Detest – We Will Get What We Deserve

Dänische Death Metal Altmeister mit ihrem zweiten Streich

Artist: Detest

Herkunft: Dänemark

Album: We Will Get What We Deserve

Spiellänge: 45:12 Minuten

Genre: Death Metal

Release: 10.12.2021

Label: Emanzipation Productions

Link: https://www.facebook.com/DetestDK/

Bandmitglieder:

Gesang und Bassgitarre – Simon Springborg
Gitarre – John Petersen
Schlagzeug – Danni Lyse Jelsgaard

Tracklist:

  1. This Is The End
  2. The Process Of Doom Is On
  3. Red Is All I See
  4. We Will Get What We Deserve
  5. Something You Disgrace
  6. Start All Over
  7. Fear Attracts The Fearless
  8. The Solution
  9. Vengeance Is Mine
  10. You Wish
  11. I Always Knew

Dänemark ist in den letzten Jahren wieder stark im Kommen, wenn es um den extremen Metal geht. So einige Perlen habe ich in den letzten beiden Jahren gehört und in der Tat hatte ich mich auch schon einmal gefragt, was eigentlich aus Detest geworden ist, denn das 1994 erschiene Album Dorval fand ich richtig geil. Die Burschen waren damals angesagt ohne Ende und waren zwei Jahre später von der Bildfläche verschwunden. Leider konnte die Band mit dem Erfolg nicht umgehen und hat sich dem Alk und den Drogen hingegeben. Was ich auch nicht mitbekommen habe, ist, dass sie sich 2013 wieder zusammengeschlossen haben, um einige Gigs zu spielen. Dieses funktionierte aber nicht auf Dauer und so fing Gitarrist John Peterson an, eine neue Mannschaft zu erstellen. Seit 2018 läuft es jetzt rund, 2019 kam in Eigenregie eine EP namens A Moment Of Love heraus. Natürlich kam ein Deal mit Emanzipation Productions heraus, einem Unterlabel von Mighty Music. Ab in den dänischen Proberaum und neue Songs schreiben. Dieses haben sie getan und nun liegt uns nach fast 30 Jahren Album Nummer zwei vor.

Das Zweitwerk wurde aufgenommen, produziert, gemischt und gemastert in den Angioni Studios von Marco Angioni (Iron Fire, Panzerchrist, Chronicle). Das Artwork wurde von Roberto Toderico (Vulcano, Asphyx, Sodom, Pestilence, etc) erstellt.

Da ist man gerade erst wieder im Geschäft und dann beginnt man mit This Is The End? Ein Schelm, der etwas Böses denkt, hehe. Aber es ist, wie es ist. Außerdem handelt es sich um eine rein instrumentelle Einleitung und dient somit als Intro.

Richtig ab geht die dänische Maschine erst bei The Process Of Doom Is On. Und von Anfang an ist Dampf auf dem Kessel und das Old School Feeling ist zu spüren. Einige Vorspieler im Midtempo und da bleibt man dann auch. Drückend und schwer. Die Doublebass arbeitet am Anfang und so schleppt man sich durch. Mit feinstem Riffing. Nicht ganz so druckvoll wie Bolt Thrower, aber ein wenig davon haben sie schon. Das Riffing und der Einsatz der Vocals kommen ganz geil. Schockt und man merkt von der ersten Sekunde an, dass hier eine Band aus den Neunzigern aktiv ist. Ein Basssolo darf auch ins Geschehen eingreifen und später auch ein recht skurril klingendes Solo. Sehr ausgefeilt. Nicht unbedingt meins, passt aber total. Dann wird wieder im aggressiven Midtempo Fahrt aufgenommen und eine dunkle Melodie wird verbraten. Breaks sind immer mit dabei und nehmen zum Glück keinen Einfluss auf den Fluss. Das groovt an allen Ecken und Kanten. Der fiese Gesang erledigt dann irgendwie den Rest. Am Ende klingt man noch ein wenig vertrackt und verspielt und bringt technische Elemente mit ins Spiel, ohne aber den Old School Faktor zu vergessen.

