Hate – Rugia

Sonnenfinsternis über Rügen

Artist: Hate

Herkunft: Warschau, Polen

Album: Rugia

Spiellänge: 35:59 Minuten

Genre: Death Metal, Black Metal

Release: 15.10.2021

Label: Metal Blade Records

Link: https://www.facebook.com/HATEOFFICIAL

Bandmitglieder:

Gesang und Gitarre – ATF Sinner
Gitarre – Domin
Bassgitarre – Tiermes
Schlagzeug – Nar-Sil

Tracklist:

  1. Rugia
  2. The Wolf Queen
  3. Exiles Of Pantheon
  4. Saturnus
  5. Awakening The Gods Within
  6. Resurgence
  7. Velesian Guard
  8. Sun Of Extinction
  9. Sacred Dnieper

Selten verirrt sich eine Band aus den Genres Black und Death Metal in meine (un)heiligen Hallen. Umso schöner, wenn es sich um die polnischen Black Deather von Hate dreht. So kann ich gleich beide Genres, die ich durchaus verehre, miteinander vereinen und mal wieder eine Lanze für Außenseiter brechen. Denn obwohl Hate schon wenige Zeit vorher ihren zerstörerischen Feldzug starteten, standen sie doch immer ein wenig im Schatten ihrer Landsmänner von Behemoth. Völlig zu Unrecht möchte ich hiermit betonen, denn Hate haben bereits Alben für die Ewigkeit erschaffen wie das 2005 erschienene Anaclasis – A Haunting Gospel Of Malice & Hatred.

Mit dem neuen Album Rugia begrüßen Hate den neuen Drummer Nar-Sil in ihren Reihen. Dieser ersetzt Pavulon, der wiederum aus gesundheitlichen Gründen die Segel streichen musste. Frontmann ATF Sinner betont, dass sein Feuer nach 30 Jahren und dem mittlerweile 12. Studioalbum immer noch brennt: „Ich bin stolz darauf, dass ich eine Band mit einer so starken Energie aufgebaut habe, die trotz zahlreicher Besetzungswechsel und Hindernisse, die sich uns in den Weg stellten, eine lange Zeit überdauert hat.“ Rugia ist das polnische Wort für die Insel Rügen, auf der die letzte Bastion des westslawischen Heidentums (Arkona-Tempel) stand. Das Album ist laut Bandgründer ATF Sinner eine Hommage daran.

Hate starten ihr knapp 36-minütiges Inferno direkt mit dem Titelsong und dem ersten Highlight. Die langsamen, melodischen Gitarren bahnen sich ihren Weg durch dichten Nebel. Atmosphärische Sounds, die sich nahezu exakt in der Mitte zwischen Death und Black Metal treffen, dafür stehen Hate. Nachdem die Kirchenglocken den Untergang verkünden, beginnt das Blast-Massaker. Drummer Nar-Sil fügt dem Bandsound weitere Nuancen hinzu. Man höre sich nur die Beckenarbeit des neuen Schlagzeugers an. Die Growls von ATF Sinner sind über jeden Zweifel erhaben und erinnern stellenweise an Vader, meine anderen Genre-Favoriten aus Polen.

The Wolf Queen zeigt ebenfalls keine Gnade und setzt nahtlos prügelnd an. Der Sound aus den Hertz Recording Studios in Polen, wo auch Werke von Behemoth und Decapitated veredelt wurden, ist auf den Punkt. Weder zu modern, noch zu viel Old School Geschepper. Diesen gelungenen Kompromiss zu finden, dauerte laut Sinner jedoch einige Monate. Das Warten hat sich gelohnt. Die Riffs sind wirklich mächtig, lediglich das Solo wirkt zunächst etwas schräg, steigert sich aber schnell.

