Ebonivory – The Long Dream I

Starkes progressives Werk aus Australien

Artist: Ebonivory

Herkunft: Ballarat, Victoria, Australien

Album: The Long Dream I

Spiellänge: 59:54 Minuten

Genre: Progressive Metal, Djent, Progressive Rock, Post Rock

Release: 05.06.2020

Label: Wild Thing Records

Link: https://www.facebook.com/ebonivoryband/

Bandmitglieder:

Gesang – Charlie Powlett
Gitarre und Backgroundgesang – Louis Edwards
Gitarre – Jake Ewings
Bassgitarre und Backgroundgesang – Connor McMillan
Schlagzeug – Dave Parkes

Tracklist:

  1. Introduction
  2. Hanmer Street
  3. Persist
  4. Patting The Black Dog
  5. Cats
  6. A Colour I’m Blind To
  7. Sea Sons
  8. In Reverie
  9. Window Man
  10. Explosions After Dark
  11. Tales Of Termina
  12. The Bluegums
  13. Introvection

Eine recht junge Band aus dem ländlichen Ballarat, Victoria, Australien liegt heute auf dem Tisch. Der Komponist und Multiinstrumentalist Charlie Powlett gründete Ebonivory im Jahr 2014, und gewann für das Projekt langjährige Musikerkollegen und Freunde. Die ersten Veröffentlichungen waren die EP Ebonivory I (2014), The Only Constant (2015) sowie der zweite Teil Ebonivory II (EP 2016). Nun also das zweite Langeisen The Long Dream I. Die I deutet bereits an, dass es sich hier um ein zweiteiliges Konzeptalbum handelt. Die Themen sind zerstreute Erinnerungen aus einem sehr fernen, aber vertrauten Leben und ein Fiebertraum der Jugend, der durch die Linse der gewonnenen Erkenntnisse und unausgesprochenen Worte wiedererlebt wird. Komplett selbst produziert, gemastert von Forrester Savell (Karnivool) erscheint der Zweitling im Frühsommer 2020. Man hatte auch eine Tour gemeinsam mit Caligula’s Horse für dieses Jahr geplant, aber dazu muss ich wohl nichts mehr schreiben.

Was gibt es an Musik auf der Scheibe? Zunächst gibt es 100 Sekunden instrumentales, progressives Intro, dann startet die Hammer Straße. Eine Baustelle seit Ewigkeiten (zumindest in Hamburg). Recht ruhiger Start mit Keyboard, nach ca. 30 Sekunden meldet sich die Saitenfraktion und auch Sänger Charlie schaltet sich ins Geschehen ein. Progressiv metallisch wird es spätestens zum Refrain und es gibt zum Gesang auch noch ein paar Screams. Eigentlich ein typischer progressiver Metaltrack, welchen man auch von anderen Bands des Genres kennt. Persist wird dann schon deutlich interessanter, es gibt einen leichten Djent Einschlag, die Instrumente und Gesang wechseln mehrfach Rhythmus und Tempo, trotzdem bleibt die Nummer meines Erachtens insgesamt recht zugänglich. Patting The Black Dog liefert das nächste Stilelement. Nun geht es mehr in Richtung des klassischen progressiven Metals, sehr intensive Gitarrenarbeit, viele Drehungen und Wendungen und recht sperrig, was ich persönlich recht interessant finde. Nach dem Hund kommen wir zu den Katzen, ein ruhiger, recht verträumter Track, der zum Ende etwas mehr Fahrt aufnimmt. Es geht quasi nahtlos mit A Colour I’m Blind To weiter, der Sound wird nun aber wieder deutlich härter, basslastige Passagen, Schrei und Knurrgesang, aber auch ruhige Teile wechseln sich ab, eine sehr vielschichtige, aber recht spannende Nummer. Sea Sons und In Reverie gehören fast zusammen, lange Zeit recht ruhige verträumte, balladeske Musik, welche im letzten Drittel von In Reverie dann aber noch mal richtig zündet und beim Window Man durchstartet, hoch interessantes, facettenreiches Songarrangement. Im Endeffekt muss man wohl die drei Tracks gemeinsam betrachten. Ganz starkes progressives Songpaket. Explosions After Dark verändert das Klangbild und es geht mit deutlich mehr Härte und einem Mix aus Djent und progressivem Metal weiter. Tales Of Termina knüpft zunächst an seinen Vorgänger an, liefert aber auch ruhigere Passagen. Insgesamt eine ziemlich vertrackte Nummer, wo man mehrfach hinhören muss. The Bluegums ist der Longplayer auf dem Longplayer mit knappen neun Minuten. Das Klangbild ändert sich erneut und nun kommt Artrock aus den Boxen. Im letzten Drittel dreht sich der Track im Rhythmus etwas, es gibt ein wenig Saiteneinsatz, aber insgesamt bleibt man bei ruhigem Artrock. Mit Introvection endet die Scheibe, es geht wieder in härtere Gefilde mit Klar- und Knurrgesang sowie hartem Riffing und trotz einiger Wendungen recht eingängiger Melodie. So endet nach einer knappen Stunde das Werk der Australier.

Ebonivory – The Long Dream I
Fazit
Wer die frühen Werke von Leprous mag, in Richtung Karnivool, Tool, Devin Tonwsend etc. unterwegs ist, sollte hier unbedingt mal sein Ohr in die Scheibe halten. Es gibt ein sehr variables Werk aus Australien zu hören, technisch auf konstant hohem Niveau, abwechslungsreich, mal sperrig und mal eingängig. Kritikpunkt ist meines Erachtens, dass der eine oder andere Track beim Versuch des Übergangs von Song zu Song nicht ganz so zündet. Das ist bei 13 Titeln alles andere als einfach, keine Frage. Ansonsten ein klasse Werk, was das Quintett aus Australien geliefert hat, und ich bin gespannt auf den zweiten Teil des Konzeptalbums. Da man ja mit Caligula’s Horse 2021 auf Tour gehen möchten, stellt sich die Frage, ob es die Herren auch nach Europa verschlagen wird?

Anspieltipps: Persist, Patting The Black Dog, A Colour I’m Blind To und Introvection
Jürgen F.
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