Herod – They Were None

“In das tiefe Tal kommt keine Sonne“

Artist: Herod

Herkunft: Vevey, Schweiz

Album: They Were None

Spiellänge: 54:13 Minuten

Genre: Progressive Sludge Metal, Progressive Death Metal

Release: 02.05.2014

Label: Mighty Music

Link: http://www.herodnoise.com

Produktion: Studio Mechanique, La Chaux-de-Fonds von Julien Fehlmann

Bandmitglieder:

Gesang – David Glassey
Gitarre und Bassgitarre – Pierre Carroz
Gitarre – Bertrand Pot
Schlagzeug – Fabien Vodoz

Tracklist:

  1. The Fall
  2. The Glory North
  3. Inner Peace
  4. Northern Lights
  5. Sad Hill Part 1
  6. Albert Fish
  7. We Are The Failure
  8. Betraying Satan
  9. Watch ‚em Die
  10. No Forgiveness For Vultures
  11. Sad Hill Part 2

Herod - They Were None

Im Jahr 2006 hielt sich Pierre Carroz in Schweden auf. In der Einsamkeit seines Appartements kam er auf den Gedanken, die triste und dunkle Stimmung Schwedens zu vertonen. Da er seine Gitarre aus der Schweiz mitgenommen hatte, nahm er die Ergebnisse gleich auf einem Recorder auf. Man kann Herod also im Grunde als das Produkt der Ideen und Inspirationen von Pierre Carroz bezeichnen. Im Jahr 2011 traf er dann in der Schweiz Fabien Vodoz und David Glassey und gemeinsam begannen sie dann, die ursprünglichen Ideen von Pierre Carroz zu verfeinern und weitere Songs zu schreiben. Das Ergebnis dieser gemeinsamen Arbeit ist auf dem Debütalbum They Were None zu hören, das am 02.05.2014 über Mighty Music erschien.

Beim Intro zu The Fall kriege ich irgendwie das Bild einer sich langsam auf mich zu wälzenden und immer höher werdenden Schlammlawine nicht aus dem Kopf. Das erste Lied des Albums ist mit über neun Minuten Spielzeit das längste und zeigt auch gleich, dass dieses Album nicht einfach mal so zu hören ist. In diesem, wie auch in allen anderen Liedern des Albums, gibt es harmonische und djentartige, teilweise aber auch sehr verstörende Riffs der tiefer gestimmten Gitarren, ein sehr präzises und kraftvolles Schlagzeugspiel, teilweise alle Instrumente in einem Chaos versinkend, teilweise sich gegenseitig ergänzend. Dazu der Gesang von David Glassey, der sich im wahrsten Sinne des Wortes die Seele aus dem Leib brüllt. Anders könnte man aber wahrscheinlich gegen das instrumentale Gewitter nicht bestehen. Und es funktioniert auch live hervorragend, zwei Videos vom Auftritt der Band in Pratteln, die dies belegen, stehen auf der Facebook-Seite zum anschauen und -hören bereit.

Etwas zugänglicher, wenn man denn im Zusammenhang mit diesem Album überhaupt davon sprechen kann, ist The Glory North. Der Song geht eher in Richtung Djent, wenngleich auch er sehr progressiv gehalten ist. Northern Lights fängt fast schon doomartig an, und der Text „It’s been six months I didn’t see any sun and another six months maybe before the night will fade away“ drückt dann auch die Grundstimmung aus, die Pierre Carroz in Schweden eingefangen hat. Im letzten Drittel gibt es dann allerdings ein genial chaotisches Aufbäumen, mit dem ich nicht mehr gerechnet hatte.

Es gibt auch zwei Instrumentalstücke auf dem Album, und zwar Sad Hill Part 1 und Sad Hill Part 2. Sad Hill Part 1 fängt, genau wie The Fall, noch sehr ruhig, aber dennoch fast schon bedrohlich an. Erinnert mich an Gruselfilme, wo man nie weiß, was hinter der nächsten Ecke lauert. Insofern kann man, trotz des auch weiterhin langsam gehaltenen Tempos nicht wirklich Luft holen oder sich gar erholen.

Der Song No Forgiveness For Vultures startet mit einem russisch gesprochenen Text. Wie ich einem Interview mit Herod entnommen habe, das in Polen geführt wurde, stammt der Text aus dem Buch Master i Margarita von Michail Afanassjewitsch Bulgakow. Laut dem Interviewer muss jeder Schüler in Polen diese Geschichte auf der Sekundarschule lesen. Die Deutung des Textes überlässt David Glassey allerdings dem Hörer, es könne sowohl politisch als auch satanisch ausgelegt werden.

Mit Sad Hill Part 2 schließt das Album. Die Instrumente gehen langsam in einem sich kontinuierlich auftürmenden, nervenzerfetzenden Grundrauschen unter, die Stille danach ist erst einmal alles andere als beruhigend.

Fazit: Puh, da haben Herod aber einen Brocken hingeschmissen. Ich muss gestehen, beim ersten Mal Hören habe ich nach drei Liedern abgeschaltet. Dieses Album kann einen gnadenlos in ein ganz tiefes Tal ziehen, wenn man sowieso schon nicht ganz so gut drauf ist. Wenn alles passt, kann man dann aber auch die hervorragenden Leistungen aller Bandmitglieder würdigen und zwar allein schon, was das Songwriting betrifft. Ich frage mich ja immer "wie kommt man auf so was?", aber andererseits ist es gut, dass wirklich jemand darauf kommt, denn das ist endlich mal wieder ein Album weg vom Üblichen. Ich hoffe, dass Herod es damit schaffen, die Nische dauerhaft zu besetzen, in der sich die Band anscheinend wohl fühlt und sich eine solide Fanbasis erarbeiten. Ich gehöre definitiv dazu!

Anspieltipps: The Glory North, Northern Lights und Watch 'em Die
Heike L.
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