Die in Höchstgeschwindigkeit gefrickelten Gitarren in Exiles Of Pantheon mischen sich gekonnt in das Grundgerüst des Songs. Dezente Ambient-Samples wirken ebenfalls mit. Diese wurden von Michal Staczkun beigesteuert, der auch schon auf den letzten Alben zu hören war. Das kurze Break im Mittelteil läutet eine wahnwitzige Mischung aus massivem Riffing und höllischen Blastbeats ein. Halbe Sachen kommen für Hate nicht infrage.

Das schwere Intro von Saturnus leitet einen schleichenden Doom-Part ein, der wie zähflüssige Lava aus den Boxen rinnt. Gitarren und Drums gefallen mir auf dem kompletten Werk ausgesprochen gut. Sägende Schwarzwurzel-Riffs verschmelzen gekonnt mit Todesblei-Geknüppel. Über allem liegt immer dieser schwere Dunst, den die Polen nur zu gerne ausreizen.

Wieder verkündet ein kurzes Intro das kommende Unheil. Zum erneut markanten Beckenspiel muss mein Schreibtisch als Schlagzeugersatz herhalten. Die Gitarren schreien, die Vocals werden gedoppelt und wirken so noch gewaltiger. Viele Tempowechsel bestimmen die Szene, ohne den roten Faden zu sehr zu strapazieren. Melodien und Riffs haben definitiv Ohrwurmcharakter.

Spätestens jetzt wünsche ich mir einen Überraschungseffekt, den Hate prompt abliefern. Resurgence schlägt etwas aus der Art und genau das macht die Nummer so besonders. Die Riffs zu Beginn klingen nach gutem alten „Trve“ Black Metal aus Norwegen. Danach wird es progressiv. Der knurrige Basssound ist nicht von dieser Welt und Tiermes und Nar-Sil liefern sich ein geiles Duell. Die folgende Gitarrenarbeit wirkt so großflächig, dass man keine einzelnen Anschläge mehr ausmachen kann. Für Unterbrechungen sorgen immer wieder die Basslines. Kann ich mich jetzt schon vor Begeisterung kaum zurückhalten, gestalten Hate das Ende noch beeindruckender. Absolutes Highlight!

Dass die Polen ein Gespür für Hooks haben, zeigt sich auch im nächsten Stück Velesian Guard. Trotz aller Extreme haben die Riffs und die Refrains stets das Potenzial, sich im Gedächtnis festzusetzen. Die komplette Passage ab Minute 2:55, eingeleitet durch ein feines Solo, macht einfach nur Laune. Genauso verhält es sich auch mit dem leicht vertrackten Drumming in Sun Of Extinction. Im Verlauf des Songs werden wieder die typischen Breitwand-Gitarrensounds aufgefahren, die inzwischen ein Markenzeichen der Band sind.

Die vier Reiter der Apokalypse stacheln ihre Höllenpferde ein letztes Mal an. Sacred Dnieper ist Raserei in Reinkultur. Leicht thrashige Saitenakrobatik schlägt eine Schneise durch die dunklen Wälder. Das Drum-Sperrfeuer wird durch gezielte Breaks gestoppt, was mich an alte Prog-Death-Haudegen wie Pestilence erinnert. Eine ebenso eingängige wie bösartige Melodie gibt den Befehl zum letzten Angriff. Was für ein Ritt.

Hate – Rugia
Fazit
Hate liefern geschwärzten Death Metal made in Poland seit 1990 und zwar mit hoher Qualität. Ich kann mir einen Seitenhieb in Richtung Behemoth nicht verkneifen, denn Rugia verspeist die letzten Werke der Mannen um Nergal zum Frühstück. Die neu hinzugefügten Nuancen wie der variable Gesang von ATF Sinner oder das exzellente Drumming, heben das Album aus der grauen Masse. Auf dem Gebiet des Extreme Metal gehören Hate in Polen für mich auf den Thron direkt neben Vader.

Anspieltipps: Rugia, Resurgence und Sun Of Extinction
Florian W.
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