonic Torment Limited
  7. Kelly’s Meat Emporium
  8. In God We Trust
  9. Wake Up And Smell The Carcass /Caveat Emptor
  10. The Scythe’s Remorseless Swing

Die Briten Carcass sind seit dem 17.09.2021 mit Torn Arteries mit ihrem zweiten Album seit ihrer Reunion (2007) zurück. Nach ihren Anfängen bei Earache Records sind sie bekanntermaßen seit ihrem letzten Album Surgical Steel bei Nuclear Blast unterwegs. Nuclear Blast huldigen Carcass bei diesem Album mit einer Auflage an diversen Ausgaben.

So ist Torn Arteries neben der CD, unter anderem in den Vinylvarianten black, solid red (1000 Stück), solid green (1000 Stück), mold marbled (700 Stück) und white red splatter (700 Stück) erhältlich. Ein schickes Boxset mit Torn Arteries als Veggie Splatter Doppel-LP, CD, 24-seitigem Booklet und einem Gedeck mit Messer und Gabel aus rostfreiem Stahl und Porzellan-Teller (limitiert auf 2000 Stück) ist ebenfalls verfügbar. Gab es eigentlich beim letzten Album Surgical Steel ein OP-Kasten als Box, mit Knochenschere, Hackebeilchen usw.? Ich glaube nicht, aber ein First Aid Kit mit Pflaster, Handschuhen usw.

Da merkt man schnell, dass solch eine Band wie Carcass richtig bei den Fans geht und die Platte mit ein paar Goodies sogar sehr gut an den Mann zu bringen ist. Es bleibt natürlich jedem selbst überlassen, ob er 100 Euro für ein Gedeck mit Doppelvinyl ausgeben will. Schmackhaft angerichtet haben Carcass ihr musikalisches Mahl natürlich erneut.

Bevor ich auf die Musik zu sprechen komme, ganz kurz zum Cover. Das ist ja nun mal wirklich gut gelungen. Auf den ersten Blick sieht es nach einem blutigen Herz aus, beim näheren Hinschauen ergibt sich ein Bild im Stile eines Giuseppe Arcimboldo (1526 – Juli 1593), der sich natürlich nicht für das Cover verantwortlich zeigt. Hierfür zeigt sich der polnische Künstler Zbigniew Bielak (geb. 1980) zuständig, der auch schon für andere Bands künstlerisch tätig war.

Ich weiß, ich bin bei dem Ding recht spät dran. Kann man bei Carcass aber auch ruhig, denn ich denke, die Briten sind so etwas wie ein Selbstläufer, was die obigen Auflagenzahlen auch belegen dürften.

Die 1986 von Bill Steer und Jeff Walker gegründeten Carcass sind eine der wegweisendsten Bands im Extrem Metal Bereich überhaupt und haben es zudem geschafft, mit ihrer Mucke sehr viele Metaller unterschiedlicher Couleur zu faszinieren.

Es braucht eigentlich nur ein paar Riffs und die krätzige Stimme von Jeff Walker und Carcass haben dich gefangen genommen. Genau so ist es auch auf Torn Arteries. Carcass zeigen weiterhin ihre Trademarks, wenngleich diese sich auch natürlich zu ihren Anfangstagen hin verändert haben. Den Deathgrind/Goregrind der ersten Phase haben Carcass ja schon lange hinter sich gelassen und sind irgendwann zu den Gründervätern des Melodic Death Metal geworden. Und das ist toller Melodic Death Metal, der keinen blauen Schlumpf braucht, um sich gut verkaufen zu lassen. Hier genügt einfach ehrliche und gute musikalische Arbeit. Ach, da gab es mal einen Herrn mit dem Namen Michael Amott an der Gitarre!?

So wirkt das Ganze auch sehr ausgereift, immerhin hat man sich ganze acht Jahre Pause zwischen dem Vorgängeralbum Surgical Steel und dem aktuellen Torn Arteries gelassen.

Jeff Walker zum Album: „Man kann definitiv hören, dass es Carcass ist, wenn man die Nadel auf das Vinyl setzt, wenn man den Gitarrenton hört, weiß man, es ist Bill Steer, aber jedes Album ist immer ein Produkt seiner Zeit.“ Oh ja, das kann ich unterstreichen. Es gibt eine Menge Melodien, wobei die notwendige Härte zu keiner Zeit fehlt. Sehr gut produziert und trotzdem nichts weichgespült.

Trotz aller Trademarks von Carcass verspüre ich selbst in Torn Arteries noch ein Stück mehr Abwechslung. Beginnt der Opener und Titelsong Torn Arteries direkt treibend mit den abgehackten Vocals, so wirkt der zweite Song Dance Of Ixtab (Psychopomp & Circumstances March No. 1) doch wesentlich ruhiger und dampft eher glühend vor sich hin. Rauer und räudiger Heavy Metal. Danach groovt Eleanor Rigor Mortis. Eine Anspielung auf Eleanor Rigby von den Beatles? Keine Ahnung, ist mir egal, geil ist es auf jeden Fall. Torn Arteries ist eine großartige Schlachtplatte geworden. Jetzt verstehe ich auch in diesem Zusammenhang die Box mit dem Tafelgedeck. Das, was hier angerichtet wird, muss doch genüsslich verspeist werden. In Kelly’s Meat Emporium gibt es sogar Kost mit einem leichten orientalischen Touch, die durch die irren Gitarrenläufe präsentiert wird. Fast andächtig und getragen wirkt ein Song wie in God We Trust, ohne ein Stück Rücksichtslosigkeit zu verlieren.

Das waren jetzt einmal ein paar Beispiele dafür, wie facettenreich die Platte ist. Aber hört doch selbst einmal rein.

Carcass – Torn Arteries
Fazit
Carcass haben nach acht Jahren mal wieder eine fette Schlachtplatte angerichtet, auch wenn das Cover vegan daherkommt. Dies sehr schmackhaft mit einigen schönen Zutaten. Das Gedeck dazu kann man sich direkt in Form einer Box dazuholen. Das muss man nicht unbedingt, denn Torn Arteries ist auch so schmackhaft zu genießen.

Anspieltipps: Torn Arteries, Eleanor Rigor Mortis und Kelly’s Meat Emporium
Juergen S.
9.2
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