Enforcer – Zenith

Hochmut kommt vor dem Fall

Artist: Enforcer

Herkunft: Stockholm Schweden

Album: Zenith

Spiellänge: 46:29 Minuten

Genre: Heavy Metal

Release: 26. April 2019

Label: Nuclear Blast

Link: Zenith

Produktion: Jonas Wikstrand & Olof Wikstrand – gemischt von Rikard Löfgren in den Hvergelmer Studios in Arvika, Schweden

Bandmitglieder:

  • Vocals, Guitars – Olof Wikstrand
  • Drums – Jonas Wikstrand
  • Bass – Tobias Lindkvist
  • Guitars – Jonathan Nordwall

Tracklist:

  1. Die For The Devil
  2. Zenith Of The Black Sun
  3. Searching For You
  4. Regrets
  5. The End Of A Universe
  6. Sail On
  7. One Thousand Years Of Darkness
  8. Thunder And Hell
  9. Forever We Worship The Dark
  10. Ode To Death

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit Zenith veröffentlichen die Schweden von Enforcer ihr fünftes Studioalbum seit ihrem Debüt Into The Night (2008). Das Album ist der Nachfolger zu From Beyond (2015), mit dem die Band seiner Zeit sehr positive Kritiken ernten konnte. Zenith ist das erste Album auf dem mit Jonathan Nordwall der neue Gitarrist der Band mitwirkt. Ex-Gitarrist Joseph Tholl widmet sich von nun an anderen Projekten wie seiner neuen Band VOJD.

Das Album wurde von Jonas und Olof Wikstrand in Eigenregie produziert. Das Songwriting begannen beide bereits 2017 in den USA, wohin Jonas vor einigen Jahren ausgewandert ist. Aufnahmen, Mixing und Mastering folgten – auf mehrere Studios verteilt – in Schweden. Für einen besonders breiten Sound, der nicht altbacken klingen sollte, wurden die Drums in einem Live-Setting und ohne digitale Effekte eingespielt. Vocals und weitere Instrumente wurden dann um dieses Live-Gerüst herum gebaut. Nach eigener Aussage wollte die Band sich etwas von ihrem Speed Metal-Stil distanzieren und auf Zenith ein Bisschen experimentierfreudiger agieren. In gewohnt selbstbewusster und fast überheblicher Manier gibt Olof in einem offiziellen Album-Trailer an, dass Enforcer mit Zenith „das größte Heavy Metal-Album aller Zeiten“ kreieren wollten.

Zumindest was die Produktion angeht, konnte die Band ihr Versprechen halten. Das Album klingt wie eine Metal-Produktion 2019 klingen muss. Die Gitarren sind nicht überproduziert, die Vocals schweben über allem und dank hoher Lautheit muss sich Zenith auch nicht vor den überkomprimierten, künstlich klingenden Alben von modernen Metal-Bands verstecken. Was die Songs angeht, darf man zumindest über den Erfolg der Mission diskutieren.

Bereits im Februar 2019 veröffentlichen Enforcer die erste Single und den Opener Die For The Devil:


Der Song reiht sich vielversprechend in die Diskographie der Schweden ein und hätte auch auf From Beyond (2015) erscheinen können. Eine epische Komposition, eingängige Melodien und kontrastreiches Songwriting waren bereits die Stärken des Vorgängers.

Die zweite Single Searching For You erscheint Anfang April und klingt noch deutlich vielversprechender. Hier bieten Enforcer ihren Fans rohe, aggressive und schnelle Riffs im Stil von Death By Fire (2013):

 

Leider kann der Rest des Albums die Erwartungen der ersten Singles nicht ganz erfüllen. Während der Titletrack Zenith Of The Black Sun, The End Of The Universe oder One Thousand Years Of Darkness – abgesehen von den viel zu lauten Keyboards in der Bridge nach dem Refrain und trotz der extremen Eingänigkeit – noch gut anzuhören sind, enttäuscht zum Beispiel Sail On, das einen fast funkigen Charakter hat, auf ganzer Linie. Besonders die Operetten-haften Ode To Death oder Forever We Worship The Dark klingen überladen und treiben die Experimentierfreudigkeit ein Stück zu weit. Vor Allem die Chöre und Uni-Sono-Parts zwischen Instrumenten und Vocals wirken hier überzogen und fehl am Platz. Im Vergleich dazu wirkt sogar die Ballade Regrets, die nahezu komplett als Klavierstück ausgelegt ist, passend und trägt zur Atmosphäre der Platte bei.
Einen letzten Lichtblick bietet – passend zum Titel – Thunder And Hell. Hier besinnen sich Enforcer auf ihre Stärken und die Elemente, die ihre früheren Alben so großartig gemacht haben – sogar das akustische und mittelalterliche Outro ist stimmig. Trotz der schwächeren Songs gelingt es der Band erstaunlich gut, das den typischen Enforcer-Sound und die dazugehörige Atmosphäre einzufangen.

 

Fazit
Das größte Heavy Metal-Album aller Zeiten liefern Enforcer mit Zenith zwar nicht ab, insgesamt ist die Platte allerdings sehr ordentlich umgesetzt. Viele starke Songs und interessante Kompositionen sorgen für ein abwechslungsreiches Hörerlebnis. Dem eingefleischten Enforcer-Fan dürften lediglich Songs wie Ode To Death oder Forever We Worship The Dark ein Dorn im Auge sein. Hier stellt sich wie so oft die altbekannte Frage zwischen Fortschritt und Tradition, an der schon so viele Bands gescheitert sind. Ganz so schlimm ist es bei Enforcer zum Glück noch nicht. Dennoch lässt sich gut darüber philosophieren, wie gut Zenith gewesen wäre, wenn noch zwei oder drei Songs der alten Schule den Weg auf die Platte gefunden hätten.

Anspieltipps: Thunder And Hell, Searching For You
Carsten B.7.7
Leser Bewertung3 Bewertungen8.5
7.7
Punkte

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