Dead Sun – Night Terrors

Der Rogga, das Midtempo und der Hang zur Melodie

Artist: Dead Sun

Herkunft: Schweden

Album: Night Terrors

Spiellänge: 29:37 Minuten

Genre: Death Metal

Release: 16.03.2021

Label: Xtreem Music

Link: https://rjdeadsun.bandcamp.com/releases

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre, Bassgitarre, Keyboards – Rogga Johansson
Schlagzeug – Matthias Fiebig

Tracklist:

  1. Like Rain
  2. Kingdom Of The Mad
  3. Night Terrors
  4. Worlds
  5. Nectar Of The Gods
  6. Vortex Dance
  7. The Lunatics
  8. The Doomed

Jaja, der Rogga Johansson, ein gern gesehener Gast bzw. gern gehörter Gast in meiner Radiosendung. Ich weiß gar nicht, wie viele Songs ich bereits von diesem Burschen und seinen Projekten/Bands gespielt habe. Natürlich habe ich auch schon zig Reviews gefertigt. Die Entwicklung von Dead Sun wurde aber eher etwas anders gestaltet. 1997 und 1999 erschien je ein Demo und dann kam nichts mehr. 2013 kam es wahrscheinlich zu einer nächtlichen Riffattacke im Kopf und es wurde das Debüt rausgehauen. Wieder fünf Jahre Wartezeit. Der Nachfolger erblickte das Licht der Welt. Und dann wurden die Jahre aufgeholt. Im Jahre 2019 erschienen gleich zwei Alben, im Jahre 2020 ein weiteres und nun Album Nummer sechs. Kann dieser Wahnsinn gut gehen? Aber Rogga wäre nicht Rogga, wenn er nicht das eine oder andere geile Riff am Start hätte.

Schweden scheint aufgrund der nördlichen Lage echt ein Quell der Inspiration für viele Musiker zu sein, besonders für Rogga, dem wohl meist beschäftigten Metalhead aller Zeiten. Ich finde es schön, dass es solche Leute gibt und dass er es schafft, das Death Metal Feld in mehrere Sparten zu unterteilen, aber immer irgendwo schwedisch dabei zu klingen. Like Rain ist der Opener und an diesem Song kann man ausmachen, welche Richtung das Album einschlägt. Bei Rogga wird der Death Metal immer im Vordergrund stehen, keine Frage, aber hier legt man mehr Wert auf ein getragenes und gediegenes Tempo. Im Midtempo agierend, jagt man eine geile Melodie heraus: Nach einem Break wird diese auch mal kurz alleine vorgetragen. Im Hintergrund läuft die typische schwedische Gitarre und natürlich auch der HM2-Sound. Am Ende wird der Doublebass ein wenig druckvoller. Und der Bursche growlt natürlich, so wie es sich gehört.

Kingdom Of The Mad kommt da schon ein wenig zügiger und zackiger aus den Boxen geballert, aber auch hier geht man vom Tempo runter und zaubert im Midtempo weiter. Der Song ist aber schon wesentlich aggressiver. Trotzdem haut er eine geile Melodie raus und einen atmosphärischen Mittelpart, damit keine Langeweile aufkommt. Auch die Gitarren klingen teilweise sehr sirenenbehaftet. Druckvoll, atmosphärisch und melodisch. Am Ende noch einmal sehr atmosphärisch. Ja, kommt geil und wird wohl in meiner Sendung laufen.

Der Song Night Terrors erinnert mich dann vom Sound, Aufbau und von der Art sehr an Entombeds Wolverine Blues. Sehr rockig und rotzig, aber eben mit Death Metal Gitarren und Riffing. Melodische Leads erklingen, aber auch feine, druckvolle Parts. Stakkato Riffing mit Keyboardparts und dann wieder in rockig orientierte Elemente. Sehr gelungene Mischung.

Und so schleppt sich der Bursche weiter durch das Roggasche Universum und hat echt geile Melodien am Start, so wie z.B. bei Worlds. Die Melodie klingt sehr melancholisch und trägt den Song. Der Song hätte ein oder zwei Ausraster gebrauchen können. Das Tempo wird aber grundsätzlich vernachlässigt, auch wenn man hier und da mal ins Uptempo abdriftet, wie z.B. Nectar Of The Gods. Auch ein geiler Song mit einer hervorragenden Melodie. Blodsrit Drummer Matthias Fiebig hat ein gutes Gespür für Betonungen und setzt zur rechten Zeit die richtigen Akzente. Hier und da hätte ich mir eine Tempoerhöhung gewünscht, aber im Grunde passt alles so, wie es ist. In knappen 30 Minuten kann man sehr viel Gutes fabrizieren.

Die letzten drei Songs verlieren ein wenig an Energie, sind aber trotzdem noch ziemlich heftig, und so kann man wieder einmal sagen, dass dem Herrn Johansson ein weiteres amtliches Album geglückt ist. Night Terrors kann man in einem Rutsch sehr gut durchhören und klingt für mich wie eine Mischung aus Entombeds späteren Werken und im Bezug auf den melodischen Death Metal von Edge Of Sanity.

Ein Teil von Roggas Universum ist Håkan Stuvemark (Wombbath). Dieser hat das Album gemischt und gemastert. Das gelungene Artwork stammt von Roberto Toderica (u.a. Poltergeist). Das Umfeld passt und so kann Rogga sich auf die nächsten Aufgaben konzentrieren.

Dead Sun – Night Terrors
Fazit
Wer Old School Death Metal mag, aber diesen etwas anders gestaltet haben möchte, der ist bei Night Terrors genau richtig. Zwar herrscht auch hier der HM2-Sound, aber es wird eher die ruhige Gangart eingelegt und Wert auf Melodie und Atmosphäre gelegt. Woher der Rogga seine Ideen immer nimmt, ist mir echt schleierhaft. Wieder mal ein sehr gutes Album.

Anspieltipps: Like Rain und Kingdom Of The Mad
Michael E.
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