Hell:On – Scythian Stamm

Hell:On auf den Spuren des Nomadenreitervolkes der Skythen

Artist: Hell:On

Herkunft: Zaporizhia, Ukraine

Album: Scythian Stamm

Genre: Death Metal, Thrash Metal

Spiellänge: 54:03 Minuten

Release: 01.11.2020

Label: Hell Serpent Music

Link: https://www.facebook.com/HellonOfficial

Bandmitglieder

Bass – Slayer
Schlagzeug – Leshiy
Gitarre – Hellion
Gitarre – Tony Alien
Gesang – Olexandr Bayev

 Tracklist:

  1. Spreading Chaos
  2. The Architect’s Temple
  3. Ashes Of The Gods
  4. Under The Protection From Beyond
  5. Movements Of The Godless
  6. The Denial Of Death
  7. BSB
  8. Whispers Of The Past Yet To Come
  9. Roaring Silence
  10. My Testament

Vor gut einem Jahr haben Hell:On aus Zaporizhia (Ukraine) noch zusammen mit ihren Kölner Freunden Pripjat die Split Scheibe A Glimpse Beyond herausgebracht.

Am 01.11.2020 ist ihr aktuelles Album Scythian Stamm fünf Jahre nach dem letzten Longplayer veröffentlicht worden. Scythian Stamm ist neben dem Download auch als CD erhältlich. Da bedauere ich jetzt schon, dass es die Scheibe nicht auf Vinyl gibt. Sowohl die Aufmachung (Cover) als auch der Inhalt (Mucke) hätten eine Vinylveröffentlichung verdient. Mal schauen, vielleicht kommt da ja noch was! Scythian Stamm ist zugleich das sechste Album der ukrainischen Death Thrasher. Hell:On servieren uns mit Scythian Stamm ein herrlich geiles, mit orientalischer Folklore angehauchtes Death Metal-orientiertes Album.

Das Album ist schwer, voller Death Brutalität und partiell auch thrashig. Diese Grundsequenz ist mit einer dunklen, schamanischen/orientalisch-folkloristischen Atmosphäre verwoben. Um dies zu unterstreichen, verwendet die Band in einzelnen Songs sogar folkloristische Instrumente wie die Sitar oder die Jaw Harp (Maultrommel). Daneben gibt es auch Hörnergeräusche oder Throat Singing, den traditionellen Kehlkopfgesang, wie wir ihn beispielsweise aus der Mongolei kennen.

Hell:On ließen sich hierbei von dem alten skythischen Grabkomplex auf der Insel Hortitsa in der Nähe ihrer Heimatstadt Zaporizhia inspirieren. Die Skythen waren ein altes Nomadenreitervolk, welches in den Steppen des Schwarzmeerraums lebte. So entstand das Album Scythian Stamm voller Inspiration von Leben, Tod und Ritualen dieses Volkes, eingebettet im brutalen Death Metal.

Der Opener Spreading Chaos hat ein melodisches Intro und wird unversehens zu einem ungezügelten Death Thrasher, voller mächtiger Riffs und endlosen Blastbeats. Kreischende Sololäufe der Gitarren lassen aufhorchen. Ungefähr in der Mitte des Songs bekommt er einen orientalischen Touch, während das Schlagzeug weiterhämmert. Auch die markanten Growls von Olexandr Bayev lassen den Song weiter im Death Bereich existieren.

The Architect’s Temple bewahrt die Brutalität des Death Metals, beinhaltet jedoch auch einige reduzierte folkloristische Elemente. Zugleich bewegt sich der Song wie ein Death Metal Derwisch und versetzt sich selbst und den Hörer in eine Art Trancezustand.

Ashes Of The Gods besitzt direkt von Anfang an einige orientalische Elemente mehr. Schamanisch wirkende Worte untermauern diese. Immer wieder werden richtig dicke Brocken Death Riffs und Growls hineingestreut. Das Schlagzeug dreht unbeeindruckt seine Runden. Der Song bewegt sich wie eine Karawane unter der heißen Wüstensonne und verbreitet so etwas wie einen Karawanengroove (so will ich das mal bezeichnen). Ein Höhepunkt in einem an Höhepunkten reichen Album.

