Dehuman Reign – Dawn Of A Malefic Dominion

Berliner Death-Metal-Lunatics mit ihrem dritten Streich

Artist: Dehuman Reign

Herkunft: Deutschland

Album: Dawn Of A Malefic Dominion

Spiellänge: 43:24 Minuten

Genre: Death Metal

Release: 25.07.2025

Label: F.D.A.Records

Link: https://www.facebook.com/DehumanReign

Bandmitglieder:

Gesang – Alex
Gitarre – Tesk
Gitarre – Ulf
Bassgitarre – Rouven
Schlagzeug – Totte

Tracklist:

1. The Invasion
2. Cursed To Feed On Flesh
3. Let Chaos Reign
4. Opium
5. Inclusio Fetalis
6. Post-Traumatic Suicide Syndrome
7. Heretic
8. The Ancient Enemy
9. An Envoy From The In-Between
10. Preparing Armageddon
11. Des Geistes Störung

Die Berliner Sickos von Dehuman Reign sind seit der Gründung im Jahre 2011 sehr bemüht, den brutalen Death Metal am Leben zu erhalten und eine gewisse Spielfreude zu verbreiten. Dabei lässt man sich beim Songwriting und bei der Veröffentlichung von neuem Material durchaus Zeit und hier und da sind sie auch einer Feier nicht abgeneigt, so munkelt man zumindest in Fachkreisen. Im Jahre 2016 erschien das Debütalbum. 2020 folgte Album Nummer zwei, und nun hat man die Gelenke wieder gerichtet und neues Material kredenzt. Fünf Jahre sind eine lange Zeit, aber das hat sicherlich auch mit der Corona-Phase zu tun und der Tatsache, dass bis auf Sänger Alex noch alle anderen in mehreren Bands spielen.

Gleich mach dem Gitarren-lastigen und mit Nachrichten bestückten Intro The Invasion und den Anfangsklängen des Openers Cursed To Feed On Flesh wird eines klar. Die Marschroute wurde nicht verändert. Von Beginn an ist man auf Krawall gebürstet und geht die volle Attacke. Einige Gitarrenvorspieler vorweg und ab in den Blastbeat. Dass die Burschen dem amerikanischen Death Metal nicht abgeneigt sind, dürfte keine neue Erkenntnis sein. Und so flirren die Gitarren durch den Raum, man bleibt die ganze Zeit auf Spannung und selbst in den eher für Dehuman Reign ruhigeren Passagen ist nur Angriff angesagt. Dabei bedient man sich geiler, langgezogener Riffs und passt sich vor allem dem treibenden Rhythmus des Drummers Totte an. Und dann, wie aus dem Nichts, holen sie ein hervorragendes, recht melodisches Solo heraus und führen dieses in einen neuen Part, um dann natürlich wieder die Sau durch das Dorf Berlin zu jagen. Damit kann man die Wildschweinplage in den Kleingärten der Vororte der Hauptstadt erledigen. So geht es dann hin und her und man hat das Gefühl, die Burschen wollen oder können den Song nicht beenden, obwohl er noch nicht einmal die Fünf-Minuten-Grenze überschreitet. Macht extremen Spaß. Da hab ich Bock drauf.

Bock haben die Jungs auch auf Morbid Angel der alten Tage, oder wie sonst soll man sich den kongenialen Anfang des Songs Let Chaos Reign erklären? Dieser treibende und gleichzeitig schleppende Moment und die gut geölte Doublebass leiten den Untergang ein. Hervorragend. Ach je, da kullert eine Nostalgieträne beim Reviewer herunter. Dann kommen die obligatorischen, aber geilen Gitarrenvorspieler, ein „Ähhh“ erklingt und ab dafür. 1, 2, 3 – Attacke. Ich liebe es, wenn diese Kombination verwendet wird. Da kann man schon bei den Vorspielern in den Bangmodus gehen und dann den Propeller anschmeißen. Klar, ist das nicht neu, aber who cares? Ich kehre hier nicht den Dreck weg, den man beim Propellerbangen auf dem Boden entdeckt. Egal, Wortspiele sind hier nicht relevant, denn das musikalische Material spricht für sich. Der Song wurde als Single-Auskopplung des Albums erwähnt und völlig zu Recht. Die Burschen haben sehr viel Energie und selbst im groovigen Midtempo bleibt man sich treu und drückt einem die Faust in die Magengrube. Ach ja, den Brüllaffen Alex habe ich noch gar nicht erwähnt. Welch ein Organ! Kraftvoll und tief und doch ein wenig anders als die anderen. Geil, gefällt mir sehr gut und passt wie die Faust aufs Auge. Ebenso das vorhandene Solo. Dieses unterbricht die Gewaltspirale ein wenig. Danach nimmt man natürlich wieder absolut Fahrt auf. Hektik macht sich breit. Nicht, dass die Meute noch denkt, man wandert in den Doom-Bereich. Am Ende drückt man noch einen fetten groovigen Part heraus und so reitet man in die Berliner Nacht. Ein Brett von einem Song – wie man hier in Norddeutschland sagt. Woanders wahrscheinlich auch.

