Cold Night for Alligators - The Hindsight Notes

Cold Night For Alligators – The Hindsight Notes

Something is rockin' in the state of Denmark

Artist: Cold Night For Alligators

Herkunft: Dänemark, Kopenhagen

Album: The Hindsight Notes

Spiellänge: 48:17 Minuten

Genre: Progressive Metal

Release: 04.03.2022

Label: Arising Empire

Links: coldnightforalligators.com

Bandmitglieder:

Gesang – Johan Pedersen
Gitarre (Lead) – Kristoffer Jessen
Gitarre – Roar Jakobsen
Schlagzeug – Nikolaj Lauszus

Tracklist:

01. Behind Curtains
02. No Connection
03. Verism
04. Water
05. Dusty Patterns
06. Nostalgic
07. Adjust
08. Worn Out Mannequin
09. Thin Line
10. Hindsight

Cold Night for Alligators - The Hindsight Notes

Nach einigen Jahren Funkstille sind Cold Night For Alligators mit revitalisiertem Sound zurück. Die 2008 gegründete Band ließ sich auf ersten EPs sowie den Alben Course Of Events (2016) und Fervor (2018) noch mit Progressive Metal, Djent oder Mathcore beschreiben, was den Dänen Vergleiche mit Between The Buried And Me einbrachte. Progressiv und experimentierfreudig bleibt die vierköpfige Truppe auch auf The Hindsight Notes.

„Der Sound dieses Albums reflektiert unser Erwachsenwerden als Menschen und Musiker. […] Alles war erlaubt, doch Perfektion war der Maßstab“, gibt die Band zum Albumrelease bekannt. Tatsächlich ist das neue Album eine Abenteuerreise geworden, mit dem Cold Night For Alligators nach einem reiferen Sound streben. „Wir alle sind erwachsene Menschen mit Verantwortung und Fehlern. Wir sind da nicht anders“, erläutert Schlagzeuger Nikolaj Lauszus im Interview. „Während des letzten Albumzyklus und beim Schreiben von The Hindsight Notes hatten wir mit vielen persönlichen Problemen und Defiziten zu kämpfen. Das hat unsere Denkweise beim Schreiben beeinflusst. Ehrlichkeit war uns wichtig und wir wollten einfach die für uns coolste Musik machen. Also haben wir uns deutlich mehr Mühe gegeben. Die Texte sind viel persönlicher und behandeln sowohl schwere als auch leichte Themen.

Die Dänen, die derzeit auf einen festen Bassisten verzichten, nehmen sich auf The Hindsight Notes Zeit für Spannungsaufbau und Melodien, sind um Abwechslungsreichtum bemüht und setzen härtere Passagen nicht mehr als Antrieb, sondern als Stilmittel ein. Gitarren und Drums sind jederzeit präsent, ausschweifende Soli und vertrackte Frickeleien gibt es auf dem Album allerdings nicht zu hören. „Wir haben definitiv Härte herausgenommen und die proggigen Teile abgeschwächt“, sagt Drummer Lauszus. „Wir wollen experimentieren und hart sein, aber nicht zum Selbstzweck. Die Experimente sind jetzt subtiler. Wenn wir das Publikum auf eine Reise mitnehmen wollen, soll es dem Ganzen auch folgen können.“

Insofern ist es keine Überraschung, dass The Hindsight Notes die leisen Töne besser als die lauten beherrschen, was mitreißende Hymnen (Verism) und wunderschöne Balladen (Adjust) hervorbringt. Das verdeutlicht nicht nur die Bandbreite der Band, sondern bringt auch das stimmliche Repertoire von Frontmann Pederson zur Geltung. „Für das neue Album haben wir unsere musikalischen Einflüsse ziemlich weit geöffnet“, verrät uns Lauszus. „Es gibt ein paar Bands wie zum Beispiel TesseracT , die alle in der Band mögen. Das merkt man bestimmt auch. Allerdings haben wir uns für dieses Album mehr von poppigen oder experimentellen Acts beeinflussen lassen. Ich selbst habe etwa viel The 1975 gehört und kann das auf dem Album deutlich hören.“ Zahm ist The Hindsight Notes trotzdem nicht. Gerade wenn man sich in ruhigem Gefilde wähnt, zerreißen Doublebass-Attacken (Dusty Patterns) und giftiges Gekreische (Nostalgic, Worn Out Mannequin) die Melodien.

Ihr Klangspektrum erweitern die Dänen mit Gastmusikern, um das Album mit Synthesizer (Dusty Patterns), Klavier, Geige (Water), Saxophon (No Connection) und Chor (Worn Out Mannequin, Hindsight) zu bereichern. „Wir haben alles geschrieben und unsere eigenen Instrumente eingespielt. Wo es aber nötig war, wollten wir Profis, die unsere Musik zum Glänzen bringen können“, so Lauszus. „Die Synthies wurden von Ole Bjørn produziert, der ein erfolgreicher dänischer Produzent ist und früher in der Popband Dúné gespielt hat. Für die anderen Instrumente haben wir Session-Musiker und sogar einen Chor angeheuert. Meine gute Freundin Kim Sternkopf von MØL wirkt bei Worn Out Mannequin als Gastsängerin mit. Das hat dem Lied einen sehr schönen Touch und ein ganz anderes Gefühl gegeben.“

Ist das jetzt Progressive Rock oder Progressive Metal und ist das überhaupt wichtig? Die Band spielt hörbar gegen Schubladen an. Wie sich das alles in ein Genrekorsett zwängen kann, ist wohl auch dem Marketing noch nicht klar. Zum Zeitpunkt dieser Rezension heißt es auf der BandwebsiteCold Night For Alligators is a respected and forward-thinking alternative metal outfit“, während das Label von „a respected and forward-thinking progressive metal outfit“ spricht. Aber wir wissen ja: Gefühl ist alles; Name ist Schall und Rauch. Vor allem Schall, der hier angenehm aus dem Arising Empire Roster hervortönt.

Bleibt nun aber trotzdem die Frage nach dem Bandnamen. Interviews zufolge wählten die Dänen bei der Bandgründung mit „Cold Night For Alligators“ schlicht etwas Einprägsames, das sich nicht sofort mit einem Genre verbinden lässt. Keine schlechte Idee für eine Combo, die auf The Hindsight Notes vielseitig musiziert und einen eigenwilligen Sound erschafft, der für Fans von TesseracT, Periphery und Port Noir, aber auch I Am Giant interessant sein dürfte.

Cold Night for Alligators - The Hindsight Notes
Cold Night For Alligators – The Hindsight Notes
Fazit
The Hindsight Notes evoziert Emotionen jeglicher Couleur, pendelt angenehm zwischen zart und hart. Musik zum Eintauchen, zum Headbangen, zum Träumen - und zugänglich genug, um andere Menschen für diese Art Musik zu begeistern.

Anspieltipps: No Connection, Dusty Patterns, Nostalgic, Worn Out Mannequin und Hindsight
Christian D.
9
9
Punkte