 

Bedrohlich eröffnet Under The Protection From Beyond und wird direkt zu einem Berserker. Neben treibendem, manchmal ausrastendem Schlagzeug und wilden Gitarren hat hier Olexandr Bayev mit seinen tollen Voices einen erheblichen Anteil. Während die Gitarren regelrecht explodieren, bleibt ein Orient-Feeling jederzeit in den harten Klängen verhaftet.

Wer bisher noch nicht begeistert bzw. angetan von diesem Album ist, dem ist einfach nicht mehr zu helfen. Spätestens mit Movements Of The Godless sind wir bei der Halbzeit des Albums auf dessen Höhepunkt. Movements Of The Godless wirkt brutal episch mit kurzen melodischen Momenten. Ein unheimlich drückender Song, der dich in die Ecke schleudert. Mein Favorit auf dem Album, welches überhaupt keinen Schwachpunkt zeigt.

The Denial Of Death hat zu Beginn einen genialen Groove, von dem er sich mit Fortschritt immer weiter wegbewegt und durch hornissenartige Death Metal-Attacken beschossen wird. Immer wieder kommt der Song jedoch auf seinen ursprünglichen Groove zurück.

BSB ist so etwas wie ein schamanisches Ritual. Dunkel und mächtig, voller Spiritualität. Jaw Harp und Throat Singing unterstreichen die Spiritualität, das schamanische Ritual. Beeindruckend, wie Hell:On Spiritualität in Death Metal einfließen lassen, ohne dies eine einfache Vermischung sein zu lassen.

Hörner eröffnen Whispers Of The Past Yet To Come. Das Nomadenreitervolk der Vergangenheit reitet ins Jenseits und zerstört brutal und unnachgiebig die Lebenden. Von orientalischen Klängen angetriebener, zerstörerischer Death Metal. Eine bedrohliche, tote Armee, die sich zu uns hinüberrettet.

Roaring Silence scheint ein endloser Kampf zu sein. Brutalität, Atmosphäre, Spirit und orientalische Musik wechseln und kämpfen gegeneinander. Es ist schwer auszumachen, wer hier im Vorteil ist und wer diesen Kampf gewinnen wird. Ein unabsehbarer, sechsminütiger und erbarmungsloser Kampf.

Das Album endet mit dem Poem My Testament des ukrainischen Poeten Taras Shevchenko (1814 – 1861),  in das wir sehr atmosphärisch eingeführt werden. Dieses Gedicht ist für die freiheitsdenkenden Ukrainer ungemein wichtig und somit ein abschließendes Statement der Band. Beeindruckend hier, neben den auf dem Album durchgängigen Aspekten, die im Death Metal eingebetteten Spoken Words des 2012 verstorbenen ukrainischen Schauspielers Bohdan Stupka.

 

So, jetzt sitze ich hier noch regelrecht geplättet von diesem großartigen Album, welches beinahe an mir vorbei gegangen wäre, da es aus unbekannten Gründen bei unserem Chefredakteur im Spamordner gelandet ist. 😀

Mit Hell:On, die seit Jahren immer wieder in Deutschland auf Tour vorbeikommen und unter anderem auch immer in Koblenz im Florinsmarkt regelmäßig live zu bewundern sind, bin ich seit Jahren freundschaftlich verbunden. Daher haben sie sich gewundert, von mir noch kein Review gelesen zu haben. Also haben sie mich über den Messenger angeschrieben, wieso/ob ich kein Review zum Album machen wolle. Ich hätte es mir nicht verziehen, wenn dieses Album an mir vorbeigezogen wäre!

Hell:On – Scythian Stamm
Fazit
Scythian Stamm ist ein erbarmungsloses und brutales Death Metal Album der Ukrainer voller Spirit und Atmosphäre orientalisch-folkloristischer Musik. Dabei wird hier nicht einfach etwas vermischt und das ist dann eben sehr beeindruckend! Scythian Stamm zählt für mich zu den Top-Alben des Jahres. Ich freue mich, die Jungs nach all dieser Zeit nach Corona mal wieder zu sehen und dann hoffentlich die Live-Umsetzung dieses genialen Albums zu erleben.

Anspieltipps: Ashes Of The Gods, Movements Of The Godless, BSB
Juergen S.
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