So geht es bei Red Is All I See weiter. Das Riffing ist auch ein wenig vertrackt, der Drummer betont dieses aber hervorragend. Kaum zu glauben, dass er ansonsten Folk Metal bzw. Viking Metal spielt. Auch hier darf der Basser mal kurz alleine ran und auch hier gibt es ein verspieltes Solo. Ansonsten grooven sie ganz ordentlich, der Gesang wird gedoppelt und auch neumodische Klänge sind kurz zu hören. Das Tempo bleibt im Midtempo, wird da aber variiert. Die Dänen legen viel Wert auf das Spielerische. Das haben sie drauf und kombinieren es mit druckvollen Grooves. Mir ist das an einigen Stellen zu viel, aber macht schon Laune. Die rote Linie ist immer vorhanden und man verzettelt sich nicht.

Kommen wir nun zum Namensgeber. Meistens ist es ja der beste Song auf dem Album und der Anfang von We Will Get What We Deserve lässt diese Rückschlüsse auch zu. Das Riffing am Anfang ist fantastisch und der Song entwickelt sich zu einem groovigen Monster. Besonders der doppelte Gesang kommt hier gut zur Geltung. Allerdings sind auch viele Stopps vorhanden. Stört mich ein wenig, nimmt dem Ganzen den Lauf, aber der groovende Midtempopart ist lecker und zwingt einen zum Bangen. Ist schon heavy das Ganze, muss ich sagen. Wenn man sich darauf einlässt, nimmt es einen quasi auseinander.

Something You Disgrace ist für mich persönlich der geilste Song. Hier klingen sie ein wenig brutaler, was an dem knallenden Uftata-Part liegen mag. Dieses wiederholt sich. Das Riffing ist dabei sehr geil, mit Obertönen etc. Melodische Leads werden mit eingebaut und dann geht es ab wie ein Zäpfchen. So mag ich es, denn der Song ist ein wenig direkter, aber natürlich immer noch technisch anspruchsvoll und mit fetten Riffs ausgestattet. Das Aggressionslevel ist hier aber besonders hoch. Obwohl sie nie wirklich schnell werden, fördern sie eine gewisse Abwechslung an das Tageslicht. Die Soli sitzen, sind verspielt und weit weg von 08/15 Standardkrams. Wenn man sich erst einmal damit beschäftigt, stellt man fest, dass diese sehr versiert sind.

Mit I Always Knew endet die dänische Schlacht. Am Anfang groovt man kurz, kommt dann mit einem lang gezogenen Riff um die Ecke und bedient sich danach des Uptempos. Ein Scream dazu und fertig. Ja, sehr geil. Das Tempo wird teilweise gut angezogen und die smashigen Riffs und die aggressiven Vocals zaubern mir ein kleines Lächeln ins Gesicht. Natürlich wird auch hier gegroovt und technisch rumgefiedelt, aber der ganze Song klingt sehr brutal. Ein geiles Solo darf nicht fehlen. Guter Abschluss.

Die dänischen Altmeister melden sich mit einem guten Album zurück und dürften Fans von Obituary, Autopsy, Death, Bol Thrower oder Nocturnus beglücken. Hier und da klingt mir das ein wenig zu unrund, aufgrund der fehlen Breaks, aber der Groove auf dem Album knallt ohne Ende.

Detest – We Will Get What We Deserve
Fazit
Detest beweisen auf ihrem zweiten Album innerhalb von 30 Jahren, dass sie es noch drauf haben. Der Spirit der Neunziger ist natürlich vorhanden, aber man klingt recht eigenständig. Der Groove ist allgegenwärtig und hier und da variiert man mit dem Tempo. Die smashenden Riffs und die aggressiven Vocals klingen sehr geil. Meines Erachtens klingen einige Parts zu verschachtelt und das eine oder andere Break ist mir dann zu viel, aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Anspieltipps: Something You Disgrace und I Always Knew
Michael E.
7.9
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