Opium ist dann mehr so auf der groovenden und drückenden Ebene, könnte man meinen, aber da hat man die Rechnung nicht ordnungsgemäß durchgelesen, denn nach circa 90 Sekunden fliegen dir dann doch wieder diese geilen Riffs um die Ohren und es wird genüppelt, bis der Notarzt kommt, dich verarztet und wieder geht. Fiese Screams gesellen sich dazu und man hat das Gefühl, hier herrscht das absolute, musikalische Chaos, aber dem ist natürlich nicht so. Es gibt kaum Verschnaufpausen. Der Songaufbau ist hier ein wenig vertrackt, wie ich finde, aber beim zweiten oder dritten Mal hören erkennt man den roten Faden. Ein kleines Solo wird mit eingebaut und da geht er hin. Natürlich herrscht hier wieder das Geballer. Schön. Der Part mit den fiesen Screams darf auch noch mal rein. Diese Screams, sofern man den Song dann live spielt, kann man schön mitschreien, denn es wird Opium geschrien. Und am Ende gibt es ein tiefes Uargh.

Inclusio Fetalis lässt dann wieder zu Beginn kurz die Herzen aller Morbid-Angel-Fans höherschlagen und liefert eine kleine Pause. Man drückt schön im Midtempo und man hat gerade die Füße zur Entspannung hochgelegt, schon kommen die Vorspieler, die Zehennägel schnallen hoch und man ist wieder auf Angriff programmiert. Sofern diese nicht geschnitten sind, kann man einen schönen Sidekick machen und dem Gegenüber durchaus verletzen. Also Vorsicht. Die meisten Unfälle passieren ja im Haushalt. Auch hier gibt es wieder diese Kombination der schnellen Passagen mit einem fetten Solo. Dabei darf und muss man das gute Riffing unbedingt erwähnen. Sehr fett. Dieser melodische und atmosphärische Moment am Ende des Songs … – kann man absolut so machen.

Auch, weil dann Post-Traumatic Suicide Syndrome gleich mit allen Kanonen schießt. Lecker. Logisch ändern sie ihre Herangehensweise nicht. Energie und Power ohne Ende. Der doppelte Gesang hier kann absolut überzeugen.

Und so ballert man sich durch das Album durch, welches besonders Freunde des gepflegten brutalen, amerikanischen Death Metal der alten Schule beglücken dürfte. Morbid Angel und Deicide sollten unbedingt genannt werden. Hinzu kommt der fette Sound. Hier stimmt so einiges.

Man hat mit einem Intro begonnen und beendet den Spaß mit qualvollem Gejammer, angsterfüllten Screams und cleanen Gitarrenklängen. Der Songname Die Geistes Störung ist gut gewählt.

Dehuman Reign – Dawn Of A Malefic Dominion
Fazit
Vier Berliner Bären und ein Brüllaffe lassen unmenschlichen Regen auf die Menschheit nieder. Blitz, Donner und Hagel zerstören die einheimische Musikanlage. Dabei vergisst man aber nicht, dass auch Trockenperioden wichtig sind. Soll heißen, dass der brutale Death Metal, der aus den Boxen schallert, immer wieder mit schleppenden und groovenden Passagen verfeinert wird. Dabei legt man viel Wert auf das Riffing, welches sehr gelungen ist, das Songwriting allgemein und einen absolut bösartigen Gesang. Das Teil ist zudem noch absolut fett produziert. Ich verstehe wirklich nicht, warum diese Band nicht mehr Beachtung geschenkt bekommt. Ein Schlachtfest, welches 43 Minuten andauert und Freunde von Morbid Angel und Deicide beglücken wird. Die Jungs sind dieses Jahr beim In Flammen Fest dabei und werden den Namen der Veranstaltung wahrscheinlich in die Tat umsetzen. Leider ist das Album dann noch nicht draußen, aber es werden sicherlich einige neue Knaller gezockt werden.

Anspieltipps: Cursed To Feed On Flesh und Let Chaos Reign
Michael E.
9
Leserbewertung7 Bewertungen
9.6
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